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Katzenjammer

September 15, 2014

Journalisten stottern Erklärungsversuche. Erst Sachsen, und nun Brandenburg und Thüringen.

Eine gerade mal 1,5 Jahre alte Partei zieht zweistellig in die Landestage.

Wie konnte das passieren?

Populistisch greift sie sich aus allen Parteien die Themen ab, die den Ostdeutschen interessieren. Die Russlandfreundlichen, denen die Linken zu links sind, den antirussischen Kurs der Regierung aber nicht akzeptieren können, von den Linken; der CDU die Ausländerfeindlichen, die meinen, Flüchtlinge würden ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen, die kein Deutscher machen will, denen die CDU aber viel zu liberal ist, und das obwohl, die Kanzlerin wohl in Brandenburg schon versucht hat, auf die Ängste einzugehen, im Wahlkampf versteht sich, und die nicht als Nazis gelten wollen, weshalb sich ein Kreuzchen hinter der NPD verbietet; der NPD sowieso alle, die überzeugt sind, keine Rassisten zu sein, die Frau aber gern wieder am Herd sehen und natürlich soll kein Ausländer, Flüchtling, am besten nicht mal jemand aus dem Nachbardorf sich breit machen, Leistungen beziehen, die der Deutsche, und nur er, so schwer erarbeitet.

Katzenjammer.

Und dann der Lichtblick.

Das Kind ist noch nicht in den Brunnen gefallen. Warten wir die Landtagswahlen in den Altbundesländern ab. Da wird sich die AfD nicht etablieren können.

????

Der Ostdeutsche wieder zu blöd zu wählen? Keine Ahnung von Demokratie? 25 Jahre Freiheit und die wissen immer noch nicht, wie und wen sie zu wählen haben? Alles Protestwähler?

Nirgends höre ich einen, der darüber sinniert, und sei es nur ansatzweise, dass die „großen Parteien“ sich möglicherweise auch nach 25 Jahren noch nicht mit den besonderen Befindlichkeiten im kolonialisierten Anhängsel befasst haben. Außer die Linken natürlich. Aber die werden eh nur von Stalinisten gewählt. Unbelehrbaren. Nicht- Demokratie-fähigen.

Stimmt. Im Osten trauen die Bürger den Politikern nicht. Demokratie? „Die da oben“ machen doch, was sie wollen, unabhängig von Volkes Wille oder gar konträr. Gentechnik in der Landwirtschaft, Wirtschaftsabkommen mit den USA, die Russlandpolitik. Kennen die Bürger. War vor 25 Jahren auch nicht anders.

Das schlimmste aber: gleichgeschaltete Medien. Der politisch Interessierte glaubt, in eine Zeitschleife geraden zu sein, der Mittellose wartet immer noch auf die blühenden Landschaften. Und während er, ob des Nicht Vorhandenseins von Arbeitsplätzen auch noch gezwungenermaßen untätig, wartet, muss er sich verteidigen gegen den Vorwurf, faul zu sein. Und ständig nur zu jammern.

Und stimmt, wer älter als 50 ist, kennt noch das Gefühl von Sicherheit. Sicherheit ist zwar auch langweilig, der vorgezeichnete persönliche Weg, von dem eine Abweichung vor 25 Jahren kaum möglich schien, hat aber die meisten Bürger des untergegangenen Landes nicht gestört. Auch wenn sie jetzt vielleicht anders darüber reden.

Was heißt reden? Zu Wort kommen ja eigentlich nur die, die sich wehrten. Aber von denen auch nur die, die ins Geschichtsbild der BRD passen.

Und die Jammerer.

Und nun beweist er, der Bürger aus dem Osten, wieder einmal seine sich in Wahlergebnissen niederschlagende offensichtliche Dummheit.

Mich ärgert dieses Wahlergebnis übrigens auch. Nur kann ich nicht so recht wütend sein auf den Deppen aus dem Osten.

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5 Kommentare leave one →
  1. September 15, 2014 6:58 pm

    Ich denke schon, dass diese Partei auch in den Landtagswahlen der alten Bundesländer einziehen wird. Dort wird sie dann aus anderen Frustrationsgründen gewählt. Die Ergebnisse der Europawahl lassen darauf schließen, finde ich.

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  2. September 15, 2014 7:03 pm

    Ja, ich denke auch, daß hier im Westen die AfD auch in die Landtage Einzug halten wird… Was diese Partei anbelangt, habe ich ein ganz, ganz mulmiges Gefühl…

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  3. Stephie permalink
    September 15, 2014 7:38 pm

    Vielen Dank für diesen sehr guten Beitrag. Ich hatte gestern erstmalig das Gefühl, dass die Parteien verstanden haben, dass sie sich inhaltlich mit der AfD auseinander setzen müssen.

    Mich bewegt aber noch eine zweite Frage nach Deinem Blogbeitrag. In Sachsen und Brandenburg gab es eine Wahlbeteiligung von unter 50%. Dabei wurde immer wieder im TV und anderen Medien kritisiert, dass dies 25 Jahre nach dem Mauerfall passiert und damit der Möglichkeit zu freien Wahlen. Mich würde mal interessieren, wie Du zu diesem Vorwurf stehst.

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    • September 16, 2014 9:21 am

      Hallo Stephie, Danke für diese Frage. Sie zu beantworten war mir einen eignen Blog wert. Ist natürlich unvollständig. Ich bin kein Soziologe und kein Politologe, kann mir nur so meine eigenen Gendaknen machen, und die ist sehr subjektiv

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  4. September 15, 2014 7:58 pm

    Dem Wahlvieh kann man mittlerweile erzählen, was man will. Um Inhalte gehts längst nicht mehr.
    Diese Antieuropäer gewinnen weil die Masse von den arrivierten Politschwätzern die Nase voll hat….

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