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Weißes Speisen und Geschichten aus vergangenen Tagen

August 22, 2014

11. Juni, Olchon, ein langer Freitag, Teil II

Pünktlich 19:00 Uhr legen wir am Hafen in Chuschir an, bedanken uns artig, klettern vom Boot, hüpfen über den Steg und da steht auch schon der Van, der uns zurück ins Minihotel bringt.

45 mim später, es haben sich tatsächlich genügend Interessenten gefunden, holt uns ein anderer Van ab und wir fahren zum Burjatskaja Derewnja, dem Burjatischen Dorf.

Zwei Frauen in Nationaltracht empfangen uns mit Milch. Weiß ist ihnen heilig, deshalb empfangen sie Gäste, so erzählt die ältere der beiden, mit weißen Speisen und Getränken. Bevor wir aber am Schälchen nippen, halten sie uns Rauch unter die Nasen. Weißer Rauch natürlich. Das vertreibt die bösen Geister, oder so.

Auf dem Hof stehen eine Jurte aus Tierhaut, eine aus Holz, eine überdachte Terrasse und allerhand langsam verfallendes Arbeitsgerät wie Schlitten, Kahn usw. Die Oma, heute 87 Jahre alt, hat das alles aufgehoben und für die Nachwelt bewahrt. Das Zeug ist also nicht von irgendwo hergeholt, sondern wurde in der Familie so tatsächlich früher benutzt. Die Familie wohnt gleich nebenan, in einem großen, neueren Holzhaus. Früher hat die Großmutter selber durch das kleine Anwesen geführt, kann das aber krankheits- und altersbedingt nicht mehr.

Die junge Frau verschwindet und wir folgen der älteren in die Holzjurte. Die ist wie die aus Tierhäuten rund. Damit sich in den Ecken keine bösen Geister einnisten können. Innen erwartet uns ein Sammelsurium an Geräten, Kleidungsstücken, Fotos, alten Schulbüchern, Erinnerungen.

In den Jurten gab es eine Seite für die Frauen, und eine für die Männer. Wo die ihre vielen Kinder gemacht haben, traue ich mich nicht zu fragen. Die Oma hatte immerhin 13, dazu kommen 80 Enkel und aktuell 50 Urenkel. Heute haben burjatische Frauen nicht mehr so viel Kinder, die, die uns hier alles erklärt, sieht auch, abgesehen von der Tracht, ziemlich modern aus. Wir bestaunen Hochzeits- und Alltagskleider, Betten, Jagd- und Fischfanggeräte, Robbenfelle und eine Hose aus solchen. Die sieht ziemlich unförmig aus, soll aber absolut wasserdicht sein und warm.

Die Burjaten jagen heute keine Robben mehr. Anders als zum Beispiel die Inuit für Wale haben sie keine Sondergenehmigung. Laut dem Guide vom Schiff leidet der Baikalsee ja unter einer Robbenplage. Ich bin sehr gespannt, ob, wenn das absolute Jagdverbot dereinst aufgehoben werden wird, dann die Einheimischen wieder auf Robbenfang gehen dürfen, oder ob sich dieses Privileg neureiche gelangweilte Russen erkaufen werden.

Die Frau redet ohne Punkt und Komma und sogar die Cousine hat Schwierigkeiten, sie zu verstehen. Ich habe längst abgeschaltet und sehe mich lieber um.

Nach dem kleinen Exkurs in Sachen traditioneller Lebensweise gibt es auf der Terrasse Essen. Der Tee ist nicht weiß, das sehe ich sofort und Galina, die gute Seele unseres Hotels, wird, als wir ihr das erzählen, die Stirn runzeln und sagen, dass es auch weißen Tee gibt. Es gibt aber weißes Brot und Salamat (burjatischer Käse), Smetana (Sahne) und Tworok (Quark). Letzterer  ist zwar besser als der russische, aber trotzdem nicht mein Ding.

Und dann sehen wir, dass die Familie trotzdem noch groß genug sein muss. Immer wieder kommen neue Nichten oder Neffen durch das Tor und erfreuen uns mit unterschiedlichen Darbietungen. Zwei Jungs ringen, wie bei den Mongolen ist das auch der Burjaten Nationalsport. Ein kleines Mädchen singt, burjatisch, aber Samolot (Flugzeug) ist russisch, das verstehe ich. Ein anderes Mädchen spielt auf einem Zupfinstrument, jemand sagt ein Gedicht auf, es werden Geschichten erzählt und wir müssen Rätsel lösen.

Der Höhepunkt aber ist die junge Frau, die bei der Begrüßung dabei war. Kennen Sie mongolische Gesänge? Nicht dieses Gepiepse, sondern diese kräftigen Kehlkopflaute? Ich habe lange im Netz gesucht, um etwas derartiges zu finden. Leider vergeblich.

Die junge Frau singt und versetzt uns sofort zurück in eine Zeit vor unserer Zeit. Wir sind in der Steppe. Pferdeherden bis zum Horizont. Der Wind zerrt an den Jurten. Staub wirbelt auf.

Ich bin total hin und weg.

Die junge Frau ist wirklich der Höhepunkt, denn sie beendet das kleine Kulturprogramm und wir sind dran. Alle großen und kleinen Künstler kommen noch einmal auf den Hof, verteilen sich unters Volk, wir bilden einen Kreis und kriegen im Crashkurs drei Tänze beigebracht. Fragen Sie mich nicht. Und, nein, davon gibt es keine Fotos. Ich mußte ja tanzen.

Dann öffnet die Chefin ein kleines Büro, in dem wir bezahlen und wer will, ein paar Souvenirs kaufen kann. Finde ich gut, dass das Geld direkt an die Familie geht und nicht nur teilweise über eine Agentur bezahlt mit den entsprechenden Abzügen ihr zugutekommt.

Auch diese Bilder werden beim Anklicken groß

Zwischen Baklan, Buusy und Buddhismus

August 20, 2014

11. Juni 2014, Olchon, ein langer Freitag, Teil 1

Der Nachteil an der Insel Olchon ist, dass man so zu Fuß nicht viel machen kann, außer am Strand rumlümmeln. Man könnte natürlich wandern. Aber es gibt nicht wirklich Wanderwege, am Strand und den Buchten entlang sind wir gestern schon und zum Radfahren ist es einfach zu staubig.

Das Hostel hatte ja mit allerlei Aktivitäten geworben, davon sehen wir hier nichts.

Aber es gibt anderes. Es werden unterschiedliche Ausflüge angeboten. Nicht nur im Hostel, sondern auch im gesamten Ort. Genau genommen werden überall die gleichen Ausflüge angeboten. Und Fahrräder kann man auch überall ausleihen. Aber zum Radfahren ist es wirklich zu staubig. Die Franzosen, die wir bei unserer Ankunft in Irkutsk in Galinas Hostel kennen gelernt haben, schwärmen uns von einem Ausflug zu einem heiligen Ort vor. Mit Kleinbus. Nee. Das ist auch zu staubig. Und zu ruckelig. Reiten wäre cool. Aber dann sehe ich so eine Gruppe. Das sind alles Nichtreiter, da geht es gemächlich im Schritte einen halben Kilometer in die eine Richtung und dann wieder zurück. Staubig kann da nix werden, aber Spaß kommt da auch nicht auf.

Also Bootstouren! Manche sind täglich, manche nur, wenn sich genug Leute melden. So verhält es sich übrigens auch mit dem Besuch des Museumshofes in Klein Chuschir. Also melden wir uns für eine Bootsfahrt nach Olgoi und zu irgendwelchen heiligen Quellen an und, falls sich genug Leute finden, zum Besuch des Hofes. Allerdings, sollten sich ausgerechnet heute genug Interessenten finden, wird das verdammt knapp. Und wer weiß, ob das so hinhaut, dass wir 18:00 Uhr zurück und dann abgeholt und pünktlich hier sind, um 19:00 Uhr wieder im nächsten Bus sitzen zu können. Nur, morgen könnte es eine Robbentour geben, und die will ich keinesfalls verpassen. Robbentouren gibt’s auch nur nach Bedarf.

Also

10:45 Uhr holt uns der Van vom Minihotel ab. Das klappt schon mal gut.

Am Hafen stehen 3 Schiffe, zu Ausflugsdampfern umgebaute Fischkutter. Kennt man ja aus anderen Ländern. Wenn die hier aber auch mal noch mehr Besucher aus anderen Ländern, die nicht unter die Kategorie Abenteuertouristen fallen, haben wollen, müssen die unbedingt was am Steg machen. (Bild gibt’s im nächsten Blog*). Aber manchmal bin ich mir gar nicht sicher, ob die hier in Sibirien so erpicht auf ausländische Touristen sind. Natürlich freuen sie sich, aber eigentlich haben die genug einheimische, also russische Urlauber.

Wir klettern über den Steg und hopsen aufs Boot.

Ich bin von gestern total verbrannt und dankbar, dass es, kaum hat der Kutter abgelegt, kühl auf dem Wasser ist. Da kann ich meinen Pullover überstreifen. Es gibt auch Schwimmwesten. Allerdings nur 25. Wir sind aber 27 Passagiere, der Guide hat genau gezählt und immer wieder betont, dass auf jeden Kahn nur besagte Anzahl darf.

Nach 90 min erreichen wir Olgoi. Auf der Fahrt erzählt der Guide viel über den Baikalsee, die Burjaten, den Schamanismus, den Buddhismus, die Fischerei, den Baklan, die Möwen, Robben (Nerpa), Wölfe und den Omul.

Also, Omuls gibt es nämlich nicht mehr soviel. Und daran ist, natürlich, die Baikalrobbe Schuld. Die darf nämlich nicht mehr gejagt werden, seit sie im letzten Jahrhundert fast ausgerottet wurde, vermehrt sich fröhlich und frisst den armen Leuten den ganzen Omul weg.

Und dann ist da der Baklan. Das ist ein Vogel, kleiner aber kräftiger als Möwen, vertreibt er diese aus ihren Brutgebieten. Für die Burjaten ist das einerseits tragisch, weil ihnen die Farbe weiß heilig ist und von Möwen okkupierte Felsen nun mal weiß aussehen. Baklane sind schwarz. Mir sehen sie aus wie Komorane. Aber nein, verneinen die Einheimischen, das sind Baklane**. Und natürlich, die vertreiben nicht nur die schönen Möwen, die fressen auch den ganzen Omul weg. 25m tief können die tauchen! Und dann die Robben.

Ich denke an die geschlossene Fischverarbeitungsfabrik und wie viel Omul da wohl früher „verarbeitet“ und vermutlich nicht nur nach ganz Russland geliefert wurde und mir im Übrigen meinen Teil. Kennt man ja. Hat der Mensch zu sehr Raubbau an der Natur betrieben, sind immer irgendwelche Tiere Schuld, wenn die Ernten plötzlich ausbleiben, egal ob auf dem Feld oder im Wasser. Und Wölfe ernähren sich sowieso und ausschließlich von Schafen. Und Großmüttern.

Die Schiffsjungen und der Guide werden irgendwann die Möwen füttern, kurz bevor der Kutter an so einem nun von den Baklan okkupierten Felsen vorbei fährt. Aber wenn Sie genau gucken, sehen Sie noch die eine oder andere Möwe. Die taten mir dann doch leid. Kamen mir vor wie Vertriebene.

Auf der Insel Olgoi steht eine Stupa. Von allen Seiten soll sie zu sehen sein. Im unteren Teil, dem aus Natursteinen, beherbergt sie irgendwelche Reliquien, dann im weißen Teil in den ersten drei Stufen 5000 Bücher.

Fünftausend!

Ein paar Lamas waren drei Monate damit beschäftigt, jedes der 5000 Bücher anzulesen und damit zu heiligen, wobei wichtig ist, dass keins zu Ende gelesen wurde. In der runden Kuppel liegt eine Frau, oder Frauengestalt, mit langen, struppeligen Haaren. Sie ist nicht gläubig und verkörpert den Sieg über das Böse. Dann kommen die Augen Buddhas und dann 13 Blini. 13, weil Buddhas Erleuchtung am 13. Juni stattfand. Oder so.

Das erzählt mir die Cousine, denn ich renne rum, statt zuzuhören. Und dann rennen, nein sie laufen natürlich, alle im Uhrzeigersinn um die Stupa. Barfuß, barhäuptig und mit erhobenen Händen. Und warten auf Erleuchtung. 1x, 3x,7, 21 oder 108 Runden muss man so drehen, um erleuchtet zu werden. Ich fotografiere das lieber.

Die Cousine aber ist ganz begeistert. Irgendwo in Tibet soll es einen Tempel oder was auch immer geben, da ist eine Runde 54 km lang.

Ich finde die kleinen Stein“kirchen“ bemerkenswerter. Die bauen Buddhisten, wenn sie aus dem Tempel kommen. Oder die Stupa oft genug umrundet haben. Das aber widerspricht dem Schamanismus der Burjaten. Denn nach deren Glauben wohnen in der Erde Geister, und wenn man der Erde etwas entnimmt, können die Geiser an die Oberfläche kommen.

Während der Weiterfahrt zum Festland und der heiligen Quelle gibt es Verpflegung. So richtig mit Vor- und Hauptspeise, Kuchen und Tee. Leider sind wir nicht in der Gruppe, in der ein Teilnehmer den Wodka aus dem Beutel holt und an alle verteilt. Neidisch schaue ich der Truppe zu.

Die heiligen Quellen sind der reinste Touristennepp.

Aber die Buusi oder, wie die Russen sagen, Posi, in der Kneipe am Strand sind jede Reise wert. Die sind so frisch gekocht, dass die Köchin bei unserer Ankunft die Bestellung aufgenommen hat und dann, während wir an den Quellen waren, gekocht hat. Und zwar auf eine ziemlich urtümliche Weise. Buusy sind eine traditionelle burjatische Speise, nämlich mit Hammel-, Rind- und Pferdefleisch gefüllte große Teigtaschen. Man könnte sie mit Pelmeni oder Maultaschen vergleichen, nur viel größer. Und sie werden so gekocht, dass die Brühe, die beim Dünsten des Fleisches entsteht, in der Teigtasche bleibt. Fragen Sie mich nicht. Aber es ist extrem lecker. Und am leckersten war es da bei diesen Burjaten am Strand.

Dort ist auch ein kleiner Inlandsee mit ziemlich warmen Wasser, aber die Cousine und ich reden wieder mal aneinander vorbei und so sitzen wir nur da und schauen den anderen beim Baden zu.

Oh je, jetzt habe ich Sie wieder zugetextet. Dabei…, das erzähle ich im nächsten Blog. * Das heißt dann, das Bild vom Steg gibt es erst später.

**Es ist natürlich ein Vogel aus der Familie der Komorane. Im Russischen heißt Komoran dann auch Großer Baklan.

Wie gehabt: Drauf klicken = groß gucken

Wie wir einen Heuschreck fotografiert und sehr viel gegessen haben

August 18, 2014

Olchon, Donnerstag, 10. Juli 2014 

Das Frühstück im Mini Otel ist aber nun mal ganz russisch. Und damit meine ich nicht wundersam oder improvisiert, wofür wir hier im Osten der Republik ja gern mal den Ausdruck Russisch verwenden, sondern im wahrsten Wortsinne Russisch. Buchweizengrütze, Blinis mit saurer Sahne, Kuchen, Graubrot und der Kaffee ist natürlich Instand. Klar, sind ja eigentlich auch nur Russen hier, warum soll es da etwas anderes geben, als, was die Russen gewohnt sind. Die Ausländer logieren bei Nikita.

Nun bin ich ein Fan der russischen Eierkuchen. In Moskau war das sogar eine meiner ersten Amtshandlungen: Blini essen! Wer weiß, wann ich das wieder kriege, könnte ich sagen, habe ich gedacht. Aber ich habe gar nicht gedacht.

Russland= Blini, das ist Pawlowsch, da kann ich nix gegen machen. Ich hätte ja auch wirklich nie gedacht, dass der Punkt kommen würde, wo ich auch mal ein Frühstück ohne die russischen Eierkuchen gewählt hätte. Wenn das im Angebot gewesen wäre. Aber Buchweizengrütze! Sagte ich schon, dass ich die hasse? Also doch lieber die Blini.

Dann laufen wir an der Küste entlang nach Klein-Chuschir, zum burjatischen Dorf. Es ist unglaublich heiß und wir lassen uns ordentlich Zeit. Auf diesem Teil der Insel gibt es keinen Wald, der beginnt erst so 2 km hinter dem Hauptort. Ob das immer so war oder die Versteppung durch den massiven Holzeinschlag entstand, weiß ich natürlich nicht. Sieht mir aber ein bisschen nach selbst verschuldeten Kollaps aus.

Und der nächste steht der Insel ganz sicher bevor. Denn seit es hier Strom gibt, ich erwähnte es gestern, setzte hier ein Bauboom ein. Das ist überall zu sehen. Vor allem entstehen Ferienanlagen. Nur scheint niemand dafür einen Plan zu haben, es sieht so aus, als baue jeder wie er will und wo er lustig ist. Dort, wo wir glauben, den Rauch eines Feuers, gar eines Brandes zu sehen, fährt nur ein Auto durch die baumlose Steppe, denn befestigte Straßen gibt es ja auch nicht. Also fährt auch jeder wie er will und so nah als möglich an den Strand. Das kann nicht gut gehen, wenn immer mehr Touristen kommen. Am Strand an unserem Hotel klafft schon eine große Erosionsspalte. Und! Es gibt ganz offensichtlich keine Kanalisation. Das Wasser des Baikalsees hat Trinkwasserqualität. Wie lange noch, bleibt abzuwarten.

Am Hafen erwartet uns ein Schiffsfriedhof. Neben der längst nicht mehr arbeitenden Fischverarbeitungsfabrik liegen die Wracks im Sand. Gleich daneben steht eine neue Ferienhausanlage mit Zugang zum Strand. Die scheint aber nicht recht vermietet zu sein. Vielleicht ist sie nicht fertig geworden, vielleicht ist sie zu teuer.

Dann haben wir Chuschir hinter uns gelassen und staunen über die Pflanzen, die dem sandigen Boden ihr Leben abtrotzen. Sie wissen ja, ich habe es nicht so mit Pflanzen, aber diese kleinen tapferen Gesellen nötigen mir Respekt ab. Doch als wir einen kleinen Sumpf hinter der Düne durchqueren, verliere ich die Cousine, war ja klar.

Tiere gibt es sehr wenige. Also natürlich Pferde und Kühe und Möwen und im Wasser recht viel Fisch. Aber sonst flattert nicht allzu viel Getier durch die Gegend. Das mag der Grund dafür sein, dass wir uns sicher 30 min mit dem Versuch beschäftigen, einen Heuschreck zu fotografieren. Ich nehme ihn ins Visier, die Cousine stampft mit dem Fuß und dann … dann hab ich ihn doch nicht auf die Speicherkarte gebannt. Auch mit Dauerfoto nicht. Nur so ein bisschen.  Schauen Sie:

In Klein Chuschir gibt es eine Art Ausstellungshof, aber der ist geschlossen und wohl nur offen, wenn eine „Exkursion“ kommt. Ansonsten leben die Burjaten nicht anders als die Russen. Im Dorf entsteht sogar eine Ferienanlage. Um aber kein falsches Bild aufkommen zu lassen, im Hauptort gehören zumindest einige Niederlassungen auch Burjaten, wie zum Beispiel Baikalterra, zu dem ja unser Mini Otel gehört. Und dort arbeiten auch viele dieser Minderheit. Von Rassismus haben wir auf Olchon nichts mitgekriegt, aber wir sind Touristen, da ist es schwierig, tiefer zu blicken und in unserem Hotel arbeiten fast nur Burjaten. Die Gäste freilich sind Russen und wir. Was uns viel mehr aufstößt, ist, dass die Kinder seit dem letzten Schuljahr nicht mehr wie früher bis zur 4. Klasse zweisprachig unterrichtet werden. Jetzt ist diese Art Unterricht fakultativ, ansonsten gilt russisch. Und das scheint uns doch ein Rückschritt in der Burjatischen Autonomen Republik.

Zurück im Hauptort, Sie werden es mir nicht glauben, essen wir Blini! Eine junge Familie hat in ihrer Toreinfahrt mittels Zeltplanen ein kleines Restaurant errichtet. Konnten wir ja nicht wissen, dass es da nur Blini gibt. Doch eigentlich sind wir auf dem Weg zu einem gestern gesehenen kleinen Verkaufsstand am Ortsrand. Dort gibt es morgens gefangenen und am Vormittag geräucherten Omul. Also das ist ein echter Festschmaus!

Wir laufen zurück in den Ort und gönnen uns einen echten Café im Joschiki Maroschiki. Das liegt zwar an der Hauptstraße, aber da sie breit ist, ist vom Staub, den die vorbei fahrenden Fahrzeuge aufwirbeln, fast nichts zu spüren. Und außerdem: KAFFEE!!!

Und dann gibt es Abendbrot im Hotel. Wegen der Fehlbuchung kriegen wir das heute geschenkt, genau wie eine Ladung Wäsche waschen. Ich bin froh, dass wir hier nicht jeden Abend essen müssen, denn es ist grauenhaft. Die Cousine findet das nicht, aber sie hat für alles eine Erklärung und Kritik an den Russen ist unerwünscht. Wir zicken uns ein bisschen an, aber abends am Strand ist alles wieder gut.

Wir trinken unseren Wein so heimlich das an einem Strand eben geht und schauen dem Volk beim Baden und Saunieren zu. Die Cousine hatte sich am Nachmittag mal kurz in den See gewagt, ich fror schon am großen Zeh, als ich ihn prüfend ins Wasser hielt.

Für die Fotos gilt wie immer: drauf klicken = groß gucken

 

Fehlbuchung

August 16, 2014

Mittwoch, 9. Juli 2014 

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Das ist die berühmteste Ansicht der Insel Olchon auf dem Baikal, der Schamanenfelsen nördlich der Ortschaft Chuschir. Doch um dahin zu gelangen, haben wir einen langen Weg hinter uns gebracht und sind um eine schmerzhafte Erfahrung reicher.

Doch der Reihe nach. Der Tag beginnt mit zwei unfassbaren Überraschungen. Davon ausgehend, dass Deutschland keine Chance hat und wir einen langen Weg vor uns haben, haben wir darauf verzichtet, heute morgen 5:00 Uhr Fußball zu gucken. Immerhin schaue ich mal im Netz nach, wie das Debakel ausgegangen ist.

7:1!

Ich wecke die Cousine mit diesem Ergebnis und logischerweise glaubt sie, dass die Brasilianer uns eins auf die Mütze gegeben haben.

Die zweite Überraschung wartet im Bad auf mich. Mein Zahnputzzeug ist weg. Komplett. Ich suche in der ganzen Wohnung, die Franzosen helfen mit, doch mein zusammenklappbarer Zahnputzbecher und zusammenklappbare Zahnbürste bleiben verschwunden. Natürlich auch die Creme und… mein Tee hat sich auch in Luft aufgelöst. Na toll! 5 Tage ohne Zähneputzen stehen mir bevor. Wir wissen nicht, was man auf Olchon kaufen kann. Das Hostel wirbt damit, dass es mitten im Wald steht, und da man auf der ganzen Insel nicht mit Karte bezahlen kann, rechnen wir nicht mit gut sortierten Supermärkten. Die Cousine hat noch eine Ersatzbürste und rettet mir das Leben. (Falls Sie sich wundern, ja, ich habe mir am Vorabend das Zähneputzen gespart, ich war froh, mein Bett zu finden).

Die Franzosen haben etwas Zeit, da sie von ihrem Zubringer direkt am Hostel abgeholt werden. Das hätten wir auch haben können, aber 500m zu laufen erschien uns nun nicht zu weit.

Galina erzählt uns beim Frühstück, dass sie das Holzhaus, das ja das eigentliche Hostel ist, gern sanieren würde. Aber es gehört ihr nur zur Hälfte und der zweite Besitzer, der im 1. Stock wohnt, hat nicht das nötige Geld. Der Schmutz in ihrer Küche ekelt mich und doch etwas, der hat mit der Sanierung nichts zu tun. Außerdem gibt es wieder das gleiche wie gestern. Und dann entdeckt die Cousine meinen Tee! Ja Himmel! Heißt bei denen sauber machen alles, wirklich alles wegräumen? Uns ist es zu doof, nach meinem Zahnputzzeug zu fragen, wir schnappen unsere Rucksäcke und laufen zum Office von Baikalterra, wo unser Zubringer auf uns wartet. Der Fahrer, Sergej, stopft seinen Van voll und pünktlich 10:00 Uhr geht es los. Es wird zwei Pausen geben, erklärt er, eine 11:30 Uhr, die andere zwei Stunden später. Oder so. Doch zuerst fahren wir mal wieder tanken.

Dann geht es flott Richtung Baikal. Außer, wenn Kühe auf der Straße stehen. Oder der Verkehr wegen einer Baustelle über Feldwege geleitet wird. Ich würde gern fotografieren, aber die Fenster sind so schmutzig.

Zur Pause lädt uns Sergej in einem Café im Nirgendwo ab. Ich würde gern die wirklich sehr aparte sowjetische Architektur fotografieren, die hier in Form einer Bushaltestelle präsentiert wird, aber nachdem ich gegessen habe und die Toilette überlebt, drängt Sergej auf die Weiterfahrt.

Die nächste Pause ist an der Fähre. Viele Händler. Viele Autos, Marschrutkas, ein Bus. Die Franzosen, die eine Stunde vor uns losgefahren sein sollten, aber noch auf ihren Zubringer warteten, als wir Galinas Küche verlassen haben, sind immerhin schon da. Die Cousine entdeckt bei einem Händler diese Schale und macht sich sofort ans Werk. Doch das Teil ist hier 3000 Rubel teurer als in Talcy.

Dann sehen wir plötzlich unsere Marschrutka in der Reihe ganz vorne stehen. Hat er sich prima gedrängelt, der Sergej. Wir winken den Franzosen zu und hopsen auf die Fähre, auf die nur der Bus, unser Van und ein Auto passen.

Olchon.

Die größte Insel des Baikals und die einzige bewohnte. Bei der letzten Zählung lebten hier 1500 Einwohner, hauptsächlich Burjaten. Aber das war 2010 und dürfte sich inzwischen nicht mehr ganz stimmen. Denn die Insel hat, wie uns eine Einheimische erzählt, seit 2006 Strom, und in den letzten Jahren hat ein regelrechter Bauboom eingesetzt.

Aber von dem sehen wir vorerst nichts. Es gibt keine befestigte Straßen. KEINE. Und Sergej fährt soundso lieber neben der Straße. Fragen sie mich nicht. Es scheint dort aber tatsächlich weniger staubig zu sein.

6 Stunden dauert die Fahrt alles in allem, dann setzt er uns am Sunny Hostel ab. Das ist nun zwar nicht mitten in Chuschir, aber auch kein bisschen im Wald. Man könnte sagen, es steht am Ortsrand. Nun kann das was mit dem Bauboom zu tun haben, aber so Websites lassen sich ja aktualisieren, oder? Gut, dass der Sendemast fast auf dem Gelände steht, würde ich jetzt auch nicht unbedingt ins Profil schreiben.

Sergej ruft im Hostel an, dass Gäste da sind und übergibt uns einer jungen Frau. Wir laufen an all den schönen Holzhäusern mit Balkonen und Terrassen, die auf den Fotos der Website zu sehen waren, vorbei zu einem mickrigen Haus aus, äh, Spanplatten? Ohne Balkon oder Terrasse versteht sich. Eine schmale Treppe führt in ein enges Zimmer. Es riecht muffig. Als wir die Rucksäcke abgestellt haben, ist es eigentlich voll. Zwei Betten, kein Tisch, kein Schrank, kein Nagel. Entsetzt stellen wir den Kram ab und folgen Lena zur Küche, wo es Frühstück gibt, einen Samowar und den ganzen Tag Tee, zu den Plumpsklos und zu den Duschen, nehmen unseren Zimmerschlüssel in Empfang und sind eigentlich immer unfähig zu agieren. Die Betten, also die „Lattenroste“ sind vollständig und durchgehend aus Holz, die Matratzen so etwa 3 cm dick, als ich die Bettdecke hochhebe, reißt der Bezug.

Ich muss das erst Mal verdauen. Komm Cousine, lass uns was schönes gucken gehen.

Das Schöne ist gar nicht so weit weg. Einmal über den Hügel und vorbei an dem Sendemast und wir stehen am Schamanenfelsen, der den Burjaten als heiliger Ort gilt. Gleich daneben sehen wir die ersten Zeichen des heute von ihnen ausgeübten Buddhismus, geschnitzte Stelen, die unter den Gebetsfahnen kaum zu erkennen sind. Auch an Bäumen finden wir viele dieser stofflichen Gebete. Wir sehen Jurten und wir sehen den Ort. Die Cousine findet noch einen Händler, der die von ihr begehrte Schale verkauft. Ein lustiger Einheimischer, der sich auf die Brust haut und sagt ICH BIN MONGOLE! Ich grinse und frage: Kein Burjate? Er grinst zurück und meint, dass sei dasselbe.

Stimmt ja irgendwie auch. Früher hieß die Burjatische Sowjetrepublik sogar Mongolisch-Burjatische Sowjetrepublik. Aber das hat Stalin geändert. Wenn man sich das ganze Theater nach der Perestroika anguckt, war das vielleicht, im Nachhinein gesehen, keine schlechte Entscheidung. Wer weiß ob sonst nicht ein paar GI’s am Baikal hocken würden. Immerhin soll der Irkutsker Oblast, zu dem Olchon gehört, die Gegend in Russland sein, wo der Strom am billigsten ist.

Bei einem jungen Paar trinken wir wirklich guten Kaffee. Ihr kleines Café betreiben sie noch nicht so lange und es sieht sehr modern, aber geschmackvoll aus. Der Besitzer ist auf der Insel aufgewachsen und kennt sich hier bestens aus. Als irgendwann der Name Nikita fällt, will ich nun aber mal wissen, wer das ist. Ja, also dieser Typ betreibt eine Herberge. Und abends gibt es viel Kultur. Und offensichtlich steigen alle Ausländer bei ihm ab. Außer wir.

Wir stapfen zurück ins Sunny Hostel. Mir tut meine Bandscheibe schon weh, wenn ich nur dran denke. Nein, das geht nicht. Wir suchen Lena, finden stattdessen die „Reiseleiterin“, eine junge Burjatin, die hier für das Programm zuständig ist. Es folgt eine lange Diskussion. Sie vermutet, dass wir a) zu spät und b) das billigste gebucht haben. Doch ich habe schon im Winter gebucht und, wie sich herausstellt, auch etwas ganz anderes.

Trotzdem, alle Häuser belegt. Sie telefoniert. Zu Baikalterra gehört noch ein Minihotel, da scheint ein 3-Bettzimmer frei zu sein. Wir werden in ein Auto geladen und 500 m weit gefahren. Großes Zimmer, mit Schränken und Tisch, Gemeinschaftsbad zwar und Gemeinschaftsküche und – balkone, aber Klasse. Zurück zum Hostel. Es dauert eine Stunde, ehe ich die Differenz online bezahlt habe, denn obwohl der Sendemast gleich nebenan steht, ist das Internet extrem langsam und mit Karte kann man ja nicht bezahlen. (Ich weiß… Aber es macht absolut keinen Sinn, auf einer Insel hockend, über Geld zu streiten. Nicht in Russland. Und ich hätte fast jeden Preis bezahlt, um aus dieser Absteige weg zu kommen). Dann werden wir samt Gepäck wieder ins Auto geladen und in unsere neue Herberge gebracht. Nach dem Umzug bleibt eigentlich nur noch, schlafen zu gehen. Draußen ist es längst dunkel. Und dunkel wird es hier sehr spät, so nach 23:00 Uhr.

Wie immer, drauf klicken= groß gucken. Und ja, aber der Felsen ist ja auch schön…

Nomaden, Bauern und Kosaken

August 15, 2014

Talcy, 8.7.2014, ein Dienstag

Wo große Flüsse sind, baut der Mensch gerne Staudämme. Da sind die Russen nicht anders als andere Völker. Und so wurde auch an der Angara gestaut, was das Zeug hält. Dafür, das ist in Russland ebenfalls nicht anders als in anderen Ländern, müssen ganze Landstriche geflutet werden. Dörfer verschwinden, Menschen verlieren ihre Heimat und manchmal, wie vor ein paar Jahren in China, geht auch eine einzigartige Landschaft flöten. Daran muss ich denken, und auch an Valentin Rasputins Roman Abschied von Matjora, von Elim Klimow so eindrücklich verfilmt, als ich in Talcy Festungstürme bestaune, Bauernhöfe, Gefängnisse, Dorfschulen und noch ein bisschen mehr. Aber ich tue es nicht mit Wehmut, denn wer weiß, was aus den teilweise aus den 17. Jahrhundert stammenden Anwesen geworden wäre, stünden sie nicht hier, in Talcy.

Talcy liegt ca. auf halber Strecke zwischen Irkutsk und Listwjanka am Baikalsee. Talcy ist eigentlich ein ganz normales Dorf an der Angara, das niemand kennen würde, hätte man nicht auf einem Hügel neben dem Dorf ein Museumsdorf errichtet, dass sich dem Erhalt historischer Baudenkmäler und handwerklicher Tradition widmet. Das passierte in den 1960er Jahren. Und als dann die Angara bei Ilimsk gestaut wurde, verfrachtete man u.a. fast eine gesamte Kosakenfestung, Ostrog genannt, aus dem 17. Jahrhundert hierher. Und noch ein paar andere Bauernhäuser. Läuft man durch die weitläufige Anlage, fällt wirklich auf, dass viele Bauten aus der Gegend um Ust-Ilimsk stammen. Oder aus Bratsk.

Und, äußerst passend zu meinen Klischeevorstellungen von Russland, liegt das alles in einem Birkenwald. Am Fluss!

Wir sind mit der Marschrutka hergefahren. Nachdem wir gestern mühsam Busfahrpläne studiert haben, meinte Galina, dass das ja wohl der einfachere Weg sei. Marschrutkas fahren alle 15 min, Busse nur 4-6x am Tag, die Kleinbusse sind auch nur 3 Rubel teurer als ihre großen Brüder und außerdem fahren sie am Markt los, das ist für uns günstiger als der Busbahnhof. Da können wir nämlich gemütlich frühstücken, statt die Blini hastig in uns rein zu stopfen.

Frühstück gibt es in Galinas Küche. Das Frühstück war der Grund, weswegen ich nochmal umgebucht hatte, die Gäste hatten so vom echten Russischen Frühstück in Galinas Küche geschwärmt. Zu den Blini gibt es Warenje aus so einer Art wilder Kirschen. Und Kuchen aus eben solchen Kirschen. Der Kaffee ist Instant. Ich weiß auch nicht, warum die Russen das Zeug lieben. Selbst in Gaststätten ist es schwer, ordentlichen Kaffee zu bekommen.

Zum Markt fahren wir Straßenbahn. Das muss schließlich auch mal sein. Sitzt5 man erst mal drinnen, wirken sie gar nicht mehr so gefährlich wie von außen. Eine Schaffnerin kassiert von jedem neu Zugestiegenen das Fahrgeld und die ersten 10 Plätze sind vorzugsweise für Veteranen, Mütter mit Kindern und Behinderte.

Am Markt drängeln sich sicher 50 Marschrutkas, das sind übrigens Kleinbusse, so eine Art Sammeltaxis, die auf einer vorher festgelegten Route fahren, aber, der Kyrillischen Schreib- und Leseweise mächtig, finden wir schnell das richtige. Als alle Plätze besetzt sind, geht es los, allerdings erst Mal tanken und dann ziemlich flott auf einer guten Straße Richtung Baikalsee. Birken und einige wenige Dörfer fliegen an uns vorbei. An der Bushaltestelle Talcy drücken wir nach 45 minütiger Fahrt dem Fahrer die 100 Rubel in die Hand und sind so ziemlich die ersten Besucher des Tages.

Das ist gut. Da haben wir Zeit und Muse, uns alles genau anzugucken. Es geht los mit ein paar Lagern der Ewenken und Tofalar, den Ureinwohnern der Region, wobei die Ewenken als nomadisches Volk über ein ziemlich großes Gebiet verstreut lebten bzw. leben. Interessant sind die Tofalaren, die irgendwie mit den Samojeden verwandt sind. Von diesem Stamm leben heute nur noch 500 Menschen in drei Dörfern in der Nähe der Stadt Nischne-Udinsk. Keine Straße führt dorthin, die Ansiedlungen sind nur mit dem Hu8bschrauber zu erreichen! Ich muss wohl nicht betonen, dass die Tofalaren als ethnische Minderheit vom Aussterben bedroht sind. Auch ihre zwei Lager erscheinen mir wie die der Ewenken eher Alibifunktion zu haben, denn hier im Museum geht es um russische Häuser. Aber das ist ok, deswegen sind wir hier und immerhin, dass überhaupt solche Lager da sind, ist ein Zugewinn an Wissen.

Nu aber Holzhäuser. Ein Jagd- und Fischerlager, wie man es auch heute noch in der Taiga finden könnte, die Wassermühlen sind leider fest verschlossen, der alte sibirische Handelsposten dient der Ausstellung von Getreidesorten aber jetzt… Sehen Sie sich einfach die Bilder an.

Logischerweise verlieren sich die Cousine und ich ständig. Sowas passiert in solchen Museen ja fast zwangsläufig. Hier kommt dazu, dass sich die Cousine, wie sie einräumt, noch nie für Geschichte interessiert hat und nun alles sehr interessiert und gründlich liest. Ok, ich bin im Vorteil. Für mich bestand Russland noch nie nur aus Moskau und im Vorfeld des Urlaubes habe ich mich zusätzlich ein bisschen kundig gemacht. Bauernhöfe,ein Teil einer alten Kosakenfestung aus dem 17. Jahrhundert und älter als Irkutsk, Spasskiturm (1667) und die Kasaner Kirche (1679) wurden ohne einen einzigen Nagel gebaut!

OHNE EINEN EINZIGEN NAGEL!

Einige Häuser dienen als Schauwerkstätten, in anderen befinden sich Ausstellungen, die bestenn sind die original eingerichteten.  Wie gut es ist, nicht in Reisegruppe unterwegs zu sein, zeigt sich, als wir eigentlich Landsleuten ausweichen wollen, da hören wir die Reiseleiterin rufen Ja ich weiß, hier ist jedes Haus schön, aber die Stunde ist rum und wir müssen weiter. Die haben ganz sicher nicht den Tofalar- und Ewenkenkram gesehen und vermutlich auch nicht die Jurten der Burjaten. Denn von denen gibt es wirklich ausreichend. In einer aus Leder verkaufen Burjaten traditionell hergestelltes Zeugs. Die Burjaten sind ein mongolisches Volk, das in Sibirien zwischen Irkutsk und Tschita lebt. Ursprünglich Nomaden sind sie die größte nationale Minderheit Russlands und leben heute größtenteils in der Burjatischen Autonomen Republik, deren Hauptstadt Ulan-Ude ist. Hauptsächlich sind sie Buddhisten, ihre Hauptstadt ist auch das Buddhistische Zentrum Russlands, aber auch der Schamanismus spielt wieder oder noch eine relativ große Rolle. Wie nah sie den Mongolen sind und wie sehr Buddhisten, wird uns in der Jurte sofort klar. Das erinnert nicht nur stark an das Nachbarland und an Tibet, viele der Waren sind auch in den genannten beiden Ländern hergestellt. Ich kaufe. Ein paar Hausschuhe aus Yakwolle. Handgenäht. Ich gucke mir die lange an. Scheint wirklich zu stimmen. Die sollen im Winter wärmen und im Sommer vor Hitze schützen. Das mit der Hitze habe ich schon ausprobiert, das stimmt. Die Cousine verliebt sich in eine tonnenschwere Metallschale, die, wassergefüllt, wenn man sie entspannt reibt, zu einem Springbrunnne wird. Aber sie entscheidet sich auch für die Hausschuhe. Beide lassen wir uns Metallschalen auf diverse Körperteile stellen und spüren die Schwingungen.

So beschwingt laufen wir weiter durch die kleine Ansammlung von hölzernen Sommer- und Schamanen- Jurten und kommen zur Angara, wo uns erst ein Goldgräberlager empfängt und dann ein burjatisches Fischerlager, beide aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts stammend. Und dazu gibt es einen richtig hübschen Strand. Und picknickende Familien. Die Sonne scheint und das Leben ist wunderbar.

Zurück in Irkutsk stolpern wir über das Lenin Café! Also erst glaube ich ja, einen Starbucks entdeckt zu haben und das verspricht echten guten Café, aber es ist ein Lenin Café. Ansonsten ist alles genau wie beim Starbucks. Auch das Interieur, alles. Nur leider gibt es keine Tassen, sonst hätten wir dort jedem Kind eine gekauft. Ehrlich mal. Eine Lenin-Starbucks-Kaffeetasse!

Die russische Künstlerfamilie, die das 3- Bett-Zimmer im Hostel belegt hat, ist abgereist. Stattdessen logieren da jetzt zwei Französinnen. Die Tochter, in unserem Alter, hat lange in Russland gelebt, und Mutter. Wir kochen zusammen, gucken Bilder, trinken Wein. Es wird ein langer Abend. Morgen wollen wir alle weiter nach Olchon, der Insel auf dem Baikal. Und der Franzose, der in im 1- Bett-Zimmer liegt, kommt grad von da, so wie die Familie aus Tschita, die heute früh abgereist ist.

Wer genau und groß gucken will, klickt aufs Bild

update: Natürlich, so an der Angara, musste ich in Irkutsk und Talcy immer an ein Lied denken, dass wir in der Schule sowohl in Russisch als auch in Deutsch gelernt haben. Wir nannten es “Angara”, weil es eben um den Fluss geht. Deswegen hat es eine Weile gedauert, bis ich ein Video fand. Im Original heißt das Lied nämlich “Rastzwetai, Sibir” Und keine Angst, auch wenn es für nicht russisch Sprechende so klingt, es geht nicht um Stalin, allerdings kommt natürlich Lenin vor. Eines  meiner Lieblingslieder ist es trotzdem. So viel Sehnsucht in der Melodie. Hören Sie sie auch?

Büchersendung

August 14, 2014

Heute erreichte mich ein besonderer Gruß aus Berlin.

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Und aus Moskau. Denn um das Moskauer Stadtviertel Arbat geht es in dem Buch.

Die liebe Frau Tonari hat es mir geschickt. Ich habe nämlich nur den 1. Teil der Trilogie gelesen, “Die Kinder vom Arbat” von Anatolij Rybakow, weswegen ich letztens in Moskau auch unbedingt auf den Arbat wollte und sogar vor dem Haus stand, in dem der Schriftsteller wohnt.

Teil 2 und 3 der Trilogie sind leider in Deutschland nur noch als Gebrauchtware und zu ziemlich unverschämten Preisen erhältlich. Und als ich also darüber lamentierte, kam mir Frau Tonari zu Hilfe und schickte mir Teil 2 “Jahre des Terrors”!

Liebste Frau Tonari! Ich bedanke mich artig und freue mich auf die nächsten Lesestunden. Allerdings könnte es sein, dass ich jetzt mit der Bloggerei ein paar Tage nicht so voran komme. Das nimmst Du dann auf Deine Kappe, ja?

Nein, das ist ein Joke. Ich bin für meine Handlungen selbst verantwortlich und werde mich zwingen. erst Mal das andere, das angefangene Buch zu Ende zu lesen.

Danke noch mal!

Das dauert

August 12, 2014

Für den nächsten Bericht meiner Reise brauche ich etwas Zeit. Weil, da geht es ins Museum. Natürlich ist das ein Freilichtmuseum, so schön, wie das Wetter war, kam da nix anderes in Frage. Und außerdem liegt es direkt an er Angara. Nun habe ich, weil ich nicht mit meinem Buch durch den Wald rennen wollte, einfach alles fotografiert. Also nicht nur die Exponate, sondern auch die Erklärungen und Erläuterungen. Die gilt es nun mit den Stichpunkten vom Tag zusammenzubringen. Und mit den Fotos. Denn irgendwie ist mir alles ein bisschen durcheinander geraten. Vielleicht hätte ich mir doch gleich am Abend des Tages Zeit nehmen sollen und alles sortieren. Aber da hockten wir ja  mit den Franzosen zusammen.

Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen, sagte irgendein verantwortlicher Erwachsener früher immer zu mir. Recht hatte er. Hätte ich den Rat nämlich befolgt, müsste ich mich nun nicht unnötig anstrengen, alles wieder zusammen zu kriegen. Aber so…

Ich beeile mich.

 

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