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Der letzte Akt

Juni 18, 2013

Bevor am Freitag unser Flieger geht, bleibt noch Zeit für den Parc Güell. Der entstand zwischen 1900 und 1914 unter Federführung Antoni Gaudis und war ursprünglich als Gartenstadt geplant.

Weil sich aber keine potentiellen Käufer für die Villen fanden, blieb es beim Park. Statt der geplanten 60 Wohnhäuser wurden nur drei gebaut, nur eins davon wird heute noch bewohnt. In die beiden anderen zogen eine Schule bzw. ein Museum ein.

Man darf nicht vergessen, dass der Park zwar von Gaudi geplant wurde, im Detail jedoch auch andere Architekten beteiligt waren. So stammt sein ehemaliges Wohnhaus, das heute als Museum dient und ursprünglich als Musterhaus Käufer werben sollte, von dem Architekten  Francesc Berenguer.  Und die die Terrasse, die Placa,  bestimmenden Mosaike stammen von Josep Maria Jujol, der schon an der Casa Milá und der Casa Batlló gemeinsam mit Gaudi gearbeitet hatte.

Im Park gibt es genug zu sehen, um gut und gern einen ganzen Tag auszufüllen.  Aber wir haben natürlich nicht den ganzen Tag Zeit. So sehen wir uns zwar alles an, haben aber leider nicht die Muse, den zahlreichen Musikern zu lauschen. Es gibt solche, die den üblichen Kram performen, aber auch einige Spanier, deren Gitarrenspiel ganz wunderbar mit der Grünanlage harmoniert.

Ziemlich nervig sind dagegen die vielen fliegenden Händler, nicht weil sie überall ihre Decken ausbreiten, sondern weil sie ihren Kram auch lautstark anbieten.

Was den Park selbst betrifft, nun, es ist ein Park. Ich bin nicht so der Fan durchgeplanter Landschaften. Lieber sitze ich auf einer einsamen Insel oder wenigstens an einem halbwegs menschenleeren Strand oder auf einem Berg. In bewohnten Gegenden bin ich schon eher an Architektur interessiert. Nicht nur an städtebaulicher, ich bin auch immer wieder fasziniert von alten Bauernhäusern bzw. –höfen, ihrer klugen und praktischen Anordnung.

Aber so ein Park? Englische Gärten? Langweilig.

Immerhin, da oben, wo kein Haus steht und kein Mosaik, nerven keine Händler, wohl weil da auch weniger bis gar keine Touristen sind und genau dort sitzen die Gitarre spielenden Spanier.

Doch wie gesagt, die Zeit drängt. Und mich drängt es eh zu den Arkaden, der Terrasse, den Häusern. Dort wimmelt es zwar freilich von Menschen, aber das muss man aushalten. Vielleicht sollte ich noch mal herkommen, ganz gegen meine Gewohnheit sehr zeitig aufstehen… so gegen 6 in der Früh ist es doch sicher leer hier, oder?

Schließlich ist es Zeit, die Koffer im Hotel zu holen und Richtung Flughafen zu fahren. Da sind noch so viele Häuser, so viele wunderschöne Balkone, Türmchen, Kamine, verspielte Dächer. So viele Schätze, die es noch zu entdecken gilt.

Ich muss hier noch mal her. Ohne Kongress im Nacken. Mit genügend Zeit und Muse. Vielleicht im Hebst oder gleich im Winter. Und ich sollte damit nicht all zu lange warten, so rasant wie sich Barcelona zu verändern scheint.

Es folgen wieder viel zu viele Fotos, nicht nur vom Parc Güell

Genetik, Miró und das scheinbar wahre Leben

Juni 16, 2013

Der Donnerstag ist mein Tag. Und das gleich in mehrfacher Hinsicht.

In den letzten Sessions des Kongresses geht es um Genetik und Epigenetik. Obwohl es am Mittwoch recht spät geworden ist, bin ich hellwach.

Und dann, kurz nach Mittag, fahre ich hoch zum Montjuic, ins Fundació Joan Miró!

Das Museum ist dem Werk des Katalanischen Künstlers gewidmet und enthält über 10000 seiner Zeichnungen, Gemälde, Skulpturen, Bühnenentwürfe und Teppiche. Doch schon das Gebäude selbst ist einen Besuch wert.  Der Architekt Joseph Lluis Sert wählte für den ganz weißen Bau klare kubische Formen. Große Fenster sollten für genügend Licht sorgen. Doch da man heute Gemälde und dergleichen lieber in künstlichem Licht präsentiert, sind die Fenster allesamt verhangen bzw. mit Rollos verschlossen.

Ich renne, mit einem Audioguide bewaffnet und grinsend wie ein Breitmailfrosch, durch die Ausstellungsräume. Frühe Zeichnungen und Gemälde zeigen einen ganz anderen Miró als den, den ich so liebe.  Das Museum schafft es ganz hervorragend, dem Besucher den Stilwechsel,  der bei dem Katalanen in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts in Paris unter dem Einfluss des Dadaismus und Surrealismus einsetzte, zu erleben, die Entwicklung der Reduzierung, die immer größer werdende Bedeutung seiner magischen Zeichen Frau, Vogel, Mond, Stern, Auge.  Via Audioguide erfahre ich viel über sein Umfeld, die historischen Hintergründe. Zum Glück gibt es keine Deutungsversuche seiner Bilder, Skulpturen und Teppiche bzw. wenn doch, springe ich zur nächsten Erklärung. Mein Lieblingsbild Frau mit Vogel hängt ja in Madrid, aber hier in Barcelona findet sich der Gobelin gleichen Titels. Schon allein dafür hat sich für mich der Besuch des Museums gelohnt.

Und auf der Dachterrasse des Museums schließlich werden noch ein paar Skulpturen ausgestellt. Leider wird dort gerade gebaut, weswegen sicher die Hälfte abgesperrt ist.

Im Erdgeschoss befindet sich eine Sonderausstellung. Gemälde und Zeichnungen von von Miró beeinflussten Künstlern. Die aber, ich gebe es zu, betrachte ich nur flüchtig.

Mit der Seilbahn fahre ich hinunter zur Avenida Paral-lel und laufe Richtung Meeresmuseum und Stadtzentrum. Doch statt den direkten Weg über die Rambla zu nehmen, biege ich links ab in kleine Gässchen und tauche ein in ein Barcelona, wo sich nur wenige Touristen einfinden. Manchmal ist mir direkt etwas unheimlich, ich packe die große Kamera vorsichtshalber weg und knipse mit der kleinen. Wird es mir zu gruselig, laufe ich wieder Richtung Rambla, biege kurz vor Erreichen der Hauptstraße wieder ab, laufe zurück, lande in der Markthalle, biege wieder ins Viertel ab, das, wie ich später erfahre, El Raval heißt, verlaufe mich und finde dann doch irgendwie ins Hotel.

Immer noch grinsend und reichlich glücklich lege ich mich, wie ich bin, aufs Bett und schlafe sofort ein.

Nur eine Stunde später heißt es wieder raus aus den Federn.

Ein spanischer Kollege will uns und einigen weiteren Landsleuten ein ganz besonderes Viertel zeigen.

Wir holen die Truppe in einer Tapasbar ab. Das ist jetzt doof, weil wir haben natürlich irgendwie vergessen, zu essen. Außerdem habe ich an meiner Kamera irgendwas verstellt und kann den Fehler nicht finden. Das ist suboptimal.

Das Viertel Gracia erlebt gerade das, was wir Gentrifizierung nennen. Trotzdem kann man das Original an einigen Plätzen noch erahnen und erleben. Die Touristen sind noch nicht so zahlreich und mischen sich fast unbemerkt unter die Einheimischen. Auf einem Platz trifft sich die Bevölkerung noch, um zu musizieren, zu singen und zu tanzen. Hier fühlt man die Wurzeln des Flamenco in der Zigeunermusik noch.

Natürlich ist es unmöglich, in irgendeiner der Straßenbars einen Platz zu ergattern. Oder gar sieben. Wir enden etwas abseits in einer Kneipe bei Bier und Tapas, unsere Gespräche kreisen um Genetik, Gaudi, Zoonosen, Miró, Weiterbildungskurse und Barcelona.

Ein ganz wunderbarer Abschluss des Kongresses und Abschied von einigen Kollegen ist das.

Vorsicht! Es folgen viele Fotos. Drauf klicken macht sie groß

Die Sache mit dem Essen

Juni 15, 2013

Seit Freitag Nacht bin ich wieder zu Hause und muss meine Eindrücke von Barcelona nachreichen. Auch sehen manche Fotos auf dem großen Flachbildschirm und in Ruhe betrachtet doch ganz anders aus als auf dem kleinen Wandercomputer, hastig durchgeklickt und ausgesucht.

Nun ja.

Das fehlende Catering wurde ab Mittwoch zum Problem. In Barcelona öffnen die Bäckereien und Cafés, jedenfalls die, die wir gefunden haben, nämlich erst 8:00 Uhr. Selbst Starbucks und, und das wäre wirklich nur im schlimmsten Fall in Frage gekommen, McDoof, halten sich an diese Regel. In unserem Hotel stand immerhin schon ab 7:30 Uhr das Buffet zur Verfügung. Allerdings begannen die Sessions auf dem Kongress schon 8:00 Uhr… Ein schier unlösbares Problem.

Am Dienstag waren wir einfach schon eine Viertel Stunde früher im Speiseraum erschienen. Trotzdem, den ersten Vortrag verpassten wir. So wägten wir jeden Tag neu ab: Frühstück oder Verspätung. Ein ziemliches Dilemma. Ich weiß auch nicht, ob der Veranstalter das nicht bedacht hat, oder ob in Spanien auf ein Frühstück nicht so viel Wert gelegt wird. Nur, wie hält der Iberer das bis 17:30 Uhr durch? Wir jedenfalls waren abends hungrig genug, einen ganzen Stier zu verfuttern.

So gesehen war die Stierkampfarena vielleicht gar keine üble Wahl für den Mittwoch Abend. Aber keine Angst, wir schauten nicht der Schlachterei zu, die Arena ist längst in ein Einkaufszentrum umgebaut wurden. Und auf der Dachterrasse tummelt sich ein Restaurant neben dem anderen. Von da oben hat man einen wunderbaren Blick rüber zum Montjuic, auf den Miro-Park, der leider unvollendet blieb, weil der Künstler verstarb, zur Sagrada Familia und überhaupt auf Barcelona. Und auf dem Weg zum Hotel kann man in der Gran Via gleich mehrere Absacker nehmen. Und nachts, in den Bars, sind die Wirte sogar freundlich. Etwas, was man tagsüber selten erlebt. Die Kellner sind schlecht gelaunt, lustlos und langsam. Da möchte man sich fast entschuldigen für sein Anliegen und ich frage mich, wie es hier im Sommer ist, wenn die Hitze ja zu einer natürlichen Verlangsamung des Lebens und der Bewegung führt.

Ps.:

Zum Bild mit den Fahrrädern: In Barcelona kann man für 20€ ein Jahresabo erwerben, dass zur Benutzung der Räder berechtigt, ob eine halbe Stunde pro Tag oder ob eine halbe Stunde pro Tag sowieso frei ist, habe ich nicht verstanden. Der Spanier, der mir das erklärte sprach, zu schlecht Englisch. Jedenfalls nutzen die Einheimischen  die Leihräder, um auf Arbeit zu fahren. Oder nach Hause. Jedenfalls fahren sie seltsamerweise tatsächlich immer nur in eine Richtung: Zur Arbeit mit dem Rad und nach Hause mit der Metro, oder umgedreht. Deshalb müssen die Räder täglich eingesammelt und neu verteilt werden.

Wie immer aufs Bild klicken= groß gucken. (Die Bilder aus der Gran Via sind vom Montag)

Der Kuss des Spaniers

Juni 12, 2013
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So ein Kongress ist trotz der Möglichkeit, Stadt zu gucken, anstrengend.

Ja.

Zum Beispiel mussten wir gestern quasi mitten in der Nacht aufstehen, um den ersten anvisierten Vortrag, der 8:30 Uhr begann, nicht zu verpassen. 45 min brauchen wir vom Hotel zum Kongresszentrum. Und frühstücken müssen wir ja auch noch. Das ist der Preis, den wir bezahlen. Trotzdem beneiden uns viele, die direkt neben dem Tagungsgelände logieren, um unsere Hotellage.

Dann eine lange Session mit einem Industriepartner. 2 Stunden geht es um Neuheiten auf dem Markt und Geld. Doch neben dem reinen geschäftlichen Geplänkel gibt der uns viele Tipps zu Barcelona. Eine Einladung zum Tagungsausklang am Donnerstag Nachmittag können wir dem Mirófan mit dem Hinweis, dass ich da ins Museum des Katalanischen Künstlers muss, ausschlagen. Prompt folgt eine Einladung für den Dienstag Abend. Das haut unsere gesamte private Sightseeing Planung über den Haufen. Der Tibidada wird spontan gestrichen.

Wir lassen uns in diversen Sessions noch auf den neuesten Stand bringen, hören uns innovative Vorträge zum Data sharing an und stellen wie schon am Montag fest, dass überall in Europa gespart werden muss.

Dann, nach einem kurzen Zwischenstopp im Hotel, folgen wir Miguels Empfehlungen, staunen im Gotischen Viertel und haben, weil wir ja 20:30 Uhr eine Verabredung haben, viel zu wenig Zeit für  El Born. 90 Minuten Freizeit, das ist irgendwie zu wenig.

Das vom Industriepartner gesponserte Treffen für Kunden aus aller Herren Länder findet auf der Dachterrasse eines 19-stöckigen Hotels im modernen Teil der Stadt statt. Mit Blick auf den El Torre, der nur nachts als schön zu bezeichnen ist. Aber es bieten sich auch so schöne Panoramablicke auf Barcelona, das Meer und wenn da keine Scheiben wären, wäre das fast ein adäquater Ersatz für den Tibidada gewesen. Das Treffen selbst ist sehr gelungen. Es bieten sich viele Möglichkeiten zum Austausch mit Berufskollegen.

Eine Showeinlage gibt es auch. Ein Entertainer führt in einem kurzweiligen Programm durch die Geschichte der Wissenschaft. Er führt teilweise wie Zauberei anmutende Experimente vor, vor allem als es um die Zeit des Mittelalters ging. Interaktiv ist die Show auch. Mehrmals fordert er zwei drei Zuschauer zum Mitmachen auf. Und so passiert es. Ich stehe in einer menschlichen Stromkette. Ich! Die ich Angst vor Strom habe, selbst der klitzekleinste Elektrozaun flößt mir Respekt ein. Durch Berührungen und Loslassen unterbricht der Spanier neben mir immer wieder den Fluss, für die Zuschauer durch Musik anschaulich dargestellt. Und dann. Ja dann schaut er mich entschuldigend an und übersetzt, was der Entertainer verlangt: Ich muss Dich jetzt küssen. So also geht das in Spanien. Immerhin, der Kuss setzt den Fluss wieder in Bewegung, Musik ertönt und alle freuen sich.

Und wir zwei, wir sind die Stars des Abends. So jedenfalls meinen die Spanier.

Die Fotos des Tages litten etwas unter Stress und den Lichtverhältnissen. Trotzdem hier ein paar Eindrücke. Wie immer: drauf klicken = groß gucken

Zwischen Gaudi und moderner Architektur

Juni 10, 2013

Manchmal ist es  ja gar nicht so schlecht, wenn man etwas verpeilt durchs Leben rennt. Wenn man sich nämlich zu Hause die Adresse des Kongresses ergoogelt und freut, dass die Spanier das Ding nicht irgendwo an den Stadtrand gesetzt haben, sondern mitten in die Stadt, ganz in die Nähe der Rambla sogar. Da kann man ja hin laufen.

Taten wir auch. Entlang der blauen Route der Stadttourenbusse. Da konnten wir uns noch mal ausgiebig mit Gaudi beschäftigen. Und diesem Haus mit den drei Fassaden. Alles noch mal genau betrachten. Und nach einer Bäckerei gucken, oder wo man sonst frühstücken kann. Denn im Hotel gibt es erst ab 7:30 Uhr was zwischen die Kiemen, die Sessions beginnen in den nächsten Tagen aber jeweils schon 8:00 Uhr.

Heute ja nicht. Heute ist Anreisetag für die meisten. Heute geht’s erst Mittag los. Zum Glück. Denn in der Rossellio, da ist nur das Org Büro, geschlossen übrigens. Aber der Zahnarzt aus der Etage darunter erklärt uns den Weg.

12 Metrostationen später finden wir uns wieder zwischen Glas und Beton. Zwar am Meer, aber eben zwischen Glas und Beton. Ganz viel Glas und Beton.

Dankenswerterweise liegen im Foyer kleine Küchelchen rum. Dafür gibt es zum Coffee Break tatsächlich nur Kaffee. Und Tee.

Ob ein Kongress im Nachhinein als gelungen oder weniger gelungen bewertet wird, hängt ja stark vom Catering  ab. Da fällt diese Tagung schon mal durch. Hungrig schleppen wir uns in den nächsten Vortragsblock und versuchen uns zu konzentrieren.

Die Welcome Party dagegen, die macht alles wieder wett. Zwar hätten wir lieber am Strand statt im Museum Maritim, und natürlich ist die Band zu laut, aber das Essen ist wirklich vom Feinsten. Und am Strand waren wir auch. Sind einfach ein Stück gelaufen. Bis uns zu warm wurde und wir in einen Bus gehüpft sind. Leider fuhr der durch Barcelonetta, was uns nun vor ein Dilemma stellt. Denn das Viertel würden wir uns nun auch gern noch mal richtig ansehen. Nur wann?

Es gibt für alles ein erstes Mal

Juni 9, 2013
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Zum Beispiel eine Stadtrundfahrt.

Habe ich noch nie gemacht. Also fast. Einmal habe ich  mich in Leipzig in so einen Bus gesetzt. Weil eine Freundin, die als Städteführerin arbeitet, mich darum gebeten, und übrigens auch dafür bezahlt,  hatte. Ich sollte ihr bestätigen, dass die Konkurrenz ganz miserabel arbeitet. Hat sie aber nicht. Ich war begeistert und habe viel gelernt, was ich von Leipzig noch nicht wusste.

Aber in der Fremde?

Nö, da lasse ich mich lieber treiben. Und ich wusste auch genau, was ich in Barcelona sehen wollte. Gaudi. Gaudi. Gaudi.

Aber die Kollegin hat Fuß. Mit Fuß läuft es sich ganz schlecht stundenlang durch eine Stadt.

26 Euronen kostet ein Tagesticket bei Barcelona Bus Turistic. Dafür darf man dann auf allen drei Routen fahren, ein- und aussteigen, wo man will.

26€? Da müssen wir aber alle Routen abklappern!

Haben wir auch. Und ich kann Ihnen sagen, nach so viel Input sehen Sie mich erschöpft. Erledigt. Nicht körperlich. Mehr so geistig.

Als ich mir im Hotel die Fotos des Tages ansah, fiel mir wieder ein: Ach, stimmt ja, Sagrada Familia, da waren wir ja auch! Da sind wir sogar ausgestiegen. Vorher gings auf der blauen Route schon an ganz viel Gaudi vorbei. Da muss ich noch mal hin, hämmerte ich mir ein, zu Fuß. Denn so ein Bus, der fährt doch ziemlich flott. Und wenn er mal hält, dann immer so, dass Inch einen Baum vor der Linse hat. EHRLICH! Und zwei Mal saßen wir bei unserem Hop und Off auch unten. Gaaaanz schlecht. Nicht nur wegen der schmutzigen Scheiben (irgendein Fettfleck ist ja immer und überall), man sitzt eben auch UNTEN. Ganz tief unten. Und links sieht man dann nicht mal mehr die Kellereingänge, wenn man rechts sitzt. Und nach dem Regen, als der Busfahrer das vorher dankenswerter Weise geschlossene Verdeck öffnete, da hatte ich ständig so eine blöde Stange vor der Nase. Da half nur raus aus dem Bus und auf den nächsten, einen ohne Regenvariante warten.

Aber das war viel später, auf der roten Linie, die in der Südstadt rumgurkt.

Nach der Sagrada Familia sind wir erst mal gelaufen, vorbei an Rotkäppchen und Plätzen für seltsame Spiele. Am Parc Güell saßen wir wieder im Bus, sind aber vorbei gefahren, zum Barca-Stadion. Das war nämlich das, was die Kollegin sehen musste. Und während sie einen Rundgang machte, saß ich im Café und habe Fans beobachtet, die Statuen nachgeahmt haben.

Währenddessen fing es an zu regnen, weswegen wir uns im nächsten Bus freiwillig nach unten begeben haben. Am Placa Catalynia, wo alle Routen starten und enden, gings erst Mal ins Hotel. Warm anziehen und weiter ging es. Rote Route. Mit Regenverdeck. Und einem Busfahrer, der es ziemlich eilig hatte. Und wie gesagt, als das Verdeck dann wieder offen war, war ständig so eine Stange im Weg. Und der rasende Busfahrer. Ich war total entnervt. Olympiastadion, irgendein Schloss, Stierkampfarena, Miros Frau und Vogel… Keine Chance.

Da half nur aussteigen und in den nächsten Bus hopsen. Runter zum Hafen, umsteigen in die grüne Linie, Strand gucken, wieder zurück in die rote Linie, Olympisches Dorf, zurück zum Placa Catalynia, sitzen bleiben, noch mal mitfahren bis zur Arena. In aller Ruhe Schloss gucken und Arena und Brunnen und und und. Dann die Gran Via zurück Richtung Rambla schlendern, unterwegs Tapas essen in einem Restaurant, in dem alle anderen Spanisch sprachen.

Morgen beginnt der Kongress. Am Abend gibt es ein Get Together. Die anderen Abende aber: Parc Güell, Gaudi, Gaudi, Gaudi, Tibidabo, und! Ganz wichtig: Fundacio Joan Miró. Wir standen heute schon vor der Ausstellung. Die hat aber sonntags und montags geschlossen. Aber, ich bin ja noch ein paar Tage hier.

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Morgens Halb Zehn….

Juni 8, 2013

Deutschland, oder besser gesagt auf dem Flughafen Halle/Leipzig.

Seit 5 Minuten müssten wir in unserem Flieger nach München sitzen. Aber der hat Verspätung. Mehr als ein Stunde. Die zusätzliche Wartezeit vergeht trotzdem wie im Flug. Beim in der Schlange stehen, zuschauen, wie die vor uns Wartenden ihre Anschlussflüge umbuchen und dasselbe dann selber tun.

Dabei geht’s uns richtig gut. Wir können in München hocken und einfach den nächsten Flieger nach Barcelona nehmen. Andere müssen da kreativer sein. Zum Beispiel nach Bari statt nach Venedig, übernachten und morgen aufs Schiff.

Und es gibt auch keinen Grund zu klagen. Immerhin: Halb Zehn. Da gibt es Personal auf dem Flughafen, dass sich um die Umbuchungen kümmert. Erst vor drei Tagen erzählte mir ein Verwandter von seinem Flug in die Staaten, der ebenfalls daran zu scheitern drohte, dass  in Leipzig der Flieger fehlte. Nur eben am frühen Morgen. Und am frühen Morgen, da sieht’s schlecht aus. Da ist kein Personal da. Jedenfalls nicht das, das man in so einem Fall braucht. Am frühen morgen, da ist der Flughafen Halle/Leipzig nämlich quasi tot. Ich weiß das, ich bin da schon mal abends gelandet, so kurz vor Mitternacht. Und da ist der auch quasi tot, unser schöner großer Flughafen.

Dann fliegt die kleine Maschine der Air Dolomiti über Halle und wir sehen unter uns dass Ausmaß der Verwüstung. So aus dem Flieger  sehen die Überschwemmungen noch mal bedrohlicher aus als im Fernsehen. Mich packt auch gleich wieder das schlechte Gewissen. Weil ich in den Süden flieg, statt zu helfen. Dabei hatte ich schon überlegt, wo ich hinfahre heute. Borna? Wurzen. Bennewitz? Bis meine Kollegin am Donnerstag zu mir sagte, wir holen Dich dann am Samstag Halb Acht ab.

Hä? Wie? Wohin denn?

Barcelona? half mir die Kollegin auf die Sprünge. Ach! Das wäre mir jetzt fast ein bisschen entfallen.

In München, vor dem Flughafen dann Volksfeststimmung und Weißwurscht. Das Volksfest nervt etwas, die Weißwurscht schmeckt.

In Barcelona haben die Spanier ihre Busse umbenannt. Aus A2 wurde T1, was uns ein bisschen verwirrt durch die Gegend rennen lässt, bis uns jemand aufklärt. Dann geht es ab ins Zentrum. In Barcelona sind wir dienstlich. Ein Kongress ruft und unser Chef meint, wir müssten da teilnehmen. Na gern doch. Und unser Hotel liegt direkt an der Rambla, am Placa Catalanya. Hier quillt das Leben über. Wir mischen uns unters Volk und genießen den Trubel. Ja, wenn man sich drauf einlässt, kann man Menschenmassen auch genießen. Eine gewisse Zeit lang jedenfalls. Vor der Nacht allerdings gruselt es mich etwas. Da muss man ordentlich müde sein, um bei dem Lärmpegel schlafen zu können.

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