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Stillgelegt

März 18, 2014
DSC_0217

Am Leutzscher Bahnhof halten keine Züge mehr. Auch keine S-Bahnen. Sogar die Straßenbahnlinie dort hin wurde eingestellt.

1856 wurde der Bahnhof als Teil der Thüringer Eisenbahn eröffnet, seit 1873 war er Startpunkt der Zeitzer Strecke. Damals gehörte der Ort ganz im Westen der Stadt noch nicht zu dieser und der Bahnhof hieß auch nicht Leutzsch, sondern Barneck. Die Eingemeindung und mit ihr die Umbenennung erfolgte 1922, 9 Jahre später war der Bahnhof Endstation für die Merseburger Eisenbahn.

Eine Straßenbanhlinie verband den Ort schon seit 1899 mit dem Leipziger Nahverkehrssystem. Bis 2001.

Die Merseburger Eisenbahn hatte man schon 3 Jahre vorher stillgelegt.

Immerhin war Leutzsch da noch Haltepunkt der S-Bahn, zuletzt der Linie 1. Auch die Regionalzüge nach Weißenfels und Zeitz hielten hier noch.

Doch mit dem City-Tunnel und der Umgestaltung des Leipziger S-Bahn-Netzes kam das Aus für den Bahnhof. Es entstand eine neue Station an der Georg-Schwarz-Straße, die mit Eröffnung des City-Tunnels im Dezember letzten Jahres in Betrieb genommen wurde und den alten Haltepunkt ablöste.

Dem Bahnhof scheint nur der langsame Verfall zu bleiben.

In der Geschichte, die er in dem Buch „Geisterstätten Leipzig. Vergessene Orte“ über die scheinbar sich selbst überlassenen Gebäude erzählt, stellt Uwe Schimunek eine Verbindung zu dem Traditionsverein Chemie Leipzig her. Der Alfred- Kunze- Sportpark ist gleich nebenan und während ich der Lesung lausche, frage ich mich, ob ich nicht doch auch schon mal an diesem Bahnhof ausgestiegen bin.

Ich mocht Chemie zwar nie, ging früher zu Lok, aber als die im Westen scheinbar ewig gegen Union Berlin um den Aufstieg fochten, war ich ein oder zwei Mal da.

Aber vielleicht bin ich auch mit der Straßenbahn gekommen. Denn als ich zur Villa Hasenholz radele, muss ich die alte Unterführung neben dem Bahnhof nutzen. An diese enge Trasse glaube ich mich zu erinnern, das Gedränge der Menschenmassen. Aber die können sowohl von der S-Bahn als auch von der Straßenbahn gekommen sein. Wie dem auch sei. Beides hält hier nicht mehr und dem kleinen Tunnel geht es ähnlich wie dem Bahnhof.

Es folgen fast 30 Bilder vom Bahnhof und ganz viel zerbrochenem Fensterglas. Drauf klicken= groß gucken

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14 Kommentare leave one →
  1. März 18, 2014 10:08 pm

    Liegt die Gegend mittlerweile so weit ab vom Schuss oder warum lässt man dies verwahrlosen? Schien früher ein hübsches Gebäude gewesen zu sein! Aber scheinbar „wohnt“ noch jemand darin – oder ist die Birne von Dir?

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    • März 18, 2014 10:27 pm

      Eigentlich nicht. Gut, manche Ecken des Stadtviertels sind etwas runtergekommen. In den anderen stehen Villen und Einfamilienhäuser, wahrscheinlich von Autofahrern bewohnt, so dass die S-Bahn nicht mehr so ausgelastet war. Ich hoffe, dass die Strecke nicht mehr ausgelastet war. Denn die Deutsche Bahn legt manchmal nicht nur Strecken still, die sich in ihren Augen nicht mehr rentieren, sondern trifft manchmal auch merkwürdige, nicht ganz nachvollziehbare Entscheidungen. Dorthin jedenfalls kommt an nur noch mit dem Bus, zu Fuß, mit dem Rad oder Auto. Der neue Haltepunkt der S-Bahn ist 15 min Fußmarsch entfernt

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  2. März 19, 2014 1:31 am

    Wenn man mit dem Bus hinkommt reicht das doch, in Hamburg ist das völlig normal. Ich habe sowohl Regionalbahn als auch U-Bahn in der Nähe, 10 Minuten mit dem Bus, 30 zu Fuß, das ist in den weiter draußen gelegenen Stadtteilen halt so.
    Wer nahe der City wohnt ist so etwas einfach nicht gewohnt glaub ich. *g*

    Bei den Fotos hätte ich doch einiges in schwarz-weiß gemacht, obwohl ich auch mehr der Buntfotograf bin, aber bei so verfallenen Gebäuden wirkt das meist noch stärker.

    Und die Birne finde ich auch seltsam, fast so seltsam wie das komische Tier, dass auf Bild 14 aus dem schwarzen Kasten kriecht.

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    • März 19, 2014 10:08 am

      Nun, ich habe auch über s/w nachgedacht. Aber 1. war das Licht nicht entsprechend, nur kurz kam mal die Sonne raus, 2. hat mich die „Buntheit“ doch sehr fasziniert

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  3. März 19, 2014 7:27 am

    Schöne Bilder. Die Birne wurde aber von dir dort hin „drappiert“, oder?

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  4. Susanne permalink
    März 19, 2014 9:46 am

    >Wenn man mit dem Bus hinkommt reicht das doch, in Hamburg ist das völlig normal.

    Seltsames Argument — woanders ist auch Mist, also ist das ok? Sinnvolle Verkehrspolitik wäre doch, das öffentliche Netz auszubauen, nicht sogar schon bestehende Infrastruktur verfallen zu lassen.

    Aber die Deutsche Bahn hat sogar die Berliner S-Bahn in die Knie gezwungen, was weder dem Zweiten Weltkrieg noch der DDR gelungen war, also chapeau.

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    • März 19, 2014 3:43 pm

      Ich habe nicht geschrieben dass es „Mist“ ist, ich halte das Hamburger Verkehrsnetz sogar für sehr gut ausgebaut, obwohl Verbesserungen natürlich immer möglich sind. Ich finde nur den Anspruch etwas überzogen (gerade in einer Großstadt) dass jeder Anwohner einen Bahnhof in nur wenigen Minuten Fußmarsch erreichen kann.

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  5. März 19, 2014 7:37 pm

    Wunderbar – sowas gefällt mir 🙂

    lebe Grüsse vom Muger

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  6. März 19, 2014 9:54 pm

    Zur Birne habe ich im nächsten Blog hoffentlich etwas Licht ins Dunkel gebracht. Das seltsame Tier ist wohl auf ähnliche Weise hingeraten

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  7. April 1, 2014 6:05 pm

    An diesem Bahnhof bin ich heute mit einem Frend vorbeigefahren. Ach, ich möchte einwenig jünger sein. Dann würde ich vielleicjht hier werkeln. Jetzt war ich erstmal da, wo andere schon sind. In der Feinkost.
    Gruß von der Gudrun

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  8. April 11, 2014 7:43 am

    Hat dies auf [Leipzig.Lebensmittel.Punkt.] rebloggt.

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Trackbacks

  1. Stillgelegt | Leipzig.Lebensmittel.Punkt.

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