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November

November 28, 2013

Kennen Sie Burgstädt? Nein?

Nun, Sie haben im Grunde nichts verpasst. Ein Städtchen, von L.E. aus gesehen, hinter Chemnitz, mit einer nicht nachvollziehbaren hohen Dichte an Hotels.

Gut, jenes, aus dessen Fenstern ich hinausschaue in Novembersonne und Novemberregen, dient als Tagungsgebäude inklusive Vollpension. Mit Einzel- und Doppelzimmern, Restaurants, unterschiedlich großen Konferenzräumen, Sauna, Fitnessraum und einer 22:00 Uhr schließenden Bar. Dieses Hotel ist auch das Ziel meines kürzlichen, erstmaligen und mehrtägigen Aufenthalts in dem Städtchen hinter Chemnitz, Konferenzräume und Bettenanzahl Grund unseres Anwesenheit. Und sicher ist es besser in Klausur zu gehen dort, wo es wenig Ablenkung gibt.

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Wen die anderen Hotels beherbergen sollen und warum, bleibt mir ein ungelöstes Rätsel.

Vom Fenster aus sehe ich immerhin eine Art Schloss. Erlaufen habe ich einen Parkplatz mit Tankstelle, Supermarkt und Klamottendisccounter. Dort, auf dem Parkplatz, traf ich auch die ortsansässige Jugend. Die stand im Novembernieselregen mit Bierflaschen in der Hand und versuchte, dem frühen Abend einen Sinn zu geben.

Es soll auch eine Art Altstadtkern geben. Ich habe ihn nicht gefunden.

Von meinem Fenster aus und auf meinen Spaziergängen präsentiert sich mir Burgstädt als trister, langweiliger Ort, eingebettet in eine triste, langweilige Landschaft.

Vielleicht hätte im Frühling alles etwas freundlicher ausgesehen,der Oktober Städtchen und Landschaft bunt-fröhlicher wirken lassen, der Winter mit Schnee alles bedecken und sogar romantisch erscheinen lassen können und der Sommer uns mit seiner Hitze die Sinne geraubt, auch die, die uns Hässlichkeit empfinden lassen.

Aber es ist November.

Der November deckt nichts zu, lässt nichts fröhlich-bunt erscheinen oder hoffnungsvoll grün. Er beschönigt nichts.

Der November an sich gilt als trist. Grau. Ungemütlich.

Im November zeigt sich Schönheit nur dort, wo Schönheit ist. Mit ihrer eigenen Kraft zieht sie uns in ihren Bann. Schönheit, da wo wirklich Schönheit ist, braucht keine Hilfe.

Vielleicht ist der November deshalb mein Lieblingsmonat.

Ja, mein Lieblingsmonat. Die feuchte Kälte, die Regenschauer, die frostige Kühle, die kahle Landschaft. Bestenfalls schickt der November uns einen alles verdeckenden Nebel. Daneben aber verweigert er sich, die Dinge schöner, bunter, freundlicher, romantischer erscheinen zu lassen. Er tut nichts, Narben zu verdecken, uns in irgendeiner Weise aufzumuntern oder die Sinne zu rauben.

Der November ist der ehrlichste Monat. Vielleicht liebe ich ihn deshalb…

… und natürlich wegen der Krähen auf den Feldern (nicht oder nur bedingt auf den Bäumen).

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9 Kommentare leave one →
  1. November 28, 2013 10:17 pm

    Der November enttarnt gnadenlos die Masken, und bringt zutage, wo Hässlichkeit und Unansehnlichkeit lediglich übertüncht wurden, oder wo angeblich schmückendes Beiwerk davon ablenken soll… Irgendwie ist es auch der Monat, in dem man am ehesten dazu tendiert, einmal in sich zu gehen, und nachzuschauen, wo bei einem selbst die Tünche und der Tand so manch unschöne Stelle überdecken… 😉

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    • November 28, 2013 10:21 pm

      Kann sein. Und dann ist also der Grund, dass so viele Menschen ausgerechnet im November depressiv werden, darin zu finden, dass man bei sich selbst unter Tünche und Tand schaut

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  2. November 28, 2013 11:00 pm

    November ist klasse. Deine Schilderung ebenfalls 😉

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  3. gemeinsamleben permalink
    November 28, 2013 11:37 pm

    „Schönheit, da wo wirklich Schönheit ist, braucht keine Hilfe.“

    Das hast du “ s c h ö n “ gesagt.

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  4. November 28, 2013 11:50 pm

    Ich kenn Burgstädt. So schlimm war es nie.

    Die Hotels wurden für all die Touristen und Wissenschaftler gebaut, die zu den massenweise stattfindenden Messen und Kolloquien im nahen Chemnitz strömen und in den sehr wenigen , oft auch noch sehr kleinen Hotels jener Stadt nicht unterkommen konnten 😉

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    • November 29, 2013 6:18 pm

      Burgstädt ist ja nur ein Beispiel, wie Sigrid im nächsten Kommentar ganz richtig andeutet, austauschbar. Und zufällig ausgewählt, weil ich halt zufällig dort war. Warum man Hotels „baut“ für Messen, die dann nur mit dem Auto zu erreichen sind (Chemnitz) erschließt sich mir nicht. Fehlte nur noch, dass da Ökologen tagen, in Chemnitz, und in Burgstädt logieren. 😉

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  5. November 29, 2013 8:29 am

    Also eines muss ich jetzt mal richtig stellen: Von L.E. kommend liegt Burgstädt noch vor Chemnitz. Aber ansonsten gebe ich Dir Recht. Es ist wirklich nicht gerade schön, Dass es dort aber so viele Hotels gibt habe ich nicht gewusst. Also dirket vor der Haustür noch etwas gelernt.
    Der Altstadtkern besteht aus zwei Miniplätzen mit Rathaus und Kirche (Markt und Brühl) und sieht im Novembergrau wahrscheinlich wirklich trostlos aus.
    Das Schicksal vieler Kleinstädte – wahrscheinlich nicht nur in Sachen.

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    • November 29, 2013 6:16 pm

      Siehste, so ist das, wenn man im Bus hingekutscht wird. Aber Reisen bildet ja, wenn manchmal auch erst im Nachchinein. Obs mir nützt, ist fraglich. Denn nach Burgstädt muss ich nicht noch mal 😉

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