Skip to content

Der Tunnel

Dezember 28, 2014

Es schneit. Und zwar heftig. Ein Tag fürs Museum. Ich krame im Rucksack. Da war doch dieser Flyer?
Während der Belagerung der Stadt in den 1990er Jahren bauten die Einwohner einen Tunnel unter dem Flughafen, über den zunächst die bosnische Armee mit Waffen, später die Bevölkerung mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgt wurden. Außerdem diente er als Fluchttunnel.
Der Flughafen liegt ca 15 km außerhalb des Stadtzentrums, öffentliche Verkehrsmittel dahin gibt es nicht, aber für 48 KM kann man an einer Tour teilnehmen.
Ich bin der einzige Teilnehmer und Jasmin, der Guide, nötigt mich erstmal zu einem bosnischen Kaffee.
Jasmin hat den Krieg als Kind erlebt. Jasmin ist ein Glückstreffer. Und vielleicht weil ich mich auf sein Tempo einlasse, oder weil ich so neugierig bin oder weil er einfach nett ist und sonst nix zu tun hat, fährt er mich erstmal zum jüdischen Friedhof. Dem zweitgrößten Europas. Von hier aus hat man einen wunderbaren Blick auf die Stadt. Das dachten sich auch die serbischen Nationalisten und postierten Geschütze und Scharfschützen.
Jasmin erzählt und zeichnet mit der Hand Demarkationslinien. Dazwischen immer wieder Geschichten, selbst erlebte oder die von der ersten Toten des Krieges. Zum Glück ist es trübe. Sonnenschein könnte ich gerade nicht genießen.
Wir fahren zum Tunnel und Museum. Und Jasmin erzählt. Während der Fahrt und am Tunnel. Erklärt Karten und Flaggen. Ich muss den Film vom Bau gucken und dann in den Tunnel steigen. 25 m hat man für Touristen gelassen. 25 m von ursprünglich 800. 1,60 m ist er hoch, 1 m breit. Gebaut wurde er in vier Monaten und vier Tagen. Die Zeit drängte, beantwortet Jasmin mein Staunen. Und im Museum erzählt er von seinem Schulweg, von den Scharfschützen und den Granaten.
Eigentlich reicht mir das für heute. Eigentlich steht mir der Sinn nicht nach sightseeing, aber Jasmin will mir unbedingt noch was friedliches zeigen. Durch den inzwischen wieder einsetzenden dichten Schneefall und über ungeräumte Strassen geht es hinauf in die Berge. Die zerstörten und nicht wieder restaurierten Ausflugslokale verschluckt der Nebel. Ich kriege das mit der Srpska Republik nun endlich mal so erklärt, dass auch ich es begreife.
Dann stehen wir an der olympischen Bobbahn. Wow! Natürlich verfällt sie. Ob sie schon seit 1984 verfällt oder erst seit 20 Jahren, vergesse ich zu fragen.
Und dann, zum Abschluss, Jasmin lässt sich nicht davon abbringen, noch die Ecke, an der Franz Ferdinand und Gemahlin erschossen wurden.
Wir reden noch ein bisschen über Politik, dann ist es Zeit, Abschied zu nehmen. Ich habe ein bisschen Angst vor dem Preis. Aber es bleibt bei 48 KM, der Rest war Bonus.
Und dann sitze ich in einem Restaurant und esse Burek. Das kannte ich noch nicht. Also aus einem Buch schon, aber life nicht. Ist total lecker!
Die Fotos und den kurzen Text bitte ich, wie auch gestern zu entschuldigen. Ich mühe mich hier mit dem tablet.

Advertisements
10 Kommentare leave one →
  1. Dezember 28, 2014 5:54 pm

    Ich wollte dir schon gestern den Tunnel empfehlen wegen des Schnees, hatte aber Befürchtungen wegen des Preises für ein Taxi bis dahinaus..
    Und nun hast du es besser getroffen als ich mir das dachte. Ich war schon zwei mal da draussen, aber fast beneide ich dich um deine Tour mit Jasmin. Hast du dir wenigstens seine Telefonnummer notiert für die nächsten Tage…
    Das Geschichtsmuseum quer gegenüber des (noch immer sehr gelben) Holiday Inn ist auch sehr sehenswert!
    Die Teestube mit der netten Frau ist in der Kovaci ziemlich weit unten auf der rechten Seite neben dem Mann, der die Haushaltsgegenstände schnitzt. Du findest es ganz einfach vom Sebilj Brunnen aus, von dort ist es in halb rechter Richtung in zwei Minuten zu erreichen…

    Gefällt mir

    • Dezember 28, 2014 6:05 pm

      Klar habe ich seine Telefonnummer! Bin ja noch paar Tage hier. das To be or (not) to be habe ich schon gefunden. Einen Teeladen nach Deiner telefonischen Beschreibungg auch. War mir nur nicht sicher. Nun kann ich noch mal gucken, obs der Richtige war.und das Holiday Inn habe ich vom jüdischen Friedhof aus gesehen.

      Gefällt mir

  2. Dezember 28, 2014 6:11 pm

    Text und Bilder sind wie immer sehr sehens- und lesenswert, liebe Inch.

    Gefällt mir

  3. Dezember 29, 2014 2:10 pm

    ganz „schön“ bedrückend, sehr eindrucksvoll, danke!

    Gefällt mir

  4. Januar 3, 2015 10:55 pm

    Burek ist total lecker, am liebsten mit Fleisch und Schafskäse mmmmhhhhh ich kriege Hunger. Lenkt auch gut von dem Kriegsgedöns ab, da mag ich gerade nicht drüber nachdenken.

    Gefällt mir

Trackbacks

  1. Der menschliche Wahnsinn | Inch's Blog

Meinungen?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: