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Der Norden – ein weißer Fleck

Oktober 4, 2013

Das mag jetzt übertrieben klingen. Immerhin, im Stadtbad war ich noch schwimmen, ich war häufig im Anker, im Geyserhaus oder Unterrock, bin oft in Stahmeln beim Rugby und in Mockau habe ich sogar mal ein halbes Jahr oder so in der 1-Raum-Wohnung des Freundes mitgewohnt. Eine Cousine wohnt in Großwiederitzsch und die Messe, die Neue,  ist auch im Norden. Aber ehrlich, da schuckelt man mit Straßenbahnen hin. Man brauch sich am Bahnhof nur in die richtige zu setzen und es kann nichts passieren. Trotzdem fahre ich jedesmal am Anker vorbei und muss eine Haltestelle zurück laufen. Will ich ins Geyserhaus musste ich früher immer fragen, jetzt hilft Tante G. Zum Rugby  fahre ich  mit dem Rad, am Fluss lang, das ist was anderes und wenn ich Freunde besuche, die da irgendwo wohnen, muss ich auch jedesmal nachschauen. Und das Intermezzo in Mockau? Ehrlich, da haben wir nur geschlafen.

Dabei habe ich mal fast im Norden gewohnt. Also Zentrum Nord. Und bis zum Rosenthal etwa komme ich klar. Aber dahinter?

Und so sehr ich mich auch bemüht habe, der Norden erschließt sich mir nicht. Coppistraße, Coppiplatz? Setzte man mich da aus, würde ich nicht mal ins Stadtzentrum finden. Und tatsächlich, als das Große Kind irgendwo da hinten eine Sportkollegin hatte, die es manchmal nach Wettkämpfen galt, nach Hause zu bringen, habe ich mich jedesmal nach dem Absetzen der Freundin verfahren. Selbst auf der Georg-Schuhmann-Straße bin ich stadtauswärts gefahren statt nach Hause, wenn ich nicht zufälligerweise am Anker war.

Dazu kommt, dass die in manchen Ecken auch neue Straßen gebaut haben. Wegen der Messe. Da helfen dann nicht mal mehr tief vergrabene Erinnerungen. Ich habe da draußen zum Beispiel sehr oft an einem Autobahnzubringer gestanden. Denken Sie, den gibt es noch? Also als Zubringer eh nicht. Aber die Straße kann ich auch nicht finden.

Was liegt da also näher, als diesen weißen Fleck mal zu erkunden, zu den schemenhaften Pastelltönen ein paar kräftige Farben zu mischen?

Und so entschied ich mich am Tag des offenen Denkmals, der an einem Sonntag im September stattfand, für den Norden. Gut, unter den ausgewählten Zielen waren zwei, die ich eigentlich schon kenne, die mich aber trotzdem oder gerade deshalb interessierten, und da an dem Tag auch noch eine Art  Fußballturnier stattfand und abends eine Party, blieb nicht viel Zeit. So richtig neu war demzufolge eben nur die ehemalige Bronzewarenfabrik Emil Venus und Co. ganz hinten in der Georg- Schuhmann-Straße.  In Gohlis! Gohlis ist der Horror. In Gohlis kenne ich mich GAR.NICHT. aus. Aber gut, die Georg-Schuhmann-Straße ist jetzt nicht das Problem. Da fahre ich maximal mal in die falsche Richtung. Ganz so blöd bin ich dann doch nicht.

Als ich so mit dem Fahrrad da lang trullerte, fielen mir Plakate auf, die für die Nacht der Kunst warben. IN der Georg-Schuhmann-Straße.

Huch, tut sich hier was?

Um darüber mehr zu erfahren, war die ehemalige Bronzefabrik genau die richtige Adresse. Die neuen Besitzer, sie bauen gerade das Wohnhaus um, in einem Nebengelass sollen später vereinzelt Ausstellungen und Veranstaltungen stattfinden, bestätigten meinen Eindruck, dass sich etwas tut. Allerdings, sehr verhalten, sehr vereinzelt, sehr langsam und ziemlich ungehört. Das ist aber vielleicht nicht schlecht, versuchte ich der Sache etwas Positives abzugewinnen, denn wo es laut ist, sind die Spekulanten nicht weit.

Nee, nee, zerstörte mir mein Gesprächspartner meine Hoffnungen, der Zug ist abgefahren. Die Spekulanten sind hier längst durch. Wir hatten noch Glück, als wir die Fabrik vor drei Jahren kauften. Vor zwei Jahren sind die Spekulanten gekommen. Schau Dir die Häuser genauer an. Die gehören irgendeiner Firma und stehen zum Verkauf bereit.

Ein paar Impressionen von der Straße (drauf klicken= groß gucken)

Ich schaute mir die Häuser genauer an. Die Georg-Schuhmann-Straße ist eine Mischung aus sanierten Häusern, Neubauten und bröckelnden Fassaden. Sie gilt nicht als beste Adresse in Leipzig, obwohl sie durch Gohlis führt. (Gohlis ist eben auch nicht überall reich und schön) Ich hörte von einem Haus, das vor nicht all zu langer Zeit von einer süddeutschen Immobilienfirma für 30000€ erworben  und jüngst für das mehr als 10-fache weiter veräußert wurde. So also macht man Geld. (Um Missverständnissen vorzubeugen: das Haus ist auf keinem der Fotos zu sehen!) Und ich kann der Straße nur wünschen, dass vor den Spekulanten genügend Kreative ihr Potential entdeckt haben.

Ach übrigens, die Bronzewarenfabrik Emil Venus und Co. wurde 1889 als Bronzegießerei errichtet. Die Gebäude, ein- und zweistöckige Klinkerbauten, umschließen hufeisenförmig einen Innenhof. Das Vorderhaus gehörte, wenn ich das richtig verstanden habe, nicht dazu. Ab den 1930er Jahren diente die Fabrik anderen Zwecken: Wannenbad, Tischlerei, Handschuhmacherei und eine Wohnung. Die neuen Besitzer haben zunächst mit dem Um- und Ausbau der Wohnung begonnen  und gehen davon aus, dass sie noch in diesem Jahr einziehen können.

Fotos von der ehemaligigen Fabrik (drauf klicken = groß gucken)

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4 Kommentare leave one →
  1. Oktober 4, 2013 12:10 pm

    Ich will jetzt endlich auch Leipzig kennenlernen! (II)

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  2. Oktober 4, 2013 9:35 pm

    Interessanter Bericht, liebe Inch. Schön, wenn solche Gemäuer erhalten bleiben, auch wenn es nur wenige sind. Mir gefallen sie einfach.

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Trackbacks

  1. Der Norden – ein weißer Fleck, Teil II | Inch's Blog

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