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Wandertage

November 4, 2013

31. Oktober, Reformationstag, Feiertag in Sachsen. Ein Donnerstag. Was liegt da näher, als den folgenden Freitag wörtlich zu nehmen und vier Tage in die Sächsische Schweiz zu fahren.

Abklettern. Vier Tage lang.

Doch ich bin nicht mit den Kletterkumpels unterwegs, sondern mit den anderen. Statt auf die Hütte fahre ich mit ein paar Freunden zur Ostrauer Mühle. Statt Matratzenlager und Selbstversorgung an der Elbe  also Pension mit Frühstück an der Kirnitzsch.

Als mir aufgefallen ist, dass sich die Termine überschneiden, war es zu spät, die Pension gebucht und überhaupt.

Ist ja auch mal schön, vier Tage zu wandern, statt zu klettern und vielleicht und gar am Fuße einer Wand zu frieren. Oder auf dem Gipfel. Und ehrlich, wenn man immer so auf die Hütte fährt, weiß man gar nicht, was es sonst so noch an Unterkünften gibt. In der Sächsischen Schweiz.

Am Zeltplatz Ostrauer Mühle bin ich schon gefühlte Tausend Mal vorbei gefahren, dass es da eine Pension gibt, wusste ich gar nicht. Und die dazu gehörige Kneipe Flößerstube kannte ich auch nicht. Sind wir nämlich sonst im Kirnitzschtal oder in der Nähe, kehren wir in der Neumannmühle ein. Oder im Zeughaus.

Pension und Zeltplatz sind ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen. Schrammsteine, Affensteine, Kuhstall, Zeughaus, alles ist zu Fuß zu erreichen, wenn es auch ein paar Stunden dauert.

Der Donnerstag begrüßte uns mit herrlichstem Herbstkletterwetter.

Wir wanderten über die Hohe Liebe zu den Affensteinen,  kletterten die moderate Rotkehlchenstiege hinunter und die Heilige Stiege wieder hinauf, genossen die Aussicht vom Carolafelsen und von der Affensteinpromenade und wanderten über die wilde Hölle zurück ins Kirnitzschtal zum Forsthaus.

Dabei erlebte ich merkwürdige Dinge.

Die Hohe Liebe zum Beispiel, da bin ich ja sonst nur am Totensonntag, habe ich noch nie so menschenleer gesehen. Und dass da ein Buch liegt, ist mir bisher auch entgangen. Und dann war der Reitsteig gar nicht da, wo ich ihn vermutete. Auf der aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts stammenden Karte eines Freundes war sie aber noch eingezeichnet. Auf der neueren Karte eines anderen Freundes war der Weg etwas kürzer, schien aber nach einem kleinen Umweg erreichbar. Auf der ganz neuen Karte eines 3. Freundes schließlich war der Reitsteig noch weiter geschrumpft und nur über einen größeren Haken zu erreichen.

Und so oft ich schon in der Sächsischen war: Mit der Kirnitzschtalbahn bin ich das letzte Mal vor vielleicht 20 Jahren gefahren!  Nun aber endlich war es soweit: Vom Forsthaus aus fuhren wir, nachdem ich ihr am Morgen schon neidisch hinterher geschaut hatte, zurück zur Pension. Ziemlich angeschlagen. Das ewige Stufengesteige, vor allem bergab, hatte meinem Rücken gar nicht gut getan, ein Freund hatte Fuß und ein anderer war einfach kaputt.

Also sollte es am Freitag gepflegt zugehen. Mit dem Auto nach Hrensko in Tschechien, gemütlich hoch zum Prebischtor wandern, dann zurück in die Klamm der Kamenice, durchwandern, ein Stück mit dem Kahn fahren, weiter wandern, Knobisuppe Spezial und Schweinebraten mit Knedli im Lieblingslokal in Hrensko.

Ich muss sagen, auch auf breiten Wanderwegen ist das bergab laufen mit Rücken ziemlich ungesund und wie steil es hinab in die Klamm geht, hatte ich irgendwie verdrängt. Ging aber gut, ich fand einen Schongang… und wurde am nächsten Tag mit Muskelkater belohnt an Stellen, an denen ich gar keine Muskeln vermutet hätte.

Nachdem die Sonne sich schon am Freitag verabschiedet hatte, war es am Samstag noch feuchter. Es schauerte gar zwei Mal. Und da auch Freunde mit waren, die das erste Mal in der Sächsischen waren, einer  Magen hatte, ich besagten Muskelkater, verzichteten wir auf die ursprüngliche Idee, die etwas anspruchsvolleren Hentschel- und die Zurückestiege zu „machen“.

Stattdessen wanderten wir über den Flößersteig zum Kuhstall.

Aber Hallo! Auf dem Flößersteig war ich noch nie. Und was wie ein gemütlicher Spaziergang klang, entpuppte sich im ersten Drittel doch als zumindest Konzentration verlangend. Am Kuhstall dann kann man nicht nur einkehren, sondern auch die Aussicht genießen, die Himmelsleiter hochstapfen und noch mehr Aussicht genießen, durchs Schneiderloch zur nächsten Aussicht krabbeln und  ein bisschen über Blöcke im Kreis rennen.

Dann ging es durch den wunderschönsten Herbstwald hinab ins Kirnitzschtal und am Fluß entlang zum Lichtenhainer Wasserfall, wo man wieder vortrefflich einkehren kann, was wir auch taten, bevor die Bimmel uns zurück ins Quartier trug.

Die große abschließende Sonntagswanderung vermasselte uns dann das Wetter. Aber ehrlich mal, so ein zu Hause auf dem Sofa verbrachter Sonntagnachmittag hat auch was.

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11 Kommentare leave one →
  1. November 4, 2013 8:19 am

    Fantastisch all diese sprechenden Orts- und Landschaftsnamen.
    Ein toller Bericht und tolle Fotos.
    btw: Zu der Penzion Lugano in Hrensko fällt mir gleich der superleckere Palatschinken ein…

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    • November 4, 2013 7:17 pm

      Oh, Palatschinken hatte ich als Dessert. Weil ich schon satt war, habe ich das Dessert geteilt. Was für eine dumme Idee!!!

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  2. November 4, 2013 9:08 am

    Tolle Fotos, aber Spazierengehen sieht anders aus 🙂 Für uns wäre es dann schon einige Grad zu schwierig gewesen, aber die Natur, einfach genial.

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  3. November 4, 2013 11:31 am

    Mit diesen Wegen wären mein Rücken und meine Füße so gar nicht einverstanden gewesen – leider, leider… Dabei bin ich früher eine passionierte Bergwanderin gewesen…
    Aber dank deines schönen Berichts durfte ich wenigstens virtuell ein klein wenig mitwandern. 😉

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  4. November 4, 2013 5:21 pm

    Großartig, voll der Märchenwald in Kamenice und am Falkenstein siehts beinahe aus wie ein kleines Monument Valley, nur dass die Umgebung sehr viel grüner ist.

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    • November 4, 2013 7:19 pm

      Du meinst sicher die Aussicht von oben auf den Falkenstein. Ja, das ist mein Lieblingsblick. Dieser ist vom Carolafelsen aus. Aber es gibt noch andere Gibbl, von wo aus man dieses Motiv sehen kann

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  5. November 4, 2013 7:25 pm

    Schöne Momente in Digital.

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  6. November 5, 2013 1:35 am

    Das war aber schon „Hardcorewandern“ – alle Achtung! Schöne Landschaft – fantastische Bilder!

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  7. November 5, 2013 8:50 am

    Ach, hach…! Seit so vielen Jahren will ich da mal wieder hin, und immer liegt es soweit ab von unserer Reiseroute. Ich glaube, wir müssen das unbedingt mal einplanen…!

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