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Vorfreude auf den Frühling

Februar 23, 2012

Überwinterer

Frühlingsboten

Und Katzen, die von langen Ausflügen träumen

Und heute morgen habe ich, zwischen den Rufen des vorm Fenster wohnenden Rabenvolkes, zum ersten Mal das Gurren der Tauben vernommen..

Betteln statt Umzug

Februar 22, 2012

Aschermittwoch

Am heutigen Tag, zogen, als ich noch Kind war, und dass ist so an die 40 Jahre her, Gruppen verkleideter Kinder durch die Straßen und bettelten an den Haustüren. Ich hatte das Glück, vom 5. bis 13. Lebensjahr, also die Zeit meiner bewussten Kindheit, auf einem kleinen Dorf zu leben. Und auf den Dörfern, das ist ja auch heute noch so, halten sich Bräuche länger als in Städten, werden ausgiebiger gelebt und gehören eher zum Alltag als in den damals schon anonymeren Großstädten.

Bevor es aber zum Betteln ging, liefen wir alle am Morgen zum Bäcker, um die obligatorischen Pfannkuchen zu kaufen. An diesem Tag hatte der Bäcker einige mit Senf statt mit Marmelade gefüllt. Und die lagen unerkannt unter den „normalen“ zum Verkauf. Da gab es kein „welche ohne Senf“ oder „welche mit Senf“.  Es gab einfach nur Pfannkuchen. Ob das Glück einem hold war, erfuhr man erst beim Essen. Es wurden auch nicht mehr gekauft als Esser da waren, so dass, erwischte man so einen Ungeniessbaren, noch ein Ersatzpfannkuchen da war. Nein. 6 Familenmitglieder. 6 Pfannkuchen. Das Pech, den falschen erwischt zu haben, gehörte dazu, genau wie die Schadenfreude der anderen. Und das Glücksempfinden, wenn man nach vorsichtigem Anbeißen feststellte: MARMELADE!!! Wir hätten das Glück wohl nicht so tief empfunden, wenn das Pech durch „einen 2. Versuch“ in Form eines Ersatzpfannkuchens verwässert worden wäre.

Und dann, am Nachmittag, das Betteln.

Die Mütter hatten sich in den vergangenen Tagen also Gedanken zum Kostüm gemacht, fleißig genäht und stopften die lieben Kleinen dann am Aschermittwoch in ihre Kreationen.  Wir schlossen uns zu Banden zusammen, so 3-5 Kinder, und zogen ab dem späten Nachmittag von Tür zu Tür, bewaffnet mit Beuteln für die Gaben … und Asche. Betraten wir einen Hof, sangen wir unsere Lied: „Ich bin dr gleene Geenich, gäbt mr nich zu wenich, last mich nich zu lange stehn, ich muss noch büßschn weider gehn.“

Dann öffnete sich die Tür und wir erhielten Süßigkeiten oder Pfannkuchen. Zufrieden zogen wir zum nächsten Hof.

Öffnete sich eine Tür nicht, stopften wir mit Spucke vermengte Asche in die Türschlösser. Und zwar ordentlich fest. Manchmal kam der Hausherr dann doch raus und wir flüchteten schreiend vor dem einen Stock schwingenden Bösewicht vom Hof.

Trafen wir unterwegs andere Banden, prügelten wir uns mit denen um deren und unsere Beute. Das gehörte dazu wie das Betteln. Manche kamen am Abend des Aschermittwochs deswegen ohne Süßigkeiten nach Hause, manche mit ganz vielen. Die, die leer ausgingen, erhielten auch von den Eltern keine Trostgaben. Verlieren gehörte damals zum Kindsein genauso wie Gewinnen. Und jeder musst damit leben können.

Die Kostüme aber, die waren am Abend alle ramponiert. Weswegen auch kein kleines Geschwister die abgelegten Sachen eines großen Geschwisters aus dem Vorjahr tragen musste und die Mütter jedes Jahr für jedes Kind neu nähen durften. Ich meine, in unserem Dorf gab es Familien mit 7 bis 14 Kindern! Da hatte manche Mutter echt zu tun.

Aus den Städten verschwand der Brauch zuerst, schon noch zu DDR-Zeiten.

In den Dörfern hielt er sich länger, wird allerdings zunehmend von Halloween verdängt. Vor 3 oder 4 Jahren fragte ich einen Kollegen an der Uni, der zufällig aus dem Nachbardorf stammt, danach. Er erzählte, dass erst ein paar wenige Kinder auch an Halloween kamen. Dann wurden es immer mehr. 2, 3 Jahre zogen die Kinder zweimal im Jahr los. Inzwischen aber werden es immer weniger, die am Aschermittwoch von Hof zu Hof gehen. Zu Halloween allerdings seien sie alle unterwegs. Und da balgt sich natürlich kein Kind um die Beute.

Geschenkrückgabe, Teil 2

Februar 21, 2012

oder Beharrlichkeit führt zum Erfolg

Nach dem Anruf meiner Mutter habe ich also an Groupon geschrieben, dass wir die Reise leider nicht antreten konnten, weil das gewählte Gasthaus überbucht ist.

Antwort von Groupon:


Wir haben Ihren Wunsch zur Stornierung zur Kenntnis genommen.

Da die Widerrufsfrist für den Gutschein … bereits abgelaufen ist, bieten wir Ihnen folgende Option an:

Ihr Gutschein wird storniert, und der Kaufbetrag wird Ihrem Account in Form einer Gutschrift (Empfehlungsguthaben) in vollem Umfang erstattet. Dieses Guthaben steht Ihnen ab Freischaltung 12 Monate zur Verfügung.

 

Hä?

Ich verfasste eine neue Email mit dem Hinweis, dass ich keinesfalls vorhabe, die Reise zu stornieren, sie vielmehr nicht antreten könne wegen Überbuchung.

Antwort von Groupon, immerhin noch am gleichen Tag:

Die 14 tägige Widerrufsfrist für den Deal ist, wie schon erwäht, abgelaufen. Außerhalb dieser Frist wird Ihnen der Betrag auf Ihren Groupon-Account, in Form von Empfehlungsguthaben, gutgeschrieben.
Wenn der Deal sich innerhalb der Widerrufsfrist befindet, so wird der Betrag selbstverständlich auf das zur Zahlung verwendete Konto zurückgebucht.

 

Jetzt werde ich langsam ungehalten.

In einer neuen Email weiße ich den Kollegen im Kundeservice darauf hin, dass ich mich nicht auf die Widerrufsfrist beziehe, da ja nicht ich die Reise stornieren möchte, sondern der Vertragspartner seinen Teil nicht erfüllt.

Ich verweise auf Punkt 8 der AGB „Gewährleistung/Haftung“ und füge die entsprechende Stelle vorsichtshalber als Zitat an.

Dann ist Wochenende und ich will mir das nicht versauen mit Emails uneinsichtiger Kundendienstmitarbeiter.

Bevor ich (geistig) abschalte, rufe ich aber vorsichtshalber noch mal in dem Gasthaus an und bitte um eine schriftliche Bestätigung, dass ich die Reise aus o.g. Gründen nicht antreten kann. Netterweise haben die die Bestätigung offensichtlich auch gleich an Groupon geschickt.

Heute dann die Email von Groupon (und einer anderen Kundendienstmitarbeiterin)

Für die Ihnen entstandenen Unannehmlichkeiten bitten wir um Entschuldigung.

Selbstverständlich haben wir die Stornierung wie von Ihnen gewünschte durchgeführt.

Ihr Deal … ist damit ungültig.

Der Betrag in Höhe von … wird Ihnen auf das Konto erstattet, das Sie zur Zahlung verwendet haben.

Bitte beachten Sie, dass dieser Vorgang 7 – 10 Werktage in Anspruch nehmen kann.

Vielen Dank für Ihre Geduld.

Na geht doch!

Übrigens, am Wochenende sind wir durch den Ort gefahren, in den wir unsere Eltern schicken wollten. Ich erspare mir jeden Kommentar. Geduldige in zwischen den Zeilen lesen geübte Leser finden vielleicht heraus, weswegen.

Was dem einen sein Lieb…

Februar 20, 2012

Wie das kleine Kind nicht aufhörte zu betonen, sind wir eine völlig gestörte Familie, was sich nicht allein dadurch ausdrückt, dass wir an einem Samstag mitten in der Nacht aufstehen, um ins Voigtland zu fahren und dort ein paar Herren bei winterlichem Wetter zuzuschauen, wie sie von Schanzen hopsen und in Kreisen Skilaufen (Bericht hier, wer mag), sondern auch und insbesondere darin, dass wir alle, also wirklich jeder, mit mehr oder weniger großen Kameras ausgestattet sind, und diese natürlich auch benutzen.

Es folgen ein paar Bilder zur Veranschaulichung diese familiären Wahns:

Die Familie ohne Mutti

Die Familie ohne Mutti

Das große Kind

Das kleine Kind

Der Freund des großen Kindes

meine Wenigkeit

Was aber den heutigen Rosenmontag betrifft und die Art Menschen, die sich da gern zum Deppen machen, möchte ich auf den Blog verweisen, den ich schon vor einem Jahr zum Thema schrieb: Karneval vs Fasching

Meine Meinung zum Thema hat sich ja nicht geändert, deshalb ist der noch aktuell.  Die Rheinländer übrigens, die haben zwar schon wieder keinen Urlaub gekriegt, zu diesem Rosenmontagsumzug an einem Sonntag sind sie aber trotzdem nicht wieder gegangen

Die “Perle” Westsachsen

Februar 19, 2012

oder

„Wenn ich hier wohnen würde, würde ich wegziehen“

So meinte der Freund des großen Kindes, als wir in der Nähe des Bahnhofs nach einer Gaststätte suchten.

Die Stadt ist Zwickau. Waren Sie mal da?

Ich bis zu jenen 90 min nicht. 90 min, die uns eine etwas unglücklich gewählte Zugverbindung bescherte. An einem Samstag Nachmittag.

Nun sind 90 min keine Zeit, die ausreicht, eine Stadt zu erkunden. Und ein später Nachmittag an einem Wochenende wirkt vielleicht zusätzlich deprimierend. Denn, was wir sahen, war die Trostlosigkeit schlecht hin, oder wie es das kleine Kind, Stunden später, immer noch sichtlich erschüttert davon, dass es diese Art Städte hier, in Deutschland, in Sachsen, keine 2 Stunden von L.E. entfernt, gibt, meinte,  „ein Synonym für menschliches Scheitern“.

Die Mädels sind extra in den Zeitungsladen des Bahnhofes gerannt, um sich ein Buch über Zwickau anzusehen. Denn das eine Stadt dermaßen hoffnungslos daherkommt, das konnten wir nicht glauben. Sie fanden in dem Buch tatsächlich ein paar hübsche Fotos. Allesamt vom Marktplatz. Guggelt man nach „Zwickau Bilder“, kommt man zu einem ähnlichen Ergebnis.

Auf anderer Strecke durch Sachsen sind wir durch Kleinstädte gefahren, die ähnlich trostlos wirkten, deren Häuser mich aus glasfreien Fenster wie aus toten Augen anstarrten.

Da hat es den Anschein, als konzentriere sich, abgesehen von besondere Förderung verdienenden kleinstädtischen Stadtkerne und Baudenkmälern u.ä., alles Geld auf L.E. und Dresden. Und andere Städte bezahlen dafür. Und ihre Bewohner.

Den Bahnhof selber fand ich übrigens recht spannend. Das nach Plänen von Otto Falck, dem damaligen Reichsbahn-Oberbaurat, im Bauhausstil gebaute Gebäude wurde 1938 eröffnet. Und auch wenn in den letzten Jahren ein paar bunte Neonreklamen angebracht wurden, erkennt man noch die klaren Linien und Formen. Wer weiß, wie er aussähe, wäre Geld in der Stadt und hätten sich demzufolge McDoof und Co. breit gemacht. Es gibt auch keine Shopping Mall in Zwickaus Bahnhof.

Fotos vom Zwickauer Bahnhof und Umgebung:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Fahrt ins Blaue

Februar 18, 2012

Wenn man auf Outdoor-Sportarten steht, ist man immer ein bisschen wetterabhängig.

Ich meine jetzt nicht solche Sportarten wie Rugby oder Fußball. Die finden zwar auch draußen statt, außer dort, wo man den Stadiondeckel zumachen kann, fallen aber eher selten aus.

Radrennfahrer schickt man auch gern bei jedem Wetter über schneebedeckte Berge, nur wenn die Passstraße in 2000m Höhe wirklich nicht geräumt ist, leitet man um oder kürzt ab. Und wenn ein Gewittersturm den Einzelzeitfahrern die Werbebanden vor oder ans Rad haut, ist das noch lange kein irregulärer Wettkampf. Schließlich geht es um eine Menge Geld, da kann man nicht so kleinlich sein oder gar das Weichei raushängen lassen.

Beim Biathlon geht’s nicht um so viel Geld. Trotzdem wird selten abgesagt, weswegen die Kommentatoren Deutscher Sender und zunehmend auch die Trainer und Athleten gern mal lamentieren  über zu viel Wind oder zu viel Schnee und irreguläre, vor allem aber unfaire Wettkämpfe, jedenfalls dann, wenn die Bö oder der Schneeschauer uns aller Lieblinge Lena oder Arnd erwischt hat. Wenn es in Finnland dagegen an die  -20°C –Grenze geht und  alles getan wird, aus den Thermometern ein paar Plusgrade heraus zu kitzeln, um die Rennen nicht wegen Gesundheitsgefährdung der Athleten ausfallen lassen zu müssen, beschwert sich niemand der oben Genannten.   Dafür geht’s dann nun doch um zu viel Geld.

So biegt sich  jede Sportunion  das Wetter und die Bedingungen passend, jedenfalls in den Sportarten, die ich mir so gern ansehe. Egal ob es um Millionen geht oder um ein paar Hunderttausend, Sport hat einen Unterhaltungswert, vor allem dann, wenn er im Fernsehen für gewisse Einschaltquoten sorgt, an dem eine Menge Geld verdient wird. Da kann man auf die Gesundheit der Protagonisten keine Rücksicht nehmen.

Was allerdings die Fairness angeht, da kann ich den Draußensportlern nur sagen: Werdet  Synchronschwimmer! Die haben, vermute ich mal, alle gleiche Bedingungen sprich Wassertemperaturen und -tiefe und wohl auch Breite mal Länge der Becken.

Und die Zuschauer können gemütlich im Warmen sitzen und zugucken.

Denn bei Euren Sportarten nimmt auch der Zuschauer einiges auf sich. Ich meine jetzt nicht den vorm Fernseher. Sondern den, der vor Kälte schlotternd irgendwo im Wald steht. Oder sein kleines Auto Nächtens auf eine Passstraße hochtrimmt, um dann in selben in unbequemer Lage zu schlafen, und  am Tag dann stundenlang auf Euch zu warten, die Ihr, dank medizinischer Unterstützung neuer  und immer ausgefeilterer Trainingsmethoden am späten Nachmittag alle  binnen 15 min an ihm die 15%ige Steigung vorbeirast.

Von dem rede ich.

Und manchmal nämlich quält er sich mitten in der Nacht aus dem Bett und fährt 2,5 Stunden Zug, ohne zu wissen, ob er am Ziel überhaupt einen Wettkampf zu sehen kriegt.

Es gibt nämlich Sportarten, da nützt alle Geldgier nix. Die sind so extrem wetterabhängig und gleichzeitig so riskant für die Athleten, dass da keiner all zu viel zurechtbiegen kann. Wind ist Wind und wenn der zu stark weht, weht ‘s den Skispringer halt weg und direkt ins Krankenhaus. Oder den Kombinierer. Und weil man in den letzten 20 Jahren immer größere Schanzen gebaut hat, um immer größere und spektakulärere Sprünge zu haben, reichen eben auch schon kleine Winde aus. Meistens aber wehen ja in unseren Breiten seit ein paar Jahren größere Winde.

Und so fahren, nachdem es einen Exweltmeister gestern beim Springen direkt ins Krankenhaus geweht hat und das Training daraufhin abgesagt wurde, das kleine, das große Kind, der Freund  und ich eben heute trotz schlechter Wetterprognosen zum Kombiweltcup nach Klingenthal. Und Sie dürfen uns die Daumen drücken, dass der Wind sich verzieht ins nächste Tal. Die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt, oder wie das heißt.

Nuja, und gibt es keine Kombi, haben wir trotzdem einen schönen Familienausflug gemacht.

Geschenkrückgabe

Februar 17, 2012

Das ist ja großartig!

Gestern rief meine Mutter an. Der und meinem Vater hatten mein Bruder und ich zu Weihnachten eine Reise geschenkt. 3 Tage sollten sie irgendwo ausspannen. Nein, nicht irgendwo. Bei Groupon las ich ab Mitte November alle Angebote, bis wir uns im Dezember für eine nette kleine Pension in schneesicherer Lage im Voigtland entschieden. Einlösbar ist der Gutrschein zwar bis zum 1.Mai, aber im Winter dahin zu fahren, wäre schon cooler.

Gestern also rief meine Mutter an.

Die Pension ist bis zum 1.Mai komplett ausgebucht. Groupon hat mehr Gutscheine verkauft, als das kleine Gasthaus Kapazitäten hat.

Meine Eltern kennen sich nun mit diesem Internetdealgedöhns gar nicht aus und mussten mich um Hilfe bitten.

Ärgerlich, auch wenn wir das Geld zurück kriegen.

Man denkt sich doch was, wenn man verschenkt. Und dann werden alte Leute mit so einem Mist konfrontiert.

Und mein Bruder und ich stehen knapp zwei Monate nach dem 24. Dezember ohne Weihnachtsgeschenk da!

Feueralarm

Februar 16, 2012

Bei uns am Institut wird gebaut.

Aus Patienten-, Ärzte- und Schwesternzimmern werden Büros und Labore, aus OP-Sälen werden OP-und Quarantäneräume.

Dazu wird aufgestemmt und abgerissen, gebohrt, gehackt und wieder aufgebaut.

Das stiebt.

Der Staub von der Baustelle dringt durch die Ritzen zu den Brandmeldern in den Interim-Laboren und Interim-Quarantäneräumen und Interim-Büroräumen.

3 Feueralarme in 8 Tagen!

Jedesmal die Büroschlappen aus und rein in die Stiefel , die dicke Jacke überziehen und runter auf die Straße.

Wissen die nicht, dass Winter ist?

Nach dem 3. Feueralarm bin ich vorbereitet: Schal, Mütze und Handschuh fliegen nicht mehr in irgendeine Ecke, sondern in die Tasche. Zigaretten liegen griffbereit (Man kann die Wartezeit im Freien schließlich auch sinnvoll verbringen), die Stiefel stehen unterm Bürotisch und die Jacke hängt überm Stuhl.

Seitdem gab‘s keinen falschen Alarm mehr.

Auch gut.

Jack allein im Park

Februar 15, 2012

Letztens, als die kleine Englischstunde etwas länger ausfiel als geplant, begab sich Jack, der Freund, der in Texas geboren und aufgewachsen ist, in dunkler Nacht nach Hause. Und weil es gerade etwas schneite und er ja nun schon lange in L.E. wohnt, kennt er sich aus und vermutete, dass bei solchen Wetterunbilden keine Straßenbahnen mehr fahren würden. Außerdem war es wirklich schon sehr spät, um nicht zu sagen früh. Da fährt eh nichts mehr in unter die Stunde gehenden Abständen.

Und weil er sich ja auskennt, beschloss er also, die drei Haltestellen nicht einfach nur zu laufen, sondern abzukürzen.

Durch den Park.

Leise rieselte der Schnee.

Gerade genug, um die Spuren des Tages zu bedecken, aber auch nicht zu viel, das es einen kleinen Querfeldeinspaziergang wegen der drohenden IM-Schnee-Versinken-Gefahr verhindert hätte.

So stapfte er also los.

Quer durch den Park.

Den größtenteils unbeleuchteten Park.

Mühelos überwand er eine kleine Böschung.

Als er eine Art Glätte unter dem Schnee spürte, stutzte er.

Gibt es hier nicht einen Teich?

Eiskalt lief es ihm den Rücken runter.

So eiskalt, dass er erstarrte.

Und war da nicht auch immer so eine kleine eisfreie Stelle, wo sich das ansässige Wassergeflügel gern aufhält?

Da stand er nun, der Held, der in einem vorigen Leben noch todesmutig so manch brenzlige Situation bei der Verteidigung der Interessen seiner Amerikanischen Landsleute in irgendeinem wüsten Land unbeschadet überstanden hatte, und fürchtete um sein Leben.

Wo nur ist dieses verdammte Eisloch?

Und überhaupt: Hält das Eis?

Wo bin ich überhaupt?

Welches Ufer ist näher?

Soll ich lieber zurück gehen, oder weiter?

Wo nur ist dieses Wasserloch?

Und wieso ist hier kein Licht?

Schlotternd vor Angst erreicht er das Ufer.

Und rennt den Lichtern entgegen. Zur Straße. Da gibt es keine Teiche. Und Wasserlöcher. Und da haben die Deutschen auch Lampen hingestellt.

Kiezsterben

Februar 14, 2012

Im November berichtete ich hier von einem Fall von Gentrifizierung, vom Haus in der Windmühlenstraße, in dessen Erdgeschoss  ein Discounter ziehen soll. Dafür wurde den Läden gekündigt, und es ist auch zu befürchten, dass die übrigen Mieter die Wohnungsmieten nach der Sanierung nicht mehr zahlen können. Der begrünte Innenhof soll zumindest teilweise den Parkplätzen für die Kunden des Discounters zum Opfer fallen.

Trotz des Beistandes einiger Stadtpolitiker scheint die Entwicklung nicht aufzuhalten zu sein. Fast unbemerkt von den Bürgern der Stadt vollzieht sich die Wandlung. Es gibt wohl zur Zeit zu viele “Baustellen” in L.E.  (Karli, Capahaus, Alte Messe, um nur einige zu nennen), so dass den Bewohnern die nötige Unterstützung der Mitbürger fehlt.

Mich führt mein Arbeitsweg an dem Haus vorbei. Und jeden Arbeitstag schaue ich besorgt hinüber und registriere die Veränderungen.

Erst verschwanden die Plakate, die Fahnen und Luftballons, auch die Pappflammen vor der aus DDR-Zeiten stammenden Reklame auf dem Dach.

Dann war der Design- und Kunstladen plötzlich verweist.

Heute nun sah ich, auch das Bestattungsunternehmen ist ausgezogen. Und der Laden daneben auch leer.


Wie lange es wohl dauern wird, bis man auch bei der Kneipe, dem Fahrradladen, Teilauto , Schall und Rauch und den anderen Läden vor leeren Schaufenstern und geschlossenen Türen steht?


Und was ist mit den Wohnungsmietern?

Ihr Auszug vollzieht sich leise,

unbemerkt

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