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Lunares Kammerspiel

Januar 19, 2014

Zum Glück habe ich nichts über den Film gelesen, bevor ich ihn sah. Und ich empfehle Ihnen dringend, das auch nicht zu tun! Denn auf manchen Plattformen wird der ganze Plot bis ins kleinste Detail beschrieben, jede Überraschung Preis gegeben. Das wäre beim Film gucken echt doof gewesen.

Also: Nicht recherchieren! Nicht lesen! Film besorgen und gucken.

Aber da ich Ihnen den Film empfehlen will, muss ich natürlich auch darüber sprechen. Ich beginne mit ein paar Fragen.

Wie skrupellos, glauben Sie, kann ein Konzern sein, wenn es um sehr, um wirklich sehr viel Geld geht? Wie kontrollierbar  oder transparent, glauben Sie, ist ein Konzern, der ein weltweites Machtmonopol in den Händen hält, indem er  zum Beispiel 70% des Energiebedarfes der Erde deckt? Und was ist ein Menschenleben wert?  Was glauben Sie, ist es heute Superkonzernen wert und was glauben Sie, ist es dieser Art Unternehmen in Zukunft wert?  Schauen Sie nicht auf Deutschland, wo Sie glauben, dass alles in Ordnung sei. Schauen Sie zur Beantwortung dieser Frage zum Beispiel lieber nach China. Und wie einzigartig sind wir? Jeder für uns? Als Individuum? Wie austauschbar?

Moon von  Duncan Jones beantwortet uns einige dieser Fragen. Natürlich spielt er in einer fernen, nicht genau bestimmten Zukunft. Natürlich spielt er nicht auf der Erde. Natürlich handelt es sich um Science Fiction.

NEIN! NICHT AUFHÖREN ZU LESEN! , weil sie keine Scifi-Fan sind.

Moon kommt ohne großes Gedöhns aus. Klar fährt Sam, der Astronaut mal raus, um Gestein zu holen oder was zu reparieren, aber das ist nicht aufregender, als wenn ein Minenarbeiter, sagen wir mal in Kasachstan, raus fährt, um Gestein zu holen oder was zu reparieren. Außer natürlich, dass der Minenarbeiter in Kasachstan bei seiner kleinen Tour keinen Raumanzug trägt.

Denn Sam ist ja eigentlich Minenarbeiter. Auf dem Mond. Dort baut Lunar Industries Helium-3 ab, womit, ich erwähnte es bereits, 70% des Energiebedarfs der Erde gedeckt werden. Und Sam, der Minenarbeiter-Astronaut arbeitet im Auftrag des Konzerns als einziger Mensch auf der eigens zu diesem Zweck errichteten Mondbasis. Natürlich hat er zur Unterhaltung und Hilfe einen Computer. Aber keine Angst, der ist nicht wie HAL, sondern ziemlich freundlich, denn eine seiner Aufgaben ist es, für Sams Sicherheit zu sorgen.

Nach fast 3 Jahren ganz allein auf dem Mond, sieht man mal vom Computer ab, und ohne direkten Kontakt zur Erde (Botschaften sind nur per Videoaufzeichungen möglich) freut sich Sam auf seine Ablösung. Auf seine Rückkehr zur Erde. Auf Frau und Kind.

Doch: Was ist ein Menschenleben wert? Wie einzigartig sind wir? Jeder für uns? Als Individuum? Wie austauschbar?

Moon kommt ohne großes Gedöhns aus. Kammerspielartig stellt er uns all diese Fragen. Und ist dabei keine Sekunde langweilig.

Sam Rockwell spielt Sam. Andere Menschen kommen nur als Videoaufzeichnungen und in kurzen, seltenen Traumsequenzen vor (ich glaube, es sind alles in allem 2).

Der Film hinterlässt beim Zuschauer, hinterließ bei mir, ein ungutes Gefühl im Magen. Denn irgendwie ist diese beschriebene Zukunft gar nicht so unvorstellbar. Nicht nur irgendwo außerhalb unseres Planeten. Und die Frage nach der Austauschbarkeit eines Menschen, nach dem Wert seines Lebens, lässt sich hier und sofort, auch ohne die im Film beschriebenen Möglichkeiten, beantworten. Und bestimmte Gruppen werden hier, heute und jetzt  unter bestimmten Voraussetzungen zu den selben Antworten kommen wie Lunar Industries. Und deswegen ist Moon eigentlich gar kein Science Fiction. Das ist das gruselige an diesem Film.

Titel: Moon

Land: UK

Erschienen: 2009

FSK: 12 Jahre

Regie: Duncan Jones

Drehbuch: Nathan Parker

Darsteller:

Sam: Sam Rockwell

GERTY (der Computer): Kevin Spacy (die Stimme)

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8 Kommentare leave one →
  1. Januar 19, 2014 11:42 am

    Von diesem Film habe ich bereits einige Ausschnitte gesehen, ich glaube, er lief einige Male irgendwo im Fernsehen. Als alte Zapperin habe ich immer nach einigen Minuten schon weitergedrückt, weil es mir zu bedrückend gewesen ist…

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  2. Januar 19, 2014 3:38 pm

    Klasse Rezension. Solche läse ich gerne öfter! 😉

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  3. Januar 20, 2014 2:09 am

    Danke, klingt nach muss ich haben. Gerade mal schnell die BluRay geordert, so „olle Kamellen“ bekommt man ja ziemlich günstig.

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  4. Januar 20, 2014 3:17 pm

    Ja, das ist das Gruslige an diesem Film.
    Danke, Inch.

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  5. Januar 20, 2014 6:34 pm

    Werde mal schauen, wo ich den herbekomme. Von deiner Rezension her klingt das wie eine Illustration zu dieser kürzlichen Meldung über die Oneway- Erforscher des Mars, unter denen auch ein Deutscher ist

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    • Januar 21, 2014 8:02 am

      Nuja, die Marsfahrer wissen wohl, hoffedenkeglaube ich, worauf sie sich einlassen…
      Im Übrigen komme ich Ende Juni nach Moskau, da könnte ich die DVD ja im Gepäck haben *pfeif* Wenns auch eine Kopie sein darf

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