Skip to content

Fast im Osten

April 26, 2015

Im Osten der Stadt, da kenne ich mich besser aus als im Norden, der für mich ja bekanntlich und bis zu meinem Stolperwandertag ein weißer Fleck war.

Im Osten, da war, mal von der Stö in Connewitz abgesehen, in den 80ern die Hausbesetzerszene. Ich wohnte einige Zeit in einer ziemlich chaotischen WG in Reudnitz, besetzte später eine eigene Wohnung, allerdings so eher im Zentrum Südost, was ja fast schon als Süden durchgehen kann, aber bis auf die, die in der Stö besetzten, wohnten alle meine Freunde im Osten. Na, jedenfalls die meisten. Thälmannstraße, die jetzt Eisenbahn heißt, Erich-Ferl-Straße, von der ich nicht weiß, wie sie heute heißt, Bernhardstraße, Schultze-Delitzsch-Straße. Das ging bis Sellerhausen und bis Schönefeld.

Alle meine Freunde wohnen nicht mehr da. Sind in den Süden gezogen oder, schon vor 89, nach West-Berlin oder Nürnberg.

Trotzdem bin ich da hie und da noch mal. Weil eine Großcousine da wohnt(e), eine Arbeitskollegin, eine Kletterkumpeline oder auch der Bruder.

Nuja, im Groben kenne ich mich aus.

Die Breslauer Straße, da musste ich erst mal guggeln. Da, in Stötteritz, also auch nicht ganz Osten, sondern eher Südosten, wenn man es genau nimmt, aber ehrlich, für mich ist alles ab Prager Straße Osten, fand heute ein Hinterhofflohmarkt statt. Eine gute Gelegenheit, mal wieder nach Stötteritz zu kommen, meinten die Veranstalter. Dem gab es nichts entgegenzusetzen. Und es schadet ja bekanntlich nie, mal die Nase herauszustrecken und sich woanders umzusehen.

Ich wühlte mich also durch Menschen in blauen T-Shirts und mit Fahrrädern am Völki vorbei (LVZ-Fahrradfest), verirrte mich kurz, und fand den Hinterhof dann doch.

Die Stötteritzer Kulturrunde, eine Initiative aus Künstlern und Kulturschaffenden, möchte den Stadtteil beleben und kulturell aufwerten. Dabei soll das Potenzial kreativ Schaffender gebündelt werden. Das Mischhaus scheint das Zentrum und die Heimstatt dieser Initiative zu sein. Verschiedene kulturell wirksame Vereine sind hier zu Hause.

Und auf dem Hinterhof also fand der Flohmarkt statt. Sehr familiär gings dazu. Und es war nicht so hoffnungslos überlaufen, wie man das aus dem Süden oder dem Westen kennt. Klar, wer fährt schon nach Stötteritz? Fast in den Osten. Viele, sehr viele Menschen hätten auch der Idylle nicht gut getan. Gut, ich war mittags dort. Vielleicht wurde es am Nachmittag ja voller? Zu wünschen wäre es den Organisatoren. Ich habe mich gefreut, konnte in Ruhe stöbern und habe, nein, diesmal nicht einen Sack voll Bücher mitgebracht, sondern…

DSC_8172

Und noch ein paar Bilder. Drauf klicken, Sie wissen schon…

Advertisements
6 Kommentare leave one →
  1. April 28, 2015 4:26 am

    Netter Hinterhof. Aber warum heißt die Thälmannstraße jetzt Eisenbahn? Müssen die Kommunisten alle weg im Osten?

    Gefällt mir

    • April 28, 2015 2:11 pm

      Oh, da könnte ich jetzt viel erzählen. Also , naja, grob zusammengefasst, war er wohl eher Stalinist. Und ne Stalinalle gibt es auch nicht mehr. Allerdings, glaube ich, haben sich die Straßennamentauscher gar nicht so viel Gedanken gemacht. Thälmann. Kommunist. Ziemlich radikal. Der muss weg. Nicht, dass sich noch jemand ein Beispiel an ihm nimmt.Wer allerdings auf Eisenbahn gekommen ist? Keine Ahnung. Vielleicht ist der Thälmann ja viel und genr Eisenbahn gefahren? Oder hat gern vor Eisenbahnern gesprochen? Also ein kleiner Haken eines Schelms in der Namenstauschzentrale?
      Bei uns heißt sie jetzt einfach Tedyy Tuff Tuff

      Gefällt mir

      • April 28, 2015 2:12 pm

        Ach ja, andere Kommunisten durften ihre Straßen behalten. Aber Teddy, der war hier sehr, sehr populär. Vielleicht auch ein Grund?

        Gefällt mir

        • April 28, 2015 2:28 pm

          Natürlich gibt es da sehr dunkle Flecken in der Biografie, aber grob zusammengefasst war er auch Opfer des Faschismus und in dem Zusammenhang finde ich so eine Namensänderung nicht angebracht. Hat man in Hamburg irgendwann auch eingesehen, nachdem man ihm wegen des Ungarnaufstandes1956 eine Straße geklaut hat wurde immerhin 30 Jahre später der Platz vor seinem Wohnhaus in Ernst-Thälmann-Platz umbenannt.

          Gefällt mir

          • April 28, 2015 3:41 pm

            Na, dann baruchts hier ja nur noch 4-5 Jahre 😀
            Ansonsten gebe ich Dir völlig Recht. Aber die Deutschen entledigen sich eben gern schnell ihrer Geschichte. Sie verwechseln das mit Aufarbeitung.

            Gefällt mir

  2. Mai 2, 2015 11:37 am

    Strassenumbenennungen sind ein vielfältiges Thema. Im Osten der Buntenrepublik dienen sie derzeit dazu, vergessen zu machen. Tragisch.

    Gefällt mir

Meinungen?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: