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Termine

Mai 31, 2015

Die Gudrun hat mich erst auf die Idee gebracht.

Mit ihr wollte ich mich gestern zum Sensenworkshop treffen.

Was heißt, „wir wollten“? Die Gudrun hatte das mit dem Workshop heraus gefunden, uns beide angemeldet und nun freuten wir zwei uns die ganze Woche lang, packten Picknickkörbe und quälten uns in aller Herr Gotts Frühe, an einem Samstag, aus den Federn, fanden uns am vereinbarten Treffpunkt und…

waren die Einzigen.

Und mit „waren die Einzigen“ meine ich jetzt nicht, die einzigen Kursteilnehmer. Es fehlte auch jede Spur von einem Veranstalter. Nicht mal ein Zettelchen hing am verschlossenen Tor. Ich meine, in der Nacht zu Samstag hatte es geregnet, vielleicht ein ungünstiger Zeitpunkt, zu mähen. Aber die Leute so ohne Info hängen lassen? Gudrun hatte extra noch mal auf die website geguckt, bei der Anmeldung eh ihre Telefonnummer hinterlassen. Für alle Fälle.

Und nun standen wir vor dem verschlossenen Tor wie die Deppen.DSCN3505

Unglaublich.

Aber da wir nun mal Frühstück mit hatten, trollten wir zum Auensee und picknickten dort.

Und da fragte mich Gudrun, ob ich mir „die Köppe“ heute angucke?

????

Irgendwas mit 1000-Jahrfeier.Gudrun erklärte mir die Veranstaltung, aber nee, auf 1000-Jahrfeier und den ganzen Leipzig-Hype habe ich keinen Bock.

Und überhaupt.

Ich denke, so 1988 feierte Berlin 850jähriges Jubiläum, da kursierten in L.E. Grafiken mit Löwe und Bär und dem Spruch: Da lacht der Löwe, da weint der Bär, Leipzig hat (wahlweise eine Zahl unter 50 einsetzen) Jahre mehr. Ich weiß nicht, wieviel Jahre Leipzig damals älter war, es könnten 25 gewesen sein. Oder 30. Nun frage ich mich, wie können in 27 Jahren so um die 100 Jahre vergangen sein? Oder kann ich nicht zählen? Oder jemand im Stadtrat nicht? Oder sprach man früher von der Stadt und jetzt von der ersten Erwähnung? Oder passt es einfach gut ins Konzept? Gehts nur um Brot und Spiele? Oder braucht jeder Bürgermeister sein Highlight, mit dem er in die Stadtgeschichte einzugehen hofft? Ich meine, der Lehmann-Grube hatte seinen Schneider-Skandal, Tiefensee seine Olympiabewerbung, was bleibt da noch für Jung?

Na wie dem auch sei und warum die auch meinen, 1000 Jahre alt zu sein, mich geht das nix an. Da gibt’s eh immer zu viel Bratwurscht und die Stadt ist viel zu voll.

Zu Hause aber, als ich meine Blogrunde drehte, las ich bei Martin, die Köppe, das hat was mit dem Theater Titanick zu tun. Und ein paar Freunde teilten mir auch mit, am Abend in der Stadt zu sein, wo sich alle 5 Figuren nach ihrem Sternenmarsch treffen sollten. Äh, ach nein, die wurden von Lipsia gerufen.

Egal.

Ich tüftelte die Routen derer aus, die hier bei mir vorbeiziehen würden. Die Gudrun hatte doch da was von Musikerviertel gesagt. Musikerviertel, da wohne ich.

Nuja, es war etwas verwirrend. Trotzdem zog ich am Nachmittag mal los und fand den, der aus Grünau kam, Kunst und Kultur hieß und als Bach, also der Johann Sebastian, daher kam. Eigentlich hätte ich vermutet, dass ich auf Sport und Umwelt treffe. Aber ich erwähnte ja bereits, ich hab das mit den Routen nicht ganz gerafft.

Ich denke aber, ich hatte den für mich spannendsten Kopp erwischt, denn in seiner äußeren Hülle erinnerte er, wie ich mich am Abend dann noch überzeugen konnte, am ehesten an Machine de Luxe (hier mal ein Link zu einem Video, dass Sie sehen, was ich meine:https://youtu.be/yUrkfNXeP8s ), deren absoluter Fan ich bin und die mich schon mal nach Marseille in die Docks zu einer Ausstellung locken können. Natürlich ist Theater Titanick ganz was anderes, aber der Bachkopp, voll viel Eisen und Mechanik und Tut und Puff. Das gefällt mir. Das sieht aus wie… steam punk.

Ich traf den Zug an der Sachsenbrücke, begleitete ihn bis zur Marschnerstraße, versuchte Fotos zu machen, was wegen der Menge an Zuschauern, vor allem aber um den Wagen herum springenden Mechaniker, die ja aber gut ins Bild gepasst hätten, Ordner und Polizisten, schwierig war.

Und als ich dann zu Hause war, dauerte es eine ganze Weile, bis ich begriff, dass die Musik, die da von draußen herein waberte, ganz andere ist, als die gerade gehörte. Als ich endlich aus dem Fenster schaute, konnte ich den sich entfernenden Kopf durch die Bäume hindurch nur noch erahnen. Ich glaube, das war Sport und Umwelt, was mich aber schon verwirrt, wegen weil wir sind ja das Musikerviertel.

Ich aber hatte keine Zeit zum Grübeln, traf ich mich doch mit Bekannten, einer ehemaligen Arbeitskollegin, die schon vor einem Jahr mit Mann und Kindern zurück in ihre Heimat ging, zum Bier und Essen.

Und dann fuhr ich doch noch mal in die Innenstadt.

Ich glaube, da war ganz Leipzig. Wartete geduldig auf das Spektakel. Ich hätte gern fotografiert. Das ging aber GAR.NICHT! Ich hätte wohl schon 16:00 Uhr da sein und irgendeinen Balkon entern müssen. Aber wenigstens konnte ich gucken. Das ging aus der Ferne am besten. Von da, wo sich die Menschen nicht drängeln und fast prügeln, weil so ein paar Vollpfosten sich mitten in der Menge auf die Bänke stellten. Aber aus der Ferne war es schon cool. Die Köppe waren ja groß genug. Bis zum Ende bin ich doch nicht geblieben. War einfach zu kalt. Und ich habe zwar jede Menge Leute getroffen, aber die Freunde nicht.

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7 Kommentare leave one →
  1. Mai 31, 2015 10:37 am

    Boah! Toll! Toll! Toll! 😀

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  2. Mai 31, 2015 11:04 am

    Schöne Bilder hast Du mitgebracht. Phantasievolle Gestalten. Das ist ein bisschen wie Carneval in Venedig ohne Venedig 😉

    Jetzt habe ich die ganze Zeit überlegt, woher mir der Name der Theatergruppe so bekannt vorkam. Also nicht wegen des versunkenen Schiffes, sondern wegen einer erlebten Inszenierung. Gut, wenn frau bloggt. Ich habe es gefunden: https://tonari.wordpress.com/2012/10/29/feuriges-finale/

    Dass ihr keine Sensenfrauen sein konntet, ist ärgerlich und stellt dem Veranstalter ein Armutszeugnis aus. Bin gespannt, ob es da noch eine Entschuldigung gibt.

    Berlin hatte 1987 Geburtstag. Den 750. Wir sind also richtig, richtig jung im Vergleich zu Euch 😉

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    • Mai 31, 2015 12:38 pm

      Ah. 750 Jahr feuer. Danke. ir sind ja für 20137 sogar verabredet 😉 Und Titanick ist toll. Ich mag so was. Zur Völkerschlacht habe ich sie ja leider verpasst. Da hat ihr apokalyptisches Straßentheater, wie Du es im Blog beschreibst, gut gepasst. Gestern waren ihre mechanischen Köppe und die Darstellungen ja freundlicher, sogar lustig, wie ich abends erleben durfte, als ich ausversehen neben dem Wagen Buchstadt stand

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  3. Mai 31, 2015 1:14 pm

    Hut ab vor den Akteuren. Trotzdem mag ich es gerade ruhiger. Hypzig nervt mich ein bissel an.
    Mal sehen, ob wir eine Antwort bekommen. Ich habe den Sensenmännern geschrieben.
    (Und werde mich zum Sensen lernen wohl in den Landkreis aufmachen müssen. 🙂 )

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  4. Mai 31, 2015 10:31 pm

    Manchmal ist es bestimmt gut, wenn man den Sensenmann verpasst. Grüße.

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