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Und trotzdem: Ich gehe hin

Dezember 14, 2013

DSCN2591-001So um den 1. Advent herum war‘s, da beschäftigten sich einige Blogger mit Weihnachtsmärkten, Sinn und Unsinn, wobei die Betonung eher auf Unsinn lag, vom Konsum war die Rede und trunkenen Muttis, vom Gewühle, schlechten, überteuertem und viel zu süßem Glühwein, fettigem Fastfood und austauschbarem Weihnachtskitsch aus China.

Ich las all diese Blogs und gab ihnen allen Recht.

Auch mir ist es zu voll auf dem Weihnachtsmarkt. Auch ich finde den Glühwein zu teuer, die Fressalien etwas langweilig und Leute, die mit Elchgeweihen auf dem Kopf rumrennen, einfach nur peinlich. Und natürlich vermeide ich Gänge in und durch die Innenstadt um diese Jahreszeit.

Meistens jedenfalls.

Denn einmal, wenigstens einmal pro Jahr, muss ich da auch hin. Glühwein trinken und mir beim Kreppelchen essen den Mantel mit Puderzucker versauen. Einmal muss sein. Sonst habe ich am 24. das Gefühl, etwas verpasst zu haben.

DSCN2593Die meisten meiner Freunde sehen mich deswegen etwas schief an. Wahrscheinlich halten sie mich für, hm, ein bisschen spießig?, politisch unkorrekt?, oder einfach nur intellektuell nicht auf der richtigen Höhe? (Wobei der Weihnachtsmarkt am Connewitzer Kreuz erlaubt, ein Treffen dort sogar erwünscht ist. Der Weihnachtsmarkt am Connewitzer Kreuz ist politisch korrekt, weil es da nicht so voll ist -was allerdings seit ein paar Jahren nicht mehr gilt, weil es da nicht um den schnöden Mammon geht – ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass die Büdchenbetreiber da nur zum Spaß rumstehen, weil es dort nicht diesen Krempel made in China gibt –  das stimmt, weil es einfach Connewitz ist –  das ist soundso und immer das wichtigste Argument)

Ich weiß das. Ich lebe mit diesem Makel seit Jahren. Und ich wohne ja dummerweise auch noch im Zentrum. Da wird der Weihnachtsmarkt jedes Jahr zum Hindernis beim Gang zum Lebensmitteldiscounter meines Vertrauens, weswegen ich für diese Zeit lieber Umwege zu einem anderen in Kauf nehme.

DSCN2597Nun aber, da ich auch in den Blogs las, wie böse Weihnachtsmärkte sind, habe ich mir ernsthaft Gedanken gemacht. Obwohl ich ja allen Bloggern in allen Punkten zustimme, gehe ich dahin. Mindestens ein Mal im Jahr. Wenn Schnee liegt sogar öfter. Warum nur tue ich das? Was stimmt nicht mit mir?

Und dann, als ich letztens mit Kollegen da war und eigentlich schon wieder auf dem Heimweg, da trug eine Mutter ihren vielleicht Dreijährigen auf ihren Schultern an mir vorbei. Der sang leicht unverständlich, dafür aber laut, Weihnachtslieder, hatte die Arme ausgebreitet, schien geradezu zu fliegen auf seiner Mutter Schulter, und ließ keinen Zweifel daran, dass er glücklich war. Und die junge Mutter strahlte zum Glück ihres Sohnes. Und beide schrien es quasi hinaus. Unmöglich, sie nicht zu bemerken. Sich nicht anstecken zu lassen

Deswegen gibt es Weihnachtsmärkte.

Und wenn wir uns am Glühweinstand treffen, dann ist das vielleicht der Versuch, dieses Glück aus Kindheitstagen zurück zu holen, oder auch nur dieses Gefühl der Vorfreude. Das endet nicht immer gut. Aber vielleicht hilft es ja, statt sich über den billigen Kitsch in den Büdchen, den Konsum, trunkene Muttis und Elchgeweihträger zu ärgern, 10 min in die Nähe des Märchenwaldes zu stellen, oder an ein Karussell, und den Kindern IMG_20131213_132343zuzusehen. Bevor wir wir uns zum Glühweinstand durchwühlen.

Übrigens, das Große Kind schickte mir letztens ein Photo aufs Smartphone. Es zeigt die Prinzessin bei ihrer ersten Karussellfahrt. Auf dem Weihnachtsmarkt. Hochkonzentriert sitzt sie auf dem kleinen Pferdchen. Ich freue mich schon auf unseren ersten gemeinsamen Besuch.

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15 Kommentare leave one →
  1. Dezember 14, 2013 9:26 am

    „… da trug eine Mutter ihren vielleicht Dreijährigen auf ihren Schultern an mir vorbei. Der sang leicht unverständlich, dafür aber laut, Weihnachtslieder, hatte die Arme ausgebreitet, schien geradezu zu fliegen auf seiner Mutter Schulter, und ließ keinen Zweifel daran, dass er glücklich war. Und die junge Mutter strahlte zum Glück ihres Sohnes. Und beide schrien es quasi hinaus. Unmöglich, sie nicht zu bemerken. Sich nicht anstecken zu lassen … „

    Das ist es: eine einzige solche Begegnung wiegt alles auf. ja. Oder soeine. Das Kind zeigt, was wichtig ist an dem Weihnachtstrubel!

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  2. gemeinsamleben permalink
    Dezember 14, 2013 10:00 am

    Was richtig oder falsch ist, so denke ich, sollten wir selbst nach unserem eigenen inneren Kompass entscheiden. Ich schaue selbst viel zu selten auf meinen.

    Mit meinem 5-jährigen Enkelchen war ich jetzt im Saarland auf einem Weihnachtsmarkt. Kettenkarusell. Mein Gott – es ist wunderschön, welche Freude Kinder haben und zeigen können. Bevor sie sich dann allerdings eine Schaukel aussuchte, schaute sie immer nach oben um zu sehen, welches Märchenbild über dieser einen Schaukel war.

    Als sie dann „Schneewittchen“ entdecke, war es ihre Schaukel. Sie schaute mich stolz an und strahlte 🙂

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  3. Dezember 14, 2013 11:24 am

    Und ich vermisse sie … Die vollen, überteuerten Weihnachtsmärkte, mit kleinen Holzhütten, die mit tausend Lichtern in der Dunkelheit strahlen, man sich frierend an seinem nicht schmeckendem, überteuertem Glühwein festklammert und zum tausendsten Mal „Last christmas“ hört und überall Süßkram und Kitsch angeboten bekommt. Hier gibt es die so nicht … Bei den milden Temperaturen würde auch die Stimmung nicht so richtig sein. Also geh bitte einmal für mich mit über einen der vielen Weihnachtsmärkte 😉

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  4. Frau Doktor permalink
    Dezember 14, 2013 12:24 pm

    Ja ich bekenne, das es mir ebenso geht. Ein Glühwein, einmal Mutzenmandeln mit Puderzucker und den Mantel versauen, genauso und gestern haben wir sogar ein paar Kleinigkeiten für die Weihnachtstüten erstanden. Auch wenn wir sie vielleicht irgendwo hätten billiger bekommen können, es hat Spaß gemacht sie auszuwählen. Ja genau, wir sind stehen geblieben beim bunten Kinderkarussell und haben uns amüsiert, wie gut es den Kindern gefällt. Es war genauso wie hier beschrieben und es war eine gute Zeit dort 🙂

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  5. Dezember 14, 2013 6:18 pm

    also ich weiß gar nicht warum sich die Deutschen immer alles selbst schlecht reden. Ist doch toll so ein Weihnachtsmarkt. Und es wird keiner gezwungen hinzugehen geschweigedenn sich dort Glühwein zu kaufen. Ich find die immer schön, besonders wenn’s dann schon dunkel ist und alle Lichter blinken, der Geruch von Glühwein und Maronen (hat man halt auch nur 1x im Jahr) und im Hasenstädchen ist ein Teil des Weihnachtsmarktes auf Mittelalter gemacht, sogar einen Pranger gibt es da, nur bin ich grad so weit weg der Heimat ….. hier gibt es keine Weihnachtsmärkte. Ist halt typisch Deutsch. Auch das genörgel. Jeder findet es scheiße aber alle gehen hin, ich bekenne mich offen zu Weihnachtsmarktliebhaberin. So 😀

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  6. Dezember 14, 2013 6:19 pm

    Ein feiner Beitrag ist das, liebe Inch, obwohl ich zu denen gehöre, die im Dezember die Leipziger Innenstadt meiden. Dabei hätte ich es so bequem, denn ab heute fährt die S-Bahn wieder.

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  7. Dezember 14, 2013 7:21 pm

    Was sind denn bitte Kreppelchen?… Also, den großen Christkindlmarkt in der Münchner Innenstadt meide ich wie der Teufel das Weihwasser, denn der ist wirklich nur Abzocke und Leute-Verarsche. Aber so kleine, feine, wie z. B. den Künstler-Adventsmarkt an der Münchner Freiheit oder den am Chinesischen Turm im Englischen Garten, die sehen mich schon ein- oder zweimal. Da habe ich auch stets den Eindruck, daß der Glühwein mit Sorgfalt zubereitet wurde, und keine Billig-Plärre ist. Und da kann man Kinderaugen staunen und sich freuen sehen, vor allem am Stand mit den witzigen und originellen Mäusen aus Salzteig! 😀

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  8. Dezember 14, 2013 8:49 pm

    Recht hast du! Nicht bloss auf Erden sein um bald wieder zu gehen. Es gibt auch noch eine Zeit dazwischen. Die will genutzt werden.
    LG Müller

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  9. Dezember 14, 2013 10:21 pm

    Ja doch, brauchst Dich nicht entschuldigen :D. Ehrlich gesagt, ich wäre auch gegangen, wenn ich die Zeit gehabt hätte. Es gibt wahrlich unangenehmere Dinge, als sich mit ein paar Freunden oder Kollegen zusammen heiße süße Brühe reinzuziehen. Manchmal taugt die ja sogar was.

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  10. Dezember 14, 2013 11:02 pm

    Schön geschrieben. Die Welt ist bunt und so gross, dass jeder Mensch nach seiner Facon leben können sollte 😉

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  11. Dezember 15, 2013 7:16 pm

    ich vermisse die weihnachtsmärkte, seit ich keine mehr besuchen kann. da schließe ich mich itanni und barbara an. auch für mich bitte einen glühwein trinken und kreppelchen essen 😉 danke.
    die überdachten bretterkisten kenne ich nicht, was ist darin, wozu dienen sie?
    liebe sommergrüße bei 34 grad

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  12. Dezember 16, 2013 7:57 pm

    Ich war am Wochenende unterwegs, u. a. auf einem Weihnachtsmarkt ;), deshalb habe ich hier nicht prompt auf alle Kommentare antworten können.
    Aber allen, die es in alle Winde verschlagen hat, sei gesagt: Ich kann Euch verstehen! Ich war mal in Britannien auf Weihnachtsmärkten. Na immerhin. Trotzdem, wenn schon, dann hier im Deutsch-sprachigen Raum. Und Glühwein, ja, geh ich für Euch trinken. Und ich geh auch Waffeln essen und täte mich auch für noch eine Runde Kreppelchen opfern 😀

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  1. Von drauß’ vom Walde komm ich her … | ostnomade

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