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Andere Zeiten, andere Tiere

Oktober 28, 2014

Ich habe ja schon viel in meinem Leben probiert und gemacht. U.a. habe ich Hunde ausgebildet. Damals nannte man das so, heute würde man wohl Hundetrainer sagen. Natürlich war das damals noch kein Beruf und man wurde auch nicht bezahlt. Gelohnt hat sich der Aufwand, neben dem Spaß, trotzdem. Als ich nämlich mal, als die Autobahn voll war wegen eines Manövers des Warschauer Pakts ( das war im Osten das, was heute die Nato ist), zwei vor mir eiernde PKW zusammen schob, kriegten wir rucki zucki einen Termin in der Werkstatt. Ich muss spät oder im Westen geborenen vielleicht erklären, dass damals die Versicherung schneller zahlte, viel schneller, als ein Termin in einer Werkstatt zu haben war. Aber weil ich irgendwann dem Boxer des Werkstattbesitzers Manieren beigebracht hatte, war das für mich damals kein Thema.
Damals, das war auch die Zeit, als man Menschen noch als den Chef des Rudels betrachtete und zur Erziehung der Hunde durchaus auch mal durchgegriffen, sprich: Zwang ausgeübt, werden durfte. Nicht, dass Sie mich falsch verstehen. Wir haben die Hunde nicht verprügelt, es wurde auch sehr viel mit Futter gearbeitet, aber es war zum Beispiel ein sehr probates Mittel, ein Stachelhalsband zu verwenden. Uuaah, ich höre die Tierliebhaber schon aufschreien. STACHELHALSBAND! Das Grauen. Das Grauen überkam mich auch jedes Mal, wenn ich Otto Meier mit Fiffi spazieren gehen sah, mit umgelegtem Stachelhalsband. Aber zur Erziehung, und nur dazu, war es erlaubt. Da, wo es Sinn machte. Meinen einen Boxer zum Beispiel habe ich fast nur über Futter erziehen und trainieren können. (Übrigens gabs damals noch keine abgepackten Leckerli in jedem Discounter, die mussten erst mal selber hergestellt werden). Zwang hätte da gar nicht geholfen. Den Charakter des Hundes zu erkennen und die jeweils passende Methode anzuwenden, war das Zaubermittel. Damals wie heute.
Denn, obwohl ich keinen Hund habe, weil ich ein Gegner von Vollzeitjob + Hund + Stadtwohnung bin, und auch die Katze mir nur zugeschoben wurde und ich ernsthaft darüber nachdenke, mir noch eine zweite zu holen, was mich zwar noch abhängiger macht, aber deutlich Millis Langeweile während meiner täglichen Abwesenheit entgegen wirken und damit ihre Lebensqualität erheblich erhöhen würde, sehe ich nach wie vor gern Dokus und Sendungen über Hunde, deren Erziehung, Gnadenhöfe usw. Ich betrachte die meisten dieser Beiträge als ständiges Fortbildungsprogramm, auch wenn ich gar keinen Hund habe. Ich guck sogar den Martin Rütters, Sie wissen schon, den Hundeprofi. Also nicht immer. Aber ab und zu. Und lerne jedes Mal dazu. Es gibt natürlich auch andere Serien, da überkommt mich das pure Grausen, wenn ich das sehe, und bei denen aus den USA importierten bleibt mir nur ein fassungsloses Erstarren. Ich verstehe ja, dass sich unser Verhältnis zum Hund geändert hat, aus dem Gebrauchstier und Partner ist ein Lieblingstier und Kindersatz geworden. Trotzdem, Hunde sind eben doch keine Menschen.
Das ist wie mit Milli the Cat. Ich könnte der natürlich sehr lang und breit und immer wieder und sehr geduldig und liebevoll erklären, dass meine nackten Füße weder Spielzeug noch Jagdbeute sind, und sie jeden Morgen und jeden Abend BITTEN, nicht hineinzubeißen. Aber mal ehrlich, glauben Sie, dass das helfen würde? Ich habe mich bezüglich des Problems belesen (Katzenprofis und Katzenflüsterer hat das Fernsehen ja noch nicht entdeckt).
Hm.
Also.
Laut NEIN sagen, die Katze nehmen, vor die Tür setzen und diese schließen. Das klingt gut und plausibel. Laut NEIN sagen klappt auch gut. Sich nehmen und vor die Tür setzen lassen hat Milli allerdings nur einmal. Beim nächsten Mal hat sie nach meiner Hand gebissen. Ah, laut NEIN sagen. Habe ich auch, nur dabei leider auch los gelassen. Tat eben weh. Da bleibt nur eins, immer Schutzhandschuhe aufsetzen, wenn die Füße nackt sind, damit ich schnell und ohne loszulassen nach der Katze greifen könnte, was, Sie werden mir sicher zustimmen, eher schwer durchzuführen ist. Auch möchte ich nicht den ganzen Tag mit einer Wasserpistole rumrennen (wobei die Wasserpistole unter Katzenfreunden auch sehr umstritten ist). Ich muss also meine Katze anders behandeln als ein Kind. Ich tue ihr weh. Jawoll. Ich tue ihr weh. Beißt sie mir in die nackten Füße, trete ich nach ihr. Natürlich sage ich gleichzeitig laut NEIN, in der Hoffnung, dass irgendwann das NEIN allein ausreicht. Und ich trete natürlich so, dass sie wenigstens eine halben Meter von meinen Füßen weggeschubst wird.
Sie dürfen mich jetzt verklagen. Aber soll ich Ihnen was sagen?
Es hilft schon ein bisschen. Gestern, nach nur zwei Tagen „Training“, hielt sie beim ersten lauten NEIN inne. Ich machte vorsichtig einen Schritt. Auch das zweite laute NEIN half. Beim nächsten Schritt hatte sie mich allerdings. Aber, ich bin frohen Mutes, ich gebe uns noch eine Woche, dann können wir uns auf das nächste Ausbildungsziel, ihr mich unvermitteltes Anspringen und in den nackten Arm beißen, konzentrieren.
Übrigens, um wieder auf Hunde zurück zu kommen, sah ich neulich eine Doku über so ein Training für Hunde, die, aus welchen Gründen auch immer, völlig am Sender drehten. Alle Besitzer hatten es schon in Hundeschulen versucht. Nun waren sie also hier. Der Trainer bildete noch so aus, wie ich es von vor 30 Jahren kenne. Die Besitzer zeigten sich zwar erst etwas skeptisch, waren dann aber begeistert vom Erfolg. Es scheint, als wöllten manche Hunde nicht unser Kindersatz sein.
Nun, das sind aber eben unterschiedliche Auffassungen. Unser Verhältnis zum Tier hat sich geändert, und es wird sich weiter ändern, je weiter wir uns von der Natur entfernen. Und wenn wir Tiere heute anders sehen, warum sollen sich dann nicht Erziehungsmethoden (ich weiß gar nicht, ob dieser Ausdruck noch politisch korrekt ist, oder ich lieber Trainingsmethoden sagen sollte) ändern?
Nur, wenn dieses Training Hunde gefährdet, fehlt mir jedes Verständnis.
Wie ich schon anfangs erwähnte, bildete ich Hunde früher selber aus, und wundere mich als ehemaliger, man würde heute Hundetrainer dazu sagen, doch über manches. Nicht nur im Fernsehen. Ich begegne Hunden und ihren Besitzern ja häufig genug im Park, auf der Straße, im Haus.
Und so sah ich schon das ganze Jahr Hunde, die links von ihrem radelnden Herrchen oder Frauchen liefen. Auf der Straße. Links! Also da, wo die Autos fahren. In denen Autofahrer sitzen, die eigentlich keine Chance haben, den Hund zu sehen.
Nachdem ich das zwei drei Mal mit Entsetzen beobachtet habe, konnte ich nicht mehr, schob mich neben so eine Radfahrerin und entschuldigte mich sehr höflich, dass ich mich einmische, aber ich hätte früher selber Hunde ausgebildet und wüsste daher, der gehört beim Radfahren auf die rechte Seite. Weg vom Verkehr. Ja, antwortete die junge Frau, ebenso höflich, aber in der Hundeschule habe sie gelernt, links. Auch beim Radfahren, jaja, links.
Kann mir das mal jemand erklären?

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10 Kommentare leave one →
  1. Oktober 28, 2014 9:13 am

    Der letzte Absatz erinnert mich gerade an die Ferienlagerbetreuerin, die uns Kinder auf der Strasse neben dem Ferienlager immer auf die rechte Strassenseite scheuchte, denn schliesslich wären wir IN einer Ortschaft, da MÜSSE man rechts laufen, nur ausserhalb von Ortschaften dürfe man auf der linken Strassenseite laufen…

    Selbst denken scheint echt schwer zu sein.

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  2. Oktober 28, 2014 11:15 am

    Ich kann es dir nicht erklären. Es ist ein spannender Beitrag, das habe ich gemerkt.

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  3. Oktober 28, 2014 2:20 pm

    Hol dir, und vor allem Millie, eine zweite Mieze ins Haus, und du wirst sehen, daß die Beisserei schlagartig, ohne laute „Nein“s, Tritte und Dressurmaßnahmen, aufhören wird. 😉

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    • Oktober 28, 2014 10:27 pm

      Das ist aber, aus erzieherischer Sicht betrachtet, schon ein bisschen wie “ Kauf dem Kind die Schokolade, dann wirds schon aufhören zu brüllen“

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      • Oktober 28, 2014 11:58 pm

        Nein. Deine Millie ist einsam. Überspitzt gesagt leidet sie wohl sogar unter ihrem Alleinsein. Und da sie ja nicht mit dir sprechen kann, äußert sie ihr Unwohlsein durch Beissen und Kratzen. Katzen sind wirklich nicht die Einzelgänger, für die man sie sehr lange Zeit gehalten hat, sondern durchaus auch „Herdentiere“. Wenn du ihr eine zweite kleine Samtpfote als Gesellschaft besorgst, möglichst nicht älter als ein halbes Jahr, denn dann entwickelt Millie Muttergefühle und keine Eifersucht, tust du ihr weitaus mehr Gutes, als wie wenn du – höchstwahrscheinlich vergeblich – versuchst, sie zu „dressieren“.

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        • Oktober 28, 2014 11:59 pm

          Und trete bitte nicht mehr nach ihr. Das verletzt sie sehr.

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          • Oktober 29, 2014 8:59 am

            Naja, liebe Martha, was soll ich sagen, außer: Lies den Blog nochmal aufmerksam, da beantworten sich einige Deiner Fragen von selbst.

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            • Oktober 29, 2014 1:09 pm

              Hast recht. 😉 Tut mir leid, ich muss da wohl etwas überlesen oder falsch interpretiert haben.

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              • Oktober 29, 2014 1:16 pm

                Kein Ding. Kann ja mal passieren 😀 Und aber noch zum Treten. Das war sicher etwas überspitzt geschrieben. Natürlich trete ich nicht wirklich. Ich schüttle sie quasi ab. Nur, was ich früher schmerzverzerrt und unkontrolliert tat, tue ich jetzt schmerzverzerrt und kontrolliert. Mit einem lauten NEIN 😉

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  4. Oktober 29, 2014 10:29 pm

    Hol noch eine zweite Katze. Ich habe es nicht bereut, dass ich die Gastkatze ihrem Besitzer abgegaupelt habe. Meine Kleo ist nicht mehr allein. Und die Gastkatze Penny auch nicht. Gut so, denn die beiden fauchen sich zwar auch mal an, sind aber immer gerne nahe bei einander.
    Ich fand es übrigens vor Jahren gar nicht so schlecht, dass mein damaliger Kater barfuß tapsende Füße nicht leiden konnte. Das erzog meine Kinder zum Hausschuhe tragen. Im Winter in der Platte war das ganz gut. Wir wohnten über einem Durchgang. Schnupfen, Husten, Heiserkeit war bei meinen Kindern ständig dabei.
    Fein, dass du dich mit Hunden auskennst. Wenn ich doch noch auf den Hund komme, weiß ich, wen ich fragen kann. 🙂 Mit der unerzogenen, schrulligen Vanny hab ich fast graue Haare bekommen.
    Ein interessanter Beitrag, liebe Inch.

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