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Im Zug

August 1, 2014

„Ich hatte gehört, auf der Transsib fahren viele Ausländer“, wundert sich Andrea, Italiener und einer der drei Ausländer, die wir im Zug getroffen haben. „Ja, dachten wir auch, „aber Du bist der Erste, den wir treffen.“ Wundern wir uns. „Aber wo sind denn die anderen?“. Ich hebe die Schultern. „Vielleicht im Rossija?“ „Meinst Du, der ist doch aber teuer?“. Ich hebe wieder die Schultern.

Tatsächlich hatte ich bei meinen Recherchen gelesen, dass je niedriger die Zugnummer, desto besser der Komfort. Bei der Bestellung der Zugtickets zeigte sich dann auch, dass die Preise so steigen wie die Zugnummer sinkt. Aber das war nicht der Grund, weswegen wir alles taten, um nicht im Rossija zu reisen (Zug Nr.2) oder im Baikal (Nr. 10). Wir wollten vielmehr so wenig Ausländer wie möglich treffen und dachten, da seien wir am sichersten vor, wenn wir uns Züge mit hohen Nummern raus suchen, so sie in unsere Planung passen. Und das hat gut geklappt. Obwohl ein kurzes Stück im Rossija wäre vielleicht doch ganz gut gewesen. Zum Vergleich. Denn das Foto eines Waschraumes in meinem Reiseführer zeigt doch, dass es da ganz anders zugehen muss.

Die Nummern unserer Züge lagen zwischen 70 und 100, und das letzte Stück fuhren wir gar mit der 351, deshalb können meine Erfahrungen gänzlich von denen abweichen, die man im Rossija macht. Oder im Baikal. Und die Tipps, die ich geben kann, gelten in den anderen Zügen vielleicht nur bedingt. Außerdem sind wir ausschließlich und nur Kupé (die Schreibweise ist Absicht) gefahren, also 2. Klasse, 4-Bettabteil. Wie es in der 1. Klasse oder gar in den Luxuszügen zugeht weiß ich genauso wenig wie in der 3. Klasse.

Trotzdem, im großen und ganzen wird es wohl ähnlich sein.

Also, bevor ich also meinen Reisebericht fortsetze, einiges zum Reisen in der Transsib.

Vor der Fahrt empfiehlt es sich, einen Beutel oder Tagesrucksack für die Zugfahrt zu packen. Da hinein gehören Zahnputzzeug, Waschzeug und was man so an Kosmetik braucht, Bücher, Taschenlampe, Handy oder womit man auch immer die Zeit totzuschlagen gedenkt, Wechselsachen für den Zug!!!! (ganz wichtig), Essen, Teetasse, Messer.

Jeder Wagon hat zwei Schaffnerinnen, die im Schichtwechsel arbeiten. Eine der beiden steht an den Stationen immer draußen vor der Tür, lässt Neuankömmlinge rein und achtet darauf, dass die anderen Reisenden nicht die Abfahrt verpassen. Wenn man also die Reise antritt, zeigt man der entsprechenden Schaffnerin seinen Pass und die Fahrkarte. Nach sorgfältiger Kontrolle darf man in den Wagon. Wurde der Zug erst eingesetzt, kann es sein, dass man der erste im Kupé ist. Das ist immer für 4 Personen und für jeden Reisenden gibt in der Regel es eine Matratze, ein Kopfkissen und eine Bettdecke(einmal sind wir mit einem „moderneren“ Zug gefahren, der hatte weichere Sitze, die Polster waren aus Samt, da gab es keine Matratze). Das liegt bei neu eingesetzten Zügen meistens oben in der Gepäckablage. Steigt man irgendwo zu, liegt das Bettzeug schon zusammen gerollt auf den Liegen.

Sollte schon jemand im Abteil sein, grüßt man höflich und stellt sich vor. Unter Umständen reiste man 2-3 Tage auf engstem Raum zusammen, da kann ein guter Start hilfreich sein.

Da wir immer recht zeitig am Zug waren, haben wir unser Gepäck abgestellt und sind noch einmal raus auf den Bahnsteig.

Wenn der Zug losgefahren ist, kommt die Schaffnerin, kontrolliert noch mal die Tickets, reist „ihren“ Schnipsel ab und bringt dann die Bettwäsche, also Bezüge, Laken und ein Handtuch. Nun kann man sich einrichten. Die anderen Reisenden werden so höflich sein, und das Abteil verlassen, um Platz zu machen. Umgedreht sollte man das natürlich auch tun, wenn Reisende zusteigen.

Matratzen ausrollen, Laken drauf, Betten beziehen. Das Gepäck kommt in die Ablagen oben. Für die, die unten schlafen, gibt es unter den Liegen große Boxen fürs Gepäck. Es gibt Bügel , Haken und Kleiderstangen, dazu ein kleines Gepäcknetz für Krimskrams. Ich habe im Zug, außer auf dem ersten Abschnitt, immer eine kurze Hose und ein Trägertop getragen. Für die Jogginghose war es doch zu warm. So ein Kleiderwechsel ist absolut empfehlenswert, da man nach zwei Tagen Zugfahrt doch etwas derangiert aussieht. Sollte man in einem gemischten Abteil sein, kann man die Mitfahrer des anderen Geschlechts ohne schlechtes Gewissen bitten, mal das Abteil zu verlassen für die Zeit, da man sich umzieht.

Es gibt am Anfang und am Ende jedes Wagons eine Toilette inkl. Waschraum. Als ich den zum ersten Mal sah, dachte ich, das halte ich nicht aus. Es stellte sich aber heraus, dass diese Räume so praktisch angelegt sind, wie der ganze Zug. Sie lassen sich nämlich gut reinigen. Und ehrlich mal, eine Klobrille wäre auch immer beschmutzt. Sauber gemacht wird sehr regelmäßig. Die Toiletten sowieso, aber auch Gang und Abteile werden 1x täglich von der Schaffnerin geputzt.

Am Ende des Ganges ist auch ein großer Abfallbehälter.

Am Anfang des Wagons haben die Schaffnerinnen ihr Abteil. Dort ist auch ein Hei0wasserboiler, wo es ständig hei0es Wasser gibt, und gegenüber ein Trinkwasserspender.

Bei den Schaffnerinnen kann man auch Fertigsuppen kaufen, Kaffee und Tee oder sich ein Trinkgefäß leihen.

Im Wagon hängt mindestens ein Fahrplan, auf dem alle Haltepunkte mit Zeit und Haltedauer eingetragen sind. Die Zeitangaben sind alle in Moskauer Zeit! Erst fand ich das doof, aber je länger wir unterwegs waren, desto besser fand ich das System. Wir sind durch 7 Zeitzonen gefahren, da verliert man irgendwann den Überblick.

Auch auf den Tickets ist die Moskauer Zeit angegeben. Da wir sie aber in UK bestellt hatten, hatten wir zu jedem einen Zettel, wo noch mal die lokale Zeit vermerkt war.

Die Züge halten so zwischen 1 Minute und 1 Stunde. Bei Stopps, die 10 Minuten und länger dauern, wird man von der Schaffnerin raus gelassen. Für diese Aufenthalte sollte man auch immer bereit haben: Papiere und Ticket, Fotoapparat, Tabak und Geld.

Die Zugbegleiterinnen achten sehr genau darauf, dass alle ihre Schäflein rechtzeitig wieder an Bord sind… wenn man sich auf dem Bahnsteig aufhält. Deswegen immer Papiere und Ticket „am Mann“ haben, falls doch mal was schief geht.

Ach ja, während längerer Halte werden die Toiletten geschlossen! In Städten kann das schon mal 30 min vor Ankunft sein und es dauert dann manchmal auch eine halbe Stunde, ehe sie wieder aufgeschlossen werden.

Rauchen ist auch in Russland mittlerweile verboten. Trotzdem „erwischten“ wir immer wieder Leute, die auf den Plattformen zwischen den Wagons rauchten, was von den Schaffnerinnen (noch) toleriert wurde. Genau wie auf den Bahnsteigen, wo es eigentlich auch verboten ist.

Wir waren auch zwei Mal im Speisewagen. Die sind genauso komfortabel, wie es auf dem zugegebenermaßen schlechten Foto aussieht. Das Personal ist freundlich, das Essen wird auch im Zug frisch zubereitet!!!

Aber eigentlich braucht man den Speisewagen nicht. Wir wurden ständig zum Essen eingeladen. Entsprechend haben auch wir unser Essen angeboten, das gehört zum guten Ton. Aber eigentlich wurden wir gemästet.

Übrigens, wir hatten ja immer die oberen Liegen. Zum Essen hockt man sich natürlich unten hin, auf das Bett der Mitreisenden.

30-45min vor Ankunft am Ziel kommt die Schaffnerin und fordert einen auf, die Bettwäsche abzugeben. Man muss darauf achten, dass man sie ihr dann wirklich persönlich übergibt, da sie die schmutzige Wäsche sofort auf Vollständigkeit überprüft. Matratze, Bettdecke und Kissen werden zu einem Bündel zusammengerollt und an Kopf- oder Fußende platziert.

Das wars.

Ich hoffe, ich habe nichts vergessen. Wenn doch, werde ich diesen Blog gern ergänzen.

Eingewöhnung

Juli 31, 2014

Eingequetscht zwischen der Trasse der Eisenbahn und den sich wie eine Epidemie ausbreitenden Hochhäusern der Moskauer Vororte behaupten sich ein paar alte Holzhäuser. Bedrängt von den mehr als 20geschossigen Wohnsilos im Nacken schneiden ihnen die Stahlstränge der Eisenbahn jeden Fluchtweg ab. Sie kommen mir vor wie Tiere auf der Roten Liste. Schutzlos. Ohne Lobby. Die Dörfer im Moskauer Umland, vom Aussterben bedroht. Jede Hilfe scheint zu spät zu kommen.

Wir sitzen im Zug Richtung Omsk. Knapp zwei Tage wird es dauern, ehe wir die Stadt erreichen werden. Das wird dann schon in Sibirien sein, in Asien.

Freundin Nr. 1 hat uns zum Bahnhof gebracht, zum Jaroslawer, von dem alle Züge Richtung Wladiwostok starten. Weil hier drei Bahnhöfe stehen, könnte das für Neuankömmlinge verwirrend sein, aber wir sind eine Stunde vor Abfahrt unseres Zuges da und haben genug Zeit, uns zu orientieren. Der genaue Bahnsteig wird eh erst max. 30 min vor Abfahrt bekannt gegeben.

Das Abteil, ich habe für alle Zugfahrten immer die zwei oberen Liegen gebucht, teilen wir uns zunächst mit nur einer Frau aus Nischij Nowgorod, das liegt nur 461 km von Moskau entfernt und wird noch am Abend erreicht. In Wladimir steigt dann noch ein junges Mädchen zu.

Wir haben uns eingerichtet, aber nicht gut vorbereitet. Leider habe ich mich von der Cousine beeinflussen lassen, als die meinte, sie würde im Zug keinesfalls andere Sachen anziehen. Jetzt würde ich mich gern umziehen, aber die „Zugsachen“ liegen ganz unten im Rucksack. Und, so praktisch die Abteile auch eingerichtet sind, ganz tief im Rucksack wühlen ist irgendwie ganz ungünstig. Auch meinen Trinkbecher, den ich mir in Moskau extra gekauft habe, weil meiner in Leipzig auf dem Küchentisch stehen geblieben ist, habe ich ungünstig verpackt. Aber bei der Schaffnerin kann man sich Teegläser ausleihen.

Der erste große Halt erfolgt in Wladimir (km 210), eine der ältesten Städte Russlands, die 1108 als Festung gegründet wurde. Uns bleiben exakt 37 min, um uns die Beine zu vertreten, ein bisschen umzusehen, Essen zu fassen.

Wir vermissen die Babuschki, die frisches Obst, Piroggen usw. verkaufen, aber von den Mitreisenden erfahren wir, dass die wegen der Terrorismusgefahr nicht mehr auf die Bahnhöfe dürften. Das ist jetzt ganz blöd. Das stand so in keinem Forum. Wir haben uns voll darauf verlassen und nur eine Notration mit. Zum Glück gibt es aber dafür kleine Kioske auf den Bahnsteigen. Und bei mehr als 30 min Aufenthalt kann man natürlich auch mal schnell auf den Bahnhofsvorplatz wetzen. Hinter dem Ural, so meinen unsere Mitreisenden, würde das sicher besser werden mit den Babuschki. Aber bis zum Ural ist es noch ein Stück. Stattdessen laufen Frauen durch den Zug, die Kristallkram verkaufen. Es muss hier irgendwo ein Werk geben und die Arbeiterinnen haben einen Deal mit dem Zugpersonal, denn eigentlich darf man die Waggons nur mit gültiger Fahrkarte betreten. Aber dazu schreibe ich im nächsten Blog mehr. Wie das funktioniert und was man braucht.

Unser Zug fährt übrigens bis Sewerobaikalsk, dafür braucht er knapp vier Tage und es sitzen tatsächlich Leute im Zug, die von Moskau bis Sewerobaikalsk durchfahren. Das sind vor allem Familien mit Kindern, die in die Ferien fahren.

Auch Nischnij Nowgorod, wo der Zug wieder für 30 min hält, gehört zu den älteren Städten Russlands.

Ich muss sagen, ich bin an diesem ersten Tag noch damit beschäftigt, den Zug zu erkunden. Mich einzurichten. Statt mich mit den Mitreisenden zu unterhalten, schaue ich lieber den Kindern im Gang zu. Oder aus dem Fenster. Ich bin noch ganz gefangen von diesem neuen Abenteuer.

Bis Kotelnitch bei km 830 fahren wir auf der sogenannten „Neuen Strecke“ über eben Nischnij Nowgorod, wo wir die Wolga überqueren. In Kotelnitch geht es dann zurück auf die alte, die historische Strecke. Aber das passiert irgendwann nachts zwischen 2 und 3. Da schlafe ich längst.

Leider bestehen unsere Abteilnachbarn auf geschlossene Fenster, was für ein bisschen warme Luft sorgt. Zum Glück haben sie uns aber geraten, die Bettdecken nicht zu beziehen, sondern nur die Bettbezüge zu nutzen. Sonst wäre das kaum auszuhalten.

Inzwischen teilen wir uns das Abteil mit einer „Pädagogin“, sie ist Erzieherin in einem Waisenheim, die nach, ich glaube, es war Bratsk, fährt,um dort ihre Schwester zu besuchen, und einer jungen Frau, die irgendwo bei Wladiwostok in einem Reservat irgendetwas mit ussurischen, wie die sibirischen auch genannt werden, Tigern macht. Aber genaueres will sie nicht sagen. Ich hoffe trotzdem, dass das, was sie da tut, dem Schutz der Wildkatzen dient. Wie wir macht sie Urlaub auf der Transsib, fährt aber bis Nowosibirsk.

In Perm trifft die Pädagogin ihre Cousine. In Perm haben wir 20 min Aufenthalt. Zeit, um Verwandte mal zu herzen, Geschenke auszutauschen… Und wir reden uns damit heraus, dass wir Verwandte nicht besuchen könnten, weil sie zu weit entfernt wohnten….

Irgendwo zwingt sie mich, Quark zu essen. Nun mag ich die Russische Küche sehr, Quark allerdings und Buchweizengrütze gehören nicht zu meinen Lieblingsspeisen. Andererseits ist es fast unmöglich, das Essen abzulehnen, ohne die Frau zu beleidigen. Und die Pädagogin ist genau so, wie man sich eine Sowjetische Pädagogin vorstellt. Da gehorcht man lieber. Ich sage mir also, dass es mich hätte schlimmer treffen können, nämlich, wenn da statt des Quarks diese ekelhafte Grütze auf dem Speiseplan gestanden hätte, und versuche den Geschmack mit Keksen zu neutralisieren.

Wenige Meter östlich des Haltepunktes Werschina, sagt mein Reiseführer, steht ein Obelisk auf der rechten Seite der Bahnstrecke, der die Grenze zwischen Europa und Asien markiert. Leider hält unser Zug nicht in Werschina (km 1777), ich sehe den Obelisken trotzdem. Ihn zu fotografieren gelingt mir natürlich nicht.

Irgendwo unterhalte ich mich mit einem reisenden aus einem anderen Abteil, der mir erzählt, dass er in Tschechien, bzw damals war das ja noch die CSSR, gedient hat. In der Sowjet-Armee natürlich. Das verblüfft mich. Bis zu diesem Moment hatte ich wirklich geglaubt, die seien nur in der DDR stationiert gewesen. Nicht, dass ich nie vom Prager Frühling gehört hätte, aber dass “die” dann dort geblieben sind?

So vergehen die ersten 42 Stunden Zugfahrt. Oder waren es 38?

Wir erreichen Omsk 6:07 Uhr Moskauer Zeit, losgefahren sind wir 12:45, vorgestern. In Omsk müssen wir die Uhren 3 Stunden vorstellen.

Touristenkram, ein altes Viertel und Erinnerungen an einen Roman

Juli 30, 2014

Moskau, Montag, 30. Juni 2014

Der Freund von Freundin Nr.2 hat uns empfohlen, auf der Moskwa langzuschippern.

Also fahren wir am Montag ganz allein in die Stadt (die Freundinnen und deren Freunde sind ja auch arbeiten) und zum Kiewer Bahnhof. Mit der Metro. Die Metro, das ist ja auch eine der Sehenswürdigkeiten Moskaus. Deswegen wird es dazu einen extra Blog geben. Ich habe nämlich fleißig fotografiert. Allerdings mit der Taschenknipse. Und meistens musste das sehr schnell gehen, weil ich irgend jemandem hinterher gehastet bin. Vor allem wenn Freundin Nr. 1 mit uns unterwegs war, musste ich mich auch ohne Knipserei sputen, den Anschluss nicht zu verlieren. Last but not least steht frau natürlich auch immer jemandem im Weg, wenn sie da in der Metro fotografiert. Und die Russen, das wissen wir ja schon, haben es immer eilig. Und die Moskauer, da unterscheiden sie sich nicht von anderen Hauptstädtern, haben es noch ein bisschen eiliger als die aus der Provinz.

Also Kiewer Bahnhof. Dem Untergrund entkommen, die Fahrt dauerte immerhin so eine Stunde, brauche ich erst Mal eine Zigarette. Aber es zeigt sich, dass die Russen diesbezüglich noch ein bisschen schlimmer sind als die Amis. Jedenfalls an manchen Orten. (Ich habe bis zum Schluss nicht herausfinden können, wo Verbote nur auf dem Papier stehen und wo auf deren Einhaltung strengstens geachtet wird). Zwei Ordnungshüter weisen mich auf das Verbot hin. 5 m entfernt steht aber ein öffentlicher Mülleimer, da darf ich.

Heute ist es schon fast ein bisschen zu warm. Da kommt so eine Bootsfahrt gerade richtig.

Am Ufer angelangt, guckt die Cousine gar nicht lange rum, fragt, wir kaufen die erstbesten Karten und landen auf einem etwas nobleren Schiff. 3 Stunden dauert die Fahrt, die etwa bis Neujungfrauenkloster geht und dann wieder zurück.

Es gibt jede Menge Sehenswürdigkeiten zu sehen, auch den Kreml und den Roten Platz. Aber auch zum Beispiel die Lomonossow- Universität, eine der „Sieben Schwestern“, die Schokoladenfabrik Rotfront, den Gorki-Park, das Stadion, noch eine der Sieben Schwestern und natürlich das ungeliebte Peter-der-Große-Denkmal. Die 96 m hohe Statue steht seit 1997 auf einer künstlichen Insel in der Moskwa, direkt da, wo ein Kanal abzweigt. Man muss kein großer Russlandkenner sein, um zu verstehen, dass die Moskauer ein Denkmal dieser Größenordnung für einen Zaren, der ihre Stadt 1710 als Hauptstadt durch St. Petersburg abgelöst hatte, nicht besonders mögen. Es soll sogar zahlreiche Bürgerinitiativen gegen die Aufstellung des Monuments gegeben haben.

Nach der 3- stündigen Fahrt laufen wir über eine futuristisch anmutenden Fußgängerbrücke zum Arbat. Da wollte ich unbedingt hin. Der Arbat ist ein um die gleichnamige Straße liegendes Wohnviertel im historischen Zentrum der Russischen Hauptstadt. Es besteht seit dem 15. Jahrhundert, aber im 19. und Anfang des 20. Jahrhundert lebten dort viele Intellektuelle und Künstler, mittlerer Adel und höheres Bürgertum. Anatoli Rybakows wunderbares Buch „Die Kinder vom Arbat“ spielt da, allerdings in der Stalinära, in den 30er Jahren. Da will ich hin, auch wenn viele der alten Häuser in den 60er Jahren dem Wohnungsneubau zum Opfer fielen.

Nun ja, der Arbat, die Straße, ist eine Touristenattraktion, voll gentrifiziert. Nur noch vereinzelt finden wir die Reste eines abgerissenen Hauses, obwohl ich die Cousine wirklich in jede Seitenstraße, auf jeden Hinterhof zwinge. Immerhin, einige „lebende“ Hinterhöfe finden wir noch. Und Rybakows Wohnhaus, auch das, in dem Puschkin lebte.

Im Viertel betteln viele alte Leute. Die sehen nicht obdachlos aus, nur eben arm. Ein Mann, den ich für so ein Opfer der Sanierung halte und von dem ich glaube, dass er seine Bibliothek verkauft, entpuppt sich als ehemaliger Arzt im Kreml. Er kennt sie alle. Er hat auch Bücher geschrieben und würde der Cousine gern die Verlagsrechte in Deutschland für 5000 Rubel, vielleicht waren es auch 50000, verkaufen. Ich rede mir die Zunge wund, um ihr den Mist auszureden. Neben seinen eigenen Büchern verkauft er auch Karten fürs Bolschoj, als Veteran kommt er da billiger ran.

In einem „Kaffeehaus“ warten wir auf Freundin Nr.1. Die meisten traditionellen Restaurants wurden längst durch Ketten abgelöst. Einheitsbrei. Russische Küche? Fehlanzeige. Nur zwei Kartoschka- Filialen und ein Mumu, russische Fastfoodketten, konnten sich halten. Auch Freundin Nr. 1 weiß nicht, wo man hier Russisch essen könnte. Das Ukrainische, das es laut Reiseführer noch geben sollte, ist jetzt ein „Donut“, das „Shigulli“ am neuen Arbat ist der Cousine zu dunkel. Ich gebe nicht auf und finde schließlich ein Usbekisches Restaurant, das Vostotchnij Kwartal. Dort, ganz in der Nähe, lese ich im Reiseführer, soll es ein Architekturdenkmal geben, das Melnikow-Haus, ein Bau im Stil der klassischen Moderne. Ich nutze eine Rauchpause, das Haus zu finden, doch es versteckt sich hinter einem hohen Zaun. Und die Bäume im Garten verhindern jeden Blick. Streitigkeiten mit den Erben und ein etwas wackliges Fundament sollen die Ursache dafür sein, dass dieses Beispiel der Russischen Avantgarde der Öffentlichkeit vorenthalten wird. Eine Sanierung würde nämlich immense Kosten verschlingen, vor allem aber müsste das Fundament stabilisiert werden.

Nach dem Essen begleitet uns Freundin Nr. 1 zu Freundin Nr.2. Sie will uns morgen zum Bahnhof bringen. Wenn sie beginnt, unsere Reise mit der Transsib. Zum Abschied feiern wir ein bisschen.

 

Lenin ist ein kleiner Mann

Juli 29, 2014

Moskau, Sonntag, 29.Juni 2014

Für mich steht das heutige Programm schon lange fest. Roter Platz, Lenin gucken, Kreml und den Arbat. Und natürlich will ich den Ostnomaden treffen. Aber der reagiert nicht auf meine SMS.

Freundin Nr. 2 fährt uns mit dem Auto zur Moskwa. Das sieht auch am hellen Tag nicht besser aus als gestern Nacht. Als sie uns in Sichtweite des Roten Platzes absetzt, rufe ich den Ostnomaden an. Eine freundliche Stimme erklärt mir, dass es die Nummer nicht gibt.

???

Falsch abgeschrieben? Falsch eingetippt? Cousine, ich brauche W-Lan.

Aber erst Mal gucken wir uns den Roten Platz an. Es ist ja ein bißchen kühl in Moskau, nicht so kalt wie gestern, aber eben kühl. Und es ist auch noch ziemlich früher Vormittag. Da sind noch gar nicht so viele Touristen da. Es sind geradezu wenige. Ob das am Wetter liegt oder an der Uhrzeit, weiß ich nicht.

Wir starten mit der Basilika. Die hat ja wohl jeder schon mal gesehen, auf irgendeinem Bild oder in einer Fernsehdokumentation. Die Kirche aus dem 16. Jahrhundert schließt den Roten Platz Richtung Moskwa ab, also die schmale Seite des Platzes. Wussten Sie übrigens, dass Roter Platz nichts mit Politik zu tun hat, also der Name rot? Auch nichts mit den roten Kremlmauern, die früher weiß waren. Vielmehr gab es früher im Russischen nur ein Wort für schön und rot: Krasny. Aber wie das so mit Sprachen ist, entwickeln sich diese weiter, krasny wurde umgangssprachlich bald nur noch für rot verwendet und aus dem Platz, der früher eigentlich Schöner Platz hieß, wurde der rote.

Aber zurück zur Basilika. Wie gesagt, jeder kennt und erkennt sie sofort. Aber innen waren wohl die wenigsten. Ich auch nicht. Also, Zeit das zu ändern. Und das innere ist verblüffend. Die Kathedrale besteht aus 11 Kapellen, die auf 2 Stockwerke verteilt sind. Nachdem wir an der ersten, die für Besucher gesperrt ist und durch eine Glasfront abgetrennt ist, durch die wir einen Gottesdienst beobachten können, vorbei sind, irren wir quasi durch dunkle Gänge von Raum zu Raum. Wände und Decken sind über und über bemalt, da ist kein weißer Fleck. Nirgends. Viele der Wandmalereien scheinen für immer verloren, viele sind restauriert. In manchen Kapellen stehen riesige Ikonostasen, in anderen nur eine Bank. Irgendwo singt ein Chor. Man könnte den ganzen Tag hier verbringen und würde immer noch etwas entdecken. Aber wir müssen weiter.

Zum Mausoleum. Von Freunden weiß ich, dass Lenin nicht mehr täglich arbeitet. Das soll mir nicht passieren, dass ich hier einen seiner Ruhetage erwische. Als wir aus der Basiliuskathedrale treten, sieht der Platz auch so aus, wie man das an einem Sonntag erwartet. Er ist rappelvoll. Wir müssen ihn komplett überqueren, um dorthin zu gelangen, wo man sich anstellt. Inzwischen ist es auch nur noch im Schatten etwas kühl. Schatten ist natürlich nicht, aber dafür ist die Schlange nicht so groß, wie man das aus Sowjetzeiten gewöhnt ist. Nicht, dass ich da schon mal angestanden hätte, aber Fernsehen und Berichte über Moskau gabs schließlich schon früher. Sogar in der DDR.

Nach einer halben Stunde sind wir, nein, noch nicht im Mausoleum, sondern auf dem Gelände. Also, da sind nämlich jede Menge Leute an der Kreml-Mauer begraben. Und an denen läuft man erst Mal vorbei. Gegenüber der Mauer sind auch Gedenktafeln. Weiß der Geier, ob da auch Leute liegen. Ich habe keine Zeit. Ich.will.jetzt.Lenin.sehen. Lenin arbeitet nur noch 10-13:00 Uhr und auch nicht montags und freitags und es ist Mittag, zum Glück Sonntag.

Gerade als ich das Mausoleum betrete, läuten Kirchenglocken und die Cousine rennt irgendwo anders hin, um dem Glockenspiel zu lauschen.

Ganz großes Kino! Ich habe nämlich eine Makula Degeneration, was u.a. bedeutet, dass, wenn ich bei Sonnenschein ein Haus betrete, ich erst Mal nichts sehe. Und das Mausoleum ist nicht einfach ein Haus. Das ist ein Mausoleum. Da drinnen ist es dunkel. Wahrscheinlich nur angemessen düster. Aber ich stehe im Finsteren. Ich glaube, dass besteht innen aus schwarzem Marmor.

Himmel.

Ich will gerade zurück ins Licht, da sehe ich einen Soldaten vor mir. Nein zwei. So Wachsoldaten. Die bedeuten mir nachdrücklich, mich nach links zu bewegen. Dort spiegeln sie sich im schwarzen Marmor. Ach nein. Das sind drei. Einer gestikuliert. Ich soll mich bewegen. Ja, Himmel, bitte, einen Moment. Ich bin blind. BLIND. Wo ist denn nur die Cousine? Warum muss die immer wegrennen?

Vorsichtig bewege ich mich jetzt nach rechts. Ich würde mich gern an den Wänden entlang tasten, aber ich glaube, die mögen das nicht. Die Wachsoldaten, meine ich. Jetzt ist hier auch noch eine Treppe. Und wer hatte nur die Idee, das Ding innen mit schwarzem Marmor zu verkleiden? Wo es doch eh schon dunkel ist? Jetzt geht es wieder rechts rum. Und ja, jetzt erkenne ich den Gang.

Oh Gott! Jetzt wäre ich fast hinter Lenin lang gerannt. Die Wachsoldaten beobachten mich misstrauisch. Ich glaube, die halten mich für bekloppt. Die Treppe rauf und da liegt er links.

Huch, ist der klein! Also wirklich. Ich laufe so langsam es erlaubt ist um den offenen Sarg herum. Der Lenin, der ist nicht nur klein, der ist auch ganz zart. Filigran, feingliedrig. Wirkt zerbrechlich. Seine Hände fallen mir auf, die sind geradezu Kleinmädchenhaft. Ach Herrje. Er sieht aus wie eine Puppe, was sage ich, ein Püppchen!

Der Ausgang ist etwas heller. Oder ich habe mich an die Dunkelheit gewöhnt. Immer noch erschüttert von der Winzigkeit dieses Mannes laufe ich an der Kreml-Mauer lang. Ach siehe da, der Stalin. Ob der auch so winzig war? Und Schukow. Also der war bestimmt größer. Jetzt muss ich aber mal paar Fotos machen. Da scheucht mich ein Soldat. Fotos verboten. Auch hier draußen. Aber den Gagarin, mit der Taschenknipse???

Draußen warte ich auf die Cousine. Gleich gegenüber des Mausoleums steht das GUM. Vom Kaufhaus gelangen wir in eine Fußgängerzone und essen in einem Kartoschka. Die Cousine erzählt und erklärt. Wie es früher aussah und wie die Russen so sind und was da ist und dort. Sie ist hier ganz zu Hause.

In einem Hinterhof entdecke ich eine Kirche. Dann ist wieder Programm. Ewige Flamme und Kreml.

Wir machen uns so unsere Gedanken um die Heldenstädte, ja, und was soll ich zum Kreml sagen? Schauen Sie einfach selber. Eine Kirche scheint schöner als die andere und doch habe ich schnell zwei Favoriten. In der einen sind die Ikonen aus Holz geschnitzt, statt gemalt. Das habe ich noch nie gesehen und ist mal was wohltuend anderes. Wenn man nämlich an einem Tag durch etwas mehr als ein halbes Dutzend Kirchen läuft, kann man all die Schönheit irgendwann nicht mehr aufnehmen. Da tut Abwechslung gut. Und dann ist da noch die mit den wie in Reih und Glied nebeneinander aufgestellten Türmchen. Innen darf man hier allerdings nirgends fotografieren.

Wieder draußen finden wir endlich ein Café mit W-Lan und ich schicke dem Ostnomaden eine Email. Dann ruhen wir uns aus. Uns erwartet noch ein Höhepunkt.

Freundin Nr.1 hat uns in den Zirkus eingeladen. Russischer Zirkus! Das beste, was es gibt. Es ist der Moskauer, der, den Juri Nikulin, der Clown, geleitet hat. Seit seinem Tod ist sein Sohn der Direktor.

Es ist atemberaubend. Grandios.

Nur die Raubtiernummer ist gnadenlos schlecht. Es scheint ja modern zu sein, als Künstler nebenbei noch ein bisschen rumzuhampeln. Da wird nicht nur die reine Artistik gezeigt, sondern auch irgendwas ausgedrückt. Ein bisschen Tanz hier, ein bisschen Tanz da. Als solle eine Geschichte erzählt werden. Bei den Tigern und Leoparden allerdings wirkt das deplatziert. Gerade, als würden die Katzen vorgeführt. Lächerlich gemacht. Eigentlich ein Fan der Dressur empfinde ich das hier zum ersten Mal nicht nur als widernatürlich, sondern geradezu als Tierquälerei.

Gastfreundschaft und Freundlichkeit sind zwei verschiedene Dinge

Juli 28, 2014

Moskau, Samstag, der 28. Juni

Wer zum ersten Mal nach Russland reist, mag sich veralbert vorkommen. Belogen.

Russische Gastfreundschaft?

Was? Wo?, fragt er sich, während ihn die mit fliegenden Passagiere aus der Maschine schubsen und er sich übel gelauntem Flughafen-Personal gegenüber sieht, von der Klofrau angeschnauzt wird, auf Russisch natürlich.

Das liegt wohl daran, dass er, der unerfahrene Reisende, Gastfreundschaft mit Freundlichkeit gleichsetzt. Ein nachvollziehbarer Denkfehler, wie können gastfreundliche Menschen unfreundlich sein, und aus welchem Ärmel bitte schön sollen so dermaßen übel gelaunte Menschen so etwas wie Gastfreundschaft zaubern?

Ich gebe zu, ich vergesse das mit der Übellaunigkeit immer etwas, wundere mich dann aber keine Sekunde, wenn ich mich ihr wieder ausgeliefert sehe. Ich weiß ja, dass das nur eine sehr kleine, leicht zu überspringende Schwelle ist und schwupps, plumpst man hinein in die sprichwörtliche Gastfreundschaft und kann sich ihrer kaum erwehren. Ich habe mir während der letzten vier Wochen so meine Gedanken zu dieser Eigenart der Russen gemacht, Theorien aufgestellt und verworfen… frau hat ja Zeit im Zug.

Noch aber sitze ich im Flieger, der gerade in Moskau gelandet ist und langsam übers Rollfeld rollt. Verwundert beobachte ich, wie die anderen Passagiere aufstehen und ihr Gepäck aus den Ablagen kramen. Wo wollen die denn alle hin? Die Stewardess bittet erst auf Deutsch, sich hinzusetzen, bis das Flugzeug seine Parkposition erreicht hat, dann auf Englisch. Schließlich brüllt sie Russisch, im Befehlston. Das wirkt. Alle sitzen wieder. Ungeduldig, aber sie sitzen.

Bis das Flugzeug steht. Jeder will der Erste sein. Meine Sitznachbarn auch. Also stehe ich, am Gang sitzend auf, um ihnen Platz zu machen, werde von den von hinten drängenden geschubst und geschoben, bis ich mich endlich wieder auf meinen Sitz flüchten kann.

Wo wollen die nur alle hin? Die Türen sind noch verschlossen und am Gepäckband müssen eh alle noch mal warten.

Dann stürzt alles zu eben diesem Gepäckband. Gewinner ist der, der gleich da an dem Loch steht, aus dem das Band kommt, oder was?

Ich frage mich belustigt, ob die Russen schon immer so waren, oder ob sie sich dieses Gerenne erst in den 70 Jahren Sozialismus angeeignet haben. Denn da herrschte ja bekanntlich Mangel. Da musste man flink sein, wenn man noch eine Kartoffel abhaben wollte, bevor der Sack leer ist. Und so sieht das heute immer noch aus, als hätten sie Angst, nichts mehr abzubekommen von was auch immer, zu spät zu kommen, oder zu kurz. Kein Wunder, dass Deutsche A/I Touristen , die sich nicht die Mühe machen, mit Fremden zu sprechen, die Russen nicht leiden können. Wenn ich mir vorstelle, was da am Buffet abgeht in so einem Hotel in Ägypten.

Die Cousine ist schon eher nach Moskau geflogen, um Freunde zu treffen und erwartet mich jetzt mit Freundin Nr.1. Mit der hat sie vor ewigen Zeiten nicht nur zusammen studiert, sondern auch in einem Zimmer gewohnt. In Moskau versteht sich. 6 Jahre lang.

Die Begrüßung ist enttäuschend nüchtern. Wir haben uns schließlich ein Jahr nicht gesehen, da hätte ich mehr Freude erwartet. Aber die Cousine macht auf cool und winkt mir zur Begrüßung lässig zu. Hm.

Wir folgen Freundin Nr.1 zum Wagen und ich erleide mindestens 10 Herzkasper, weil ich denke, ein Auto fährt mich um. Tut es aber nicht. Wir, auch ich, überleben den Parkplatz und kommen heil am Wagen an. Freundin Nr.1 und Mann haben kein Navi. Eine Karte auch nicht. Das wäre jetzt sicher nicht schlimm, wenn man sich auskennen würde. Tun sie aber nicht. Wir wollen nämlich zu Freundin Nr.2. Wahrscheinlich aber wären Navi oder Karte eh vielleicht sinnlos, weil Freundin Nr.2 wohnt in so einem ganz neu gebauten Wohnkomplex im sogenannten Neu-Moskau, da gibt es vielleicht gar keine Karten noch nicht.

Es beginnt eine Irrfahrt durch die Außenbezirke Moskaus. Autobahnen mit Spur für Regierungsmitglieder, 4- oder 5-spurige Schnellstraßen ohne jede Markierung, unbefestigte Randstreifen, Blinker scheint es nicht zu geben, ein Kreuz und Quer und scheinbares Chaos. Mir stockt mehrmals der Atem, ich sehe uns Autos rammen oder von welchen gerammt werden. Am besten, ich mache die Augen zu.

Aber wir erreichen unbeschadet Butowo, eine Stadt aus Hochhäusern. Neu-Moskau nennen sie es und es wird noch fleißig gebaut. Auch nachts. Keine Platten, hier wird gemauert. Die Arbeiter hausen in Containern. Weil unsere Irrfahrt doch etwas länger dauerte, kommen wir erst im Dunkeln an und ich kann im Vorbeihuschen Blicke in die beleuchteten Fenster werfen.

Wir werden Freundin Nr.2 übergeben. 12. Etage, 2- Zimmerwohnung, solide gebaut, sehr geschmackvoll eingerichtet. Eine Eigentumswohnung.

Das Essen ist fertig. Natürlich gibt es viel zu viel. Ich brauche in Russland immer etwas, ehe ich mich einhöre. Und noch einen Tag länger, um selber in ganzen Sätzen sprechen zu können. Aber die Cousine redet eh ohne Punkt und Komma. Da kann ich mich aufs Essen konzentrieren. Als ich mich endlich eingehört habe, kommt der Freund der Nr. 2. Na den verstehe ich ja gar nicht. Die Cousine scheinbar auch nicht so richtig. Ich schalte geistig ab. Ich bin satt und müde. Wo ist das Bett?

 

 

Von wegen nur Birken

Juli 27, 2014
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Da bin ich wieder.

Hinter mir liegen aufregende 4 Wochen, über 9000 km Bahnfahrt durch sieben Zeitzonen und jede Menge Entdeckungen, Überraschungen, Bestätigungen, Begegnungen, Kopfschütteln, Wundern, unendliche Birkenwälder und überhaupt gar keine Birkenwälder.

In Vorbereitung auf meine Reise hatte ich nämlich einen Blog mit dem originellen Namen „Nur-Birken.de“ gefunden. Ich hatte keine Zeit, ihn komplett zu lesen und weiß deshalb nicht, wieweit nach Sibirien die Blogger gekommen sind. Denn ab irgendwo gibt es überhaupt keine Birken mehr, sondern Lerchen, würde ich sagen. Außer natürlich da, wo gar kein Wald war, aber das war nur ein kleiner Teil. Und so habe ich beschlossen, meinen Reisebericht so zu nennen, wie oben steht.

Ich habe über 2500 Fotos gemacht. Seien Sie also gewappnet. Natürlich werde ich mich bemühen, eine zumutbare Anzahl auszuwählen. Ich weiß ja, das weniger manchmal mehr ist. Aber es gab ja soooviel zu sehen. Und zu fotografieren. Im Moment allerdings bin ich noch allein von dem Gedanken an eine Auswahl überfordert.

Nuja, ich werde mich bemühen.

 

Am Ziel

Juli 21, 2014

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Mit den besten Wünschen aus Wladiwostok

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