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Neujahrsspaziergang

Februar 25, 2015

Am Neujahrsmorgen will ich eigentlich mit dem Bus Nr. 56 hoch nach Jarcini fahren. Von da soll es eine schöne Wanderung zurück in die Stadt geben. Sagt mein kleiner Reiseführer. So richtig traue ich dem ja nicht mehr nach der Pleite mit Ildica. Und  natürlich, an einem Werktag würde ich lieber nicht Bus fahren. Ich habe das hier beobachtet, da ist Straßenbahnfahren ein Spaziergang dagegen. Aber am Neujahrsmorgen fahren vielleicht nicht so viele Bus.

Trotzdem es heute mit -8°C fast warm ist, zum Warten ist das immer noch zu kalt. Ich stehe 10 min dumm rum, dann ändere ich meine Pläne und laufe durch die Sonne am Fluss entlang. Ich biege in Nebenstraßen ein, laufe Hügel hinauf und hinunter. Wähle meinen Weg dabei immer so, dass ich im Sonnenschein laufen kann. Ich gucke mir noch mal die Ashkenazi, die neue Synagoge an, aber wie in den vergangenen Tagen hat sie auch heute geschlossen.

Auf der Flucht vor der Inquisition in Spanien kamen 1566 die ersten Juden nach Bosnien, das damals zum Osmanischen Reich gehörte. Das waren sephardische Juden. Die Aschkenasim kamen am Ende des 19. Jahrhunderts in die Stadt, nachdem Bosnien-Herzegowina unter die Verwaltung Österreich-Ungarns gestellt worden war. Die Herrschaft der Osmanen hatte 1878 geendet. Die waren etwas „moderner“ als die Sephardim, kamen meistens als österreichische Staatsbedienstete in die Stadt. Und natürlich sprachen sie kein Ladino, die Aschkenasim. Es würde mich interessieren, inwieweit sich die zwei Glaubensgemeinden bereicherten oder doch eher misstrauisch betrachteten. Ende des 19. Jahrhunderts, da wird man wohl mehr auf die Unterschiede gepocht haben, so wie zwischen Katholiken und Protestanten vielleicht.

So schlendere ich also durch die Stadt, sitze lange in meinem Lieblings Wiener Café, schlendere weiter, esse Burek, und lande wieder bei Dijana. Doch unten ist alles voll, also steige ich die Stufen hinauf, schichte in der 1. Etage die Kissen um mich, lese und genieße die Ruhe und den Kaffee.

Ich würde gern mal in den serbischen Teil der Stadt. Aber dort scheint es so gar keine Sehenswürdigkeiten zu geben. Jedenfalls sind auf den zahlreich in der Stadt aufgestellten Infotafeln nur Gebäude, Brücken und Parks im nicht-serbischen Teil dargestellt. Auch mein kleiner Reiseführer ist da sehr zurückhaltend. Aber vielleicht gibt es dort ja wirklich nichts zu sehen. Außer das Denkmal für Gawril Prinzip. Aber das will mir ja niemand zeigen.

Die Bilder werden groß, wenn man drauf klickt. Und nein, diesmal gibt es keinen Link zurück

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6 Kommentare leave one →
  1. Februar 25, 2015 8:07 pm

    Wegen der serbischen Sehenswürdigkeiten… (pst: eigentlich versteht sich Sarajevo als bosni(aki)sche Stadt).
    Ui, am Metropolis bin ich immer nur vorbeigelaufen. Einige Strassen vorher rechts rein in die Kaptol ulica, da gibt es eine urig originelle Kneipe. Die fällt mir leider erst wieder ein, sonst hätte ich sie dir früher schon empfohlen. 😉
    Auch diesmal wieder meinen herzlichen Dank für deinen Bericht und die Fotos. (Das hält die Sehnsucht am Glimmen)

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    • Februar 28, 2015 7:23 pm

      Jaja, das gibts zwar ein großes aufgemaltes Kreuz in der Altstadt,von wegen der Kulturen, die sich hier treffen, aber mit der serbischen will man eigentlich nichts mehr zu tun haben. Das habe ich auch gemerkt.Und in die urige Kneipe gehe ich das nächste Mal. Du aber probier die Erdbeerjoghurttorte im Metropolis. Abgemacht?

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  2. Februar 25, 2015 8:12 pm

    Ich hätte jetzt auch eine gewisse Reiselust, würde mich aber für angenehmere Temperaturen entscheiden.

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  3. Februar 28, 2015 10:36 pm

    Mist, jetzt hab ich Appetit auf Erdbeerjoghurttorte. Die Rakija Bar hätte mich zwar eher gereizt als das Metropolis (so rein von den Äußerlichkeiten), aber Erdbeerjoghurttorte ändert natürlich alles.

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