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Überlebenskampf

Oktober 22, 2014

Wenn man sich wie ich hauptsächlich radelnd durch eine Stadt begibt, setzt man sich einem täglichen Überlebenskampf aus. Das wurde mir heute wieder bewusst, als mich eine Straßenbahn so abdrängte und zum Sprung vom Rad zwang, dass nicht nur ich mir gefährdet vorkam, sondern auch ein Passant sein Entsetzen verbal äußerte. Kopfschüttelnd teilte er mir noch mit, dass er solche Szenen hier jeden Tag beobachte.
Da kam mir eine Umfrage des ADFC nach der Fahrradfreundlichkeit der Städte gerade Recht. Leipzig hätte schon in vergangenen Umfragen eher schlecht abgeschnitten und hintere Plätze belegt, las ich im Begleitschreiben. Nun, ich habe nicht geholfen, das Ranking zu verbessern. Sorry.
Ich hoffe ja, dass so ein Negativimage die Oberen dazu bewegt, etwas zur Verbesserung des Ansehens zu tun. Natürlich können aber in so einer Umfrage nur allgemein gültige Fragen gestellt und beantwortet werden und es ist fraglich, was Verantwortliche daraus ablesen und wie sie es umsetzen. Da ich in letzter Zeit häufig die Produkte öffentlichen Bauens begutachten durfte, zweifle ich stark daran, dass solche Entscheidungen über das Wie und Wo von kompetenten Entscheidern getroffen werden. In diesem Fall von Radfahrern zum Beispiel. Ich meine, von solchen, die täglich fahren und nicht nur am Wochenende, wenn die Sonne grüßt. Solche sollten sich in Leipzig eigentlich zur Genüge finden, denn auch wochentags sind manchmal so viele durch mehr oder weniger Muskelkraft betrieben Zweiräder unterwegs, dass es an Kreuzungen zu Staus kommt. Ja, zu Staus! Da hat man Mühe, noch über die kurze Grünphase zu kommen.
Aber natürlich gab es auch bei dieser Umfrage die Möglichkeit, ganz am Schluss noch ein paar Bemerkungen hinzuzufügen. Und da wies ich auf die teilweise Unsinnigkeit der Anordnung von Radwegen hin (ich beschrieb das schon einmal hier), und, weil ich da wirklich jedes Mal froh bin, das überlebt zu haben, auf die Kurt-Eisner-Straße im Berufsverkehr. Dort gibt es nämlich auf einem kurzen Stück keinen Radweg, auch keinen auf die Straße gemalten. Dort ist der Fußweg zu schmal, um auf ihn auszuweichen. Ich befahre ihn mindestens einmal wöchentlich in Richtung Schleußig, wenn ich direkt von der Uni zur Kleinfamilie radele. Ganz, ganz am Anfang, habe ich mal einen lebensgefährlichen Fehler gemacht. Ich überholte einen an der Haltestelle stehenden Bus! Der störte sich nicht daran, scherte aus, drängte mich auf die zweite Fahrbahn und fuhr los (ich nehme doch an, dass er ordnungsgemäß geblinkt hat…, als ich neben ihm war). So radelte ich bis zur nächsten Ampel zwischen Autos und Bus eingekeilt um mein Leben fürchtend, den Tränen nah, ziemlich verzweifelt, denn natürlich machte auch kein Autofahrer Anstalten, mal zu bremsen und mich hinter den Bus zu lassen.
Gut, so einen Fehler macht man nur einmal. Zum Glück habe ich tatsächlich Gelegenheit, ihn nicht zu wiederholen. Geduldig warte ich hinter jedem wartenden Bus, egal wie lange das dauern mag. Trotzdem habe ich Angst auf diesem Stück Straße.
Aber, ist ja nur durchschnittlich einmal pro Woche.
Wochentäglich dagegen fahre ich ins Büro. Und da teile ich mir auf einem kurzen Stück die Straße mit den rechts parkenden Autos und der links von mir fahrenden Bahn. Ich bin ja nicht lebensmüde, deshalb warte ich heimwärts oft an der Haltestelle, dass die Bahn zuerst in die Straße fährt. Sollte ich doch schon dort sein, rase ich zu einer der zahlreichen Einfahrten ins Klinikum, biege ein und lasse die Bahn vorbei. Manchmal aber bin ich schon zu weit. Manchmal kommt da keine Einfahrt mehr und auch keine Parklücke. Auf dem Weg zur Arbeit sowieso nicht. Da bin ich auf, ja, was ist das, Rücksichtnahme? Intelligenz? der Straßenbahnfahrer angewiesen, darauf, dass sie geduldig hinter mir her trotten, bis ich ausweichen kann. Ich möchte betonen, dass die meisten das machen. Und die anderen… eigentlich höre ich schon, ob ein Fahrer bremst oder nicht. In letzterem Fall gebe ich nach und bringe mich rechtzeitig in Sicherheit, d.h. ich steige ab und warte stehend. Manchmal aber verpasse ich das. Heute zum Beispiel. Heute also klemmte zwischen parkenden Autos und vorbei fahrender Bahn. Da reicht ein kurzer Schlenker. Oder ein zu großes Erschrecken. Ein leichtes Kippeln beim hektischen Absteigen.
Aber eigentlich fühle ich mich wohl auf dem Rad. Und sicher. Auch in Leipzig. Nur an manchen Stellen eben. Bedenklich scheint mir, dass an zwei der mir häufiger vorkommenden Situationen Menschen beteiligt, ja die Ursache meiner Gefährdung sind, die eine Personenbeförderungerlaubnis haben. Menschen also, die in ihrem täglichen Berufsleben für die Sicherheit anderer verantwortlich sind.

Auch Schlübbitage bilden

Oktober 19, 2014

Man sollte nicht meinen, wenn man den ganzen Tag vorm Fernseher abhänge, verblöde man (nur).

Aber nicht über die Mattscheibe huschende Dokumentationen über das Sexualleben von Elefanten oder das Ich-Bewusstsein von Rabenvögeln bestätigten oder erweiterten mein Wissen an heutigem Schlübbitag, sondern, eine Kasachische Nomadin, die so ganz nebenbei, während sie über die Kamelzucht sprach, Manti formte. Manti, Sie erinnern sich, das sind die Brüder und Schwestern der Buusy, nur mit ohne Loch. Die Kasachische Nomadin formte die Manti übrigens genauso wie Buusy. Mit Loch. Weswegen ich mir nicht sicher bin, ob es tatsächlich Manti waren, was sie da zubereitete, oder sich die Filmcrew einfach nicht die Mühe gemacht hatte, nach dem richtigen Namen der Buusy zu fragen bzw. sich diesen zu merken, sind die in Deutschland doch eh unbekannt.

Vorher nämlich sah ich eine Dokumentation über Olchon, die Insel auf dem Baikal, auf der ich unlängst ein paar Tage verbrachte. Die Reportage war von 2014 und erzählte von vier jungen Deutschen, die im Winter ein Café betrieben hatten, das Café Baikal, und zwar in Chuschir, also genau da, wo ich unlängst ein paar Tage verbringen durfte. Vier Wochen waren sie da und die Idee stammte von Nikita. Ja, jenem Nikita. Ein höchst interessanter Film. Nur zwei Dinge wunderten mich: Erstens sprach der Sprecher immer nur vom Christentum und dem Schamanismus, so als gäbe es den Buddhismus nicht. Aber vielleicht dachte man sich auch: weiß in Deutschland eh keiner und Schamanismus klingt allemal besser als Buddhismus und wieso noch eine dritte Religion ins Spiel bringen? Zweitens wurde mehrmals betont, wie wichtig das Café für Chuschir sei und das es weitergeführt werde, auch nachdem die Deutschen um Ostern herum die Insel wieder verließen, schließlich bräuchte der Ort ein Café. Das wunderte mich, denn ich war nur ein paar Tage dort und fand sicher viele Dinge, die das Dorf noch brauchen könne. Einen Mangel an Cafés dagegen hatte ich nicht bemerkt. Insgesamt aber, das möchte ich betonen, war das ein sehr schöner Film. Und positiv. Und vielleicht ist es ja auch wirklich egal, wie viele Cafés Chuschir hat, weiß in Deutschland eh keiner und klingt vielleicht auch besser, wenn da ein paar junge Deutsche, na Sie wissen schon.

So lernte ich also nicht nur, wie eine kasachsiche Nomadin die Manti-Buusy formt, sondern auch, was in Reportagen wichtig ist. Und da sage mal einer, Schlübbitage seien Verschwendung.

Ach. Sie wissen gar nicht, was das für ein Tag ist?

Na einer, an dem man nicht die Wohnung verlässt. Unter.gar.keinen.Umständen!

Und hofft, dass kein Besuch kommt. Einer, an dem man sich maximal zur Couch schleppt. Am besten aber, man bleibt im Bett. Mümmelt rum, liest, zappt sich durchs Fernsehprogramm, spielt sinnfreie Computerspiele. Und das alles ohne Not. Also nicht zum Beispiel, weil man ein Gebrechen hat, oder nichts zum Anziehen. An solchen Tagen werden auch keine Fenster geputzt oder sonstige Hausarbeiten erledigt. Und sie sind natürlich völlig unabhängig vom Wetter, so schön das auch sein mag.

Ihnen allen einen schönen Start in die neue Woche. Ich starte sehr ausgeruht.

Altbekannt und überraschend

Oktober 18, 2014

Jetzt komme ich in den Teil des Stadtteils, den man als Leipziger mit dem Namen Gohlis verbindet. Villen, herrschaftlich bürgerliche Häuser, Gründerzeit, das Gohliser Schlösschen, Schiller… nicht die Krochsiedlung oder gar die Georg-Schuhmann-Straße (obwohl letztere natürlich auch durch diesen Teil führt).

Gohlis-Süd mit dem alten Ortskern. 1890 kam die bis dahin selbstständige Gemeinde, die vermutlich als Dorf von sorbischen Siedlern schon im 7. Jahrhundert gegründet wurde, zur Stadt Leipzig. Um die Wohnungsnachfrage der schnell wachsenden Leipziger Bevölkerung zu decken, wurden in den 1920er und 1930er Jahren neue Bebauungsflächen erschlossen. U.a. entstand die schon erwähnte und beschriebene Krochsiedlung.

1992 wurde der riesige Stadtteil in drei Ortsteile aufgegliedert: Nord, Mitte und Süd.

Hier im Süden, wo ich mich jetzt befinde, arbeite Friedrich Schiller am 2. Akt des „Don Carlos“ und an einer ersten Fassung der „Ode an die Freude“. Aber ich werde Ihnen nicht das Schillerhaus zeigen und auch nicht das Gohliser Schlösschen, das finden Sie in jedem Reiseführer über Leipzig.

Ich will Sie ja teilhaben lassen an meiner Entdeckungsreise. Und die birgt einige Überraschungen. Zum Beispiel sind gar nicht alle Häuser saniert. Einige sind sogar in einem mehr als bedauernswerten Zustand. Hoffentlich fangen die nicht irgendwann ausversehen an zu brennen. Vor 8 Jahren passierte das ja schon einmal einigen alten, stark sanierungsbedürftigen, denkmalgeschützten Gebäuden.

Völlig überrumpelt werde ich von der Begegnung mit der Freien Oberschule Gohlis. Die entstand 1997 und mir ist nicht ganz klar, ob sie in Konkurrenz zur Freien Schule Leipzig oder als Alternative zu ihr gegründet wurde. Jedenfalls ging das Große Kind ja im 1. Schuljahr an die Freie Schule, die war da noch in der Südvorstadt. Irgendwo in diesem Blog schrieb ich darüber.

Am Kirchplatz bin ich etwas verwirrt, Michaelis-Friedens-Kirchgemeinde? Ist die Michaeliskirche nicht am Nordplatz? Ich war da eine Zeitlang als junger Mensch. Sollte ich nicht gewusst haben, im Keller welcher Kirche ich mir furchtbar subversiv vorkam? Zu Haus gucke ich bei Tante G. und finde heraus: Friedenskirche, 1871 begann man mit dem Bau im neugotischen Stil für die gerade entstandene eigenständige Kirchgemeinde, die 1999 (da war ich längst nicht mehr jung genug, um in irgendwelchen Kirchenkellern charismatischen Rauschebärten jeden Mist zu glauben) mit der Michaelisgemeinde fusionierte.

Und natürlich, obwohl Sie DIE Kneipe auch in jedem Reiseführer finden werden, erlaube ich mir doch ein Fotöchen hier zu zeigen. Die Gosekneipe „Ohne Bedenken“. Ich persönlich mag Gose ja überhaupt nicht, ein obergäriges Bier, das laut Wiki vor allem in der Gegend Dessau, Leipzig, Halle getrunken wird. Nun ist das alles eine Ecke, trotzdem kenne ich Gose nur hier in der Stadt, allerdings, das gebe ich zu, suche ich auch nicht in den anderen zwei genannten nach der Brühe. Wie ich schon sagte, ich mag es nicht. Aber die Kneipe hat einen hübschen Freisitz, wo man durchaus auch andere Biere trinken kann.

Auf einer Distanz von 700 Metern erinnern Stolpersteine an das Schicksal drei jüdischer Familien.

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In der Menckestraße lebte der Kaufmann Louis Henry Cohn mit seiner Ehefrau Paula und den Söhnen Ernst und Günther. Alle vier waren waschechte Leipziger, alle vier waren in der Stadt geboren. Die Eltern waren nach Gründung der „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“ dort angestellt. Ein Fluchtversuch im Mai 1940 misslang. Louis Cohn wurde am 11.11.1942 verhaftet und einen Monat später nach Auschwitz deportiert, wo er am 6. Februar 1942 im Alter von 47 Jahren ermordet wurde. Seine Frau musste zunächst Zwangsarbeit in der Roscherstraße 19 verrichten. Am 17.2 1943 wurden sie und ihre Söhne zunächst nach Berlin, dann nach Auschwitz deportiert, wo sich sowohl ihre Spur als auch die ihres älteren Sohnes verliert. Günther Cohn wurde am 24.5.1943 im Alter von 19 Jahren ermordet.

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Nur 400m sind es zum Poetenweg 15, dem letzten Wohnsitz der Familie Philippsohn. Der Kaufmann und Bankangestellte Walter Philippsohn wurde in der Folge der Pogromnacht im Rahmen einer „Sonderaktion“ am 12.11.1938 verhaftet und nach Sachsenhausen deportiert. Offensichtlich kann er wieder frei, denn am 27.2. 1943 wurde die gesamte Familie zunächst nach Dresden-Hellerberg und am 1.3.1943 weiter nach Auschwitz deportiert, wo sich ihre Spur verlor. Walter Philippsohn wurde 46, seine Frau Erna Philippsohn 43 und ihr gemeinsamer Sohn Werner Philippsohn 16 Jahre alt.

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Weitere 300m stehe ich in der Ehrensteinstraße 32 vor den Stolpersteinen, die an die Familie Gattermeyer erinnern. Der Bankdirektor Hermann Gottfried Gattermeyer uns seine jüdisch-stämmige Frau Lilli Meyer wurden 1926 in München getraut. Zwei Jahre später wurde ihre Tochter Gertraud geboren. Seit 1937 lebte die Familie in der Ehrensteinstr.32 in Leipzig. Die Aufforderung, sich in der Sammelstelle zum Transport nach Theresienstadt einzufinden, erhielten alle drei am 12.2.1945(!). Drei Tage später entzog sich die Familie diesem Schicksal durch den Freitod.

 

Bisherige Abschnitte:

Der Norden, ein weißer Fleck     tief im Norden     Stadt Dorf Widerstand

form follows function     Drei Geschichten vom Mut

Das Leid der Mütter     Eu, die Rietzschke     Unerwünschte Nachbarn- Gerstern und heute

Stopler(wander)tag 1 – Unerwünschte Nachbarn- gestern und heute

Oktober 16, 2014

Letztes Jahr im Oktober erschloss ich mir den Leipziger Norden, den ich eigentlich fast bis gar nicht kenne, dadurch, dass ich von Stolperstein zu Stolperstein wanderte. Interessante Entdeckungen habe ich da gemacht, mich mit Lebensläufen beschäftigt, der Geschichte der Stadtteile, der Fabriken, einzelner Häuser. Manchem Leser mag es etwas befremdlich vorgekommen sein, wenn ich in einem Absatz vom Schicksal der Deportierten erzählte und im nächsten vom Angebot einer lokalen Bäckerei oder einem Nachbarschaftsladen. Aber mir schien und scheint genau diese zeitgleiche Betrachtung des Alltags und der ungeheuerlichen Schicksale ein probates Mittel zu sein, denn spielten sich letztere nicht in einem vergangenen Alltag ab? Das Leben ging weiter, während Nachbarn sich in Sammelstellen einfanden oder aus ihren Wohnungen und für immer verschwanden.
Wer wehrte sich dagegen? Wie würden wir heute reagieren?
Vielleicht glauben wir, dass wir heute zu aufgeklärt sind, dass so etwas in einer Demokratie nicht möglich sei? Aber wo ist denn der Garant für die Demokratie? Und wer?
Letztes Jahr schaffte ich es nicht, den ganzen Weg zu beschreiben. Nun, nicht ganz einen Monat vor dem 9. November, will ich damit fortfahren.
Meine Bericht endete in der Theresienstraße, in Eutritzsch, und von dort aus lief ich in die Wilhelm- Sammet- Straße 11. Das Haus gehört laut Google noch zu Eutritzsch, Gohlis beginnt genau an der Ecke.
Gohlis gilt als besonders vornehm. Als nobel. Wobei die meisten Menschen wohl eher an den Kickerlingsberg denken, Poetenweg, das Gohliser Schlösschen, die Menckestraße und natürlich: das Schillerhaus. Man denkt an Villen und herrschaftliche Häuser, die Gohseschenke und das Rosental. Die Mietskasernen stehen im Osten und in Connewitz, in Lindenau.
Gohlis hat natürlich viel mehr zu bieten. Auf meiner Wanderung habe ich den Ortsteil schon mehrfach gekreuzt und mich über eben Mietskasernen gewundert. In letzter Zeit aber machte Gohlis noch ganz anders von sich Reden.
Da gibt es eine Bürgerinitiative, die sich nicht nur gegen den Bau einer Moschee wehrte, natürlich betonte sie in einer Petition, dass sie nicht gegen Religionsfreiheit sei, aber der Meinung, dass es in Leipzig genügend islamische Gebetshäuser gäbe und vor allem Gohlis keins brauche, sondern auch gegen die Errichtung eines Asylbewerberheims Sturm läuft. Schließlich sei der Stadtteil in den letzten Jahren sehr schön geworden, mit den restaurierten Gründerzeithäusern usw. (ich verzichte auf Verlinkungen).
Es ist sicher falsch, alle, die gegen Moscheen protestieren und Angst vor Asylbewerberheimen haben, als Nazis zu bezeichnen. Häufig ist Unwissenheit die Ursache dieser Angst. Und unsere Medien tun ja auch alles, um diese Angst zu schüren, gegen „Islamisten“, gegen Flüchtlinge, gegen alles Fremde. Schließlich und endlich versagen auch die „demokratischen“ Politiker immer wieder und auf ganzer Linie. Denn statt der Angst mit Aufklärung zu begegnen, überlassen sie das Feld gern den Herren und Damen einschlägig bekannter rechter Parteien und Gruppierungen.
Sieht man sich das Theater an, wundert sich über Reaktionen, die auf Reaktionen folgen, fällt es schwer, zu glauben, dass die ungeheuerlichen Dinge, die sich vor 70 Jahren in unserer Nachbarschaft abspielten, sich so nicht wieder ereignen könnten. Aufgeklärt? Demokratie? Glaubten die in der Weimarer Republik nicht auch und genau daran?
Gut, heute wehren sich Bürger dagegen, auch gegen die genannten Beispiele. Aber noch leben wir ja in einer Demokratie. Wo werden diese aufgeklärten Bürger sein, wenn das System ein anderes sein wird? Wo werde ich sein?
So gesehen, stehen die Steine, über die ich in Gohlis stolperte, in einem ganz besonderen Bezug zur Gegenwart. Vielleicht sollte man alle, die jene unselige Petition unterschrieben, zu diesen Orten der Erinnerung führen. Genug gibt es in ihrem Stadtteil ja.
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In der Wilhelm- Sammet- Straße 11, das Haus gehört eigentlich noch zu Eutritzsch, Gohlis beginnt genau an der Hausecke, aber hier sieht es schon sehr so aus, wie man sich den benachbarten Stadtteil vorstellt, sehr idyllisch, sehr grün, Kleinbürgerlichkeit mischt sich mit diesem gewissen Touch von Kreativität, lebten Adolf Abraham und Gisela Fechenbach.
Das Kaufmannsehepaar hatte drei Kinder. Ihrem Sohn Götz und der jüngeren Tochter Gertraude gelang die Emigration nach Kolumbien. Ilse, ihre ältere Tochter, ging mit ihrem Ehemann Oscar Kaufmann und dem 1938 geborenen Enkel nach Prag, von wo die junge Familie am 16.10. 1941 zunächst in das Ghetto Lodz und im Mai 1942 in das Vernichtungslager Kulmhof deportiert wurde.
Das Ehepaar Fechenbach wurde am 18.9. 1942 erst nach Theresienstadt und am 9.10.1944 nach Auschwitz deportiert. Beide wurden im Alter vom 57 Jahren ermordet.

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In der Georg-Schuhmann-Straße 78, die Straße, ich erwähnte es früher schon, die einem eher nicht einfällt, wenn man an das mondäne Gohlis denkt, finde ich die an Paula und Eugen Hammel erinnernden Stolpersteine. Das Ehepaar, dessen Tochter Käti den Holocaust überlebte, musste einen sogenannten „Heimeinkaufsvertrag“ abschließen, d.h., sie mussten für Theresienstadt, wohin sie am 19.9.1942 deportiert wurden, auch noch bezahlen. Zynischer kann ein Verbrechen nicht sein. Eugen Hammel starb 73-jährig im Ghetto, seine Frau wurde am 9.10.1942 nach Auschwitz deportiert und sofort nach ihrer Ankunft ermordet. Sie wurde 69 Jahre alt.

Die Bilder dürfen durchaus als nicht zum Text passend empfunden werden.

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Bisherige Abschnitte:

Der Norden, ein weißer Fleck     tief im Norden     Stadt Dorf Widerstand

form follows function     Drei Geschichten vom Mut

Das Leid der Mütter     Eu, die Rietzschke

Schuld sind die Schweizer

Oktober 15, 2014
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Erinnern Sie sich? Die Schweiz war Schwerpunktland der letzten Leipziger Buchmesse und hatte sich als solches einige Aktionen einfallen lassen.Lesungen in Leipziger Wohnstuben, Ansagen in der Straßenbahn und Lesebänke.

Rote Lesebänke.

Verteilt auf die ganze Stadt.

Ich habe eine Weile nach ihnen gesucht, allein, ich habe keine gefunden. Wahrscheinlich, dachte ich mir, sind sie wieder eingesammelt und weggeräumt worden, kaum das die Messe vorbei und die Schweizer wieder abgereist waren.

Und nun?

Im Herbst sitze ich gern draußen im Park. Also, ich mache das im Sommer auch recht gern. Aber im Herbst, da, wo man nicht mehr so auf der Wiese hocken kann, weil die Kälte dann unangenehm in den Körper kriecht, da habe ich so meine Lieblingsecke im Park. Ziemlich zentral. Und doch recht einsam. Das mag daran liegen, dass da kein asphaltierter Weg hindurch führt, nicht mal ein planer Waldweg.Viel zu rumplig für Räder und Kinderwagen, Stufen muss man auch noch steigen. Vor allem aber, es gibt da eigentlich keine Bänke. Nur so holzverkleidete Mauern. Auf denen man aber wunderbar sitzen kann.

Als ich nun letztens das erste Mal im Herbst wieder da war, fiel es mir nicht sofort auf. Nur, dass plötzlich viele Menschen da rum saßen. Liebespaare und Familien mit Kindern. Die Kinder freilich saßen nicht, die rannten rum und spielten Ball. Ich wunderte mich. Doch erst als ich zu meiner Stammmauer kam, sah ich sie. Lesebänke!

Rote Lesebänke.

Endlich habe ich welche gefunden.

Andere dummerweise auch

Herbstspaziergang

Oktober 13, 2014

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Fehlgeschlagene Konditionierung

Oktober 12, 2014

Da gibt man sich alle Mühe, auch so als Oma.

Kramt die vor Jahren für die Kinder gebastelten Puppen aus dunklen Ecken.

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Gerlinde und Puppi.

Findet auch die Babypuppe irgendwo. Die ist zwar nicht ganz so ökologisch, aber immerhin nicht neu

 

Yosha

Yosha

Und was fährt die Prinzessin dann spazieren? Nicht nur durch den Park sondern auch durch Connewitz, übers Feinkostgelände und so Gegenden?

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Die fand sich, als ich die alte Puppenstube und den Kaufmannsladen vom Boden räumte und heißt folgerichtig auch Puppenstube.

Immerhin, sie war nackt und ich nutzte die Chance, sie wenigstens öko-bio-alternativ zu bekleiden.

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selbstgestrickt natürlich

Trotzdem…

warte ich auf den Tag, da die Prinzessin die politisch korrekte Wahl trifft

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Yosha, Gerlinde, Puppi undPuppenstube

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