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9 Stunden

September 26, 2014

9 Stunden dauert der Flug von Wladiwostok nach Moskau. Und weil wir Richtung Westen fliegen, sind wir mittags schon da. Obwohl der Flieger in Fernost erst 9:30 Uhr abhebt.

Ich nehme an, der überwiegende Teil von Ihnen kennt sich mit Inlandflügen in Russland nicht aus, ein paar von Ihnen sind aber sicher schon mal in den Staaten von A nach B geflogen. Keine 9 Stunden, nein. Wie lange dauert dort der längste Flug? Ich nämlich kenne mich nun wiederum nicht mit inneramerikanischen, wobei ich innerhalb der USA meine, Flügen aus. Aber 9 Stunden bin ich schon mal geflogen, von London nach Los Angeles. Und einmal sechs Stunden von Hannover nach Kasachstan.

Das waren alles große Flugzeuge, mit Beinfreiheit und so.

Nun ist das, in dem wir nach Moskau zurück fliegen, auch groß. 10 Leute sitzen nebeneinander. Drei links, drei rechts, vier in der Mitte. Wie viele Reihen es sind, weiß ich nicht. Man kann nicht alles sehen, weil es gibt da sozusagen Raumteiler. Außerdem sind die Gänge ziemlich schmal, da kann man kaum hin und her laufen, ohne ständig jemandem im Weg zu stehen, oder sich auf den Schoß eines Sitzenden zu drücken, wenn jemand zum Beispiel zur Toilette will. Für zwei Leute ist definitiv kein Platz auf dem Gang. Eigentlich ist auch kein Platz für vier Leute auf den mittleren Sitzen. Also mal abgesehen davon, dass ich nicht weiß, wohin mit meinen Füßen, für die ist nämlich GAR.KEIN Platz, habe ich auch ständig Angst, dass mein Essen auf dem Tisch meines Nachbarn landet oder ich dessen Kaffee umschmeiße. Die Cousine und ich sitzen nämlich auch noch in der Mitte der vier Sitze in der Mitte. Also wirklich. Schlafen ist nicht, weil ich weiß nicht wie, ohne dem Nachbarn auf den Schoß zu fallen. Außerdem: DIE. FÜSSE!

Also lesen. Zum Glück gibt es ja oft und viel zu essen. Das lenkt ab. Und natürlich… Filme gucken.

Russland. Inlandflug. Auch wenn der 9 Stunden dauert. Was meinen Sie wohl, was es da in der Videothek gibt? Wäre sicher witzig, den Herrn Schwarzenegger Russisch sprechen zu hören, aber ich ertrage Bruce Willis schon nicht deutsch. Ich versuche es trotzdem mit einem Block Buster. Ich muss 9 Stunden rum kriegen. Und IMMER kann man schließlich nicht essen, nicht mal auf einem russischen Inlandflug. Und lesen. 9 Stunden?

OLYMPUS DIGITAL CAMERANein, Blockbuster auf Russisch geht gar nicht. Aber wenn ich hier schon sitze, kann ich ja einen russischen Film gucken.

Ich habe vergessen, wie die Komödie hieß. Sie war kurzweilig und sehr russisch.

Dann Stalingrad. Nein, nicht den deutschen Film. Den von Fjodor Bondartschuk. Eigentlich wähle ich ihn nur deshalb, weil ich nämlich Sergej Bondartschuks Filme mochte. Die Cousine, als sie merkt, dass ich nicht mehr ansprechbar bin, zieht sich den Film auch sofort rein. Wir können dann erst Mal gar nicht drüber reden. Manche Filme muss man erst verdauen. Dieser fängt an wie ein Hollywoodabklatsch. Pathetisch. Heroisch. Und man denkt, was für eine Scheiße. Und dann kommt man nicht mehr los. Fjodor Bondartschuk scheut sich nicht vor ziemlich realistisch wirkenden Szenen, weiß aber auch die stillen Momente einzufangen. Ich würde Ihnen gern sagen, schauen Sie sich den Film an (falls Sie auf Kriegsfilme stehen), aber natürlich, in Deutschland nicht erhältlich. Die Kritik verheerend. Klar, hier sind die Deutschen nicht die Opfer, obwohl der eine, einer der Haupthelden, ziemlich differenziert dargestellt wird und irgendwie auch als Opfer. Natürlich, erst einmal vergewaltigt er und dann lässt er das Haus in Schutt und Asche legen, nachdem seine Geliebte erschossen wurde. Aber eigentlich geht es um eine andere junge Frau, die auch in den Ruinen lebt und zu überleben versucht und um eine kleine Gruppe Rotarmisten, die das Haus halten sollen. Sie merken, die Geschichte ist etwas komplex. Also, da werden mehrere Geschichten erzählt. Und auch, wie die einzelnen Protagonisten nach Stalingrad gekommen sind. Der Film ist sehr russisch, vielleicht hatte die Kritikerin auch damit Probleme. Wenn man so an Hollywood gewöhnt ist…

Na wie dem auch sein. In Moskau landen wir kurz nach Mittag, Freundin Nr. 1 holt uns ab und wir hasten ihr hinterher zum Aeroexpress und durch die Moskauer Metro. Wir kaufen ein und kochen und warten auf Freundin Nr.2. Dann fangen wir doch schon ohne sie an zu essen. Und natürlich Wodka zu trinken. Wir warten bis 22:00 Uhr, in Wladiwostok ist es jetzt 4:00 Uhr und wir sind stehend k.o. Wir haben Freundin Nr.1 alles erzählt. Wir haben sie, glaube ich, sogar ein bisschen verblüfft. Für so modern hätte sie Russland auch nicht gehalten. Also Sibirien. Und der Ferne Osten. Ich bitte Euch! Mit großen Augen hört sie uns zu, schaut Fotos und wundert sich und wundert sich.

Aber jetzt können wir nicht mehr.

Zurück in Europa

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7 Kommentare leave one →
  1. September 26, 2014 4:27 pm

    mir gehts ja irgendwie ähnlich, was mein staunen betrifft … danke fürs mitnehmen, einmal mehr!

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    • September 28, 2014 6:46 pm

      Ja, ich habe ja auch gestaunt. Ich hatte wirklich anderes erwartet, weit weg von Moskau. Und Wladiwostok zum Beispiel, ist eine Weltstadt. Man kanns nicht anders nennen

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  2. September 26, 2014 5:21 pm

    Ich danke dir, dass du mich mitgenommen hast auf dieser grandiosen Reise. Viele Bilder hast du präsentiert und mein Blick hat sich durch deine Berichte und die Fotos etwas relativiert. Ich weiss nicht, wie sehr, aber ich bin mir sicher, dass in festgefahrene Bilder Bewegung gekommen ist.
    Mehr konntest du mir nicht geben – ganz herzlichen Dank dafür und eine ebenso herzliche Umarmung…

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    • September 28, 2014 6:47 pm

      Das freut mich. Das freut mich ganz besonders, wenn ich ein paar festgefahrene Bilder ins Wanken bringen konnte

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  3. September 28, 2014 12:28 am

    Wenn sich die Leute in Moskau schon wundern..
    Nein, Sibirien habe ich mir auch völlig anders vorgestellt. Die Landschaft wohl nicht so, aber die Städte. Sibirien war das Synonym für dunkel, kalt und grausam, für Gulags, strenge Winter und graue Betonburgen in Städten, in die niemand freiwillig ziehen würde außer Sträflingen und Minenarbeitern. Nicht für mobile Saunen an Badeseen, hübsch geschnitzte Holzhäuser, fantastische Bahnhöfe, Freiluftmuseen, große Parks in der Stadt und Gebetsmühlen drehende Buddhisten.

    Schön, dass man da mitfahren konnte, ohne sich von vergorener Stutenmilch und durchsichtigen Fischen ernähren zu müssen. *g*

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    • September 28, 2014 6:49 pm

      Da sprichst Du was an. Gulags soll es ja nur noch eins zu besichtigen geben. Ich hätte es gern getan. Lag sogar auf dem Weg. Aber wie gesagt, bei über 9000km mussten wir uns entschieden. Und das Gulag hätte uns zwei Tage gekostet, 2 Tage, die wir hätten vom Baikal abknipsen müssen. Es verdichtet sich mehr und mehr: Ich muss da noch mal hin

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