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Das Geschenk der Demokratie und das Unvermögen, dieses anzunehmen

September 16, 2014

Mich bewegt aber noch eine zweite Frage nach Deinem Blogbeitrag. In Sachsen und Brandenburg gab es eine Wahlbeteiligung von unter 50%. Dabei wurde immer wieder im TV und anderen Medien kritisiert, dass dies 25 Jahre nach dem Mauerfall passiert und damit der Möglichkeit zu freien Wahlen. Mich würde mal interessieren, wie Du zu diesem Vorwurf stehst.
Fragte Stephie im Kommentar zu meinem gestrigen Blog, und weil ich das nicht kurz beantworten kann, ohne zu provozieren, zu brüskieren oder sonst wie falsch verstanden zu werden, mache ich einen ganzen Blogbeitrag draus, wohl wissend, dass auch dieser möglicherweise falsch verstanden wird.
Obwohl mich die Frage amüsiert hat, habe ich nämlich den ganzen Tag über eine Antwort nachgedacht. Nachgedacht habe ich, weil ich Stephie gut leiden mag und weiß, dass ihr Interesse ehrlich ist und sie wirklich an Antworten interessiert ist. Amüsiert war ich, weil diese Frage so fast nur von einem westsozialisierten gestellt werden konnte. Denn, so könnte ich kurz und knapp in einem Kommentar auf die Frage des gestrigen Tages antworten, ist nicht auch die Entscheidung, nicht zu wählen, eine freiheitlich-demokratische? Aber hätte ich so kurz geantwortet, hätte ich viel Gegenwind bekommen, was nicht schlecht ist, ich hätte mich erklären und erläutern müssen. Vor allem aber hätten sich sicher viele entrüstet, wahrscheinlich Leute, die sich hier sonst nie zu Wort melden, mir mit gegenteiligen Argumenten bewiesen, wie wichtig Wahlen sind.
Das amüsiert mich. Ich denke da an unsere Ratten, denen wir gerne Häuser in ihre Behausung stellten, damit sie sich darinnen zurückziehen können, Nester bauen usw. Doch nicht alle Ratten begriffen, was wir ihnen Gutes taten, sie schoben die Häuser durch die Gegend, nagten sie bis zu den Grundmauern ab oder, was eigentlich am verwerflichsten war, sie schmissen sie um und nutzten sie als Toilette. Als Toilette! Bitte sehr!
Dummes Getier und undankbar dazu auch noch.
Hätte die eine Reaktion unsererseits sein können. Eine sehr überhebliche, die den Ratten vorschreibt, was sie mit den Häusern anzustellen haben, denn schließlich seien Häuser zum darinnen wohnen da und nicht zum rein kacken.
Offensichtlich bevorzugen die Ratten eine andere Form der Behausung, die sie sich irgendwo aus anderem Material geschaffen haben. Sollen sie also die Häuser als Toiletten nutzen oder durch die Gegend schieben. Eine Bereicherung ihres Umfeldes ist es in jedem Fall.
Hätte die andere Reaktion unsererseits sein können. Eine, die die Tiere nicht vermenschlicht und ihnen die freie Wahl lässt, wie sie mit den von uns angebotenen und erfundenen Dingen umgeht.
Nun will ich Ostdeutsche nicht mit Ratten vergleichen. Vielmehr die Besitzer der Ratten mit denen, die 25 Jahre nach dem Mauerfall die Leute kritisieren, dass sie die Wahlen nicht so nutzen, wie das von ihnen erwartet wird. Und dabei übersehen, dass die Leute in Brandenburg und Thüringen und Sachsen doch die Wahlen nutzen, nur eben auf ihre Weise, eine Weise, die vielen in den Altbundesländern aufgewachsenen unverständlich ist, die ich, die ich 29 Jahre in der DDR gelebt habe, auch nicht teile, aber wiedererkenne.
Und ich bin natürlich kein Soziologe. Mir liegen auch keine verlässlichen Statistiken vor. Und schon gar nicht bin ich objektiv. Trotzdem will ich versuchen, die Frage nach den Nichtwählern zu beantworten. Mit dem Vorwurf übrigens kann ich gut leben, weiß ich doch, dass er aus Missverständnis entsteht, so wie bei dem Rattenbesitzer, der seine Tierchen für dumm und undankbar hält, wenn sie die Häuser nicht zum Wohnen nutzen.
Schauen wir uns mal die Wahlen an, die der in der DDR aufgewachsene zuerst kennenlernen durfte. Listenwahl. Das heißt, es gab einen Zettel, auf dem standen alle im Wahlkreis zu wählenden Kandidaten und die hatte er zu wählen. Alle! Strich er einen durch, weil er ihn nicht leiden konnte, war seine Stimme komplett ungültig.
Der DDR-Bürger, der das wirklich wollte, hatte eigentlich nur drei Wahlmöglichkeiten: Wählen, nicht wählen oder, das war das aufwendigste, abwählen. Zum Abwählen musste er JEDEN Kandidaten säuberlich und EINZELN durchstreichen, nur so war seine Stimme als Gegenstimme gültig. Ein Strich quer über die Liste: ungültig. Einzelner Name gestrichen: ungültig.
Es gab damals in gewissen Kreisen tatsächlich viele Diskussionen darüber, was besser sei: nicht wählen oder abwählen. Abwählen war sicher schwieriger, weil dazu musste man ja in die Kabine (was sonst niemand tat) und man konnte sicher sein, dass das registriert wurde (also ich hatte nach so einer Aktion jedenfalls an Terror grenzenden Ärger, und mein Mann, der gar nichts dafür konnte, mit). Aber auch nicht wählen war nicht ganz so einfach, denn die Wahlhelfer kamen so ab 16:00 Uhr gern zu den Leuten, die noch nicht zur Pflichtveranstaltung erschienen waren, um sie persönlich abzuholen. Da musste man also am besten nicht zu Hause und nicht auffindbar sein, oder aber ziemlich widerstandsfähig, denn die Wahlhelfer waren nicht immer nett und lästig sowieso. Und notiert war der Name des Nichtwählers natürlich auch.
Nichtwähler und Abwähler hatten aber im Prinzip dasselbe Ziel: In den Wahlstatistiken auftauchen. Nicht wählen war also ein aktiver Prozess. Das hatte nichts mit Faulheit oder Desinteresse zu tun. Obwohl es natürlich jede Menge Leute gab, vermutlich mehr als heute, die die Wahlen für absolut sinnlos hielten. Aber die meisten, und das ist anders als heute, gingen hin. Einfach um ihre Ruhe zu haben. Denn das Leben spielte sich eh woanders ab, in den selbstgeschaffenen Nischen.
Dann kam der Umbruch und die ersten freien Wahlen. Und ich vermute mal, dass da die Wahlbeteiligung ähnlich hoch war wie zu DDR-Zeiten. Denn FREIE WAHLEN! Was für ein großartiges Instrumentarium. Nicht eine Riege Parteikader entscheidet, sondern das Volk. Ich glaube, die CDU hat damals an allen Fronten gewonnen. Klar, die Bockwurst hatte nicht nur die D-Mark gebracht, sondern auch blühende Landschaften versprochen. Die SPD dürfte auch jede Menge Stimmen abbekommen haben, die PDS wählten wohl nur die, die nicht sofort, als es der Karriere nicht mehr dienlich war, ausgetreten sind und die Bürgerrechtsbewegung? Die brauchte niemand mehr. Die hatte sich in links und rechts gespalten und versank, wenn sie nicht schon längst von den etablierten Parteien aus den Altbundesländern abgegriffen worden war, entweder sofort oder in den Folgejahren in der Versenkung. Das einzige was blieb, war tatsächlich die PDS.
Freie Wahlen also, die CDU gewann. Der Ostdeutsche hatte sich zum ersten Mal frei entscheiden dürfen, nicht zwischen Nicht Wählen und Wählen, sondern für oder gegen die Politik, die er sich wünschte.
Ich weiß jetzt nicht, ob die Wahlbeteiligung schon bei der nächsten großen Wahl so rapide sank, oder ob das ein fortschreitender Prozess ist.
Denn, was der ehemalige DDR-Bürger oder viele ehemalige DDR-Bürger glaubten, festzustellen, ist: es ist völlig Wurst, was ich wähle. SPD? CDU? Eigentlich alles dasselbe. Die Politik ändert sich nicht und Volkes Wille zählt eh nicht. Kennen wir. War früher schon so. Freie Wahlen? Auch nur Humbug.
Und jetzt gibt es zwei Entscheidungen: Der eine sagt, da geh ich nicht hin. Nützt ja eh nichts. Diese Verweigerung unterscheidet sich allerdings, denke ich von der zu DDR-Zeiten. Aus dem aktiven Prozess ist ein resignierter geworden. Gleichgültigkeit gegenüber der Politik „da oben“ wird eine Rolle spielen. Der Bürger tut, was er am besten kann: er richtet sich ein, baut sich seine Nische, findet sich zurecht, versucht mit den Gegebenheiten, die ihm „von oben“ diktiert werden und die er nicht ändern kann, jedenfalls nicht durch Wahlen, klar zu kommen, sein Leben zu leben, unabhängig von Politik und dem ganzen Gedöhns. Genau wie bis vor 25 Jahren.
Die andere Entscheidung ist: Ich mische mit. Aber nicht, indem ich die Blasen der SPD oder CDU wähle (wieso sind die eigentlich nicht endlich so konsequent, sich zu einer Partei zusammenzuschließen? Ist doch eh dasselbe alles). Da wähle ich die Opposition. Jemanden, der wenigstens versucht, dafür zu sorgen, dass „die da oben“ nicht machen können, was sie wollen. Und am besten auch noch meine Befindlichkeiten versteht. Das war die PDS, das ist immer noch die Linke. Links ist nicht schlecht, das fühlen hier viele. In der Regierungsverantwortung wollen sie wohl die wenigsten Wähler haben. Aber das war ja eigentlich nicht die Frage (und um die AfD ging es ja gestern).
Es ging um die geringe Wahlbeteiligung. Und die habe ich versucht zu erklären. Allerdings nur aus einem Blickwinkel heraus. Es gibt da sicher mehr und viele Gründe. Wahlen ändern nichts, taten sie früher nicht und jetzt auch nicht, mag sich der eine oder andere denken. Die freien Wahlen sind auch nicht besser als die Listenwahlen. Und die Demokratie? Was hat sie mir gebracht? Meinungsfreiheit? Meinungsfreiheit nützt nur denen, die gern große Reden schwingen. Den meisten dürfte Meinungsfreiheit ziemlich schnurz sein. Pressefreiheit? Sieht man ja grad am Thema Russland. Und all die anderen Freiheiten? Frei ist nur, wer auch das Geld hat, diese Freiheiten auszuleben. Das haben viele aber gerade in Brandenburg und Thüringen nicht. So bleibt als letzte echte Freiheit nur die der Wahl. Und die nutzen manche eben so, wie sie es gelernt haben-.
Nicht wählen ist eine demokratische, eine freie Entscheidung! Jemanden vorzuschreiben, wie er mit Demokratie und Freiheit umzugehen hat, ist so, wie den Ratten vorzuschreiben, was sie mit den Häusern machen

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12 Kommentare leave one →
  1. September 16, 2014 10:32 am

    Meiner Meinung nach, hätte auch nur der eine Satz gereicht: „Auch nicht wählen, ist eine freie Entscheidung.“
    Ich versuch nur meinen Kindern beizubringen, dass wer nicht wählt, sich hinterher nicht beschweren darf.
    Wobei ich zugeben muss, dass ich mittlerweile das für mich „kleinere Übel“ wähle.

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    • September 16, 2014 10:42 am

      Stimmt. Aber ich wollte doch versuchen, zu erklären, warum sich gerade hierzulande, viel fürs nicht wählen entscheiden. Wobei das natürlich nur Vermutungen meinerseits sind. Das Erchreckende ist, dass ich diese Nicht Wählen in meinem Umfeld bei Menschen vorfinde, die bis vor 25 Jahren noch in der Wahlkabine verschwunden sind.

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  2. September 16, 2014 6:22 pm

    Dein Beispiel mit den Ratten finde ich sehr gelungen. Zur Freiheit gehört eben auch das Nichtwählen oder das Wählen der AfD. Allerdings gibt es ja auch demokratische Staaten mit Wahlpflicht. Wie die dann durchgesetzt wird, weiß ich allerdings nicht, hoffentlich nicht wie in der DDR mit den berüchtigten Wahlhelfern. Ich finde ja immer, dass Wahlen mit so geringer Wahlbeteiligung für ungültig erklärt werden müssten. Aber man kann ja auch nicht so lange wählen lassen bis eine Wahlbeteiligung von vielleicht mindestens 70 Prozent zustande kommt. Vielleicht würde es dann aber mal zu einer Diskussion über die sogenannte parlamentarische Demokratie kommen. Das Vertrauen in dieses System ist sicher im Osten u.a. durch die von Dir genannten Gründe viel geringer als im Westen. Protestwählenl oder Nichtwählen nerven mich aber trotzdem. Denn die meisten, die das machen, haben eben nicht nur in Bezug auf die Politiker resigniert sondern machen es sich auch ansonsten bequem mit der Haltung, dass der „kleine Mann“ ja sowieso nichts ändern kann. Das führt dann wirklich wieder dazu, es sich in seiner kleinen privaten Nische gemütlich zu machen und auf die böse Welt da draußen zu schimpfen. Typisch ostdeutsch, aber nicht nur. Viele Grüße von Claudia, die, ein paar Jahre weniger als du, auch DDR-sozialisiert worden ist

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  3. September 16, 2014 7:54 pm

    Du beschreibst die Situation sehr, sehr gut und ich bin echt begeistert, dass du auf den Kommentar von Stephie so wunderbar ausführlich und schnell reagierst.

    Ich konnte eben nicht anders und habe deinen Beitrag gerade mal bei AndiBerlin verlinkt, der angesichts der Wahlbeteiligung in Sachsen und Brandenburg nach einer Wahlpflicht ruft.
    http://www.gruebeleien.de/?p=5361

    Mein Kommentar dazu lautete:
    Nun ja. Eine Quasi-Wahlpflicht hatte der Osten schon mal. Hat auch nix genützt bei 99.98 % SED. Wahlpflicht würde vermutlich Frustwähler an den rechten Rand ziehen.
    Ich nehme, seit ich frei wählen darf, mein Wahlrecht bewusst wahr. Gerne, aber zunehmend auch ratloser wegen der Austauschbarkeit, Beliebigkeit und der Was-stört-mich-mein-Geschwätz-von-gestern-Mentalität der Politiker.
    Nach der Wende habe ich viel in Wahllokalen mitgearbeitet, um meinen Beitrag zur Demokratie zu leisten. Inzwischen ist mir die Lust auf Sonntage in Klassenzimmern vergangen 😉 Lobbyismus sei als Stichwort angebracht.
    Mich würde echt mal interessieren, welchen Altersstrukturen die Nichtwähler angehören und ob es tatsächlich die über 50jährigen sind, die die Zeit vor der Wiedervereinigung bewusst erlebt haben.
    Außerdem bleibt zu beobachten, ob die Wahlbeteiligung in den alten Bundesländern deutlich besser ausfallen wird.

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  4. September 16, 2014 8:54 pm

    Liebe Inch, ich finde deinen Beitrag sehr gelungen. Du machst dir viel Mühe, zu erklären. Schon dafür musst du ein dickes Lob bekommen. Ich hatte keine Lust, mich zu erklären, als die Vorwürfe kamen: „Ihr in Sachsen, …“ Brandenburg und Thüringen hatte noch nicht gewählt. Ich hätte nicht die richtigen Worte gefunden. Vielleicht ist es dir gelungen, weil die Sympathien für Stefanie da waren.
    Jedesmal wieder überlege ich ernsthaft, ob ich zur Wahl gehe oder nicht. In einem Jahr habe ich lange mit meinem Sohn diskutiert und dann beschlossen wir, das kleinere Übel zu wählen. Was bekamen wir: Auslandseinsätze, Hartz IV, … Kleine Übel wähle ich nie wieder!
    Und jetzt? Ich habe keine Lust, eine Partei zu wählen, die letztendlich Tillich die Steigbügel halten möchte. Den will ich ja gar nicht.
    Ich war wählen, aber ich verdenke es niemand, wenn er sich verweigert.
    Für mich persönlich habe ich den Schluss gezogen, mich bei bestimmten Themen einzubringen und nicht im Sinne einer Partei. Es ist mir nicht egal, was mit meiner Stadt geschieht, mit meinem Land, mit Europa.
    Ach ja, die alte Hütehündin Asta hat viele Jahre auf der Erde geschlafen, im Winter eben eingeschneit oder unter dem Schaferkarren. Dann wurden Hundehütten Vorschrift. Asta zerlegte den Boden der Hütte, weil sie ihren Boden wiederhaben wollte. Das Loch unter der Hütte wurde immer größer und wir schlossen schon Wetten ab, wie lange es dauert, dass die ganze Hütte darin verschwindet. Geschlafen hat sie dann wieder eingeschneit auf der Wiese. Die Kette war lang genug.

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  5. Stephie permalink
    September 16, 2014 10:16 pm

    Liebe Gertje, vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Ich gebe Dir und auch den anderen Kommentatoren recht, dass auch Nichtwählen eine freie Entscheidung ist. Alleine die Möglichkeit zur Entscheidung zu haben, ist ein hohes Gut.
    Ich habe meine Frage gestern bewusst wertfrei formuliert. Ich habe damals als ich diese Kritik las/sah, gedacht, dass die Wahlbeteiligung auf einem solchen Niveau mittlerweile bundesweit normal ist. Eine immer weiter um sich greifende Politikverdrossenheit. Das ist doch in allen Bundesländern fast so. Losgelassen hat mich die Frage trotzdem nicht.
    Gruß aus Bremen

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  6. September 17, 2014 8:28 am

    Demokratie muss man halt manchmal erdulden – aushalten…

    liebe Grüsse vom Muger

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  7. September 17, 2014 7:05 pm

    Sehr gut erklärt, liebe Inch! Und völlig nachvollziehbar, daß immer mehr Bürger/innen keinen Bock mehr darauf haben, zur Wahl zu gehen. Denn es ist doch so, egal welcher der Parteien – die Linke mal ausgenommen – man wählt, es kommt doch ohnehin hinterher dasselbe ‚raus: Die da oben scheren sich einen Dreck um das Volk, das „Stimmvieh“, die vollmundigen Wahlversprechen sind noch gar nicht richtig verklungen, da werden sie schon vergessen, bzw. stellen sich als Lügen heraus, und umgesetzt wird in der Politik nur das, was die Lobbyisten wollen, und nicht zum Wohl der Bürger/innen… Bei der Wahl zum Oberbürgermeister in München habe ich übrigens die Feststellung gemacht, daß wohl auch hier im Westen die Wahlbeteiligung am Sinken ist.

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  8. September 18, 2014 8:25 pm

    Ach die „Ossis“ sind nur einfach schneller demokratiemüde als die „Wessis“ weil sie sich so viel davon versprochen haben *fg*. Ich wähl seit 30 Jahren nur noch das kleinere Übel, weil sich immer alles in Wohlgefallen aufgelöst hat, was sich anfänglich so gut anhörte.
    Ich werde auch weiterhin mein Kreuzchen machen alle paar Jahre, aber ich verstehe inzwischen auch jeden, der keinen Bock hat dafür aus dem Haus zu gehen. Immer noch besser als die sogenannten „Protestwähler“ die ihr Kreuz bei den Rechten machen.

    @ freidenkerin
    “ Denn es ist doch so, egal welcher der Parteien – die Linke mal ausgenommen – man wählt, es kommt doch ohnehin hinterher dasselbe ‘raus:“

    Ersetze „die Linke“ durch SPD, Bunte Liste, die Grünen, dann kommen die letzten 40 Jahre zusammen in denen ich aus Überzeugung gewählt habe, was sich danach maximal als kleineres Übel herausgestellt hat. Bei der Linken würde es wahrscheinlich ähnlich enden, bei dem Wählerverhalten in Deutschland ist es nur fraglich, ob wir das jemals herausfinden werden.

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  9. September 18, 2014 10:43 pm

    Das mit der „eigentlichen“ Wahl, Inch, hast du sehr gut und verständlich beschrieben. Bisher wurde mir das noch nie in dieser von dir beschriebenen Art erzählt und ich verstehe es sehr gut. Aber wenn wir schon einmal dabei sind:

    Meine Großeltern und Familie mütterlicher Seits waren Westfalen und Pfälzer, deren Väter in der SPD politisch sehr aktiv waren. Eine Arbeiterpartei, in der noch mit wirklicher Überzeugung und viel Enthusiasmus um Fortschritt gekämpft und gerungen wurde. Wir haben sehr früh vermittelt bekommen, das „wählen gehen“ zur Familienräson gehört, das „wählen“ unerlässlich ist, um der aufopferungsvollen politischen Arbeit der Großväter einen nachhaltigen und bleiben Sinn zu geben, ja, das es zur moralischen Pflicht jedes Familienmitgliedes gehört.

    MIt dieser Einstellung, geboren aus dem Geist seiner Zeit, bin ich groß geworden. Und wenn ich es unter dem Aspekt der/meiner Sozialisierung betrachte, sind „freie“ Wahlen oder Nichtwahlen erst dann möglich, wenn wir uns dieser Mechanismen bewußt sind, die immer und immer wieder in uns werkeln.

    Und wenn ich irgendwann einmal in der Lage sein werde, diese alten Vorgaben überwunden zu haben, danach erst, werde ich für mich „erstmalig“ von einer „freien“ Wahl oder Nichtwahl reden. Meine Zweifel, diesen Punkt zu erreichen, sind groß, weil ich immer wieder die große Kraft verspüre, wie „früh angelegtes in mir“ auch Fessln sind.

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  10. September 18, 2014 11:06 pm

    Ich möchte noch einen wichtigen Gedanken meinem Kommentar hinzufügen:

    Im Westen gab es nie einen so radikalen gesellschaftlichen und politischen Umbruch, der ein tiefgreifendes Überdenken der „demokratischen Wahlen“ erfordert hätte. Das konstante fließende Kontinuum hielt weder Ochs noch Esel auf.

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  11. September 20, 2014 5:19 am

    ich bin stark beeindruckt von deinem beitrag! das nichtwählen damals so funktionierte, wie du das beschrieben hast, ist ganz schön heftig! ich dachte immer, ihr mußtet wählen, jeder! aber das nichtwählen war ja demnach die echte wahlbeteiligung. argentinien erfreut sich seit 30 jahren einer demokratie, in der ganz viele wähler auf lastwagen gekarrt werden und zu den wahllokalen transportiert, um dort an vorgegebener stelle ihr kreuzchen zu machen. vorher gibt es lecker essen und trinken und versprechungen… wer sich weigert, wird aus dem job entlassen, den er dank der regierung bekommen hat. in vielen wahllokalen liegen nicht alle listen aus. es ist echt zum kotzen, wie hier die „demokratie“ begangen wird.

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