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Nichts Neues im Osten

Januar 6, 2015

Und wieder wissen sich die Deppen im Osten nicht zu benehmen. Zeigen sich fremdenfeindlich. Demokratieunfähig. Peinlich. Dämlich.

Pegida. Das war ja nun schon vor Weihnachten (zu Recht) großes Thema in den Medien.

Im Osten, also genauer gesagt in Dresden, gingen Tausende auf die Straße. Pegida-Anhänger.  Im Westen gab es Gegendemos. So wurde berichtet.

Das hat mich geärgert.

Zwar erwarte ich von den Medien schon lange keine objektive, gut recherchierte Berichterstattung mehr, trotzdem hat es mich geärgert.

Denn zum ersten Mal hörte ich von Pegida vom Kleinen Kind. Ich weiß nicht mal mehr, wann. Pegida, das war damals noch kein Begriff. Und ich hörte vielleicht auch nicht richtig zu. Das Kleine Kind und der Freund mussten jedenfalls an einem Montag wieder in Dresden sein. Wegen der Demo.

Am Dienstag dann las ich irgendwo eine kleine Notiz. Über Pegida. In Dresden. Ich erschrak. Aber nein, natürlich, das Kleine Kind und der Freund waren auf der Gegendemo. Denn die gab es von Anfang an in Dresden. Auch wenn die Medien das gern unterschlugen. So wie es in München, Düsseldorf* und sonst wo Mügida und Dügida und wie die sich nennen, gab, was aber ebenso gern von den Medien verschwiegen wurde. Nein, dort, im aufgeklärten Westen, fanden die Gegendemos statt, in Dresden die „gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Selbst heute, im Morgenprogramm des ZDF kündigte der Moderator eine Reportage über den gestrigen Montag in Dresden, die damit endete, dass die Gegendemonstranten, die die Straßen der Landeshauptstadt symbolisch vom Pegida-Müll säuberten, gezeigt wurden, so an: Überall im Land Gegendemos, außer in Dresden, da gingen x tausend Pegida-Anhänger auf die Straße.

Diese Deppen. Dabei haben die nur 2% Ausländeranteil. Worüber beschweren die sich? Sollen sie mal nach (West)Berlin, Köln oder Düsseldorf* kommen. So oder ähnlich wurde vor Weihnachten argumentiert. Und wieder zeigte sich der so verheerende Denkansatz. Die Geschichte und Erfahrungen der Ostdeutschen werden ignoriert. Mit der Angliederung hatten diese Geschichte und Erfahrungen der Demokraten aus dem Westen zu übernehmen. Basta. 2% Ausländeranteil. Wie lächerlich. Ha.

Erst später kamen – in den Medien – Leute zu Wort, die auch den Medien und Politikern eine Mitschuld an der Entstehung solcher Strömungen wie Pegida gaben. Wer lautstark fordert, dass Zuwanderer auch zu Hause im familiären Kreis deutsch zu reden haben (übrigens eine Politik, die auch in der UdSSR betrieben wurde, wo den Deutschen Minderheiten der Gebrauch ihrer Muttersprache verboten wurde, was dazu führte, dass die „Russlanddeutschen“ heute dieselbe nicht mehr sprechen und, so sie nach Deutschland „heimgekehrt“ sind, nicht anders als als Ausländer und natürlich Sozialschmarotzer sofort erkannt und behandelt werden), wer den Zuwanderern Sozialbetrug unterstellt, Flüchtlinge in solche unterteilen will, die vor dem Tod durch Hunger (böse, weil gar keine Flüchtlinge) oder vor dem Tod durch politische Verfolgung fliehen, schnelle Abschiebungen fordert, vor den Kosten warnt und was weiß ich nicht alles, ja sogar öffentlich von Überfremdung spricht, darf sich nicht aufregen, wenn plötzlich andere, nicht aus den Reihen der eigenen Partei kommende, diese Themen auffassen und eine nicht geringe Zahl von Menschen um sich scharen.

Natürlich, bei all diesen Betrachtungen und Einsichten ging kaum jemand auf die besondere Befindlichkeit der Ostdeutschen ein. Irgendwo nur hörte ich mal einen über die über 50jährigen sprechen, die in der DDR noch eine gewisse Sicherheit kennengelernt hätten und diese vermissten. Mag sein, dass das für die über 50jährigen aus dem Osten stammenden Pegida-Anhänger(aber alle Pegida ist ja Osten), einer der Gründe ihrer Angst ist.

Eines aber wird aber vergessen, für mich einer der wichtigsten Ursachen. Es sei denn, man macht sich darüber lustig. 2% Ausländeranteil. Die meisten, die da auf die Straße gehen, kennen keinen Moslem persönlich, haben Salafisten höchstens mal im Fernsehen gesehen. Diese Deppen. Anders als in Köln oder Düsseldorf oder Neuköln* haben die also gar keinen Kontakt. Ihre Erfahrungen hinsichtlich Ausländern beschränken sich (bei den über 50jährigen) auf brave Vietnamesen, die in die DDR als fleißige Gastarbeiter kamen und dann blieben, um Gemüse zu verkaufen oder Wäschereien zu führen, auf Algerier und Kubaner, die aber alle nach ihren Arbeitseinsätzen wieder nach Hause fuhren, auf Chilenische Flüchtlinge und Sowjetische Soldaten, die auch alle längst das Land verlassen haben. Ansonsten haben sie ihr Wissen aus dem Fernsehen. Aus der Bild Zeitung. Die Intelligenteren, die man da erschreckenderweise auch trifft, da bei Pegida, allerdings auch aus der Zeit oder der FAZ. Egal, wo sie lesen oder gucken oder hören, sie lesen und hören von Islamisten, Salafisten, Terror, Gefahren, Überfremdung, Sozialschmarotzern, Scheinasylanten… je nach eigenem Anspruch des entsprechendem Mediums schwanken die Begriffe, hauen aber in dieselbe Kerbe. In Köln oder Düsseldorf*, wo der über 50jährige mindestens einen Moslem kennt ( der unter 50jährige vermutlich auch), wo er im Straßenbild täglich dem „Fremden“ begegnet, kann er, je nach Bildungsgrad und Ansicht, diese als Bereicherung oder aber (mindestens) lästig empfinden und das, was Politiker und Medien da von sich geben, je nach eigener Ansicht als Humbug einordnen oder im gegenteiligen Fall je nach Bildungsgrad zumindest die Klappe halten.

In Dresden aber, wo man es in Sachsen nur mit 2% Ausländern zu tun hat, lassen sich die Deppen vom Geschwafel der Politiker und Medien Angst machen. Erst gehen sie nicht richtig wählen und wenn doch, wählen sie falsch und jetzt glauben sie den Mist mit der Gefahr der IS auch noch. Also wirklich.

Um das klar zu stellen. Ich habe keinerlei Verständnis für Pegida. Noch weniger verstehe ich, wieso da auch sogenannte aufgeklärte Bürger, aus „der Mitte“ der Bevölkerung mitlaufen. Ich schäme mich, dass so etwa in Deutschland wieder passiert. 18000. Das ist eine Zahl, die auch mich erschreckt.

Aber mich ärgert wieder diese plakative Zuordnung.

Osten = doof und reaktionär,

Westen = aufgeklärt und tolerant.

Wer aber Ängste schürt, um sich Wählern oder wem auch immer anzubiedern oder einfach mal ins mediale Licht zur rücken, muss sich nicht wundern, wenn sich Menschen fürchten. Gerade die, die keine Ahnung haben, worum es eigentlich geht, fürchten sich gern vor dem, was sie nicht kennen. Dagegen hilft nur Aufklärung.

Man kennt das ja selbst, mit der Angst vor dem Unbekannten. Aus dem Alltag. Als ich 2013 mit dem Greyhound durch die USA gurkte, warnten mich einige davor, dass da nur die Ärmsten der Armen mitfahren würden und ich mich ständig vor Diebstählen schützen müsste, ganz viele aber, auch Einheimische, warnten mich eindringlich und ausdrücklich vor der Greyhound Station downtown L.A. Genau dort aber begann eine wunderbare Reise, auf der ich ganz wunderbare Menschen traf und kennenlernte. Weil ich mich nicht abbringen ließ und einfach aufmachte, den Vorurteilen anderer zu begegnen.

Nicht alle Menschen aber sind Willens, sich aufzumachen, ihren oder anderer Leute Vorurteilen entgegen zu treten. Da hilft nur Aufklärung. Das wäre dann Sache der Politiker. Und die Verantwortung der Medien. Statt mit Schlagzeilen für höhere Verkaufszahlen und markigen Sprüchen für mediale Präsenz zu sorgen. Um den Menschen undefinierte Ängste zu nehmen und politisch fragwürdigen Gestalten die Anhängerschaft, wäre es sicher nützlich, die Menschen, die es aufzuklären gilt, nicht einfach als Idioten abzustempeln. Und die eigene Rhetorik zu hinterfragen. Vor allem aber sollte sich jeder, der in der Öffentlichkeit steht, egal ob als Politiker oder als Journalist, endlich um die Befindlichkeiten der im Osten Gedanken machen, ihre Erfahrungen und Geschichte und begreifen, dass die mit der Angliederung eben nicht die Erfahrungen und die Erziehung derer, die in Köln oder Düsseldorf* aufgewachsen sind, automatisch mit übernommen haben. Es ist an der Zeit, sich endlich zu fragen, wieso so etwas wie Pegida oder Hoyerswerda oder Rostock immer ausgerechnet im Osten passiert und sich nicht mit der Antwort, dass die da alle eben etwas dämlich seien, zu begnügen. Es ist an der Zeit zu akzeptieren, dass es zwei große Bevölkerungsschichten in unserem Land gibt. Zwei große Bevölkerungsschichten mit einer unterschiedlichen Geschichte, unterschiedlichen Erfahrungen, ja, unterschiedlichen Wertvorstellungen. Und es ist an der Zeit, die Geschichte des Ostens genauso ernst zu nehmen wie die des Westens. „Die zu kurz gekommenen“ nannte letztens ein Journalist Pegida-Mitläufer. Wen oder was meint er damit? Glaubt er, die Anhänger und Mitläufer auf HartzIV-Empfänger reduzieren und diese Gruppen Mitbürger diskreditieren zu dürfen? Oder meint er tatsächlich die, die das Gefühl haben, in den letzten Jahren eher zugesehen zu haben, wie zwar nicht besonders bunt, aber doch bescheiden blühende Landschaften in Wüsten verwandelt wurden? Meint er die, die sich betrogen fühlen?

Am kommenden Montag werde auch ich auf der Straße sein. Hier in Leipzig. Auf der No-Legida-Demo. Dass es da eine Legida-Demo geben soll, habe ich überhaupt erst durch die Gegendemo erfahren. Ich will nicht, dass sich so eine Bewegung wie Pegida in meiner Stadt ausbreitet.

Und ich hoffe, Legida wird so kläglich scheitern, wie jener Hamburger, der hier vor ein paar Jahren Monat für Monat nach Leipzig kam, um mit seiner braunen Anhängerschaft zum Völki zu ziehen und der Monat für Monat von den Leipzigern daran gehindert wurde. Ich will, dass Leipzig bunt bleibt. Denn ja, Leipzig ist bunt. Genau wie Dresden. Vielleicht nicht so bunt wie Köln und Düsseldorf*, aber keinesfalls so braun, wie es gern behauptet wird.

Ich gebe zu, so etwas wie Pegida beunruhigt mich, weil es nicht mehr so einheitlich braun daher kommt und damit Menschen eine Plattform bietet, die sich selber nicht für braun halten. Am meisten aber, gebe ich zu, fürchte ich mich vor denen, die sich gar nicht positionieren. Die in Köln oder Düsseldorf* sitzen und nur darauf warten, dass es wieder legitim ist, ausländerfeindlich zu sein und das auch zeigen zu dürfen. Denen nämlich kann ich erst entgegen treten, wenn es möglicherweise zu spät ist.

* Die Namen der Städte sind zufällig ausgewählt als Beispiele für westdeutsche Städte. Ich will den Bewohnern dieser Städte keinesfalls bestimmte politische Gesinnungen unterstellen.

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22 Kommentare leave one →
  1. Januar 6, 2015 10:48 pm

    Finde ich gut. Eine differenzierte Sicht ist hier (wie auch sonst) hilfreich. Nur so ganz kapiere ich es nicht. Wie jetzt genauer die „unterschiedlichen Wertvorstellungen“ aussehen.
    Diese Frage habe ich. Insgesamt danke ich dir sehr für diesen Beitrag!

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    • Januar 6, 2015 11:02 pm

      Ach Herrje, das ist ja wieder eine Frage, die einen ganzen Blog hergäbe. unterschiedliche Wertvorstellungen. Die Unterschiede sind sicher nicht so groß, eigentlich fast gleich, aber eben nicht ganz, denke ich. Darf ich einen Tag drüber nachdenken?

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      • Januar 6, 2015 11:17 pm

        Ach, ich wollte dir keine harte Nuss zu knacken geben. Ich wüsste für „meine Sorte“ Mensch, die Wessis, auch nur unzulänglich Bescheid. Gibt sicher irgendwelche schlauen Studien oder so… Also bitte, kein Stress!

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    • Thomas permalink
      Januar 7, 2015 1:28 pm

      http://www.uni-leipzig.de/~journ/scheinheit/alltagskultdiff.pdf – 20 Seiten Alltagskulturelle Differenzen.
      „Der Ostdeutsche glaubt an eine gerechte Welt im Gegensatz zum Westdeutschen
      (Dalbert 1997). Der Ostdeutsche meint, dass diese gerechte Welt vom Staat verwirk-
      licht werden muß. Das westliche Staatsverständnis jedoch versteht sich so, dass es
      die Rahmenbedingungen für Chancengleichheit schafft und jeder dann seines Glü-
      ckes Schmied ist.“

      Regulation persönlicher Identität im Rahmen gesellschaftlicher Transformationsbewältigung (Google eBook-Link: https://books.google.de/books?id=Gb_L78JbqzYC&printsec=frontcover&hl=de#v=onepage&q&f=false )

      Berth, H. (1999): Die Angst vor der Wiedervereinigung. Inhaltsanalytische Überlegungen. In: A. Hessel. M. Geyer & E. Brähler (Hrsg.): Gewinne und Verluste sozialen Wandels. Globalisierung und deutsche Wiedervereinigung aus psychosozialer Sicht. S. 124-139.

      Berth, H. & Brähler, E. (Hrsg.) (2000): Deutsch-deutsche Vergleiche. Psychologische Untersuchungen 10 Jahre nach dem Mauerfall. Berlin: Verlag für Wissenschaft und Forschung.

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  2. Gudrun permalink
    Januar 6, 2015 11:14 pm

    Danke, liebe Inch. Und vielleicht sehen wir uns ja am Montag.

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  3. Januar 6, 2015 11:25 pm

    Danke für deine etwas andere Sicht auf dieses Problem Pegida & Co., das mich seit einer Weile schon sehr umtreibt. Und auch Angst macht.

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  4. Januar 6, 2015 11:41 pm

    Danke!

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  5. Januar 7, 2015 7:54 am

    So ist es. In den Medien wird konsequent Ost gegen West aufgespielt – so wie Du es beschrieben hast! Und wenn das nicht reicht dann, wie aus bekannten ‚Talkshows‘ Hetze gegen Hartz 4 EmpfengerInnen betrieben. Objektivität ist nicht gefragt! So wollen sie erreichen, das eine Einheit der Massen nicht zustande kommt!

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  6. Januar 7, 2015 1:26 pm

    danke für diesen tollen bericht! bisher wußte ich nicht richtig, was ich von pegida halten sollte, es gibt so unterschiedliche berichte. aufklärung und information ist das wichtigste überall auf der welt, und weil das nirgendwo richtig und objektiv klappt, gibt es soviel angst und hass, den sich die wortgewandten mächtigeren und nicht nur politiker bedienen.

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  7. gemeinsamleben permalink
    Januar 7, 2015 6:54 pm

    @theomix, sorry, die Antwort gehört zwar Inch. Dennoch. Mit Sicherheit gibt es schlaue Studien. Allein, sie können nur den Verstand erreichen. So aber z.B. ist Honky Tonk am 2.5. in Leipzig. Herkommen, eintauchen, atmen. Ein einziges Gespräch kann dir evtl. dabei mehr Fragen beantworten, als alle Studien. (Mal so unter uns, von Wessi zu Wahlossi).

    Für die jetzt gerne zu schreibenden Worte, Inch, reicht der Platz auf dem wordpress-server nicht aus. Deswegen, ganz einfach: Sei umarmt 🙂

    Den kommenden Montag werden wir uns nicht über die Füße laufen. Da bin ich in München. Aber schonen wir ruhig noch ein wenig unsere Ressourcen. Wir werden sie noch brauchen 🙂

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    • Januar 8, 2015 8:23 am

      Also irgendwann, wenn wir es nicht dem Zufall überlassen wollen, müssen wir uns aber mal treffen. So mit Termin und so

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      • gemeinsamleben permalink
        Januar 8, 2015 12:45 pm

        Ja, Inch, das machen wir. Wie das Wetter wieder fahrradgeeignet ist, stimmen wir uns mal ab. Geht ja eigentlich nur im Leipziger Klassiker, August-Bebel-Str,/Mahlmannstrasse 🙂

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  8. Januar 7, 2015 10:31 pm

    So, also ich habe natürlich darauf gehofft, dass mit andere die Antwort auf theomix‘ Frage abnehmen 😉
    Danke Thomas, danke Menachem für Eure Hilfe. Der verlinkte Aufsatz von Thomas (1. link) ist schon „etwas älter“, trotzdem lesenswert. Im 2. Link wird es für die, die nicht alles lesen wollen, ab Kapitel 3.1 spannend.
    Ich habe mir natürlich auch Gedanken gemacht, aber es ist schwer, das in einen Kommentar zu packen. Ich will es trotzdem versuchen, auf ein paar Worte zu reduzieren. Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit gehören unbedingt dazu. Und das Gemeinwohl kommt wohl vor dem Individualismus. Irgendwo las ich den schönen Ausspruch „kollektive Geborgenheit“, und das trifft es ziemlich gut. Und in einer Studie las ich, dass der Wille, anderen zu helfen, im Osten immer noch größer sei, als im Westen. Also, ich glaube, man nennt das Solidarität. Oder vielleicht auch nicht. Ein Beispiel: Eine Freundin zog von Sachsen an den Bodensee. Alles top, Job, die neue Schule für den Sohn. Nur, als sie, alleinerziehend, ihre Wohnung herrichten musste, stellt sie entsetzt fest, dass sie für jeden Pups einen Handwerker brauchte.In Sachsen musste sie in ihrer Klinik nur sagen, Ich muss einen Schrank aufbauen, Löcher bohren, was auch immer und sofort boten sich Kollegen an, das zu tun oder ihr mindestens zu helfen.
    Also ja, dieses Gemeinschaftsgefühl ist wohl der stärkste Unterschied. Nicht nur, dass man anderen hilft, sondern auch bei eigenen Handlungen darüber nachdenkt, ob es der Gemeinschaft schadet. Klingt jetzt etwas schräg, ich bin eben kein Soziologe.
    Ich glaube auch, dass hier die Arbeit für Frauen eine höhere Wertigkeit besaß. Also Familie UND Arbeit unter einen Hut zu bringen, war der Alltag und vielen Frauen jedenfalls meiner Generation war es eine grauenhafte Vorstellung, jahrelang zu Hause zu bleiben und sich „nur um den Haushalt“ zu kümmern. Daraus resultiert natürlich ein anderes Selbstbildnis der Frau, und eine andere Sicht der Männer auf die Frauen.Obwohl natürlich Familie auch hier das wichtigste war und ist. Aber da eben die soziale Interaktion eine große Rolle spielte, hätten sich Frauen als „nur“ Hausfrauen eingesperrt gefühlt.
    Andererseits ist der Ostdeutsche wohl eher hörig, oder vertraut darauf, dass „der Staat“ es richtet. Zwar wird er bei Konfliktlösungen dann sehr kreativ, aber erst mal braucht er eine klare Ansage, was er zu machen hat. Das hängt irgendwie mit Individualismus zusammen, merk ich gerade. Oder ehr mit Selbstwertgefühl. Selbstsicherheit? Schwierig. DEN Ossi gibt es eh nicht, so wie es nicht DEN Wessi gibt. Ich wollte auch von Wertvorstellungen schreiben und merke gerade, dass ich pauschalisiere.

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  9. Januar 8, 2015 3:39 pm

    Herzlichen Dank für die Antworten. Natürlich sind sie vorläufig, ich denke, ich hätte auch Mühe, die Werte der Wessis zu benennen. (Danke, dass niemand zurückgefragt hat. 😉 ) Aber so kann ich mir besser ein Bild machen.

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  10. Trude permalink
    Januar 9, 2015 10:44 am

    Da hast du aber viele Einblicke zugelassen, gut so.
    UND es gibt wirklich und in echt auch hier Gegendemos…….
    Winke aus der Landeshauptstadt, die Trude.

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    • Januar 10, 2015 1:46 pm

      Ich winke zurück. Und wünsche Kraft für Montag. Ich muss ja sagen, ich habe großen Respekt vor denen, die sich 18000 entgegen stellen.

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      • Trude permalink
        Januar 11, 2015 4:24 pm

        Danke, aber ich bin schon erprobt und auch kräftig *lach*.
        Habe ich schon anderes/andere geschafft……
        Liebe Grüße.

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  11. Januar 9, 2015 11:30 am

    ich habe deinen Artikel einfach so ohne Kommentar auf meine Facekookseite weitergeleitet, weil ich hier endlich Worte dafür finde, was mich bewegt. Deshalb schau ich jetzt nochmal bei dir vorbei, um dir dafür zu danken.
    Ich fühle mich einfach überfordert meine Gedanken in Worte zu fassen, angesichts dessen was mich im Moment bewegt.
    Ich stamme aus Dresden, ich habe die Wende miterlebt (ich war damals gerade18) und ich lebe seit fast 20 Jahren in Frankreich. Ich habe mit den Zeichnern von Charlie Hebdo Französisch gelent, auch wenn es nicht immer meinen eigenen Humor traf.
    Das alles (und noch viel mehr) gibt eine verwirrende Mischung von Gedanken in meinem Kopf und gestern fand ich über die Wildgans zu deinen Worten…es hat gut getan sie zu lesen!

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    • Januar 10, 2015 1:49 pm

      Hallo: Das freut mich. Es freut mich auch, dass viele den Blog geteilt haben. Viele scheinen doch die Situation ähnlich wie ich zu erleben. Viele Grüße nach Frankreich

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