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Fragile heißt zerbrechlich

März 11, 2014

Vor knapp vier Jahren hatte ich es satt.

Beim vierten Bandscheibenvorfall, die letzten drei innerhalb von 6 Jahren, die letzten beiden innerhalb zweier Monate, bestand ich auf eine Operation. Vielleicht waren die letzten zwei auch nur einer, denn als ich mich gesund schreiben ließ, war ich es nicht und es dauerte nicht einmal 2 Wochen bis zur Bewegungsunfähigkeit.

Es folgten ein Geburtstag auf dem Krankenbett, eine Anschlußkur und eine lange Zeit der Rehabilitation und Wiedereingliederung. Letztere beendete ich auf eigenen Wunsch. Ich sah keinen Sinn darin, 6 Stunden täglich für ein kärgliches Krankengeld zu arbeiten. Außerdem wollte ich den Jahresurlaub nachholen.

Ich turnte und planschte noch ein Dreiviertel Jahr in diversen Gesundheitseinrichtungen, lernte mit Skistöcken durch den Wald zu laufen und frischte meine Yogakenntnisse auf, dann betrachtete ich mich als endgültig geheilt.

Ich kann urlauben wie gewohnt, einen Rucksack drei Wochen durch Schottland, Rumänien oder die USA tragen, ich überzeugte mich davon, dass ich wieder klettern kann, radle durch die Gegend und wenn mich jemand fragt, wie es mir so geht und ob ich eigentlich Beeinträchtigungen habe, antworte ich Nein. Alles funktioniert bestens. Nur joggen darf ich nicht. Das fehlt mir. Ich habe ja Nordic Walking gelernt, aber ehrlich, ich komme mir dabei doof vor. Allerdings, ich turne regelmäßig. Vier Mal pro Woche. Tu ich das nicht, krieg ich Rücken.

Ja, Schmerzfreiheit und relative Beweglichkeit muss ich mir erarbeiten. An vier Morgenden rolle ich vom Bett direkt auf die Yogamatte und dehne und drehe mich 20 Minuten lang.

Schmerzfreiheit und relative Beweglichkeit sind ein fragiles Gebilde, denn halte ich mich nicht an die 4x20min Yoga pro Woche, lässt beides nach. Ziemlich schnell und deutlich spürbar.

Zu einem Vabanquespiel wird das Unternehmen Schmerzfreiheit immer, wenn andere, eigentlich harmlose Krankheiten mich an den 4x 20 min Rumturnerei hindern. Haben Sie mal versucht, mit einer triefenden Nase, vereiterten Nebenhöhlen oder Zahnschmerzen den Kopf zwischen die Füße zu stecken? Im Stehen? Schon Fieber kann da ziemlich hinderlich sein.

Zum Glück habe ich ja selten Fieber und bemühe mich, regelmäßig zum Zahnarzt zu gehen. Mit triefender Nase lege ich mich ins Bett und die Nebenhöhlen soll ich ja ehe draußen spazieren tragen und in die Sonne halten.

Und doch, so richtig hilft eben nur die morgendliche Rumturnerei. Und wenn ich krank bin und daran gehindert werde, spüre ich die Folgen meistens noch mindestens eine Woche. So lange dauert es bis alles wieder zurecht gebogen und gedehnt ist. Das nervt und manchmal erscheint mir der Preis zu anstrengend.

Im Urlaub übrigens, im Urlaub muss ich nichts tun. Im Urlaub bin ich immer gesund, schmerzfrei und beweglich. Jedenfalls rückentechnisch.

Eine Erkenntnis, die mich nachdenklich macht, mir aber nicht neu war.

Die wichtigste Lehre, die ich aus dem Jahr 2010 gezogen habe ist, auf meinen Körper zu hören. Gesundheit ist wichtiger als Arbeit. Und wenn alles Turnen nicht hilft, muss ich eben zu Hause bleiben. Wenn ich mich nur immer daran halten würde…

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9 Kommentare leave one →
  1. März 11, 2014 9:09 pm

    Ich bewundere dich. Ich sollte eigentlich auch täglich turnen, grad jetzt, wo mir die linke Schulter und der Rücken wegen der langen Steherei zusehends zu schaffen machen. Aber es ist halt soooo schön mollig im Bettchen, und soooo arg schwer, den inneren Schweinehund niederzuwürgen…

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  2. März 12, 2014 1:35 am

    Diese Selbstdisziplin geht mir völlig ab, dabei müsste ich mich dringend mehr bewegen, schaff ich aber nur wenn ich mit der Kamera unterwegs bin. Jeden morgen 20 Minuten turnen erscheint mir undenkbar, aber wenn man Schmerzen hat und die damit vermeiden kann ist das schon ein gewichtiges Argument.
    Gute Besserung jedenfalls von hier aus.

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  3. März 12, 2014 7:36 am

    Naja, mit Selbstdisziplin hat das eigentlich wenig zu tun. Wäre die der auslösende Fakor, bliebe ich die 20 min lieber im Bett liegen. Nee nee, diese Art Disziplin wird mir aufgezwungen von meinen körperlichen Gebrechen 😉

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  4. gemeinsamleben permalink
    März 12, 2014 8:21 pm

    Liebe Inch, danke, dass du darüber schreibst. Es macht mich schon sehr, sehr nachdenklich, und ja – auch ohne eine genaue Definition zu kennen aber doch in diesem Gefühl „demütig“.

    Denn, nicht selten betrachte ich mich als absolutes Ar…och, dass ich so mit mir und meinem Körper umgehe. Und wenn ich dann deinen Beitrag lese, denke ich: „Jeder Tag ist ein Geschenk“.

    So oft wissen wir die Dinge leider erst dann zu schätzen, wenn sie nicht mehr bei uns sind. So sind wir aber scheinbar angelegt und weiter mag ich garnicht danach fragen.

    Nun, weil du dein Wohlbefinden in Zeiten deiner Reisen beschreibst, die damit auch einen anderen Hintergrund für mich bekommen, möchte ich dir ein link senden, der aus 2008 ganz gut deine Beitrag ergänzt:

    http://menachem2008.wordpress.com/2008/07/14/psychoneuroimmunologie/

    Mein Vater benutzt oft die Abschiedsformlel in dem alten jiddisch:
    „Blaap gesint“, was soviel heißen soll, wie: Bleib gesund“.

    In den letzten Jahren ist sie mir lieber und lieber geworden und ich möchte sie auf diesem Weg an dich weiterreichen.

    Blaap gesint!

    .

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    • März 13, 2014 10:30 pm

      Interessanter Blog. Dass viele Krankheiten psychosomatischen Ursprungs sind, ist ja schon lange bekannt. Neu ist, dass mich letztens auch die Äzrtin und danach die Physiotherapeutin fragte, ob ich Stress oder Druck auf Arbeit hätte

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  5. März 13, 2014 12:12 pm

    Pikanterweise lese ich Deinen Beitrag während ich im Wartezimmer sitze und hoffe, dass mich der Neurochirurg zu sich bittet. Sitzen ist nämlich gerade eine ziemliche Qual. LWS – you know? 😉
    Leider eigne ich mich so überhaupt nicht für Yoga und Co. Die Bewegungsabfolgen bekäme ich bis an das Ende meiner Tage nicht in den Kopf. Bewegungslegastheniker.

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    • März 13, 2014 10:33 pm

      Ach Herrje. Gute Besserung wünsche ich! Nun, Yoga ist mein Weg. Jeder muss die Art Bewegung oder Entlastung finden, die am besten zu ihm passt bzw Spaß macht. Ich zum Beispiel könnte mir nicht vorstellen, in ein Studio zu gehen. Ich habe das mal ein halbes Jahr gemacht. Hat auch geholfen. War dann aber auch genug

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  6. März 13, 2014 7:14 pm

    puh, das hört sich ja schlimm an – ich meine die zeit vor der op! mir hat damals walken (ohne stock) sehr geholfen. so ab 35/40 hatte ich oft rücken und habe mich einer walkinggruppe angeschlossen, allein hab ich´s versucht, aber das klappte nicht. 2mal die woche über 1 stunde walken, welch ein genuß! ich bekam nicht mehr rücken und wurde nicht mehr krank. hier in argentinien fehlt es mir und ich versuche, es durch lange spaziergänge auszugleichen.

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    • März 13, 2014 10:35 pm

      Ich gebe zu, in der Gruppe hat das Walken damals auch besser geklappt. So allein ziehe ich auch lange Spaziergänge vor. Und mit dem Fotoapparat ausgerüstet wird das auch nie langweilig

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