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Der Norden – ein weißer Fleck, Teil II

Oktober 6, 2013
DSC_0128

Das älteste noch erhaltene Hallenbad der Stadt steht in der Eutritzscher Straße, zwischen Wilhelm-Liebknecht-Platz und Chausseehaus.

1916 eröffnete die nach Plänen des Leipziger Architekten und Stadtbaurats Otto Wilhelm Scharenberg gebaute Anlage. Wie es dem Zeitgeist entsprach, gab es für Damen und Herren getrennte Schwimmhallen, wobei die für die Männer natürlich größer war. Außerdem durften die Jungs von einem 3-Meter-Sprungbrett hopsen und es gab eine Wellenanlage.

Die Damen durften sich dafür in einer Sauna im maurischen Stil erholen. Ein Brunnen im Zentrum des Ruheraums und Zugänge zu den Balkonen, auf denen frau im Sommer eine Sonnenbad nach dem anstrengenden Schwimmen und Saunen nehmen konnte, während der verehrte Gatte von Sprungbrettern hopste oder sich in die immerhin 1 Meter hohen Wellen stürzte.

Das Bad war bis 2004 in Betrieb. Und selbst in seinen schlechtesten Zeiten wirkte es imposant, monumental, exotisch. Allerdings, das Wasser war da immer unexotisch kalt.

Ich stehe im Eingangsbereich und erinnere mich mit einer Dame des Fördervereins des Leipziger Stadtbades. Es ist der Tag des offenen Denkmals und nachdem ich mich auf der Georg-Schumann-Straße bis nach Gohlis gewagt habe, stehe ich nun wieder in vertrauteren Gefilden. Hier war ich selbst noch baden. Deshalb weiß ich das mit dem kalten Wasser. Das es erst 2004 geschlossen wurde, wusste ich dagegen nicht. Ich hätte diesen Tag eher datiert. Denn obwohl es in den 1980er Jahren rekonstruiert wurde, machte es auf mich doch immer einen recht bedenklichen Eindruck.

Leider ist die Sauna aus baulichen Sicherheitsgründen an diesem Tag geschlossen. Aber es gibt Führungen. Da komme ich noch mal her. Während der Führungen gibt es auch die Sauna.

Heute wird das Bad für Veranstaltungen genutzt. Das Herrenbad. Es beruhigt mich zu erfahren, dass die Abdeckung des Schwimmbeckens temporär ist und jederzeit wieder entfernt werden kann. Denn das Bad soll irgendwann auch wieder Bad sein, so jedenfalls sieht der Traum meiner Gesprächspartnerin aus. Und einige andere Damen und Herren bestätigen das.

Doch wie es aussieht, hat die Stadt ganz andere Pläne. Ab Montag steht das dreiflügelige Gebäude zum Verkauf.

Falls Sie sich über die Farben auf den Fotos wundern, die sind original. Alle Hallen und Gänge waren in unterschiedliches Licht getaucht, die Decken in manchen Bereichen leider abgehangen. Leider gibt es auch kein Bild der gesamten Vorderansicht. Das Ding ist einfach zu groß, die Straße zu schmal und von Panoramafotografie habe ich keine Ahnung.

Wenn Sie aufs Bild klicken, können Sie besser, weil größer, gucken. Viel Spaß.

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16 Kommentare leave one →
  1. Oktober 6, 2013 9:54 am

    Da war ich sogar auch mal Schwimmen … Beim Deutschen Turnfest … Müsste 2002 gewesen sein. Wirklich imposant!

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  2. Oktober 6, 2013 10:15 am

    Tja, wenn es die Stadt versilbert, wird es vielleicht bald nicht mehr so zugänglich sein.
    Ich wünsch dir einen schönen Sonntag, liebe Inch

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    • Oktober 6, 2013 10:51 pm

      Heute war noch eine Führung. Habe ich leider verpasst. Aber abwarten. Die Stadt wollte das Bad schon mal verscherbeln. Hat nicht geklappt. Danach gründete sich der Förderverein. Mal sehen, was bei der morgen beginnenden Aktion passiert. Das Anfangsgebot liegt zwar bei nur einer halben Million, aber ohne Konzept bindet sich sicher niemand so etwas ans Bein. Denn die Sanierung kostet sicher noch mal paar Millionen.
      Ein neues Schwimmbad bauen ist schon billiger und erfüllt seinen Zweck. Da kann man nicht auf Schönheit, Ambiente oder gar Denkmalsschutz Rücksicht nehmen

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  3. Oktober 6, 2013 2:43 pm

    Ich hatte da sogar Schulschwimmen kurz bevor es geschlossen wurde.

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  4. Oktober 7, 2013 8:44 am

    Überall das gleiche: die Kommunen verkaufen die Sahnestücke, weil sie angeblich kein Geld haben. Müssen sie aber haben, denn zu jeder Zeit gibts nervende Laubsauger, kreischende Motorsicheln, unnötige Ampelananlagen und noch mehr unnützes Zeuchs

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  5. Oktober 7, 2013 8:45 am

    Wie? freigeschaltet werden… iss hier jetzt Gesichtskontrolle ^^

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    • Oktober 7, 2013 8:49 am

      Ich weiß auch nicht, was gerade wieder los ist. Erwischt auch nicht jeden und nicht mal immer den/die selbe/n. Letztens landete tonari gar im Spam

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  6. Oktober 7, 2013 9:08 am

    Ich finde das furchtbar. Überall werden die schönen, historischen Schwimmhallen geschlossen, und dafür dann irgendwo draussen auf die grüne Wiese gesichtslose Spassbäder gebaut, deren Eintritt sich keiner leisten kann… 😦

    Ich bin ja sonst kein grosser Fan meiner Geburtsstadt, aber das Chemnitzer Stadtbad – welches ganz ähnlich ist, inklusive der kleinen Frauen- und der grossen Männerschwimmhalle – ist immerhin noch ein solches.

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  7. Oktober 7, 2013 8:10 pm

    Aber Tag des Denkmals heißt ja dann, das Ding steht unter Denkmalsschutz, oder? Dann kann ja eigentlich sooo viel schlimmes nicht passieren damit. Wer bindet sich schon so einen Klotz ans Bein, dazu noch mit den ganzen Auflagen vom Denkmalsschutzamt.

    Evtl. könnte man es zu einem Altersunruhesitz umfunktionieren, dann müsste aber schon eine anständige Wassertemperatur garantiert sein *g*

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    • Oktober 8, 2013 6:24 pm

      Eigentlich ja. Wie allerdings die Stadt im Zweifelsfall mit ihren Denkmälern umgeht, hat sie ja in den letzten Jahren zur Genüge gezeigt. Für ne halbe Million, so die Mindestkaufsumme, ließe sich da sicher was machen

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  8. Oktober 8, 2013 7:40 pm

    So einen alten Badetempel aus dem späten neunzehnten Jahrhundert gibt es hier in München auch: das Karl-Müllersche-Volksbad. Dieses wurde vor einigen Jahren überaus gründlich und sorgfältig restauriert, und zählt nun zu den Schmuckstücken der Stadt. Baden, oder aber auch ein Römisch-Irisches Schwitzbad nehmen, ist dort ein Höchstgenuss… 😉

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    • Oktober 8, 2013 7:54 pm

      In München scheint man so ein Erbe mehr zu schätzen als hier. Oder die Stadt hat mehr Sponsoren. Aber wer weiß, da die Auktion in München stattfindet, vielleicht möchte der Sponsor ja auch unser Stadtbad wieder herrichten? Vielleicht lebt in München ein Liebhaber schöner Bäder?

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      • Oktober 8, 2013 9:05 pm

        Das Karl-Müllersche-Volksbad befindet sich schon seit seiner Fertigstellung in Besitz der Stadt München, es ist eine Schenkung des Erbauers gewesen. 😉 Aber wir haben hier schon auch Stellen, für die wir uns schämen müssen, vor allem im sogenannten Glockenbachviertel, und in Schwabing. Dort befinden sich etliche wundervolle Altbauten, die Eigentum der Stadt sind, und langsam zerfallen, weil man die Immobilien sehr gerne verscherbeln möchte…

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  9. Oktober 9, 2013 12:04 pm

    hätte ich das nötige Kleingeld würde ich es kaufen und wieder aufhübschen, die Funktion aber nicht ändern, das ist ja so was ausergewöhnlich hübsch, ….findet man nicht mehr. Wer braucht schon diese Null-a-15 Bauten die heute gebaut werden, wenn man so was schönes wieder beleben kann (könnte) bei mir gäbe es auch exotisch warmes Wasser, weiiil alles unter 20ig Grad ist für mich Alaska *bibber*

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