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Tot. Fast.

November 22, 2014

Es ist geschafft. Fast. Und ich bin tot. Fast.

10 Tage lang habe ich, da der Maler sich irgendwann gar nicht mehr meldete, Tapeten abgekratzt. Mit tatkräftiger Unterstützung der Kleinfamilie, Farben und Kram gekauft, mit Hilfe des Bruders, grundiert, gemalert und tapeziert, mit Hilfe des extra aus Dresden angereisten Kleinen Kindes, das den Freund zur Unterstützung mitbrachte. Ok, die zwei Tage vor dem Feiertag habe ich pausiert, da war ich schon so erschöpft, dass ich nach den Tagen im Institut nur noch in mein Bett krauchen konnte. Die Couch habe ich ja schon bevor der Maler eigentlich kommen wollte, entsorgt. Mit Hilfe des Bruders und des Neffen.

Dafür hatte ich am Donnerstag Urlaub und habe weiter gemalert. Gestern habe ich die Arbeit der Laminatverleger überwacht. Und das war gut so, stünde die Küche doch sonst jetzt schief. 3 Stunden haben die nur gebraucht, von 7 bis 10, und ich habe meinen Gast aus Polen bewundert, der stoisch geschlafen hat. Trotz Krach und Sägearbeiten im Nachbarzimmer. Respekt.

Nun ist alles fertig. Fast. Ein paar Möbel müssen noch gerückt werden. Beim Schrankaufbau hat mir der Gast aus Polen heute schon geholfen. Zum Möbelrücken kommt morgen die Kleinfamilie. Dann muss ich noch eine neue Couch kaufen. Da hilft mir der Bruder wieder. Und die Bilder müssen wieder an die Wand. Da wird wohl noch mal die Kleinfamilie anrücken müssen. Oder jedenfalls der Prinzessinnenvater.

Ich wäre heute gern ein Bierchen trinken gegangen. Nach 12 Tagen Tapeten und Farbe und Laminat hätte ich gern was anderes gesehen. Aber ach, alle Freunde sind im Urlaub. Oder bei fragwürdigen Konzerten. Na gut, ich wäre wohl sowieso nach dem ersten Bier eingeschlafen.

Körperliche Arbeit ist aber auch so was von anstrengend. Ehrlich mal.

Aber irgendwie, so selbst gemalerte Wand sieht tausendmal schöner aus. Finde ich.

Ich gehe mich dann jetzt mal weiter ausruhen.

 

Einem geschenkten Gaul

November 18, 2014

Guckt man nicht ins Maul, sagte man früher.
Ich aber habe mit Schenkungen an Fremde so meine eigenen Erfahrungen.
Schon als ich mich täglich von etwas trennte, was ich nicht brauche, nutzte ich Plattformen wie e.bay Kleinanzeigen und Das Schwarze Brett, um Menschen zu finden, die sich gern etwas schenken lassen wollten.
Jetzt, wenn ich etwas verkaufe, nutze ich auch beide Plattformen. Das ist lokal, die Neuerwerber können sich das zu veräußernde Teil angucken, wir sparen beide Versandgebühren und ich den Gang zum Postamt.
Klappt wunderbar.
So lange ich nur Geld haben will.
Ein bisschen anders sieht es aus, wenn ich was verschenke.
Schon damals wurde ich mit Anfragen von Interessenten überhäuft, doch der Auserwählte kam dann häufig nicht, den Geschenkartikel zu holen.
Und so auch jetzt. Das Kameragedöhns war innerhalb von drei Tagen verkauft, fürs Smartphone interessieren sich aktuell drei Leute.
Ein paar Rollen Raufasertapete, Tapetenleim und weiße Wandfarbe wollte ich eigentlich auch weiter verkaufen, da sah ich die Anzeige eines Menschen, der so was gern geschenkt haben wollte. Was soll‘s, dachte ich. Habe gestern einen Weg ausfallen lassen, den ich heute nachholen darf, um pünktlich zu Hause zu sein.
Die Geschenkartikel stehen immer noch rum.
Nun frage ich mich,  woran liegt das? Kaufen Leute lieber statt geschenkt zu kriegen?
Ich verstehe die Welt nicht wirklich.

Kommunikation ist alles

November 16, 2014

Und da Frauen angeblich eh immer zu zweit dahin gehen….
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Fragen Sie mich bloß nicht, wie ich das Foto gemacht habe

Der letzte Akt

November 12, 2014

Da war doch noch was.

Genau.

Wohnstube und Küche. Bei mir, nachdem ich vor zehn Jahren eine Wand entfernt habe, ein Zimmer. Nach den Sanierungsarbeiten in der Wohnung und am Haus wollte ich das renovieren. MUSSTE ich das renovieren. Doch nach  Flur und Gästezimmer war erst mal die Luft raus. Und dann Sommer.

Nun aber wurde es Zeit. Zu peinlich wurde es, mich bei Gästen immer noch zu entschuldigen von wegen Sanierung und der Maler kommt noch.

Der Bruder organisierte einen Transporter für die olle Couch und anderes unnützes Mobiliar. Ich bestellte den Maler. Und natürlich den Laminatverleger. Habe ich alles erledigt, bevor ich in Hamburg war.

Pünktlich am 3. November überraschte mich der Vermieter.

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Das rot weiße Band wurde bis zur Sperrmüllfuhre letzten Freitag durch einen Zaun ersetzt. Andere genervte Nachbarn hatten es schon abgerissen und ignoriert.

Am Montag sollte der Maler kommen. Also vorgestern. Ich smste ihm, dass er den Nebeneingang benutzen solle. 90 Minuten später, 30 Minuten vor Arbeitsbeginn versetzte er mich. vorübergehend. Gestern habe ich mal nachgefragt. Donnerstag oder Freitag könne er beginnen. Seitdem wieder Funkstille. Zum Glück fanden sich schnell Helfer

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Jetzt bin ich gespannt, wann  der Maler kommt. Und was er davon hält, weniger als den vereinbarten Preis zu erhalten. Denn die Tapete ist ja runter. Malern wollte ich eh selber. Bleibt also nur ein bissl Tapete an der Küchendecke.

 

Das andere Gedenken

November 10, 2014
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Nein, wir haben es nicht vergessen.

Der 9. November ist ja nicht nur ein Tag zu (berechtigter) Freude.

Und so überließen wir anderen das Feiern. Allerdings fanden sich in diesem Jahr nicht für alle Stolpersteine  Mahnwachen. Lag es an dem anderen Jubiläum oder daran, dass in Leipzig inzwischen sehr viele Stolpersteine verlegt wurden?

 

 

Jakob Meir Schall hatte einen Traum. Er wollte unbedingt eine eigene Firma gründen. Und er fühlte sich durch und durch als Leipziger, nannte sich gern Max Mayer Schall.

Nachdem er einige Jahre als Handlungsreisender unterwegs war, kaufte er sich in Thüringen noch vor 1920 eine kleine Firma. Als er den Firmensitz später nach Leipzig verlegte, folgte ihm ein Teil seiner Belegschaft, die er beim Neustart in der Messestadt finanziell unterstützte.

Auch privat lief für ihn alles nach Maß, er war verheiratet und hatte drei Kinder. Als es die finanzielle Lage zuließ, zogen sie aus dem Gebiet der Großen Synagoge in die Südvorstadt.

Jacob Meir Schall war ein lebenslustiger Mann, unterstützte Sportvereine, war sehr eingebunden in das Leipziger Stadtleben und beruflich erfolgreich. Er übernahm Anteile der Süßwarenfabrik Adolf Rost und gründete in Leipzig eine Niederlassung.

Nach 1933 überlegte sich die Familie, auszuwandern, nach England. Doch wie viele andere glaubten sie wohl nicht an das Unglaubliche, fühlten sich als Leipziger und solche sicher. Als sie ihren Irrtum erkannte, war es wahrscheinlich zu spät. Vielleicht aber gehörten sie auch zu jenen, die sich bis zum Schluss an Grashalme der Hoffnung klammerten.

Für Jakob Meir Schall ging dieser Grashalm am 14. Januar 1942 unter. An diesem Tag wurde er verhaftet. Einen Monat verbrachte er im Gefängnis in der Wächterstraße, dann wurde er am 27. Februar 1942 nach Sachsenhausen und von dort nach Auschwitz deportiert. Jakob Meir Schall wurde 63 Jahre alt.

Ich gucke nur Fernsehen

November 10, 2014

Mit dem gerade erworbenen Bücherstapel unterm Arm und der ebenfalls gerade erworbenen neuesten Ausgabe der Obdachlosenzeitung in der anderen Hand schiebe ich mich durch die kauflustigen Wochenendausflügler von einem zum nächsten Buchladen, als mich einer dieser jungen Männer anspricht, die sich hier, und bei Ihnen vermutlich auch, temporär immer mal in der Innenstadt oder am Bahnhof verteilen, mit zwei drei Büchern in der einen Hand, während sie mit der anderen einen Rollkoffer hinter sich herziehen und Passanten immer mit demselben Satz ansprechen: Liest Du gern?
Nein, antworte ich nun seit einigen Jahren automatisch, nachdem ich bei der ersten Begegnung dieser Art unwissend bejaht hatte und plötzlich ganz viele uninteressante Bücher geschenkt bekam und für jedes so ca. 15 DM spenden sollte. Ich bleibe nicht mal stehen, sondern schiebe mich weiter, höre aber noch den Neben- oder Zweitsatz des jungen Mannes: Oder guckst Du nur Fernsehen? Ja, rufe ich zurück, ich gucke nur Fernsehen.
Dabei schwenke ich zur Bestätigung und weil die gerade erworbenen Bücher etwas unhandlich und zu schwer sind, ersatzweise und zur Unterstreichung meiner Antwort „Die Kippe“ über meinem Kopf.
Dabei hatte ich mir vor Betreten der Innenstadt extra Münzen in die Taschen gesteckt, weil ja die Sonne schien und bestimmt viele Straßenmusiker in der Stadt seien. Aber denen war zu kalt.

Stolper(wander)tag 1 – da wos schön ist

November 8, 2014

Inzwischen ist es lange nach 17:00 Uhr und ich bin seit über 7 Stunden unterwegs. Zu Fuß. Dabei komme ich jetzt in einen der schönsten Ecken Leipzigs. Gehört zu Zentrum Nord, liegt zwischen Zoo und Gohlis. Hier scheint jedes Haus, dass den Krieg überlebt hat, denkmalwürdig. Verspielte Dächer, Blendfassaden, liebevolle kleine Details überall, mächtige Türen Portalen gleich und die von mir so geliebten runden Balkone, Erker, Ecken. Schauen Sie sich einfach die Bilder an und genießen Sie mit mir. Wir bewegen uns nur 800m über die Gohliser Straße zum Nordplatz und ich könnte noch viel mehr zeigen.

An der Michaeliskirche am Nordplatz hänge ich Erinnerungen nach. Ich erwähnte es im letzten Kapitel, hier erlebte ich einen wunderbaren Jugendpfarrer. Ich verließ den geschützten Raum, als der Jugendpfarrer seinen Vorgesetzten zu heiß und auf irgendein Dorf versetzt wurde. Und um die Ecke, ja, da traf ich mich 1989 mit den anderen Mitgliedern der Gruppe Frieden und Menschenrecht. Aber das war viele Jahre nach dem Jugendpfarrer.

In der Gohliser Straße 18 wohnten der Kaufmann und Betreiber eines Textilgroßhandels Max Sichel und seine Frau Hildegard mit ihrem Sohn Bernd zur Untermiete. Ihre Wohnung in der ehemaligen Danziger Straße musste die Familie nach der Pogromnacht vom November 1938 verlassen. Sie wurden zunächst von couragierten Leipzigern, der Familie Thomas im Leipziger Süden beherbergt., bevor sie im Dezember hier im Norden der Stadt zur Untermiete wohnen konnten. Im gleichen Monat musste Max Sichel seine Firma abmelden und die geplante Auswanderung der Familie nach Bolivien wurde durch die Sicherungsanordnung über Sichels Vermögen erschwert. Im Juli 1939 reisten die Sichels dann doch aus. Doch ihr Zielland Frankreich konnte sie nur kurzfristig vor Verfolgung und Vernichtung schützen. Am 26. August 1942 wurde Max Sichel nach Auschwitz deportiert, wo er am 24. November desselben Jahres im Alter von 45 Jahren ermordet wurde.

Hildegard Sichel trat ihre letzte „Reise“ am 2. September 1942 an, ebenfalls mit Ziel Auschwitz. Das Todesdatum der damals 31jährigen ist nicht bekannt. Ihr kleiner Sohn Bernd überlebte den Holocaust.

Dr. Felix Cohn, der mit seiner Familie (Frau und zwei Kinder) am Nordplatz 3 wohnte, starb in unmittelbarer Folge der Pogromnacht 1938. Der Hals- Nasen- und Ohrenarzt durfte damals noch zwei Stunden täglich seine Praxis für die noch in Leipzig wohnenden Juden öffnen. Als am Morgen des 10. November 1938 die Gestapo um sich schießend seine Praxis stürmte, wurde er schwer verletzt. Der Arzt wurde ins Polizeigefängnis in der Wächterstraße gebracht, wo er im Alter von 46 Jahren verstarb.

 

Bisherige Abschnitte:

Der Norden, ein weißer Fleck     tief im Norden     Stadt Dorf Widerstand

form follows function         Drei Geschichten vom Mut       Das Leid der Mütter

Eu, die Rietzschke     Unerwünschte Nachbarn- Gerstern und heute     Altbekannt und überraschend

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