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Einhundert Blätter Bärlauch

April 1, 2014

Vor ca 30 Jahren schickte mir eine Freundin aus Wien das „Handbuch für Selbstversorger“, von der Oma in Mainz wünschte ich mir Eve Maria Helms „Feld-Wald-und Wiesen-Kochbuch“

Das sind bis heute meine wichtigsten Ratgeber, wenn es darum geht z.B.: wohlriechende Veilchen zu sammeln und daraus Sirup herzustellen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAls das Große Kind klein war und ich die Behörden austrickste, um sie nicht mit 6 Monaten schon in die Kinderkrippe geben zu müssen, sammelte ich bei unseren täglichen Spaziergängen fast immer irgend etwas, das sich als Speise, Würze oder Medizin eignete. Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Ja, auch im Winter bietet die Natur, nicht so reichlich, aber immerhin, außer natürlich, alles verschwindet unter einer dicken Schneedecke.

Auch als das Große Kind 18 Monate war, in die Krippe ging und ich zur Arbeit, durchstreiften wir die Wälder und Wiesen weiter auf der Suche nach nützlichen Dingen. Gänseblümchen, Löwenzahn, wohlriechende Veilchen, Holunder, Bärlauch, Brenessel, Ebereschen, Heckenrosen, Hagebutten, Brunnenkresse, Geißfuß, Wilder Rettich, Ochsenzunge, Rotklee, Schafgarbe, Spitzwegerich, Taubnessel, Wiesenbocksbart… Die meisten würde ich heute kaum  noch bestimmen können. Damals aber kannte sich das Große Kind so gut aus, dass sie, als sie einmal, 5-jährig, der Oma, die ihr Ebereschen gezeigt hatte, den Unterschied zwischen Eberesche und süßer Eberesche erklärte. Und es trank so gern heißen Holundersaft, den ich als Hustenmittel einsetzte, dass es noch in der Grundschule nach Hause kam, hüstelte, sich an den Hals griff und röchelnd erklärte, dass es ganz doll Husten hätte.

Damals entstand wohl mein Ruf als „Öko“ oder „Bio“ und ich höre heute noch manchmal, „Aber Du als Öko“, wenn ich irgendetwas tue, was ein „Öko“ nicht tut.

Zu den zwei genannten Büchern kam später noch eins über Hausmittel für Kinder. Daraus lernte ich, wie man Zwiebelsaft herstellt und bei Ohrenschmerzen anwendet, vor allem aber, wie man wann wo Wickel beim fiebernden Kind anlegt. Dieses Buch war mir noch nützlicher Ratgeber beim Kleinen Kind. Aus der Zeit der intensiven Pflanzen-, Blüten- und Früchtesuche sind das Sammeln des Holunders übrig geblieben und der Bärlauch, sowie der Wunsch, mal wieder an die alten Stellen zu gehen und nach dem wohlriechenden Veilchen zu schauen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAJetzt ist Bärlauchzeit. Und ich sammle ihn so, wie ich es aus den Büchern gelernt habe, trotz Internet. Obwohl, nachdem mich Zaphod klugerweise darauf hingewiesen hat, dass man anderen Sammlern, die eher ernten,  ja auch mal sagen könnte, wie es richtig geht, habe ich mal recherchiert. Die Meinungen, wann die beste Sammelzeit ist, gehen, das wundert mich, auseinander. Sicher sind sich aber alle internetten Ratgeber, dass man beim Sammeln immer ein paar Blätter und vor allem die Knospen stehen lassen sollte. Und ich, ich habe mir das fest vorgenommen, werde mich trauen und das unwissenden Sammlern sagen, wenn ich sie treffe.

Jedes Jahr im Frühjahr sammle ich 100 Blätter Bärlauch*. Das reicht bei mir für ein ganzes Jahr, da ich ihn, in Öl und Salz eingelegt, nur als Würze für andere Gerichte verwende.

100 Blätter Bärlauch, das reicht für ein mittelgroßes und zwei kleine Gläser. Jetzt, da die Kinder ausgezogen sind, dienen dies zwei kleinen Gläser als Geschenke. Raten Sie mal, für wen.

*Achtung: Bärlauch nicht mit Herbstzeitlosen oder Maiglöckchen verwechseln

 

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8 Kommentare leave one →
  1. April 1, 2014 5:44 pm

    Eine Oma in Mainz? Das wusste ich ja noch garnicht 😉
    Du erinnerst mich mit deinem guten Beitrag daran, dass ich dieses Jahr mal wieder Gelees, Marmeladen und Konfitüren zubereiten sollte…
    Hier sammle ich Salbei, Thymian und Rosmarin wildgewachsen draussen vor der Stadt.

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    • April 2, 2014 9:24 am

      Für Gelees, Marmeladen und Konfitüren ist bei uns die Uroma zuständig.Da fällt mir ein, in ihrer Gefriertruhe lagert noch mein Anteil Pflaumen. Für Säfte…
      Salbei Thymian Rosmarin, an so was erfreue ich mich auch immer, wenn ich irgendwo im Süden im Urlaub bin

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  2. April 1, 2014 5:58 pm

    Bei dir ist Bärlauchzeit und bei mir die der Schlehenblüte. Die gibt es nämlich recht üppig gleich nebenan, also eigentlich mitten in der Stadt. Wir werden wohl noch einen Tauschhandel aufmachen müssen. 😀
    Gruß von der Gudrun

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    • April 2, 2014 9:20 am

      Also im Herbst, da komme ich mit. Da zeigst Du mir Schlehen. Und im nächsten Frühjahr, da nehme ich Dich mit zum Bärlauch sammeln. Ansonsten wohl doch Tauschhandel. Machen wir unseren eigenen Ring auf. Zusammen mit Emil. 😀

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  3. April 1, 2014 8:27 pm

    Ahja, siehste, das wollte ich doch immer mal nachmachen, das Käsecremerezept. Allerdings werde ich mir den Bärlauch lieber aus dem Laden holen, bevor ich das Zeug hier irgendwo lange suchen muss.
    Obwohl, frischen Bärlauch habe ich noch nie im Laden gesehen, kann sein dass die Suche ähnlich lange dauert wie im Wald..

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    • April 2, 2014 9:22 am

      Oh je, wenn es das Zeug noch nicht mal im Laden ist, scheint der Trend noch nicht in Hamburg angekommen zu sein.Aber mir hat mal jemand gesagt, ständige Nachfrage könnte den einen oder anderen Einzelhändler glauben machen, einen Trend verschlafen zu haben *pfeif*

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      • April 2, 2014 9:21 pm

        Ich bin auf Läden angewiesen, laut Wiki steht der Bärlauch in Hamburg auf der roten Liste bedrohter Pflanzen. Kein Wunder, dass ich das Zeugs hier noch nirgends gesehen habe.

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  4. April 3, 2014 9:15 pm

    Im Frühling sammle ich sehr gerne an den Ufern kleiner Bächlein die wild wachsende Brunnenkresse. Im Salat oder auf ein Butterbrot gestreut schmeckt sie ganz wunderbar… Viele der Pflanzen und Blüten, die du aufzählst, kenne ich noch aus meinen eigenen Kindertagen – mit Mutter Natur’s Apotheke wurden seinerzeit die meisten Zipperlein und viele Krankheiten geheilt… Grade eben habe ich mit warmen Arnika-Umschlägen eine schmerzhafte Entzündung in der linken Schulter auskuriert. 😉

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