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Das andere Gedenken

November 10, 2014

Nein, wir haben es nicht vergessen.

Der 9. November ist ja nicht nur ein Tag zu (berechtigter) Freude.

Und so überließen wir anderen das Feiern. Allerdings fanden sich in diesem Jahr nicht für alle Stolpersteine  Mahnwachen. Lag es an dem anderen Jubiläum oder daran, dass in Leipzig inzwischen sehr viele Stolpersteine verlegt wurden?

 

 

Jakob Meir Schall hatte einen Traum. Er wollte unbedingt eine eigene Firma gründen. Und er fühlte sich durch und durch als Leipziger, nannte sich gern Max Mayer Schall.

Nachdem er einige Jahre als Handlungsreisender unterwegs war, kaufte er sich in Thüringen noch vor 1920 eine kleine Firma. Als er den Firmensitz später nach Leipzig verlegte, folgte ihm ein Teil seiner Belegschaft, die er beim Neustart in der Messestadt finanziell unterstützte.

Auch privat lief für ihn alles nach Maß, er war verheiratet und hatte drei Kinder. Als es die finanzielle Lage zuließ, zogen sie aus dem Gebiet der Großen Synagoge in die Südvorstadt.

Jacob Meir Schall war ein lebenslustiger Mann, unterstützte Sportvereine, war sehr eingebunden in das Leipziger Stadtleben und beruflich erfolgreich. Er übernahm Anteile der Süßwarenfabrik Adolf Rost und gründete in Leipzig eine Niederlassung.

Nach 1933 überlegte sich die Familie, auszuwandern, nach England. Doch wie viele andere glaubten sie wohl nicht an das Unglaubliche, fühlten sich als Leipziger und solche sicher. Als sie ihren Irrtum erkannte, war es wahrscheinlich zu spät. Vielleicht aber gehörten sie auch zu jenen, die sich bis zum Schluss an Grashalme der Hoffnung klammerten.

Für Jakob Meir Schall ging dieser Grashalm am 14. Januar 1942 unter. An diesem Tag wurde er verhaftet. Einen Monat verbrachte er im Gefängnis in der Wächterstraße, dann wurde er am 27. Februar 1942 nach Sachsenhausen und von dort nach Auschwitz deportiert. Jakob Meir Schall wurde 63 Jahre alt.

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10 Kommentare leave one →
  1. November 10, 2014 7:45 pm

    Mir gefällt, dass Du die Person hinter dem Stolperstein näher vorstellst.

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  2. November 10, 2014 8:12 pm

    Ich schliesse mich dem Gefallen von Frau Tonari an.
    Auf deinem Blog gewinne ich den Eindruck, dass es in Leipzig sehr viele Stolpersteine geben muss….

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    • November 10, 2014 10:35 pm

      Im September wurden erst wieder 22 neue verlegt, damit müssten es jetzt 202 sein, wenn ich richtig gezählt habe. In Leipzig. Ja, wir haben hier einen sehr rührigen Verein und ich denke ehrlich gesagt auch gerade darüber nach, die Freunde zu fragen, ob wir nicht direkt eine Patenschaft übernehmen wollen

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  3. November 10, 2014 9:03 pm

    Ich danke dir für die kurze Lebensgeschichte von Jakob Meir Schall, und dein Erinnern an diesen anderen Gedenktag.

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  4. November 11, 2014 12:51 am

    Es gibt sogar ein paar Informationen im Netz habe ich gerade gesehen. 4.706 Stolpersteine gibt es in Hamburg, wo sind die alle? Ich mein, Hamburg ist zwar etwas größer als Leipzig und ab und zu sehe ich auch einen, aber anscheinend bin ich zu blind oder noch nicht in den richtig schlimmen Vierteln gewesen.

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    • November 11, 2014 8:00 am

      4706? Das ist ja Wahnsinn. Ich muss zwar meine Antwort auf Herrn Ärmels Frage korrigieren, es sind wohl eher um die 250 in Leipzig, aber Viertausendsiebenhundertsechs? Da müsste man ja wirklich ständig drüber fallen, aber wir haben auch nur einen gesehen, als ich da war und mit Dir unterwegs, und ich habe einen Blick für diese Art Steine

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    • November 11, 2014 8:05 am

      Du guggst halt immer nur in die Schaufensterauslagen *ggg* (duck&flitz)

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  5. November 11, 2014 10:17 am

    Sehr interessant, wenn „unter dem stein“ die Geschichte deutlich wird. sehr gut.

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