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Die Dorfschule

Mai 5, 2014

So, also, wir sind also Rad gefahren. Von Donnerstag bis Sonntag. Entlang der Saale, der Elbe und der Mulde. Weswegen wir in der Vorbereitung immer von drei Flüssen sprachen.Aber genau genommen war es eine 5-Flüsse-Tour, denn bis Halle ging es entlang der Neuen Luppe und dann der Weißen Elster.

Also bitte.

Die Route am 1. Mai glich der von Himmelfahrt 2013, nur dass wir diesmal nicht Gefahr liefen, auf der Peißnitzinsel in Halle gegen einen schwankenden Herrn zu fahren, und dass wir weiter als vor einem Jahr fuhren. Nämlich durch Wettin durch bis Gnölbzig. Da das aber im Grunde die Strecke ist, die wir vor einem Jahr nach Bernburg fuhren, gibt es nicht viel Neues zu erzählen.

Gern wären wir im „Picknick am Wegesrand“ zum Kaffee eingekehrt, doch in Halle überraschte uns ein heftiges Gewitter, dass wir in Halle-Kröllwitz, auf dem Freisitz „Zum Koi“ aussaßen. Wir nahmen die Einladung zweier einheimischer Paare an, als die Sonnenschirme dem Regen nicht mehr Stand hielten, kuschelten uns alle in den Pavillon und versuchten, den Humor nicht zu verlieren.

Immerhin lagen noch 40 km vor uns. Oder waren es 35?

Egal, wir warteten den Abzug des Gewitters ab,nicht aber den des Regens und fuhren dann los. Es regnete mal weniger, mal stärker, aber es regnete konstant durch.

Das Highlight des Tages war eigentlich das Quartier, eine alte Schule. Teilweise zum Schullandheim umgebaut, teilweise noch erhalten. Aber auch der Umbau muss schon einige Jahre zurück liegen.

Wir waren allein da, hingen unsere Sachen über alle möglichen Heizungen, fuhren noch mal drei Kilometer durch den Regen zur Georgsburg, wo uns der beste Gaumenschmaus der Tour, gastronomisch betrachtet, ich schließe alle Bäcker und Fleischer ausdrücklich aus, erwartete, radelten zurück und begaben uns auf Entdeckungsreise durch die Schule.

Zwar war leider kein Klassenzimmer mehr eingerichtet, trotzdem gab es viel zu entdecken. Einiges dürfte klassenübergreifend sein, anderes manchen von Ihnen besonders vertraut,  anderen von Ihnen merkwürdig fremd erscheinen.

Die Alarmglocke zum Beispiel oder das Mobiliar im 60er-Jahre-Stil. (wie immer gilt für alle folgenden Galerien: Drauf klicken= groß gucken)

 

Auch die ausdrucksstarken Gardinen und Tapeten dürften alle kennen. Allerdings bin ich nicht sicher, ob überall so pragmatisch Schlösser angebracht wurden. Sicher bin ich mir allerdings, dass die endlosen Reihen Garderobenhaken nie aus der Mode kommen werden, auch wenn sie heute zwar vielleicht hübscher aussehen, dafür aber schneller kaputt gehen

Am längsten hielt ich mich an den alten Schautafeln auf, nicht nur, um zu fotografieren, sondern auch, um altes Wissen aufzufrischen. Oder wissen Sie, wie Sie sich im Brandfall richtig zu verhalten haben? Oder beim Wandern? Und ehrlich: Wieviel einheimische Mäusearten kennen Sie? Und was glauben Sie, welche der vorgestellten schon ausgestorben sind?

Bemerkenswert finde ich, dass die Kinder früher nicht nur Kochen lernten, sondern offenbar auch, wie die Nahrungsmittel zu beschaffen sind und welchen Gefahren man sich dabei unter Umständen aussetzt.

Solcherart Wissen wurde wohl in Heimatkunde vermittelt

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Wohingegen diese Beispiele volkskünstlerischen Schaffens unserer brüderlich-verbundenen Freunde Südosteuropas wohl eher der Touristik zu entstammen scheinen.

Aber auch besonders schöne Exemplare einheimischer,sowohl der Volks- als auch der real-sozialistischen, fand ich

Und weil im Osten alle Schulen Ganztagsschulen waren, wie man das heute nennen würde, früher nannte man die Nachmittagsbetreuung Hort, gabs auch Spielzeug und natürlich Bücher. Denn entgegen allen Sendungen und Reportagen über die DDR verbrachten wir unsere Nachmittage nicht ausschließlich bei Pioniernachmittagen, Subotniks und Schießübungen, einmal im Jahr durften wir auch spielen. Oder eben lesen

Und für alle Freunde der Kleine-Trompeter-Reihe noch etwas fürs Herz

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Das alles gibt es zu sehen und zu bestaunen in Gnölbzig/Sachsen-Anhalt. Nur so lange die Schule noch nicht umgestaltet ist

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9 Kommentare leave one →
  1. Mai 5, 2014 11:06 pm

    Ach, wenn ich von diesen herllichen Fahrradtouren hören oder lesen muss…
    Bei eurer wäre ich jedenfalls auch gerne dabei gewesen. Und schöne Fotos obendrein!

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  2. Mai 6, 2014 10:25 am

    Mir wird gleich so heimatlich zumute… 🙂

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  3. Susanne permalink
    Mai 6, 2014 3:09 pm

    Danke für das Foto von der roten Sitzecke. Ich glaube, dass genau die in meiner Kindheitsküche stand (so viele verschiedene rote Sitzecken wird es nicht gegeben haben).

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    • Mai 6, 2014 6:59 pm

      oh gern. Ich kenne ja eher diese rustikalen. Aber ich glaube, die kamen erst nach den roten Sitzecken in Mode

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Trackbacks

  1. Die Sonntagsleserin | Über den Kastanien

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