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Von Büchern, Blumen, nicht von Schokolade

März 13, 2014

Ist in der Tüte Schokolode? frage ich die junge Frau, die inmitten roter Papptüten mit weißem Kreuz steht.

Ich habe da so eine Erinnerung.

Vor Jahrzehnten sah ich Schweizer Jazzmusiker in der Kongresshalle. Die eröffneten ihr Konzert mit den Worten: Mit der Schweiz verbinden die Menschen zwei Dinge: Berge und Schokolade. Wir haben Ihnen einige Kostproben mitgebracht. Und warfen Schokoladenstücke in Form kleiner Berggipfel ins Ostdeutsche Publikum.

Doch nein, in den Tüten in den Schweizer Nationalfarben liegt natürlich etwas zum Schmökern. Passend zur Buchmesse, grinst die junge Frau und drückt mir die Leseprobe in die Hand.

Ich bin im Gewandhaus, beim Festakt zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse. Die Schweiz ist Schwerpunktland in diesem Frühjahr und hat sich einiges einfallen lassen. Rote Lesebänke hat man der Stadt geschenkt und in dieser verteilt. Autoren haben sich von interessierten Bürgern einladen lassen und werden, neben den vielen öffentlichen Verantsaltungen, in Wohnstuben lesen. In der Bimmel zum Messegelände soll es Ansagen in schwitzerdeutsch geben. (Ich werde das nicht erleben, plane ich doch in diesem Jahr keinen Besuch der geheiligten Hallen, beschränke mich vielmehr auf Veranstaltungsorte in der Stadt). Und junge Frauen verteilen Leseproben an die Besucher des Gewandhauses.

Ich bin mit einem Freund einer Freundin da. Die konnte wegen Krankheit nicht anreisen, hat sich aber liebenswerterweise darum gekümmert, dass ich nun doch dabei bin.

Der Thomanerchor und das Gewandhausorchester eröffenen und mein Begleiter ist hingerissen vom Klangkörper. Es folgen Reden, Reden, Reden. Gute und schlechte. Die schlechten erscheinen mir ausnahmslos zu lang. Unser OBM gibt sich gewohnt locker und unser Ministerpräsident wirkt fahrig. Seine Rede irgendwie nicht flüssig. Der Vorsitzende des Böresenvereins skizziert ein positives Bild des Deutschen Buchhandels, trotz Online-Riesen und warnt gleichzeite vor dem Freihandeslabkaommen, das in Brüssel gerade zwischen den USA und der EU verhandelt wird. Er fordert, Kunst und Kultur aus diesem Abkommen auszuklammern.

Die Laudatio zum diesjährigen Leipziger Buchpreis für Europäische Verständigung hält Ilja Trojanow, und die klingt ganz anders als die noch am Tag zuvor gelesene Kritik in einer großen deutschen Tageszeitung. Der Inder Pankaj Mishra thematisiert in seinem ausgezeichneten Werk „Aus den Ruinen des Empires. Die Revolte gegen den Westen und der Wiederaufstieg Asiens“ die Auflehnung Asens gegen den westlichen Imperialismus. Vielleicht ist es sein ganz und gar nicht westlicher Blick, der verstört. Denn die Alte Welt bestimmt seit jeher, was gut und böse ist, sieht, beurteilt und analysiert die Dinge ausschließlich mit europäischen Augen.

Ein Highlight ist sicher der Auftritt des Schweizer Bundesrats Alain Berset. Die Schweiz sei verwirrend für Nicht- Schweizer. Eine Demokratie, in der das Volk tatsächlich die Macht habe! Und irgendwie sei die Schweiz, mitten in Europa gelegen, eine Art Mini-Europa. Mit ihren vier Sprachen, eng verwoben mit der deutschen, der fransösischen, der italienischen Kultur, mit ihrer Vielfalt, die letztlich auch durch die Immigranten, die immerhin 23% der Bevölkerung ausmachen, entsteht.

Zwischen all den Reden und natürlich zum Abschluss wieder die Thomaner und das Gewandhausorchester.

Und dann die Erstürmung des Buffets. Obwohl, ich muss anerkennen, dass das recht gesittet ablief. Obs am Intellekt des Publimkums lag oder an der hervorragenden Organisation darf sich jeder selber aussuchen.

Am Ausgang dann der kleine Lesegruß aus der Schweiz und die Frage, die bleibt: Wer war nur der ältere Herr aus dem Publikum, der mit der Kippa, der während des Festaktes Blumen an diverse Persönlichkeiten, den Preisträger und den Dirigenten übergab?

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2 Kommentare leave one →
  1. März 13, 2014 7:18 pm

    …und der ältere herr hat keine schokolade verteilt ? 😉
    danke für den interessanten bericht und dass du jedesmal für uns dabei bist!

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  2. März 13, 2014 11:02 pm

    Klingt ganz prima – viel Freude weiterhin. Platz wirst du ja inzwischen wieder haben in deinen Bücherregalen 😉

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