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Katzenjammer

März 6, 2015

Die Katze langweilt sich. Wenn ich auf Arbeit, immerhin 9-12 Stunden wochentags, bin. Das habe ich schon immer gemutmaßt.

Deshalb dachte ich über eine Zweitkatze nach. Aber was wohl Milli the Cat dazu sagen täte?

Ich muss hier übrigens mal aufklären: Milli the Cat ist ein Kater. Ein sehr kompetenter Tierarzt hat das vor Jahren mal falsch gedeutet, das Große Kind übernahm das Katzenjunge im Glauben, eine Miez zu haben, taufte sie Milli und dann. Ja dann kam die Überraschung.

Allerdings hat sich Milli the Cat gut mit seiner/ihrer falschen Namensgebung abgefunden, benimmt sich gern wie eine Diva, mimt sie bei jeder Gelegenheit.

Schätze ich mal.

Vielleicht, das könnte natürlich genauso gut der Fall sein, rühren ihre Verhaltensauffälligkeiten aber auch genau daher, dass er/sie sich in seiner Männlichkeit verkannt fühlt. Also nicht nur, dass sie ihm in gewisser Weise chirurgisch genommen wurde, wird er/sie auch ständig mit Mädchennamen angesprochen und über sie, nicht über ihn gesprochen.

Aber. Die Dinge sind nun mal wie sie sind. Wir können nur das Beste daraus machen.

Fersenbeißen haben wir wegerzogen gekriegt. Überraschende Angriffe und Biss in den nackten Oberarm sind geblieben, aber so selten, dass es auszuhalten ist. Eigentlich müsste ich, um das zu beenden, nur der Kleinfamilie jeglichen Umgang mit Milli the Cat verbieten. Also nicht der Prinzessin, die spielt ganz normal mit der Katze. Aber das Große Kind und besonders der Prinzessinnenpapa machen Milli ganz wuschig. Wenn die da waren, dreht Milli immer ein paar Tage am Sender. Ist voll auf Krawall gebürstet. Ich will eben nicht kämpfen! Ich will kuscheln und spielen.

Natürlich kann ich meinen nächsten Verwandten nicht den Zutritt zu meiner Wohnung verwehren. Das ist ja mal klar.

Also Zweitkatze.

Ich drücke mich seit einem halben Jahr davor.

Da kam es gerade richtig, dass ich letztens eine Woche weit weg im Urlaub war. Mit der Kleinfamilie. Die schied damit als Kümmerer aus und da auch die Nichte, die sonst ersatzweise einspringt, frecherweise in Florida weilte, blieb nur die zweite Nichte.

Die aber studiert, spielt Handball, ich glaube zweite Liege, kann aber auch die erste sein, ich kenn mich da nicht aus, fährt deshalb abends in eine andere Stadt zum Training, hat am Wochenende ein Spiel… also die hat genug zu tun. Eine eigene Katze hat sie auch. Diesmal wirklich eine Katze. Krause.

Wunderbar. Die könnten Freunde werden. Krause und Milli.

Kurzerhand kam der verkannte Kater eine Nacht zu der echten Miez. Man beschnupperte sich, schloss nicht gleich Freundschaft, tat sich aber auch nichts.

Prima.

Urlaub.

Milli zu Krause.

Bevor es dann am nächsten Morgen wirklich los ging Richtung Schnee und Alm, holte ich meinen kleinen Stänkerer zurück. Krause hatte Angst im eigenen Heim, hatte eine Wunde auf der Nase und ich konnte innerhalb 5 min live beobachten, wie Milli Jagd auf sie machte.

Da hört sich ja wohl alles auf. Dummes Vieh.

Es wurde die Urlaubswoche von Nichten und Neffen gefüttert, je nachdem, wer wann Zeit hatte.

Nun aber, wie dumm kann Katze eigentlich sein?, langweilt man sich noch mehr.

Schon nach der ersten Probenacht bei Krause, miaute Milli häufiger. Ich tröstete sie, dass es bald wieder zur vermeintlichen Freundin geht.

Seit dem 2. abgebrochenen Versuch geht nun gar nichts mehr. Die Katze miaut quasi ununterbrochen. Ruhe ist nur, wenn sie schläft oder frisst. Oder natürlich, wenn ich mit ihr spiele. So lange, bis sie erschöpft ist.

Erschöpft sind wir dann beide. Mit dem Unterschied: Milli ist nach 2 Stunden wieder wach. Ich tot.

Und was ist eigentlich, wenn ich auf Arbeit bin? Ich höre sie noch im Fahrstuhl miauen, wenn ich gehe.

Ich war also shoppen.

Endlich habe ich auch einen Laden gefunden, wo es die besonders weichen Bälle gibt, die die Katze, die eigentlich ein Kater ist, aber viel lieber Hund wäre, so gern apportiert. Damit kann man sie wirklich bis zur Atemlosigkeit beschäftigen. Ohne sich groß selbst zu bewegen.

Und dann so ein Dingens, das man in den Türrahmen hängt. Daran ein Gummiseil mit Vogel. So ähnlich wie eine Katzenangel. Milli liebt Katzenangeln. Und die funktioniert gar ohne mein Zutun. Wenn ich nicht da bin. Perfekt.

Ich habe es erstmal getestet. 10 min später hatte das Vieh das Gummiband zum ersten Mal durchbissen. An 3 Stellen!!! Schnappt sich den Vogel und beißt die Schnur durch. Doof ist sie/er ja nicht. Oder doch?

Geflickt, weggeräumt, am nächsten Morgen aufgehängt.

Abends den Vogel gesucht, wieder geflickt, ins Schuhregal geräumt.

Und heute Morgen?

Milli ist ein Gummibandfetischist! Ehrlich! Hat sich das Teil aus dem Regal gefischt und das Band zerlegt.

10 min habe ich gebraucht, um Lösungen zu finden. Am Morgen. Vor der Arbeit!

Gut, dass ich Gleitzeit habe.

Fragen Sie mich aber bitte nicht, wie das Teil aussah, als ich nach Hause kam. Ich habs inzwischen wieder geflickt.

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10 Kommentare leave one →
  1. März 6, 2015 8:18 pm

    Ich habe deine Geschichte mit Begeisterung gelesen:-)

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  2. März 6, 2015 8:28 pm

    Da hilft wohl wirklich nur eine Zweitkatze. 😉 Aber keine ausgewachsene, sondern eine möglichst junge, das gibt in der Regel nur sehr wenig Scherereien. Du wirst deinem einsamen Kater damit eine große Freude machen…

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  3. März 6, 2015 9:27 pm

    Zur Zweitkatze kann ich dir nur raten. Die raufen sich schon zusammen. Meist klingt es schlimmer als es ist. Meine beiden haben auch noch ab und zu einen Schmiß, obwohl sie schon so lange zusammen sind. Zwei Katzendamen bekommen sich immer mal in die Haare.
    Ich hatte schon mal zwei Katzen, keine Geschwister. Die Katze hat sich meist untergeordnet, beim Fressen z.B.. Nur ab und zu, da reizte sie den Kater bis zur Weißglut. Und wenn der dann abging wie Apollo, sprang sie auf die Schrankwand, kuckte hämisch von oben und sah ihm beim Toben zu.
    Zwei Katzen ist schon toll.
    Hast du schon wieder geflickt? 🙂

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  4. März 7, 2015 1:18 am

    Mit meinem ersten Kater hab ich ähnliche Erfahrungen gemacht, der sollte zur Schwägerin im Urlaub, Haus, Garten, noch ein Kater… ging schon am ersten Tag völlig in die Hose, seither hat er sogar meine Schwägerin gehasst wie die Pest *g*
    Zusammenraufen bei Katern, ich weiß nich.. eine Katze wär vielleicht besser.
    Und Spielzeuge, da hab ich auch ne Menge Geld versenkt, das meiste war keine zwei Stunden interessant genug wenn ich nicht selber daran gezogen habe. Bei Homer war der Laserpointer noch am effektivsten, den Lichtfleck kann man auch bequem vom Sofa aus wandern lassen *g*
    Nur aufpassen muss man halt, dass man den nicht auf die Augen richtet.

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  5. März 7, 2015 7:47 pm

    Ich hab mich schlapp gelacht… Klasse Bericht. Nicht über dich, liebe Inch. Nur so wegen der Situationen.
    Ich würde so einen Ball an einem Eisendraht befestigen, da hat die Miezekatze was zum beissen 😉
    Ich finde Haustiere mit zunehmendem Alter zunehmend lästig. Naj, vielleicht doch wieder einen Dalmatiner. Die waren schon als Karrenhunde ideal, die müssten mich auf einem Purolator ziehen können…

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  6. stadtkatze permalink
    März 12, 2015 1:38 pm

    Was erhoffst Du Dir denn von einer zweiten Katze, dass sie zusammen spielen?
    Wir haben ja zwei Kätzinnen, aber zusammen spielen: niemals. Einmal am Tag jagen sie sich für zwei Minuten, aber das hat meist eher etwas aggressives und ich bin mir nicht sicher, dass beide Seiten das für ein Spiel halten. Ansonsten sind sie meistens zeitlich unterschiedlich getaktet: wenn eine in Spiellaune ist, schlummert die andere. Oder eine spielt und die andere guckt zu. Und wenn eine von uns mit einer von ihnen spielt, dann darf sich die andere nicht einmischen, sonst gibt es von der Ersten eins auf die Mütze. Überhaupt schlafen sie die meiste Zeit, ob wir da sind oder nicht. Erst nachmittags/abends werden sie aktiver.
    Und den Gummibandfetisch kenne ich: wenn Siri nur das Zupfen an einem gespannten Gummiband hört, sucht sie so lange, bis sie es findet – und dann wird es kaputt gekaut, genau wie Du es beschreibst. Eine Zeitlang hat sie die Gummiringe aus der Küchenschublade herausgeklaut, so dass in der ganzen Bude und in ihren Hinterlassenschaften bunte Gummifetzen auftauchten… Verrücktes Viehzeug!

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    • März 13, 2015 8:26 am

      Was ich mir von einer Zweitkatze erhoffe? Die Bkämpfung der Einsamkeit. Milli ist werktags zwischen mindestens 9 Stunden bis 12-14 Stunden allein. Es ist ein Versuch, das zu bekämpfen. ICh habe jetzt lange mit einer Fachfrau gesprochen, werde einen Kater, der eigentlich ins Tierheim soll, jetzt direkt zu mir holen und gucken, obs klappt

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      • März 13, 2015 8:27 am

        Ach ja, Kater sollen untereinander verträglicher sein als Katze und Kater oder gar zwei Katzen. Habe ich gelernt. Ich rede natürlich immer von kastrierten Tieren

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