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Radtaufe

Mai 18, 2015
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Ein update vorneweg, um Missverständnissen vorzubeugen.

Sollte mein Bericht den Eindruck erwecken, die Tour wäre nicht so dolle gewesen, so täuscht das. Die vier Tage waren Klasse und haben verhindert, dass ich zu sehr über Arbeit nachgedacht habe. Eigentlich fast gar nicht.  Am Montag hatte ich dann allerdings wieder einen ganz schlechten Tag und diese Stimmung hat sich möglicherweise ein bißchen auf den Bericht gelegt. Obwohl es mir gut tat, den zu schreiben und so ein zwei Stunden in Erinnerungen zu schwelgen.

Genau neun Tage vor Himmelfahrt musste ich mir ein neues Fahrrad kaufen. Das ist suboptimal, vor allem, wenn man an besagtem Herrentag Richtung Berlin starten will.

Ich probierte hin und probierte her, ließ dort noch ein bisschen rum schräubeln und zeterte da und warnte die Kumpels im Übrigen, dass ICH die vier Tage währende Tour den alleinigen Anspruch aufs Jammern einfordere. Die einzige andere Frau in der Radelrunde beglückwünschte mich, verwies aber darauf, dass ich das Recht des Jammerns den Männern nicht streitig machen könne. Das auch unser König und Kenner aller Krankheiten mit fuhr, verschwieg sie allerdings.

Im Übrigen fuhr ich mit. Das heißt, meistens wusste ich nicht genau, wo wir sind. Also von Leipzig in die Dübener Heide irgendwie, dann so Richtung Fläming und dann eben nach irgendwo bei Potsdam, zu Freunden, die da auf eine Halbinsel im Wald zwischen lauter Seen wohnen. Doch ehrlich, hätten mich die Kumpels stehen lassen, ich hätte nur nach Hause fahren können.

Und so kam es dann auch. Fast. Am Freitag rief mich eine ehemalige Kollegin an. Ein sehr wichtiges Gespräch. Ein sehr wichtiger Gefallen, den sie mir tun soll hinsichtlich der derzeitigen Situation, und ich würgte sie fast ab, während ich die Kumpels am Horizont in einer Kurve verschwinden sah.

Wir hatten Glück mit dem Wetter. Meistens. Und fuhren gleich am Herrentag durch eine Gegend, die sich dem Herrentag ganz offensichtlich verweigert. Ehrlich. Keine Dorffeste, keiner Feuerwehrfeste, keine Biergärten. Wir sahen uns genötigt, im einzigen Restaurant im Umkreis von ganz sicher 1000 km einzukehren, einem Griechen. Am Herrentag! Ehrlich mal. Dafür kam dann doch die Feuerwehr, weil im Nachbardorf irgendeine Scheune brannte.

Richtung Dübener Heide wurde es dann besser und am Königssee, wo wir einem Freund vor Jahren schon mal eine Zeitreise in die DDR schenkten, sind die Bungalows jetzt zumindest von außen saniert. Und das Personal ist auch sogar freundlich. Das war vor ein paar Jahren noch ganz anders.

85 km hatten wir an diesem ersten Tag zurück gelegt, ich war mehrmals im Sand stecken geblieben und betrunkene Menschen haben uns in falsche Richtungen geschickt.

Am nächsten Tag wars nicht nur wärmer, es gab auch weniger Sand. Genau kann ich Ihnen das aber nicht sagen. Denn wenn ich mir die Bilder so ansehe..

Wir sind jedenfalls über die Elbe gefahren und waren in Wittenberg, in der Lutherstadt. Da wird heftig restauriert an der Kirche mit den Thesen, weil es da 2017 ein Jubiläum gibt. Ich glaube, ein 500jähriges. Also konnten wir die 95 Thesen nur durch einen Bauzaun gucken, sind dann aber zur Hundertwasser-Schule gefahren, die ich persönlich, man möge mir verzeihen, doch spannender finde. (Von der Schule habe ich natürlich tausendzwölf Fotos gemacht. Die, oder jedenfalls ein paar davon, gibt es später mal)

Im Fläming fanden wir unser nächstes Quartier, eine sehr nette Herberge mit großer Gastronomie und eigenem Spargelanbau und Forellenzucht.

Da ließ es sich am nächsten Vormittag gut auf den Kumpel aus Berlin warten, der sich heran chauffieren ließ, um mit uns das letzte Stück, noch einmal so um die 50 km zu fahren.

Klappte alles wunderbar. Bei bestem Wetter ging es vorbei am Truppenübungsplatz Lehnin, schweren Pferden und den Beelitzer Heilstätten, die nun zu 25 oder 50 Wohnanlagen für kreativ schaffende, so steht es da, ich denke aber eher, das kreativ schaffen bezieht sich da auf das Geld beschaffen, errichtet werden sollen.

Wir kamen bis zum Schwielowsee. 10 km vorm Ziel kehrten wir ein und freuten uns auf ein ausgedehntes Mittagsmahl und die anschließende gemütliche Restbummelei entlang der Seen und über die Havel.

Da fing es an zu regnen.

Alle Versuche, den Regen auszusitzen, scheiterten.

Dann war ich auch noch irgendwo ganz allein. Und wusste nicht mal wo genau die Freunde wohnen. Man sammelte mich wieder ein und weiter ging es durch den Regen.

Die Freunde am Ziel hatten ein Tarp gespannt. Dort warteten auch ein paar Frauen, die nicht mit hatten radeln wollen. Und Kinder.

In einer Regenpause bauten wir die Zelte auf.

Trotzdem fiel die Party nicht ins Wasser. Außerdem hörte es ja irgendwann auf zu regnen.

Und am Sonntag fuhren wir dann nach Potsdam zum Zug.

Meine Fresse, ist Potsdam schön. Also, ich meine jetzt nicht Sanssouci, sondern die Stadt an sich. Ich muss da noch mal hin. In Ruhe und ohne Fahrrad.

Apropos, das Fahrrad hat seine Taufe bestanden. Rollte 215 km sehr gut, ließ sich, für meine Verhältnisse, flott die Berge hinauf bewegen (Sie glauben ja gar nicht, wie viel Berge die in ihrem Fläming haben) und auch auf ebener Strecke konnte ich ordentlich Meter machen. Nur an der Sitzposition muss ich noch ein bisschen arbeiten. Manchmal schlief mir doch der rechte Fuß ein. Aber das kriegen wir noch hin, mein neues Fahrrad und ich.

Sie wissen ja. Drauf klicken= groß gucken

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17 Kommentare leave one →
  1. Mai 18, 2015 11:07 pm

    Was für ein Bericht, was für eine Radtour – und dann mit einem neuen, nicht zentimetergenau auf die Fahrerin angepassten Fahrrad. Alle Achtung.
    Ich werde das Thema aufgreifen in einem Beitrag auf meinem Blog, das hatte ich eh vor. 😉
    Aber Potsdam ist in der Tat eine sehr schöne Stadt. Dennoch habe ich den Eindruck, die Fahrt hat dich nicht sher beglückt….

    Gefällt 1 Person

    • Mai 19, 2015 5:46 am

      Oh nein! Das siehst Du falsch. Die Tour war sehr schön. Ach, ich dachte gestern noch, ob ich nicht zu deprimiert bin, darüber zu schreiben? Denn der gestrige Tag war furchtbar. Nun hat die Stimmung sich doch auf den Bericht gelegt…

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  2. Mai 19, 2015 9:16 am

    Oh, rot! Wo gibt’s denn rote Fahrräder zu kaufen?! 🙂

    (Der Ähämann und ich suchten beim letzten Deutschlandbesuch ein paar Fahrradläden auf, weil die Kollegin uns den Floh von einem Winter- und einem Sommerfahrrad ins Ohr gesetzt hatte, und fanden ausschliesslich schwarze, graue, braune, olivgrüne… Fahrräder. Wir wechseln dann weiterhin Reifen.)

    ((Ich wünsche alles Gute für die Arbeitssituation!!!))

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  3. Mai 19, 2015 9:45 am

    Potsdam ist wirklich eine Reise wert. Ein rotes Fahrrad hätte ich auch gern. Wobei die schwarzen Diamanten natürlich auch cool sind.

    Für die angedeutete Arbeitssituation drücke ich die Daumen, dass es sich zum besseren wendet.

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  4. Mai 19, 2015 2:09 pm

    Mensch, da radelst du hier vorbei (ich wohne doch jetzt am Schwielowsee) und kehrst nichtmal auf einen Kaffee ein. Beim nächsten Mal aber bitte! Aber wieder tolle Bilder! Und ich wünsche Dir, dass sich deine derzeitige Situation zu deinem Wohlgefallen löst! Immer positiv denken;)

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  5. Mai 19, 2015 6:34 pm

    Schöne Bilder! Weshalb denn ein neues Rad? Das alte wollte nicht mehr? Oder fand es eine(n) neue(n) Lieberhaber(in)?

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    • Mai 20, 2015 10:08 am

      Das alte Rad, hat der Raddoktor gesagt, soll ich zu Grabe tragen. Heutzutage ist das so. Da stirbt ein Rad nach 10 Jahren. Einfach so. Als alter Ossi konnte und kann ich mich damit natürlich nicht abgegben. Das alte Rad steht gut geölt im Keller. Für Gäste. Die fahren ja nicht fast bis Berlin damit.

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  6. Mai 20, 2015 2:08 am

    ZIEL … dann ENDLICH und Regen *tztztztztz….* ABER einen sehr großen Trost. Alle Radfahrer durften dann, – als der Regen nachlies und nur noch Wind war, mit Rückenwind am GROßEN Lagerfeuer sitzen !!!!!Außerdem hatten alle Radfahrer Decken zum „einmummeln“ Ich saß gegenüber ( ohne Decken) und im Qualm :-((( – hab`s irgendwie überlebt. Über die Spätfolgen will ich nicht nachdenken.

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    • Mai 20, 2015 10:08 am

      Bei der nächsten Radtour nehme ich mir sowieso eine Mollidecke mit. Das habe ich gelrnt am letzten Wochenende.

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  7. Mai 20, 2015 11:13 am

    Mein Fahrrad ist lila.
    Die Fotos von der Tour so fein!
    Gruß von der mit dem lila…:-)

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  8. Mai 20, 2015 4:45 pm

    Sieht gut aus, das neue Radl… Bei euch „im Osten“ gibt’s auch einen Königssee? Davon habe ich ja noch nie etwas gehört/gesehen/gelesen!… Und Potsdam steht auch schon seit langem auf der Muss-Sehen-Liste ganz weit oben.
    Danke für diesen Tour-Bericht, und beim Lesen und Fotos Anschauen habe ich nichts von schlechter Stimmung gemerkt. 😉

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    • Mai 20, 2015 6:59 pm

      Doch ja, in er Dübener Heide. UNd an seinen Ufern Bonzendatschen und das Betriebsferienlager des Chemiekombinats Bitterfeld. Oder so. Jedenfalls ist Bitterfeld nicht weit entfernt und eigentlich hätte jeder, der in Bitterfeld nur WOHNEN musste, einen mindestens vierwöchigen Aufenthalt an der Ostsee verdient gehabt

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  9. Mai 28, 2015 1:49 pm

    OMG! Ich hab mir gerade mal auf der Karte die Entfernungen angesehen, daraus mache ich auch einen Wochenausflug – aber mit dem Auto *g*. Werden Elektrorad fahrende Weicheier bei Euch im Club eigentlich auch akzeptiert oder müssen die ganz hinten fahren und Staub schlucken?
    Tolle Bilder, ganz besonders der alte Bus ist cool, da könnte man ein schickes Wohnmobil draus basteln (wenns nicht schon eins ist)

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    • Mai 28, 2015 3:10 pm

      Ist schon eins. Und ja, E-Radfahrer werden akzeptiert. Wir haben das gerade an jenem Wochenende ausdiskutiert. Dauert bei uns ja auch nicht mehr lange 😀

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