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Keine Wiederholung

Mai 10, 2015

Die Bahn streikt und im Bus möchte ich nicht nach Berlin. Nicht gestern. Am Ende sitze ich da mit 30 von der 1 Million xgadisten, die in Berlin den Bundestag stürmen wollen (Oh, ich höre grad, das waren nur 300?), zusammen. Dat muss nicht.

Das Wetter ist wieder besser als angesagt, in Stahmeln erwartet der RCL im Pokal-Halbfinale den RC Rottweil, also rauf aufs Rad und raus an den Stadtrand.

Das Halbfinale mutet wie eine Wiederholung des letztjährigen an. Vor einem Jahr siegten die Leipziger, zogen für einen kurzen Moment ins Finale, doch dann fanden die Rottweiler eine Regelwidrigkeit, protestierten, die Messestädter wurden disqualifiziert und die Bayern* durften im eigenen Stadion das Spiel um den Pott bestreiten, wo sie gegen den Heidelberger Turnverein 1846 verloren.

Bis zum Sieg des RCL wäre ich also für eine Wiederholung dankbar. Auf die Disqualifizierung könnte ich verzichten.

Die Jungs beginnen kämpferisch, stürmen sofort Richtung Rottweiler Malfeld, ohne es allerdings zu erreichen oder gar den Ball abzulegen. 10 Minuten später scheint das Kräfteverhältnis auf dem Platz geklärt. Das Spiel findet in der Hälfte der Leipziger statt. Im Gedränge scheinen mir die Gäste auch stärker zu sein. Dazu kommen Fehlpässe bei den Messestädtern. Trotzdem steht die Abwehr, kann aber einen Versuch nicht verhindern. Plus Erhöhung macht das einen 0:7 Rückstand. Noch vor der Pause gelingt der Konter, die Erhöhung nicht. 5:7 Halbzeitstand. Da geht noch was.

In den zweiten 40 Minuten sieht man die Leipziger zwar öfter vor dem Malfeld der Rottweiler, aber im Großen und Ganzen findet das Spiel vor meiner Nase, in der Hälfte der Messestädter statt. Trotz Zeitstrafe eines Bayern* nach einem kleinen Handgemenge gelingt es den Gästen, noch zwei Versuche zu legen, unsere Jungs machen nicht einen Punkt mehr. Schade, aber der Sieg geht, denke ich, verdient an die Rottweiler. Die waren gestern einfach die bessere Mannschaft.

Trotzdem: Danke an den RCL für eine feine Saison.

*Update: Rottweil liegt gar nicht in Bayern, worauf mich Jimmy Thiel im Kommentar weiter unten freundlicherweise hinwies, sondern in Baden- Würtemberg. Ich entschuldige mich bei allen Rottweilern. Wenn ich mir vorstelle, dass mich jemand als Thüringer oder Anhaltiner bezeichnet, das würde ich auch nicht wollen. Leider sind meine Geografiekenntnisse Richtung Westen aber so was von schlecht, dass mir so etwas wohl noch öfter passieren wird. Mit Rottweil nicht. Versprochen.

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Schnelle Kisten

Mai 9, 2015

Ich habe nachgerechnet. Demnach fand das erste Seifenkistenrennen der nato 1992 statt. Ich war schwanger und – vermutlich – als Zuschauer dort. Wer weiß das schon noch. Ganz sicher war ich in den späteren Jahren dabei. Denn ich kann mich noch gut an sehr tollkühne Kisten, die Unmöglichkeit, manche dieser in der Todeskurve zum Stehen zu bringen oder auch nur dazu, eben die Kurve zu nehmen, zur Seite springende Zuschauer und viel Gaudi erinnern. Natürlich waren es damals noch nicht so viele Zuschauer.

Wie alles, was in die Zeit passt und Spaß macht, ist auch der Prix de Tacot, wie das Rennen heißt, gewachsen. Vor Jahren war ich mal mit Freunden da, da waren die Kinder noch klein bzw. Teenager, und wir erschraken uns ob der Massen.

Trotzdem.

Jetzt bin ich Oma und wenn ich auch Menschenmassen nicht mag, die Prinzessin hätte sicher Spaß. Ist ja jetzt auch alles sicherer. In der Todeskurve schützt eine Absperrung die Zuschauer, die Kisten selbst müssen einen Bremstest bestehen, irgendwo unterwegs müssen sie gar halten, damit sie nicht zu schnell werden, denn bei der abschließenden Abfahrt starten die Dinger oben auf dem Fockeberg.

Also, letzten Sonntag, 3. Mai, auf zum Spektakel.

24. Prix de Tacot

Leider wurde die Prinzessin am Vormittag wegen Fieber abgemeldet.

Hm.

Gehe ich eben ohne Begleitung.

Dafür habe ich dann das ganze, also fast, Event miterlebt. Von der Vorstellung der Karren inkl. Bremstest mit ziemlich öden Moderatoren (Humor ist eine Gabe, die kann man nicht erzwingen) über den Start bergauf !!!!!,

das Einzelzeitfahren auf dem Berg, die Ingenieursliga und natürlich der Abfahrt. Die Siegerehrung habe ich mir dann gespart. Die zieht sich erfahrungsgemäß. Und wurde wieder vom drögen Moderatorenpaar in der Fockestraße kommentiert.

 

Oben, auf dem Berg, moderierte auch ein Paar. Die waren etwas besser, jedenfalls der Mann.

Aber nu, ich war ja nicht wegen der Moderatoren da.

Erstaunlicherweise hat mir diesmal das bergauf ziehen und das Einzelzeitfahren am besten gefallen. Das eigentliche Highlight, die Abfahrt, litt sicher unter der verringerten Geschwindigkeit, vor allem aber daran, dass tatsächlich Seifenkisten unterwegs war. Tendenziell fahruntüchtige, dafür aber sehr kreativ gestaltete Kisten, waren eher rar gesät. Schade, machten die doch früher den ganzen Spaß aus. Ein Zuschauer formulierte es so: „Selten so wenig Spaß gehabt“. Gut, so drastisch würde ich es nicht sehen. Das Einzelzeitfahren war echt Klasse. Und hier konnte auch mit Spaß gepunktet werden. Die Olsenbande zum Beispiel hielt genau vor meinen Füßen, rannte zur Tribüne, knackte den Tresor, kam zurück und fuhr weiter. Dass es auch anderen mehr um den Spaß als den Sieg ging, bewiesen sie, als sie die Moderatorin mitfahren ließen. Als zusätzliches Gepäckstück quasi, das ja um den Berg geschoben werden musste.

Und das es bergab nicht mehr so spektakulär zuging…

Ich hörte, es seien 10000 Zuschauer dagewesen. Bei solchen Massen kann niemand mehr erwarten, dass alle rechtzeitig zur Seite springen, wenn ein Gefährt die Spur verlässt. Ganz davon abgesehen, dass viel mit Kind und allem Zubehör da waren und es schon deshalb dementsprechend schwierig war, die Rennstrecke einigermaßen frei zu halten.

Das Seifenkistenrennen hat sich verändert, keine Frage, wie sich eben alles verändert. Spaß macht es trotzdem nach wie vor. Und ganz im Gegensatz zu anderen ähnlich gleich alten Veranstaltungen spürt man nichts von Kommerzialisierung.

Für die vielen Bilder entschuldige ich mich. Sie müssen Sie sich ja nicht angucken. Falls Sie doch wollen, gilt wie immer: Drauf klicken = groß gucken

 

Time to say Good Bye

Mai 4, 2015

war heute. Good Bye sagten wir dem kleinsten Volk der Welt. Die Leute im Lauti hatten sich alle Mühe gegeben, ein paar schöne Abschiedslieder zu finden, eins schnulziger als das andere.

Die Abendlandverteidiger machen- hier in Leipzig- vier Wochen Pause. Vielleicht, um Kräfte zu sammeln. Oder Reden zu schreiben? Irgendwie scheint es ja auch die besorgten Bürger nicht mehr so recht interessiert zu haben, was da von der Bühne herunter fabuliert wurde. Man wolle sich jetzt in die Politik einbringen, hieß es. Oder in die Kleinstädte gehen.

Leipzig scheint kein gutes Pflaster zu sein. Mit all den linken Chaoten. Und weil es kein Fitnessprogramm gibt für mindestens vier Wochen, rannte ich dafür heute noch mal um so mehr. Die Bezugsgruppe Demenz hatte sich dazu mit der geriatrischen Antifa zusammen getan.

In Zukunft mache ich dann lieber wieder Yoga. Auf die Montagsrennerei kann ich verzichten.

Kathrin Oertel, hörte ich heute, die Ex-Pegida- Frontfrau, hat sich inzwischen bei allen Muslimen entschuldigt. Sie sei mitverantwortlich für die antiislamischen Hetzkampagnen. Na schönen Dank auch. Ich finde es ja bemerkenswert, dass sie ihre Fehler offen zugibt. Aber wie ihr, „Ich kann in Zukunft nur alles dafür tun, dass das wieder in Ordnung kommt.“ aussehen soll, kann ich mir nicht vorstellen. Außer, sie stellt sich auf die xgida-Bühnen und sagt es den besorgten Bürgern ins Gesicht. Aber ob die das hören wollen.

In Leipzig ist der Spuk der Legida-Spaziergänge vorbei. Vorerst. Das Klima zu entgiften, wird noch lange dauern und viel Kraft kosten.

Schönes Wetter

Mai 3, 2015

So ein erstes Maiwochenende, das viel besseres Wetter zu bieten hat als angesagt, stellt Inch schon vor gewisse Herausforderungen. Gut, dass ich nicht weg gefahren bin, lag auch daran, dass ich bis vor 14 Tagen noch glaubte, arbeiten zu müssen. Die Wettervorhersage, es war von Regen die Rede, ich glaube auch von Kühle, hielt mich dann von Spontanwegfahrplänen ab. Und weil es eben so kommen sollte, wie es dann gar nicht kam, war ich bereit, trotzdem mal vorbei zu schauen. Auf Arbeit. Nur kurz. Frei messen. Lüftung einschalten. Nein umgekehrt. Na egal.

Vom Renntag am Tag der Arbeit berichtete ich schon. Heute war ich bei bestem Wetter beim Seifenkistenrennen. Davon erzähle ich Ihnen morgen. Oder Mittwoch. Ist eben so, wenn soviel passiert an drei Tagen, an denen ich mir immer nicht sicher bin: Ist heute Samstag? Oder doch schon Sonntag?

Richtig. Gestern war Samstag. Und ich beim Rugby.

Letztes Jahr war ja immer was, so dass ich die Pokalspiele verpasste. Dieses Jahr war auch immer was. Sogar die Six Nations habe ich komplett verschlafen. Aber gestern, gestern hatte ich Zeit. Und war in der Stadt. Wegen der unzuverlässlichen Wetterfrösche. Also rauf aufs Rad und raus nach Stahmeln.

Viertelfinale. Ich war sogar schon 15 min vor Anpfiff da und wunderte mich, dass die Gegner, die sich grad ein bißchen warm spielten, nur englisch sprachen. Und dann nur noch französisch. Weil, gegen wen es ging, hatte ich vergessen. Ist ja auch weit bis Stahmeln.

Nun, es war der SC Luxemburg. Die dürfen ausländisch sprechen. Und zwar gewann der RCL und zieht damit ins Halbfinale, aber so leicht machten es die Gäste den Leipzigern nicht, die Blau-Gelben begannen nervös und so ging es vor allem in der ersten Halbzeit ziemlich ausgeglichen zu. Es gab ein paar Beulen auf beiden Seiten, ein kleines Handgemenge und ein Luxemburger verletzte sich so, dass er ausgetauscht werden musste. Die zweite Halbzeit lief besser für unsere Jungs, als aber in der letzten Viertel Stunde zwei Spieler des RCL mit Zeitstrafen vom Platz mussten, ist mir ein bisschen schlecht geworden. Trotzdem: 27:19 gewonnen. Nächste Woche Halbfinale gegen den SC Rottweil. Wieder in Leipzig. Vielleicht ist ja dann wieder so schönes Wetter.

Und Sie dürfen auf den nun folgenden Bildern das Ei suchen. Kleiner Tipp: aufs Bild klicken hilft. Und nein, es ist nicht auf jedem Bild ein Ball. Aber auf fast jedem.

Hutparade und Kinderbespaßung

Mai 2, 2015

Seit Jahren nehme ich mir vor, zum Aufgalopp auf die Leipziger Rennbahn zu gehen. Findet jedes Jahr am 1. Mai statt. Jedes Jahr kommt was dazwischen. Doch dieses Jahr! (Liebes Kleine Kind in Dresden: Wir gehen auch noch, wir zwei, versprochen!)

Dieses Jahr passte alles. Ich war in der Stadt, entgegen aller Wetterprognosen blieb es nicht nur trocken, es schien sogar die Sonne und das wichtigste: Keine anderen Termine.

Also auf zur Rennbahn gleich hinterm Haus.

Ich muss voraus schicken, bei einem Pferderennen war ich das letzte Mal, da war das große Kind noch gar nicht geboren. So war ich erst Mal ob der Massen erstaunt. Das Große Kind kam auch, samt Prinzessin, und eine Freundin kam in gleicher Aufstellung: Oma, Mama, Prinzessin. Sogar mit Hut, die andere Prinzessin. Womit sie hervorragend zum Tag passt. Denn das ist die zweite Verblüffung: Die Hutträgerinnen und- träger. So waren die fast spannender als die Rennen selbst. Und die zu verfolgen, war es eh viel, viel zu voll. Immerhin, bei der Vorstellung der Pferde zum ersten Rennen war ich noch dabei. Und lag mit meinem Tipp prompt richtig. Bei den folgenden Rennen haben wir uns das Gedränge gespart. Im Innenraum gibt es ein schönes Stück Wiese, da sieht man zwar nicht so gut bis gar nix, dafür konnte man da die Picknickdecke ausbreiten, was viele Familien taten.

Es gab natürlich auch professionelle Kinderbespaßung. Karussells, Kinderschminken und! Ponyreiten. Das war aber irgendwo hinter der Tribüne, weit weg von der Picknickwiese also. Da war es gut, dass wir diesen Programmpunkt schon vor dem ersten Rennen abgehakt hatten.

Fazit des Tages: Gern mal wieder, aber nicht an einem 1. Mai.

Bezugsgruppe Demenz

April 28, 2015

Muss auch mal sein, …
dass ich mich bedanke.
Bei Legida.
Jawohl.
Wat mut dat mut.
Schließlich bescheren mir die besorgten Bürger seit Januar fast wöchentlich ein Fitnessprogramm. Kostenlos.
Erst bin ich ein bisschen vom Westplatz über den Ring ins Waldstraßenviertel gerannt, dann zum Bahnhof und von da zum Johannisplatz und wieder zurück und dann wieder zum Johannisplatz.
In den letzten Wochen ging es dann fast ein bisschen langweilig zu. Augustusplatz, dann zum Johannisplatz trotten, aber zurück, zurück musste ich flitzen.
Weil, der Polizei gebührt in diesem Zusammenhang natürlich auch mein Dank. Allerdings erst an zweiter Stelle. Denn ohne das kleinste Volk der Welt wären die ja nicht da. Da sie nun aber mal da sind, tun sie alles, mir ein ordentliches Fitnessprogramm zu bieten. Wenn nämlich die Legionellen 200m laufen, legen die Herren und Damen Staatsbediensteten immer einen schönen Kurs für mich, da muss ich mindestens 1 km rennen, vorausgesetzt, ich kenne mich schon ein bisschen aus und renne nicht falsch und stehe vor Ninja Turtles, die mich partout nicht durchlassen wollen und außer, „Gehen Sie da lang“ und dabei immer dahin zeigen, wo ich hergekommen bin, auch nichts weiter zu sagen haben. Dann nämlich schlage ich Zickzack und laufe bestimmt mehr als 1 km. Dazu der Stress der Angst, dass ich vielleicht zu spät komme. Aber die Abendlandverteidiger gehen ja auch in Leipzig spazieren, d.h., sie laufen sehr, seeehr langsam. (Vielleicht, damit sie mehr aussehen?).
Vor einer Woche plötzlich eine Planänderung. Statt Augustusplatz Simsonplatz. Und man spaziert zum Richard Wagner Platz und wieder zurück.
ZURÜCK!
Auf der gleichen Strecke.
Montag, vor eine Woche, das war fast Wellness.
Dem Aufruf, so zeitig wie möglich an der Thomaskirche zu sein, folgte ich gerne. Saß mit Buch und Kaffee und Sitzkissen in der Parkanlage zwischen Kirche und Spazierweg. Ganz allein. Und zwei Alkoholikern. Und 40 Polizisten.
Das war so langweilig und unsportlich, dass ich später, um mich überhaupt zu bewegen, als dann doch noch ganz viele andere gekommen waren, die die Spaziergänger auch nicht leiden können, auf das Denkmal vom Mendelssohn geklettert bin. Das war dann auch noch lustig. So ein bissl wie beim rosaroten Panter. Nur, dass kein Zebra kam und ich von oben geguckt habe und nichts überqueren wollte. Nix los und doch so viel Bewegung. Polizeiautos, die auf der Straße, die noch frei von Spaziergängern war, im Kreis fuhren. Berittene, die erst dahin ritten und dann dorthin. Eine plötzliche Konzentration von jungen Menschen, die Sekunden nach der Konzentration plötzlich sehr zielorientiert los rannten. Eine etwas größere Konzentration von Ninjapolizisten brauchte nur 30 sec, um hinterher zu rennen. Und dann merkten es auch die nicht so konzentrierten jungen Menschen und rannten auch hinterher. Aber viel ungeordneter als die zwei ersten Trupps. Ein Freund, wie ich schon etwas älter, äußerte sich besorgt, ob wir jetzt hier allein die Spaziergänger empfangen müssten. Aber ich beruhigte ihn, dass die sicher bald zurück kämen und behielt Recht.
Um mich nicht ganz dem Müßiggang hinzugeben, bin ich dann doch noch gerannt. Als die Spaziergänger zurückspazierten, natürlich geradeaus, rannten wir durch die halbe Innenstadt, um zum Neuen Rathaus zu kommen. Unterwegs testeten die Freunde von der Polizei dann noch meine und unsere Reaktionsfähigkeit: Wer kann am schnellsten vor eilig dahinfahrenden Polizeiautos wegspringen. Einer war wohl nicht so schnell, das ärgerte den Fahrer so dermaßen, dass ihm ein politisch unkorrektes Du Schwuchtel entfuhr.
Gestern aber, gestern war nix mit Wellness. Auf die Polizei ist eben Verlass. Da war die Spazierstrecke so weiträumig abgesperrt, dass die Ankündigung, man könne in Sicht-und Hörweite protestieren, schon fast ein bisschen zynisch klang. Das Mendelssohn-Denkmal lag unerreichbar im Niemandsland zwischen Hamburger Gittern und Spazierweg. Und um sich zu bewegen, musste sich unsereins gewohnt weiträumig bewegen. Am Standesamt meinte ein Ninja gar, wir sollen über die Karl-Liebknecht-Straße gehen. Ich glaube, der war nicht von hier. Oder es war Spaß. Gestern waren die Turtles nämlich ziemlich viel zum Spaßen aufgelegt.
Dabei wollten wir gestern gar nicht zur Thomaskirche. Von wegen Regen und alte Frauen und schon ein bisschen Weichei.
Die Gudrun und ich schlenderten direkt zum Simsonplatz und warteten auf alte Frau Nr.3. Die kam, ging noch mal 100m weg die Straße runter, ihr Fahrrad anzuschließen und wurde von zwei Herren Staatsdienern nicht zurück gelassen. Trotz Winken und Rufen. Parallelstraße dirigierte ich sie und die Gudrun und ich bewegten sich erstmalig eiligen Schrittes. Schließlich lösten sich all die Spazierfeinde gerade von den ein bisschen Regenschutz bietenden Häuserwänden, überquerten die Straße und nahmen Aufstellung am Flussgeländer, um dem kleinsten Volk der Welt den Marsch zu blasen, pfeifen und trommeln. Das kleinste Volk war wieder bedenklich geschrumpft. Trotz Butz, dem Lachmann. 200 schätzte ich, andere sagen 300, wieder andere 350. Trotzdem, wenn das so weitergeht, fällt noch mein Fitnessmontag ins Wasser. Irgendwann. Besorgt nahm ich einen Trupp Polizisten wahr, die nun in geschlossener Formation über die Straße eilten.
Wir nahmen die Freundin in Empfang…
… und durften nicht mehr ans Flussgeländer.
Also doch ein bisschen rumrennen. Weitläufig.
An der Thomaskirche das oben beschriebene Bild. Also zurück zur Kreuzung am Neuen Rathaus.
Aber zum Glück, auch 200-350 Abendlandverteidiger spazieren langsam genug, dass man sie an der Thomaskirche dann noch mal in Empfang nehmen kann. Anderen, die das am Richard-Wagner-Platz wollten, und denen die Herren und Damen Ninjas den Weg durch die weitläufigen Grün- und Parkanlagen zwischen Spazierweg und Bebauung verwehrten, blieb nur das Rennen durch die dann doch recht engen Straßen der Innenstadt. Das wirkt dann auch gleich viel bedrohlicher. So 100-200 junge Leute im Pulk. Da kann sich der Bürger aus der Mitte gleich besser aufregen über gewaltbereite Chaoten. Und kesseln kann man da auch viel besser. Obwohl, gekesselt wurde gar nicht. Die Turtles haben den Zug nur ein bisschen festgesetzt.
Inzwischen kamen die Spaziergänger zurück und Gudrun zweifelte doch stark daran, dass wir vor ihnen am Rathaus seinen könnten. Vertrau uns, liebe Bloggerfreundin, und wir eilten los. Und natürlich behielt ich auch diesmal wieder Recht.
Und später dann, weil man sich nach so einem frustrierenden Tag etwas Gutes gönnen muss, kam uns beim revolutionären Getränk dann auch die Idee für den Namen unserer Bezugsgruppe. Das Kind, das Kleine, hatte mir schon im Januar berichtet, dass man das in Dresden so mache. Die Gudrun hats auf einem Seminar auch so gelernt.
Also.
Bezugsgruppe Demenz. (Obwohl ich ja fast ein bisschen finde, dieser Namen passe besser zu einer Gruppe Alt-Legionellen)

Fast im Osten

April 26, 2015

Im Osten der Stadt, da kenne ich mich besser aus als im Norden, der für mich ja bekanntlich und bis zu meinem Stolperwandertag ein weißer Fleck war.

Im Osten, da war, mal von der Stö in Connewitz abgesehen, in den 80ern die Hausbesetzerszene. Ich wohnte einige Zeit in einer ziemlich chaotischen WG in Reudnitz, besetzte später eine eigene Wohnung, allerdings so eher im Zentrum Südost, was ja fast schon als Süden durchgehen kann, aber bis auf die, die in der Stö besetzten, wohnten alle meine Freunde im Osten. Na, jedenfalls die meisten. Thälmannstraße, die jetzt Eisenbahn heißt, Erich-Ferl-Straße, von der ich nicht weiß, wie sie heute heißt, Bernhardstraße, Schultze-Delitzsch-Straße. Das ging bis Sellerhausen und bis Schönefeld.

Alle meine Freunde wohnen nicht mehr da. Sind in den Süden gezogen oder, schon vor 89, nach West-Berlin oder Nürnberg.

Trotzdem bin ich da hie und da noch mal. Weil eine Großcousine da wohnt(e), eine Arbeitskollegin, eine Kletterkumpeline oder auch der Bruder.

Nuja, im Groben kenne ich mich aus.

Die Breslauer Straße, da musste ich erst mal guggeln. Da, in Stötteritz, also auch nicht ganz Osten, sondern eher Südosten, wenn man es genau nimmt, aber ehrlich, für mich ist alles ab Prager Straße Osten, fand heute ein Hinterhofflohmarkt statt. Eine gute Gelegenheit, mal wieder nach Stötteritz zu kommen, meinten die Veranstalter. Dem gab es nichts entgegenzusetzen. Und es schadet ja bekanntlich nie, mal die Nase herauszustrecken und sich woanders umzusehen.

Ich wühlte mich also durch Menschen in blauen T-Shirts und mit Fahrrädern am Völki vorbei (LVZ-Fahrradfest), verirrte mich kurz, und fand den Hinterhof dann doch.

Die Stötteritzer Kulturrunde, eine Initiative aus Künstlern und Kulturschaffenden, möchte den Stadtteil beleben und kulturell aufwerten. Dabei soll das Potenzial kreativ Schaffender gebündelt werden. Das Mischhaus scheint das Zentrum und die Heimstatt dieser Initiative zu sein. Verschiedene kulturell wirksame Vereine sind hier zu Hause.

Und auf dem Hinterhof also fand der Flohmarkt statt. Sehr familiär gings dazu. Und es war nicht so hoffnungslos überlaufen, wie man das aus dem Süden oder dem Westen kennt. Klar, wer fährt schon nach Stötteritz? Fast in den Osten. Viele, sehr viele Menschen hätten auch der Idylle nicht gut getan. Gut, ich war mittags dort. Vielleicht wurde es am Nachmittag ja voller? Zu wünschen wäre es den Organisatoren. Ich habe mich gefreut, konnte in Ruhe stöbern und habe, nein, diesmal nicht einen Sack voll Bücher mitgebracht, sondern…

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Und noch ein paar Bilder. Drauf klicken, Sie wissen schon…