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Kind und Kultur

Juni 2, 2014

Dessau also.

Als wir am Samstag da waren, mit dem Auto, und gleich neben der Autobahnausfahrt in so einem großen Outdoorladen waren, um neue Rucksäcke zu kaufen und Kleidung mit UV-Schutz für die Prinzessin, Radklamotten für mich und Schuhe für das Große Kind unddie Prinzessin und Radkram und T-Shirts für den Papa der Prinzessin, und als dann die gleich neben dem großem Laden liegende Ausfahrt zur Autobahn gesperrt war und wir quasi durch Dessau durch mussten zur anderen Auffahrt, da waren das Große Kind und der Papa der Prinzessin überzeugt. Wir fuhren nämlich hauptsächlich durch Wald. Und selbst als wir nicht durch Wald fuhren, war da viel Grün und die Mulde sowieso. Ich schwärmte und wir waren uns einig, dass wir hier noch mal her müssen. Mit dem Zug und dann hier radeln. Ist ja nur eine Stunde mit der Bahn.

Und weil das Große Kind noch keinen genauen Plan hatte wegen des Kindertags am Sonntag, nutzten wir diesen Tag gleich. Am Leopoldshafen würde sicher irgendein Kinderfest sein, wir würden in einem Café sitzen und Eis schlecken. (Der Ortskundige merkt schon hier: Ich kenne mich nicht sonderlich aus, in Dessau)

Wir nahmen also den Zug, fanden ausreichend Platz für die Räder und die Prinzessin fand diese Stunde schon lohnend. So viele Tunnel und Eisenbahnen gab es zu sehen.

Und weil wir genau zur Mittagszeit ankamen und das Bauhaus unweit des Bahnhofs liegt und sowieso auf der Strecke zum Leopoldshafen, machten wir also dort und sofort die erste Pause.

Dann aber weiter Richtung Elbe. Ich wollte mir gen die Meisterhäuser ansehen, nur mal kurz von außen, aber da angekommen, meinte das Große Kind, dass wir ruhig in eins rein könnten, fände die Prinzessien sicher auch cool. Also nach Tickets gefragt und, Mönsch, heute ist Welterbetag, und das bedeutet Freien Eintritt. Etwa auch ins Bauhaus? Ins Bauhaus ist der Eintritt immer frei? Tatsächlich? Da muss ich noch mal wieder kommen, wenn kein Kindertag ist und vielleicht ohne Prinzessin.

Wäre das zweite Haus nicht möbliert gewesen, hätte es vermutlich gereicht, sich das erste anzusehen. In Barcelona, im Miro- Museum, fand ich das ja noch ganz chic, wahrscheinlich ist mir da wegen der übergroßen Bilder nicht die Verschwendung an Raum aufgefallen. Aber hier in Dessau wird ganz deutlich, dass das Wohnhäuser waren. Und ich frage mich, wo die Funktionalität der, ja, was sind das eigentlich?, Flure?, Räume, die vom Boden bis zum Dach reichen, liegt. Volksbedarf statt Luxusbedarf? Auf die Idee kamen die Archirekten wohl erst später. Kalt wirkt das Haus und kein bisschen funktional, erinnert mich an manches Stadthaus, das ich gesehen und als kalt und uncharmant empfunden habe, ohne einen Winkel, in dem man so etwas wie Privatsphäere empfinden könnte.

Sicher, so zwischen 1920 und 1930 müssen die Häuser auf den Betrachter, der aus seinem verschnörkelten Haus, der mit verschnörkelten Möbeln eingerichteten und mit Spitzendeckchen und Porzellannippes aufgehübschten Wohnung mit Stuckdecke kam, revolutionär gewirkt haben, vielleicht auch schockierend. Auf mich wirkt es in seiner Anordnung der Innenräume völlig sinnfrei.

Aber das nächste Haus, erspäht das Große Kind, ist möbliert. Also da mal gucken.

Und jetzt bin ich doch baff, wie zeitlos dieser Stil ist. Die Möbel könnten vom schwedischen Riesen stammen, die Wandschränke sehen denen in meinem Flur nicht unähnlich. Ich habe sie während der Sanierung herausreißen lassen. Die Durchreiche aber, die habe ich schon vor 10 oder 15 Jahren zerhackt. Ich hasse Durchreichen.

So möbliert sieht so ein Meisterhaus schon wohnlicher aus. Und sehr interessant. Schön oder gar gemütlich ist dagegen anders. Auch bin ich bei manchen Häusern erstaunt über die kleinen Fenster. War da nicht was von Licht durchflutenden Räumen? Von außen, das steht mal fest, sehen die Häuser schöner aus. Außen kann ich mich an den Formen erfreuen.

Nun ja, das möblierte Haus ist übrigens das Zentrum der Kurt-Weill-Gesellschaft, es gibt eine ständige Ausstellung, einen Multimediaraum, oder wie die Dinger heißen. Aber heute ist Kindertag, ich muss da mal ohne Prinzessin hin.

Die findet die Häuser übrigens gar nicht langweilig, rennt Treppen hoch und runter, guckt von ganz oben nach ganz unten. Wir sehen uns die übrigen Häuser nur noch von außen an, sammeln Kienäppel und fahren schließlich weiter Richtung Leopoldshafen durch einen riesigen Park mit künstlichen Tempelruinen, Brücken, die künstlich angelegte Hügel verbinden, Teichen, Wiesen, aus anderen Ländern eingeführten Laubbäumen, Altaren, Türmen… wir sind im Beckenbruch, einem Teil des Dessauer Wörlitzer Gartenreiches.

Und dann am Leopoldshafen. Aber das ist wirklich nur ein Hafen. Kein Kinderfest, kein Café, nix. Doch die Prinzessin findet Boote gucken cool. Und dann fährt auch noch eins los.

Wir radeln zurück durch den Park oder Wald zum Georgengarten, der eigentlich auch ein Park und nach dem Wörlitzer  der bedeutendste Teil des Gartenreichs ist. Im 18. Jahrhundert entstand der Park als englischer Garten, mit Landschloß und den damals üblichen der Antike nachempfunden Ruinen.

Im Schloss Georgium befindet sich heute die Anhaltinische Gemäldegalerie. Wir aber sind nicht zum Bilder gucken hier. Wir suchen Eis und ein Kinderfest.

Ein kleines Café lockt uns, doch was ist das? Hinter dem Restaurant lockt eine Picknickwiese, es gibt Eis und Café, Bowle, Bratwurst,Käsekuchen und Live Musik. Die ganze Szenerie hat tatsächlich etwas von einer englischen Teegesellschaft. Die beiden Musiker spielen gefällige mittelalterliche Weisen, irischen Folk und bretonische Lieder und das Publikum spendet vornehm zurückhaltend Beifall. Jeder Versuch der beiden Künstler, das Auditorium aus seiner Lethargie zu reißen, muss kläglich scheitern. Es ist aber eine angenehme Verträumtheit, die auch uns erfasst. Nicht mal die Prinzessin mag tanzen, wenn sie sich auch kurzzeitig für das Instrumentarium interessiert.

Und dann, nach Eis und Café, finden wir endlich das Kinderfest. Im Blumenhaus gleich neben dem Fremdenhaus.

Wie gehabt, drauf klicken = groß gucken

 

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One Comment leave one →
  1. Juni 2, 2014 8:48 pm

    In der Design-Abteilung der Pinakothek der Moderne in München gibt’s Bauhaus-Möbel und solche von Marcel Breuer und Alvar Aaita, die wurden in den Zwanzigern, Dreißigern gefertigt – und sehen so was von „hipp“, „trendy“ und modern aus…

    Gefällt mir

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