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Verpasste Gelegenheiten

März 1, 2015

Der letzte Tag in Sarajevo. Einkaufstag. Und natürlich muss ich noch mal zum alten jüdischen Tempel. Der hatte jeden Tag geschlossen. Auch heute. Mist.

Dafür finde ich an der großen Moschee das Besucherschild. Da hätte ich täglich 8:30 Uhr rein gekonnt. Zu spät. Doppelt Mist.

Der Teeladen, also jetzt nicht Dijanas Café, sondern einer, wo es wirklich Tee zum Mitnehmen gibt, hat auch geschlossen. Hätte ich nur gestern…. Da muss ich nun was neues suchen. Süßigkeiten sind ja auch nicht schlecht. So selbst gemachte Pralinen. Ich darf sogar bei der Herstellung zuschauen. In der Kupfergasse darf ich auch zusehen. Aber Teebecher von dieser Größe sind nun wahrlich nur ein Mitbringsel zum Hinstellen und Verstauben. Kaffeebecher auch. Hier in Sarajevo ist das ja ganz nett mit dem bosnischen Kaffee, aber zu Hause brauche ich wieder meine großen Pötte.

Ich will immer noch in ein serbisches Viertel. Also laufe ich die Miljacka entlang, lasse die Bibliothek und die letzte Informationstafel hinter mir. Jetzt fragen Sie mich bloß nicht, in welche Himmelsrichtung. Bei so was bin ich blöd. Ich denke, es ist Osten, ich könnte mich aber auch täuschen.

Die Bibliothek wurde zwischen 1892 und 1894 ursprünglich als Rathaus gebaut. Der Wiener Architekt Alexander Wittek ließ sich durch Reisen nach Kairo und Spanien zu diesem pseudo-maurischen Stil inspirieren. Seit 1948 diente das Gebäude als National- und Universitätsbibliothek.

100 Jahre nach der Erbauung, in der Nacht vom 25. zum 26. August 1992, wurde die Bibliothek durch schwere Artillerie und Bomben nahezu zerstört. Dabei verbrannte fast der komplette Bibliotheksbestand, darunter handschriftliche Dokumente von unschätzbarem und nicht zu ersetzendem Wert.

Der Wiederaufbau begann sofort nach dem Ende des Krieges, 1996, zunächst mit Unterstützung Österreichs, später half die Europäische Kommission finanziell. Obwohl die Arbeiten noch nicht abgeschlossen sind, scheint sie ein Symbol des Wiederaufbaus zu sein, ein Zeichen des Neubeginns. Denn jeder Einwohner, mit dem ich über die Stadt sprach, wies mich auf das Gebäude hin.

Mein Spaziergang entlang des Flusses endet da, wo nur noch eine von hohen Mauern begrenzte Straße ohne Fußweg mir mein Unterfangen doch blödsinnig erscheinen lässt.

Also streiche ich ein letztes Mal durch die Altstadt, esse ein letztes Mal Burek, sitze bei Dijana und versichere, im Sommer wieder zu kommen.

Auf Wiedersehen, Sarajevo. Ich hoffe, ich kann mein Versprechen wahr machen. Es gibt ja noch so viel zu sehen. Anderswo.

Zum Abschluss noch mal viele Bilder. Wems nicht zuviel ist, der klickt drauf und guckt groß.

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11 Kommentare leave one →
  1. März 1, 2015 1:03 pm

    Du wirst wieder nach Sarajevo fahren? Im kommenden Sommer? Etwa vom 14. bis zum 22. August?
    Da findet nämlich in diesem Jahr das Sarajevo Film Festival statt. 😉

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    • März 6, 2015 8:14 pm

      also… Jetzt bin ich stark am Überlegen. Eigentlich wollte ich ja im September…

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      • März 7, 2015 7:44 pm

        Tja, grundsätzlich hast du noch etwas Zeit, du solltest vielleicht an die Schlafgelegenheit denken. Andererseits hast du ja inzwischen Privatadressen, das wäre auch eine Möglichkeit und beiden wäre geholfen…

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  2. März 1, 2015 4:33 pm

    Danke für die vielen tollen Bilder. Deine Beiträge machen definitiv Lust auf die Stadt.
    Mal gucken, ob ich den besten Mitreisenden von allen überzeugen kann…

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  3. März 3, 2015 1:53 am

    Es war eine beeindruckende Reise, liebe Inch. Mit Spannung habe ich jedesmal auf den nächsten Bericht gewartet.
    Wer weiß, vielleicht kommst du ja wirkklich noch einmal zurück. Auf alle Fälle hat die Stadt und die Region einen großen Eindruck hinterlassen.

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  4. März 6, 2015 7:23 pm

    Magst Du Deine wunderbaren Geschichten nicht bei http://stories-and-places.com verlinken?

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  5. März 7, 2015 12:59 am

    Das erste Katzenfoto find ich große Klasse :D, wie der ganze Bericht wieder mal, daher auch 5 Sterne bei rastlos ;).
    Einerseits kann ich mir Sarajevo im Sommer gut vorstellen, andererseits wirken die Teehäuser und Buregdingsdas (was ist da eigentlich drin in den Dingern die da von der Decke hängen?) im Winter natürlich noch viel einladender und gemütlicher.
    Tja und da Du so viele Gelegenheiten verpasst hast musst Du wohl noch mal hin *g*

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    • März 13, 2015 8:48 am

      Also diese Dinge, die von den Decken hängen, ich hoffe, wir meinen das selbe, sind eine Art Deckel. Die werden bei Bedarf runtergelassen, um die offene Glut abzudecken und so länger am glühen zu halten

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