Skip to content

Auch Schlübbitage bilden

Oktober 19, 2014

Man sollte nicht meinen, wenn man den ganzen Tag vorm Fernseher abhänge, verblöde man (nur).

Aber nicht über die Mattscheibe huschende Dokumentationen über das Sexualleben von Elefanten oder das Ich-Bewusstsein von Rabenvögeln bestätigten oder erweiterten mein Wissen an heutigem Schlübbitag, sondern, eine Kasachische Nomadin, die so ganz nebenbei, während sie über die Kamelzucht sprach, Manti formte. Manti, Sie erinnern sich, das sind die Brüder und Schwestern der Buusy, nur mit ohne Loch. Die Kasachische Nomadin formte die Manti übrigens genauso wie Buusy. Mit Loch. Weswegen ich mir nicht sicher bin, ob es tatsächlich Manti waren, was sie da zubereitete, oder sich die Filmcrew einfach nicht die Mühe gemacht hatte, nach dem richtigen Namen der Buusy zu fragen bzw. sich diesen zu merken, sind die in Deutschland doch eh unbekannt.

Vorher nämlich sah ich eine Dokumentation über Olchon, die Insel auf dem Baikal, auf der ich unlängst ein paar Tage verbrachte. Die Reportage war von 2014 und erzählte von vier jungen Deutschen, die im Winter ein Café betrieben hatten, das Café Baikal, und zwar in Chuschir, also genau da, wo ich unlängst ein paar Tage verbringen durfte. Vier Wochen waren sie da und die Idee stammte von Nikita. Ja, jenem Nikita. Ein höchst interessanter Film. Nur zwei Dinge wunderten mich: Erstens sprach der Sprecher immer nur vom Christentum und dem Schamanismus, so als gäbe es den Buddhismus nicht. Aber vielleicht dachte man sich auch: weiß in Deutschland eh keiner und Schamanismus klingt allemal besser als Buddhismus und wieso noch eine dritte Religion ins Spiel bringen? Zweitens wurde mehrmals betont, wie wichtig das Café für Chuschir sei und das es weitergeführt werde, auch nachdem die Deutschen um Ostern herum die Insel wieder verließen, schließlich bräuchte der Ort ein Café. Das wunderte mich, denn ich war nur ein paar Tage dort und fand sicher viele Dinge, die das Dorf noch brauchen könne. Einen Mangel an Cafés dagegen hatte ich nicht bemerkt. Insgesamt aber, das möchte ich betonen, war das ein sehr schöner Film. Und positiv. Und vielleicht ist es ja auch wirklich egal, wie viele Cafés Chuschir hat, weiß in Deutschland eh keiner und klingt vielleicht auch besser, wenn da ein paar junge Deutsche, na Sie wissen schon.

So lernte ich also nicht nur, wie eine kasachsiche Nomadin die Manti-Buusy formt, sondern auch, was in Reportagen wichtig ist. Und da sage mal einer, Schlübbitage seien Verschwendung.

Ach. Sie wissen gar nicht, was das für ein Tag ist?

Na einer, an dem man nicht die Wohnung verlässt. Unter.gar.keinen.Umständen!

Und hofft, dass kein Besuch kommt. Einer, an dem man sich maximal zur Couch schleppt. Am besten aber, man bleibt im Bett. Mümmelt rum, liest, zappt sich durchs Fernsehprogramm, spielt sinnfreie Computerspiele. Und das alles ohne Not. Also nicht zum Beispiel, weil man ein Gebrechen hat, oder nichts zum Anziehen. An solchen Tagen werden auch keine Fenster geputzt oder sonstige Hausarbeiten erledigt. Und sie sind natürlich völlig unabhängig vom Wetter, so schön das auch sein mag.

Ihnen allen einen schönen Start in die neue Woche. Ich starte sehr ausgeruht.

Advertisements
13 Kommentare leave one →
  1. Oktober 19, 2014 11:50 pm

    So einen Schlübbitag hatte ich heute auch, gezwungenerweise wegen Migräne… Als der Kopf wieder etwas klar wurde, habe ich mich auch ausgiebig per Fernsehen weiter gebildet. 😉

    Gefällt mir

  2. Oktober 20, 2014 12:10 am

    Ich wünsche einen schönen Wochenstart!

    Gefällt mir

  3. Oktober 20, 2014 6:04 am

    Ich fand, das Wort muss man nicht erklären 😉
    (Herrlich!)

    Gefällt mir

  4. Oktober 20, 2014 8:41 am

    Von Zeit zu Zeit absolut unverzichtbar sind solche Tage…
    Dir auch eine herbstsonniggute Woche 😉

    Gefällt mir

  5. Oktober 20, 2014 12:33 pm

    In den großen Ferien musste annodunnemals ein solcher Tag immer mit den Kindern zelebriert werden. Und obwohl meine Tochter jetzt am anderen Ende der Welt wohnt, ruft sie mich an und berichtet von genau dem Tag. Hach, kann man herrlich schwatzen! Es steht ja nichts weiter an.
    Soll bloß mal einer abstreiten, dass Fernsehen bildet. So oder so. 🙂

    Gefällt mir

    • Oktober 20, 2014 6:44 pm

      Oh, daran kann ich mich auch erinnern. In den großen Ferien war so ein Tag immer Pflicht. Mindestens. Dann lungerten wir alle in einem Bett, knobelten aus, wer was zu Essen ins Bett holt, zappten uns durch sinnfreie Fernsehprogramme, schnatterten und gackerten und kuschelten

      Gefällt mir

  6. Oktober 20, 2014 3:31 pm

    Den ganzen Tag auf dem Sofa/im Bett geht nur bei schwerer Unpässlichkeit oder Weltuntergangswetter. Leider ist Weltuntergangswetter erst heute und niemand finanziert mir einen Schlübbitag 😦

    Gefällt mir

    • Oktober 20, 2014 6:45 pm

      Tja, das ist wie mit Schönwetterfahrern. Die dürfen auch nicht montags aufs Motorrad nur weil die Sonne scheint

      Gefällt mir

  7. Oktober 23, 2014 11:43 am

    Genau. Solche Tage braucht man ab und zu. Und nicht nur bei schlechtem Wetter, sondern überhaupt.
    LG von Rosie

    Gefällt mir

Meinungen?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: