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Ohne Mann und Kind…

Juni 21, 2014

Es scheint ja, als bringe gerade meine Abwesenheit dem Rugby Club Leipzig Glück. In dieser Saison war ich nämlich kaum bei einem Spiel, ständig war immer gerade bei einer Familienfeier oder nicht in der Stadt, und was soll ich sagen? Gegner wurden vom Platz gefegt, die in der letzten Saison noch als Sieger heim fuhren. Und im Pokal, im DRV- Pokal steht der RCL nun im Finale. Nach einem Sieg über Rottweil am letzten Wochenende. Klar. Ich war ja nicht da.

Ich war Boofen.

So eine Boofe ist übrigens, anders als in einigen Kommentaren am Wochenanfang vermutet, keineswegs kalt, klamm, feucht, hart und mückenverseucht.

Man legt sich ja gerade unters Felsdach, um der Feuchte, die von oben kommen könnte, zu entgehen. Klamm wird’s nur, wenn die Luftfeuchtigkeit insgesamt zu hoch ist. Mit der Kälte verhält es sich ähnlich. Aber dagegen gibt es wirklich sehr gute Schlafsäcke. Und wenn man häufiger draußen schläft, oder im Zelt, oder gar ins Hochgebirge fährt, ist man diesbezüglich ja gut ausgerüstet. Im übrigen war es zwar nicht so heiß wie Pfingsten, ich bin aber trotzdem gut mit dem Sommerschlafsack ausgekommen. Und was nun die harte Unterlage betrifft und meinen Rücken… da gibt es mittlerweile sehr gute Matten. Ich hatte schon vor meiner Rücken OP eine thermorest, das ist so ein Teil, das sich selber aufpustet, und als die mir zu hart und unbequem wurde, habe ich mir eine doppelt dicke schenken lassen. Nicht ganz billig, aber jeden Cent wert. Als ich nach meiner Rücken OP in Schottland war und zeltete, hatte ich die mit. Und es ging mir gut. (Und wie ich am letzten Wochenende sehen und lernen durfte, gibt es mittlerweile noch komfortablerer Schlafunterlagen)

Mücken freilich. Mücken. Gegen die hilft eigentlich nur ein klitzekleines Lagerfeuerchen.

Was aber tatsächlich zum Boofen gehört, ist der Schmutz. Das ist ja alles Sandstein da und also liegt in den Boofen viel Sand. Und an den Feuerstellen ist dieser Sand dann auch recht schwarz. Viel mit Waschen ist ja nicht an so einem Wochenende. Zähneputzen und… die Mädels hatten Feuchttücher mit.

Das war nämlich Frauenboofen. Männer, und damit jegliche Form von Sport und Anstrengung, waren ausdrücklich ausgeladen.

Wenn nun also 5 Frauen los ziehen, die sonst immer den Männern die Orientierung überlassen, beginnt die Vorbereitung schon sehr zeitig.

Ich habe mir den Weg erklären lassen. Und noch mal versucht zu erguggeln. Die eine der Schwestern hat sich den Weg erklären lassen. Und die andere Nicht-Schwester hat sich auch alles genau erklären lassen und Tante G. befragt.

So zogen wir los. Mit Kletterführern (das sind Bücher), einer Karte, zwei Zetteln, auf denen ich den Weg genau notiert hatte und einem Plan, den ich mir aufs Smartphone geladen hatte.

Kann ja nichts schief gehen.

Ging es auch nicht.

Wir fanden die Boofe auf Anhieb. Aber die war uns zu dunkel. Die nächste zu klein. Und obwohl wir eigentlich viel zu schwere Rucksäcke hatten, man muss ja alles mitnehmen, was man so braucht, einschließlich Wasser, und wir hatten sehr viel Wasser mit und Likörchen und Wein, richtig was zu essen und viele viele Leckereien, und Bücher natürlich, war ja eine Frauenboofe, schließlich, zogen wir weiter, eine wirklich schöne Boofe zu finden. Zur dritten haben wir dann zwei gucken geschickt, die vierte hatte zwar eine sehr bequeme Koch- und Feuerstelle, aber irgendwie keinen Platz zum Schlafen und die fünfte war zwar eigentlich auch nicht die, zu der wir wollten, aber sehr schön.

Das der Gipfel, der vor unserer Nase stand, ein Klettergipfel ist, haben wir erst am Samstag gemerkt, als plötzlich von links und ganz links Leute aus dem Wald kamen, ihre Hängematten aufspannten und kletterten.

Aber wir wollten nach dem Frühstück eh ein bissl spazieren, äh wandern gehen.

Es war eine sehr schöne Wanderung. Und auf der Karte völlig falsch zu sein und trotzdem nicht verloren zu gehen, ist hohe Kunst. Das soll erst mal jemand schaffen.

Äh, Mädels, hier waren wir schon mal. Da steht, dass es dahin geht und dort dorthin und da zu dem Gipfel..

Ach, solche Schilder gibt es hier haufenweise.

Oh! An diesem weggeworfenen Müll bin ich schon mal vorbei gelaufen. WIR WAREN HIER SCHON MAL

Quatsch… äh… na das ist aber komisch…

Aber wo sind wir denn dann lang gelaufen?

Verblüfftes Studium der Karte.

Aber eigentlich waren wir ja eh zum Lesen da. Und zum Schnattern. Und Sonnenuntergang gucken. Zum Likörchen trinken und soviel Süßigkeiten essen, dass wir nichts Süßes mehr sehen können. Mindestens eine Woche lang. Zum Ausschlafen und rumlümmeln.

Wir wären dann zwar doch gern auf den Gipfel hoch, aber wir können ja im nächsten Jahr ein Seil mit nehmen. Denn hoch wären wir da schon gekommen, nur der Abstieg sah übel aus, so ohne Seil.

Obwohl, beim Frauenboofen ist ja jegliche Form körperlicher Anstrengung ausdrücklich verboten. Außer der, das Zeug vom Auto zur Boofe zu schleppen. Auf dem Rückweg sind die Wasserkanister ja dann leer, und die Likörchen- und Weinflaschen. Das Essen leider nicht ganz. Und vor allem nicht die Süßigkeiten. Trotzdem haben wir noch einen kleinen Schlenker gemacht und uns die Boofe angeguckt, in die wir eigentlich wollten. Am Sonntag, auf dem Heimweg. Die haben die eine Nicht-Schwester und eine der Schwestern nämlich am Samstagabend doch noch gefunden. Und ich habe den Weg genau fotografiert, dass wir ihn nächstes Jahr wieder finden.

 

Ps.: Das Finale ist übrigens am kommenden Samstag. In Rottweil. Es fährt sogar ein Fanbus hin. Ich bin da auf dem Weg nach Moskau.

Wenn das kein gutes Zeichen ist.

Wer auf die Fotos klickt, kann sie auch groß sehen

 

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14 Kommentare leave one →
  1. Juni 21, 2014 3:21 pm

    Da wäre ich auch gerne mit dabei gewesen. 😉 Obwohl ich gestehen muss, daß ich noch nie im Freien übernachtet habe…

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    • Juni 22, 2014 12:55 pm

      Noch nie? Gut, das ist sicher etwas spezielles, hier in der Sächsischen. Obwohl wir das früher auch auf unseren Reisen in den Süden taten

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  2. Juni 21, 2014 3:33 pm

    Klasse!!! Dein toller Bericht und die stimmungsvollen Fotos lassen einiges erhoffen für ab nächste Woche…. 🙂

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    • Juni 22, 2014 12:54 pm

      Oh ja, stimmt. Gestern war schon die Juli-Untermieterin und Katzenbetreuerin da. Jack ist ja zurück in Texas, die Kleinfamilie in Thailand und das Kleine Kind in Dresden. Also hauptsächlich.
      Ich bin nun auch schon langsam aufgeregt, des Urlaubs wegen. Vor allem hoffe ich doch auf mein Visum. Nächste Woche

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  3. Juni 21, 2014 3:41 pm

    ach, wie schön! aber gibt da keine bäche, daß ihr wasser mitschleppen mußtet?
    romantisch, mit kerzen, und die dekoration ist ganz allerliebst 🙂

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    • Juni 22, 2014 12:47 pm

      Nein, der nächste Bach ist da, wo das Auto parkte. Und in Deutschland, in einem Mittelgebirge, würde ich nur aus einem Bach Wasser trinken, wenn der Dursttod naht.

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  4. Juni 22, 2014 9:50 am

    Ich glaube, dass ist so eine echte Auszeit, die man immer mal ganz gut gebrauchen kann.
    Ein schöner Bericht.

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  5. Juni 22, 2014 12:23 pm

    Das ist sehr schön und witzig, da ich am selben Wochenende auch im Elbi war. Zum Wandern. Und ich wollte boofen, aber meine Begleitung hatte Angst allein im Wald… – ha! von wegen allein! Da wären wir am Ende noch auf euch gestoßen 😉 willst du denn verraten, welche Boofe das war?

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    • Juni 22, 2014 12:52 pm

      Oh, das wäre lustig gewesen. Zumal die Sächsische ja doch recht groß ist und es viele Boofen gibt. Unsere kann ich leider nicht verraten, wg der kontrollierenden Rancher. Da ist man froh, wenn man eine gefunden hat, wo man einigermaßen sicher ist. Nur, dass es da viele Boofen gab. Also selbst wenn wir aufeinander gestoßen wären, wäre Platz gewesen. Für alle. 😀

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  6. Juni 22, 2014 11:10 pm

    Respekt, ihr Mädels seid echt schon einige der härteren im Garten :D. Anfangs hab ich gedacht, ´ne Frauenboofe in der Art würde ich mir konditionell grad noch zutrauen, verirren kann ich mich auch gut, aber bei „nächstes Jahr nehmen wir ein Seil mit“ bin ich dann ausgestiegen *g*

    Und dann diese Rucksäcke…gibt es so etwas wie Sherpas im Sächsischen?

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    • Juni 24, 2014 8:44 pm

      Wir haben auch überlegt, dass die Männer uns eigentlich die Rucksäcke hätten tragen können. Aber dann wären die womöglich da geblieben.Und außerdem hätten die dann wieder behauptet, ohne sie hätten wir die Boofe nie gefunden. Und sie hätten wohl nicht 5 angeguckt, um sich am Ende für eine zu entscheiden…

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