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200 Jahre Völkerschlacht bei Leipzig

Oktober 22, 2013

oder Wie begeht man ein Jubiläum?

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Wenn man in Leipzig geboren wurde und die meiste Zeit seines Lebens auch dort gewohnt hat, kommt man an der Völkerschlacht nicht vorbei. Die größte Schlacht der Menschheit bis zu den Weltkriegen. 600000 Soldaten standen sich dort gegenüber. Mehr als 100000 Tote. Für die Stadt, die 1813 gerade mal 32000 Einwohner zählte, und die umliegenden Dörfer eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes. Die Zerstörung, die Plünderungen, die der Schlacht folgenden Seuchen. Selbst wenn man sich nicht für Geschichte interessiert, kommt man an der Historie nicht vorbei. Straßennamen, Apelsteine, Monarchenhügel, Gedenksteine. So vieles erinnert an die entscheidende Schlacht gegen Napoleon. Die Russische Kirche. Und natürlich das Völkerschlachtdenkmal.

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Das wurde 100 Jahre später gebaut. Und selbst, wenn man sich nicht mit der Vergangenheit auseinandersetzen mag, kommt es einem irgendwie falsch vor. So trutzig, so national, so dunkel, so viel zu groß. Der größte Denkmalsbau Deutschlands. Die meisten Leipziger haben ein ambivalentes Verhältnis zu diesem Wahrzeichen ihrer Stadt. Jeder stand schon mal oben, hat den Weitblick genossen. Führt man aber Besucher auf dieses must seen, schwingt immer so ein leichter Unterton von Unbehagen mit. Denn als das Denkmal gebaut wurde, das ist ganz klar, dachte wohl niemand an ein Mahnmal. Ganz im Geiste des Nationalismus und Patriotismus sollte es eher daran erinnern, wie man es den Franzosen gezeigt hatte. Wie man sie aus Deutschland hinausgefegt hatte. Die Franzosen, gegen die nur ein Jahr später wieder junge Deutsche Fahnen schwingend in die Schlacht zogen. Vielleicht ist dieses Unbehagen der Grund, weshalb wir heute gern lustige Feste am Fusse des Kolosses feiern. Vielleicht wollen wir ihm damit etwas von seinem Teutschen Trutz nehmen.

Wie geht man mit diesem Erbe um?

Wie erinnert man gebührend an dieses Massenschlachten?

Die letzte große Königsschlacht. Die entscheidende in den Befreiungskriegen. Befreiungskrieg? So hörte ich in diesen Tagen, 200 Jahre nach der Schlacht. Beferiungskriege? Von wem wurde denn wer befreit? Sachsen stand, jedenfalls im Herbst 1813, auf Napoleons Seite. Und auch wenn man die Völkerschlacht als Beginn der Nationalstaaten bezeichnet, ging es nach dem entgültigen Sieg gegen Napoleon erst mal weiter wie gehabt. Die Monarchen aus Russland, Schweden und Österreich kehrten in ihre Länder zurück, Preußen wurde mächtiger denn je und der Sächsiche König kehrte nach zweijähriger Gefangenschaft in Preußen nach Dresden zurück, wo er jubelnd empfangen wurde und in Ruhe weiter regierte. Und Leipzig erholte sich wohl wider aller Erwartungen.

Das 200jährige Jubiläum der Schlacht wurde in Leipzig mit einer Festwoche begangen. Gottesdienste, Kranzniederlegungen, Schweigeminuten, Reden, Podiumsdiskussionen, Ausstellungen, Biwaks und die Nachstellung der Schlacht.

Biwaks und Schlachtnachstellungen finden, soweit ich weiß, seit 1987 statt. Ich kann mich gut daran erinnern. Vor 25 Jahren biwakierten etwa 300 als Soldaten verkleidete Männer direkt am Völki. Von der Schlacht habe ich nichts mitgekriegt. Im Biwak aber einer, der den Dienst an der Waffe verweigert hatte. In der DDR den Dienst an der Waffe zu verweigern, erforderte viel Mut. Hatte man nicht die Kirche im Rücken, durfte man mit Gefängnisstrafen rechnen. Ich habe damals nicht verstanden, wie so jemand sich dann ein Wochenende in eine Uniform schmeißt und Soldat spielt. Ich verstehe es heute noch nicht.

Denn, ja, ich gehöre auch zu denen, die den Mitgliedern solcher Vereine einen latenten Militarismus unterstellen. Ohne ihnen das Interesse für Geschichte abzusprechen. Und natürlich ist es, da gebe ich der Schriftstellerin Sabine Ebert Recht, besser, eine Schlacht nachzustellen, als nach Afghanistan zu ziehen.

Ich geb zu, ich bin ein Fan gelebter Geschichte, neudeutsch living history genannt. Ich sehe mir zum Beispiel gern Freilichtmuseen an, so eine Zusammenstellung alter Bauernhäuser, oder antiker Stätten. Aber noch schöner ist das immer, wenn da hie und da ein paar Leute verkleidet rumwuseln und das dazu passende Leben imitieren. Ich liebe Mittelaltermärkte. Und obwohl ich ja auch erwachsene Menschen, die in ihrere Freizeit als Ritter oder Indianer rumrennen, ein bisschen für Gaga halte, schmiss ich mich und die Familie ohne zu zögern in die vorgeschriebene grobmaschige Kleidung, als ich mal auf die Runneburg zum mittelalterlichen Essen durfte.

Natürlich weiß ich, dass das wenig bis gar nichts mit dem echten Leben zu tun hat, dass da romantisiert wird, was das Zeug hält. Und als ich im Wohnturm der Runneburg stand, wohin sich alles im Winter verzog, und lernte, dass da die Fensterlöcher zugenagelt wurden, wusste ich, wie glücklich ich mich schätzen darf, im 20. Jahrhundert geboren zu sein. Die Enge mittelalterlicher Städte, eine Ahnung vom Gestank und Schmutz aber bekam ich, als ich in Mary King’s Close unter Edinburgh hinabstieg.

Schlachten aber, Schlachten habe ich nie gesehen. Wiewohl sie seit 25 Jahren jährlich hier stattfinden. Also die Nachstellungen.

Ich hörte davon. Einmal nahm mein Vater einen damals recht kriegssüchtigen Neffen mit zu so einer Nachstellung. Der Kleine erschreckte sich so nachhaltig beim Kanonendonner, dass er es in späteren Jahren vorzog, Zivildienst zu leisten. Den Wunsch, Terroristen zu bekämpfen, legte er wohl schon beim Kanonendonner ab.

Einmal sah ich eine berittene Einheit auf Friesen Richtung Stadt reiten. Ich hatte so eine erkleckliche Anzahl von dieser Pferderasse noch nie live gesehen und war begeistert von den Riesen.

Nun aber, zur 200-Jahrfeier, war die Zeit reif, mir das Spektakel anzusehen. Immerhin sollte es größer und spektakulärer werden als alles bisher gezeigte. Über 6000 Darsteller nahmen teil. Das „Schlachtfeld“ maß 50 Hektar. Und nachdem mich ein paar Freunde recht schief angesehen haben ob meines Vorhabens, war ich froh, inmitten der mehr als 30000 Zuschauer Freunde zu treffen.

Vorher aber, am Samstag, zog es mich zum Völkerschlachtdenkmal. Im Park sollte es laut MDR ab 13:00 Uhr eine Vorstellung des Theaters Titanik geben. So richtig mit Bühne und vielen Nebenschauplätzen im Park. Das Grauen des Krieges und die Albträume der Soldaten sollten dargestellte werden

Ein sonniger Samstag, ich radelte voller Vorfreude in den seltsam menschenleeren Park, nur, um zu erfahren, dass die Vorführung erst 20:00 Uhr beginnt. Die Idee, stattdessen auf das Denkmal zu steigen, verwarf ich beim Anblick der langen Schlangen am an diesem Tag kostenlosen Einlass. Aber in der ganzen Stadt ist was los, da finden sich Alternativen. Ich verlasse sie radelnd Richtung Süden und fahre nach Liebertwolkwitz. Unterwegs wirbt ein Bierausschank mit einem berühmten Ausspruch sächsischer Soldaten.

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Nur leider leicht geschichtsverfälscht. Denn dieser Satz ist nicht durch bewaffnete Landsleute, die „für die Franzosen kämpfen mussten,“ verbürgt, sondern wird vielmehr dem siebenjährigen Krieg zugeschrieben. Damals soll Friedrich der Große an seinen sächsischen Untertanen verzweifelt sein, weil die mit den Worten „ohne Gaffee gönn mer nicht gämpfn“ den Waffeneinsatz verweigerten. Der Preußische König beschimpfte sie daraufhin als Kaffeesachsen, was sie nicht weiter störte, denn ausgiebige Kaffee- und Kuchengelage waren den Sachsen bekömmlicher als der Aufenthalt auf den Kriegsschauplätzen Europas. Dort hatten sie nämlicheigentlich immer ordentlich auf die Mützen gekriegt oder kämpften auf der falschen Seite. Zum Beispiel eben in den Napoleonischen Kriegen, wo sie bei den Schlachten bei Jena und Auerstedt zunächst an Preußens Seite fochten und gegen Napoleon verloren. Sieben Jahre später, eben 1813, kämpften sie an Napoleons Seite und waren Verlierer in der Völkerschlacht bei Leipzig.

In Liebertwolkwitz soll es ein Dorf 1813 geben. Die Schlangen reichen bis zur Kreuzung. Da ist noch nicht mal der Eingang zu sehen.

Nö.

Ich fahre zur Kuhweide und lande in einem Biwak. Briten sind hier und Preußen und Sachsen. Wobei, nicht jeder Brite ist tatsächlich Brite, aber es sind auch echte da. Ähnlich verhält es sich mit den Sachsen und den Preußen. Leider gibt es gar keine, wirklich gar keine Pferde zu sehen. Die „Soldaten“ wohnen in Leinenzelten, kochen ihr Essen über dem Feuer und als ich in so ein Zelt rein lunze, sieht es tatsächlich so aus, als würden die nur in Decken schlafen. Ich vermute aber stark, Isomatten und Schlafsack sind gut versteckt. Es gibt Marketenderinnen und Bauern. Ein paar „Preußen“ stopfen große Hülsen für die Kanonen mit irgendetwas. Als ich mir das angucken will, werde ich gebeten, Abstand zu halten. Das sei gefährlich.

Wie jetzt? Ich dachte, das ist eine Nachstellung? Schießt man da  nicht mit Platzpatronen?

Da sich die Familie bis jetzt noch uneins ist, wie man eigentlich zum „Schlachtfeld“ gelangen soll, radle ich Richtung Wachau und schaue mir mal die Gegebenheiten an.

Es ist riesig. Es wird schon fleißig geübt. Reiter und Fußvolk und Offiziere und Leute, die gelangweilt auf ihren Einsatz warten. Alle sind ganz bunt und haben riesige Hüte und Püschel oben drauf. Ich habe keine Ahnung, wer wer ist und frage mich, wie die damals, vor 200 Jahren, den Überblick behalten konnten. Hatten die ein Fach Uniformkunde? Oder haben die auf alles eingehauen, was ihnen in die Quere kam? Ich vermute ja letzteres.

Am Ende lande ich im Biwak im Süden der Stadt. Franzosen, Italiener, Russen, Polen, Sachsen, Sachsen, die eigentlich Norweger sind, Russen und Franzosen, die eigentlich Deutsche sind, Australier, Baschkieren (die schossen mit Pfeil und Bogen und waren treffsicherer als ihre Kollegen mit den Flinten), Österreicher, Schweden, Bayern, Tschechen…  Die Darsteller kommen aus 26 Ländern.

Und dann am Sonntag die Schlacht.

Was soll ich sagen?

Muss man nicht noch mal haben.

Erstens war die Organisation verbesserungswürdig. Über 30000 Zuschauer sollten durch 3 Eingänge (in Worten: drei) aufs Gelände gelangen. Wir standen 90 Minuten in einer engen Straße, noch mehr standen hinter uns. Die Veranstaltung begann mit 90 minütiger Verspätung. Gesehen haben wir nichts.

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Anfangs. Mir gelang es mal, mich in die 4. Reihe vorzudrängeln, das eigentliche Geschehen aber fand weit rechts von uns statt und die Sicht dahin versperrten nicht nur ein paar tausend Köpfe sondern auch Fressbuden, die man direkt ans „Schlachtfeld“ gebaut hatte. Sehr schlau. Wirklich. Später schafften es das Große Kind und ich auf eine Bank. Aus so erhöhter Position konnten wir zumindest ab und an zum Kulissendorf schauen. Und die Zuschauer beneiden, die einfach durch den Wald gestapft waren, die Planen runtergerissen hatten und sehr bequem von der anderen Seite aus zu guckten. Die Brücke dagegen, von der der Moderator ständig sprach, erkannte ich erst auf den Fotos.

Muss man nicht noch mal haben. Aber einmal sollte man schon hin, wenn man sich für Geschichte, für diese Geschichte, interessiert. Denn der Moderator erzählte interessante Details. Erschreckende Details. „Krieg ist kein Spiel,“ mahnten Demonstranten die Besucher am Zugang zur Weinteichsenke. Stimmt. Und wer es bis dahin noch nicht begriffen hatte, begriff es vielleicht, während er dem nachgestellten Gemetzel zuschaute. Das wäre jedenfalls meine Hoffnung.

Und es bleibt die Frage, was das für Menschen sind, die sich in ihrer Freizeit in folkloristische Uniformen schmeißen und Gewehre und Kanonen nachbauen, wiewohl ich weiß, dass es genau diese Menschen sind, die Geschichte greifbar machen und jenen, die Büchern und Museen eher abneigend gegenüberstehen, einen Zugang zur Historie ermöglichen und vielleicht sogar zum Lesen und Museumsbesuch motivieren.

Scheint so, als gäbe es in der Beantwortung dieser Frage kein schwarz und weiß. Man kann dagegen sein. Oder dafür. Oder keine Antwort parat haben. Ich gehöre zu letzteren.

Und  selber muss ich mich natürlich fragen, was  ich davon halten würde, wenn Leute auf die Idee kämen, die Grabenkriege des 1. Weltkrieges nachzustellen? Oder Stalingrad? Den Kampf um Berlin? Wenn statt der bunt uniformierten und bemützten Püschelträger hier Leute in SS- und Wehrmachtsuniformen auflaufen und gegen als Rotarmisten verkleidete Hobbysoldaten schaukämpfen würden. Die, die hier heute durch die Weinteichsenke marschieren halte ich für ein bisschen Gaga, die anderen wären völlig untragbar.  Wieso also toleriere ich die Nachstellung einer 200 Jahre zurück liegenden Schlacht, indem ich mir das „ein Mal ansehe“?

Wer mag, kann sich viele Fotos in meinen Picasa Alben ansehen.

200 JahreVölkerschlacht bei Leipzig 19. Oktober 2013
200 Jahre Völkerschlacht bei Leipzig, Nachstellung
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21 Kommentare leave one →
  1. Oktober 22, 2013 10:16 pm

    Chapeau für deinen Beitrag! Klasse!
    In der Zukunft, wenn genug Gras über die Gräber gewachsen sein wird, werden sicher auch neuere Schlachten nachgestellt.

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    • Oktober 23, 2013 12:05 am

      Neuere Schlachten spielt man heute nicht im Freien nach, das wäre zu aufwändig und nicht realisierbar. Für neuere Schlachten benötigt man PC, Playstation oder X-Box, da kann man dann auch Panzer fahren und Raketenwerfer abfeuern.

      Das Gras über den Gräbern ist schon lange ein Wald…wo lebst Du?

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  2. Oktober 22, 2013 11:57 pm

    Großartiger Beitrag, vor allem der letzte Absatz hat mir sehr zu denken gegeben, denn ich wäre sicherlich auch da hingegangen, allein schon wegen der Motive reizvoll, ähnlich wie Mittelaltermarkt und Ritterspiele oder dieses Cosdingens mit den verkleideten Animefiguren (nebenbei bemerkt, tolle Fotos).

    Ich hätte mich auch vorher gefragt ob das sein muss, ob man das durch seine Anwesenheit auch noch unterstützen sollte, ich wäre mit einem flauen Gefühl im Magen gegangen, aber ich wäre gegangen, denn ich halte den größten Teil der Leute für harmlos, gaga halt, läuft gerne in alten Kostümen herum und spielt alte Schlachten nach. Auch nichts anderes als Ritter und Prinzessin, nur mit Bumm Bumm.

    Hat sich leider gezeigt, dass nicht alle nur gaga sind, zumindest einer musste unbedingt seinen rechten Arm heben, was natürlich bedauerlicherweise die ganze Veranstaltung ins rechte Licht rückt und damit wären wir wieder beim flauen Gefühl im Magen….

    Für die meisten Anwesenden dürfte das nur ein historische Spektakel sein, zartere Gemüter werden vielleicht (ich weiß nicht wie realistisch das ist) abgestoßen und in ihrer Meinung über die Grausamkeit eine Krieges bestätigt, aber es wird sicherlich auch viele geben, die aus ganz anderen Gründen davon angezogen werden. Und beim Anblick von steifen Armen raste ich schnell aus.

    Nee, ich bleib doch lieber weg da, ich kann mir ja Deine Fotos ansehen. Sehr ambivalent halt das alles…

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    • Oktober 23, 2013 12:00 am

      Ist ähnlich wie der Schlagermove in Hamburg, da gibt es für Fotografen zwar Motive ohne Ende, ist aber mindestens so grausam wie Krieg, deswegen war ich da auch noch nicht :D.

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    • Oktober 23, 2013 5:32 pm

      Ja, das mit dem Gruß ist wirklich ärgerlich dahingehend, dass es jede vernünftige und sachliche Diskussion über diese Art Veranstaltungen zunichte macht. In dieser Hinsicht. Im Übrigen gebe ich Dir Recht: Mir schwillt da auch der Kamm.

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  3. Oktober 23, 2013 12:49 am

    Nein, mit dem Säbelgerassel habe ich es nicht, obwohl am Ende der Schlacht sich Napoleon und Blücher die Hand gegeben haben.
    Liebertwolkwitz war gut. Ich war allerdings am Donnerstag schon da. Da war noch Platz im Dorf, um sich alles in Ruhe anzusehen, die Museumsscheune, die Ausrüstung eines Wundarztes, die Führung mit den Pastor, der erzählte was im Kirchenbuch von 1813 vermerkt war, … In der Schmiede wurde aus einem Schwert eine Pfugschar geschmiedet. Und wenn von den Besuchern das auch nur einige erreicht, ist es eine gute Geschichtsstunde gewesen. Ich fand es gut, dass ein Dorf sich selbst spielt vor 200 Jahren. Ich finde es auch gut, dass es Menschen gibt, die in Kostüme schlüpfen. Ich halte die nicht für gaga oder so. Es gibt Menschen, die ihre Nase nie in ein Geschichtsbuch stecken, die sich weder für die damalige noch für die heutige Geschichte interessieren. Vielleicht wird doch etwas deutlich wie sehr die lange Friedenszeit in Europa zu schätzen ist.
    Deutschland ist einer der größten Waffenexporteure, beteiligt sich militärisch an Auslandseinsätzen. Das halte ich für schlimm und für etwas, worüber man sich so richtig aufregen sollte.

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    • Oktober 23, 2013 7:57 am

      Glück natürlich für jeden, der da an einem Wochentag hingehen kann. Ich, die ich in „Lohn und Brot“ stehe, kann das leider nicht. Und da ich die ersten drei Tage der letzten Woche auch noch in Meißen verweilen durfte, häufte sich die Arbeit am Donnerstag auf meinem Schreibtisch. Die galt es bis Freitag abzubauen, was in zwei Mal acht Stunden kaum zu schaffen war.

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      • Oktober 23, 2013 8:02 am

        Ach zu den Kostümen. Wenn das ein Mal im Jahr passiert oder alle paar Jahre wie zum Beispiel auf so Festumzügen, ist das völlig ok. Es gab ja auch bei der Schlachtnachstellung genügend Leute, die direkt angeheuert wurden als Kleindarsteller. Sogar das Arbeitsamt soll Leute geschickt haben (also Arbeitssuchende). Ich rede von denen, die sich nahezu jedes Wochenende in Kostüme schmeißen, egal ob sie sich als Indianer verkleiden, als Biedermeier oder Ritter oder Soldat, als Katze oder Trickfilmfigur. Tut mir leid, die halte ich ein bisschen für Gaga, größtenteils auf eine liebenswerte Weise für Gaga, aber eben Gaga

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        • Oktober 23, 2013 8:48 am

          Ist nicht jedes Hobby, das einen gewissen Rahmen überschreitet, ein bißchen gaga? 😉 Ganz gleich ob jeden Tag, jedes Wetter fanatisch auf dem Fußballplatz oder das Auswendigkönnen der Briefmarkenproduktion der letzten 200 Jahre? 😉 Ich bin auch schon – mal – als Ork verkleidet durch den Walöd gerannt. Das mag für manche so gaga sein, wie für mich Briefmarkensammeln, ist aber auch nur ein Hobby. Ich möchte das auch nicht jedes Wochenende machen, aber auch sonst wäre ich damit wohl nicht gleich Militarist oder Kriegstreiber oder sonstwas . Mir ist aber durchaus bewußt, daß bei den Reenactern der Übergang möglicherweise fließend ist, und bei „moderneren“ Kriegen oder gar Hakenkreuzen wäre mir auch sehr unwohl… danke für den Bericht mit den schönen Fotos und das Anregen zum Nachdenken 🙂

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  4. Oktober 23, 2013 1:20 am

    Gute Frage (in Deinem letzten Absatz)! Warum die alten Schlachten durch monströse Aufführungen verklären aber die neuerer Geschichte? Nun, wahrscheinlich ist es allein schon deshalb unmöglich, Stalingrad nachzustellen, da der Verdacht der Nazi-Anhaftung hochkäme und andererseits – wer darf schon ungestraft mit einer Nazi-Uniform mit Hakenkreuz herumlaufen? Geht also nicht. Mahnmale sind für mich o.k. aber kein Laienspektakel über das Abschlachten von Hunderttausenden Menschen.

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  5. Oktober 23, 2013 10:15 am

    Klasse Beitrag, indem Du die richtigen Fragen stellst und beantwortest.
    Meiner Meinung nach muss man nicht nachspielen wie 100.000 Menschen unter den schlimmsten Bedingungen zu Tode kamen und das ganze als Freiheitskampf glorifizieren.
    Die Bilder die von Dir gesehen habe sind trotz allem sehr interessant.

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  6. Oktober 23, 2013 10:51 am

    Die Schlange lange vor dem Völki galt dem Fahrstuhl nach oben. Wenn man die Treppe genommen hat kam man ohne Umstände rein.
    Es hätte sich für dich absolut gelohnt Abends doch noch einmal in den Park zu fahren. DIe Show von Theater Titanick war ein gruseliger Märchenwald für Erwachsene. Ich bin immer noch begeistert.

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    • Oktober 23, 2013 5:34 pm

      Ach Menno. Die langen Schlangen haben mich so abgeschreckt, dass ich da gar nicht erst hin und mir das von Nahem angeguckt habe. Den Fahrstuhl hatte ich gar nicht auf dem Schirm, weil ich den nie benutze.
      Und das ich im Park was verpasse, war mir so was von klar. Leider hatte ich abends andere Verpflichtungen. Mist

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  7. Oktober 23, 2013 10:39 pm

    Das erste Foto ist großartig!
    Menschen, die so gut wie regelmäßig Krieg spielen, halte ich ebenfalls für gaga. Diejenigen, die sich darum bemühen, einmal im Jahr – oder eben alle Jubeljahre einmal – ein kriegerisches Ereignis von historischer Tragweite nachzustellen allerdings nicht. Ich denke, dass diese weitaus mehr davon ergriffen sind, Geschichte begreiflich zu machen, als Krieg und Waffengewalt zu verherrlichen…
    Obwohl das Nachspielen einer gewaltigen Schlacht nicht wirklich einen Beitrag zum Pazifismus leistet – siehe die USA. Dort zelebriert man förmlich Jahr für Jahr etliche Schlachten aus dem Unabhängigkeits- und Bürgerkrieg – und dennoch…

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    • Oktober 24, 2013 8:29 am

      In den Kommentaren wird auffallend oft der Begriff „historisch“ gebraucht. Historisch an der derlei Veranstaltungen sind allenfalls das Datum, und in diesem speziellen Fall das Aussehen der Uniformen. Die Nachstellung historischer Schlachten ist bestenfalls folkloristischer Natur. Historiker halten sich an Schriftquellen, die zumindest sinnlich abstrakt sind. Niemand weiss wirklich, wie alte Schlachten abgelaufen sind (Krach, Gestank, Gefechtspausen, Leiden, Ernährung etc.). Schlachtengemälde gibt es seit der Renaissance. Und Gemälde als historische Quellen sind ein sehr kompliziertes Thema und geben nicht wirklich Auskunft darüber, „wie es damals wirklich gewesen ist“.
      Dass es für Darsteller wie Zuschauer dennoch mit Freude verbunden ist spricht nicht gegen die Nachstellung alter Schlachten, man sollte jeodch beachten, dass sie kein brauchbares Wissen über historische Realitäten vermitteln.
      Schöne Grüsse vom Schwarzen Berg

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    • Oktober 25, 2013 4:37 pm

      Das erste Foto, finde ich auch, ist mir ganz prima gelungen. Es gefällt mir selber so gut, dass das Bild es nach der Wohnungsrenovierung an eine Wand schaffen wird. 😀

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  8. Oktober 25, 2013 3:47 pm

    Also nachdem ich hier die Kommentare gelesen habe, möchte ich kurz meine Einstellung zu diesem Hobby schildern und vielleicht etwas klarstellen.
    Ich bin eherenamtlich in 2 Museen tätig, mache auch Führungen, besonders gerne für Kinder.
    Ebenso arbeite ich ehrenamtlich für die Denkmalämter/Archäologie (hier besonders die Schlachtfeldarchäologie).
    Daneben wird die Forschung groß geschrieben und deshalb ist das für mich mit ein Grund, bei einer guten Truppe mitzumachen um “ein wenig“ die Materie von der praktischen Seite mitzubekommen. Man bekommt zusätzlich wertvolle Informationen.
    Die Uniformen (das Wort “Kostüme“ erinnert mich an unsere Fastnacht) werden nach historischen Schnitten gefertigt, teils von Hand genäht. Ebenso die Ausrüstung. Jahrzehnte der Forschung waren dafür notwendig.
    Das Wort lebendige Geschichte findet man gerne auch bei Römergruppen, Mittelalter…etc. da ist der Bergriff von Kriegsspielerei nie ein Thema. Es wird sich mit dem Schwert fast die Rübe abgehauen, aber die Kinder freuen sich und klatschen Beifall.
    Nie habe ich einen rechten Hintergedanken bei irgendeinem Darsteller mitbekommen, ganz im Gegenteil. Das Geschichtswissen von vielen geht weit über das ZDF Guido Knopp Wissen der heutigen Medien/Masse hinaus. Das haben auch viele Zuschauer erfahren, die einem Löcher in den Bauch gefragt haben. Aber ich liebe das.
    Bei 6000 Darstellern einen Depp zu finden, der den Arm hebt….er wird sicherlich gefunden werden und sein Fett abbekommen. Aus Deutschland kommt er sicherlich nicht. Vielleicht ein Verwandter von Prinz Harry 🙂
    Als Wessi bin ich begeistert von der Gastfreundschaft. Meinen Familienurlaub im Sommer hatte ich bereits in Dresden gemacht.

    Gruß von einem Franzosendarsteller….

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    • Oktober 25, 2013 4:35 pm

      Hallo Lachaussee!
      Finde ich Klasse, dass Du Dich hier quasi als „Betroffener“ zu Wort meldest und Deine Position klar stellst. Danke, das bringt etwas Ausgewogenheit in die Diskussion. Wie Du ja in meinem Beitrag lesen konntest, habe ich da keine klare Meinung dazu, bin hin und her gerissen. Naja, ich will mich jetzt nicht wiederholen.
      Was aber den Idioten betrifft, der den rechten Arm gehoben hat, so habe ich, das habe ich ja schon in einem Kommentar erwähnt, auch befürchtet, dass diese Aktion die Diskussion in die völlig falsche Richtung lenkt. Jetzt habe ich mich doch wiederholt…
      Nein, ich wollte noch was zu dem Gaga sagen. Wollte ich eigentlich schon in Beantwortung auf Vinnis Kommentar schreiben. Ich nehme das mit dem Gaga nicht zurück. Nur, um es einordnen zu können, sei hier für Nicht-Stammleser erwähnt, dass ich extra nach Edinburgh fliege oder London, nach Paris oder Cardiff, um EIN Rugbyspiel zu sehen. Ich nehme auch gern mal Urlaub und stelle mich stundenlang in den Wald, um Biathleten, Kombinierer oder Langläufer durch den Wald huschen zu sehen. Ich bin zwei Wochen der Tour de France hinterher gefahren, 1 Woche lang der Sachsentour, war beim Giro und bei diversen Straßen-WM’s. Ich weiß also, wovon ich rede, wenn ich jemanden als Gaga bezeichne. Oder will hier irgendjemand anzweifeln, dass das Gaga ist? 😀
      Noch Mal vielen Dank, dass Du Dich hier geäußert hast.

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  9. November 5, 2013 10:30 pm

    Hat dies auf Leipzig.Lebensmittel.Punkt. rebloggt.

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