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Die spinnen ja wohl (01.08.2013)

September 21, 2013

Als ich mich aufmachte, in den USA Urlaub zu machen, warnten mich meine Freunde vor den Tabakpreisen. Die seien hier viel zu hoch. Also packte ich Zigaretten in den Rucksack, nicht besonders viele, gerade so, dass ich die drei Wochen überleben kann.

Dann in Grants, New Mexico, stand ich vor einem Preisschild. 2,99 Dollar für die Packung mit dem Cowboy. Nicht, dass das meine Marke ist, aber ich fragte mich doch, was die Kumpels nur hätten. 2,99 Dollar. Ich kann mich gar nicht mehr an die Zeit erinnern, als Tabak zu Hause noch so billig war.

Am Dienstag, als wir etwas verlassen am Truck Stop in New Philadelphia rumsaßen, sah ich, im Lädchen an der Tankstelle kostete die Cowboymarke schon 4,95 und dachte Hm, da hätte ich mal in New Mexico zuschlagen sollen. Denn natürlich neigte sich der einkalkulierte Vorrat bedrohlich dem Ende zu. Gekauft habe ich nicht. Hatte ja noch genug.

Heute wars dann soweit. Ich stand in einem Tabakladen, die Auswahl war nicht besonders groß, also verlangte ich nach der Marke, für die früher der Cowboy Werbung gemacht hat. 21,00 Dollar, sagte der Verkäufer, als er mir die Packung rüber schob. Kann ja wohl nur ein Hörfehler sein. Entschuldigung, was kostet das?

21, 00 Dollar.

Was?

Special Price. Und zeigt auf ein Schild über seinem Kopf.

Verwirrt trete ich hinaus und in den Regen. Schon gestern diese Merkwürdigkeiten, als die Cousine Wein kaufen wollte. Im Liqueurgeschäft gleich gegenüber unseres Hotels. Erst wollte der Besitzer sich anhand ihres Ausweises versichern, dass sie, die gerade mal ein Jahr jünger als ich ist, wirklich 21 und zum Kauf eines alkoholischen Getränkes berechtigt ist und dann hat sie lange nach einer Flasche unter 20 Dollar gesucht. Das liegt daran, dass die hier keine einheitliche Mehrwertsteuer haben. Mindestens jeder Staat kann das selber festlegen (bei den Amischen zum Beispiel zahlt man gar keine Steuern), aber dass das gleich mal 400% ausmacht?

Passt ja hervorragend zu diesem Mistwetter heute.

Da haben wir das Fahrradfahren und Staten Island spontan auf morgen verschoben. Stattdessen laufen wir die 6th Avenue hinunter Richtung Lower Manhatten. Was soll man auch sonst tun? Zum Wolkenkratzer gucken reicht ein Tag, auf Museen hat keine  von uns Lust und alles andere verlangt nach besserem Wetter.

Ein paar Musiker aus der Bronx haben uns zu einem Konzert im Central Parc eingeladen, die Cousine will gern in ein ganz bestimmtes Peruanisches Restaurant essen gehen. Ich finde ja, dass ich genug Mexikanisch gegessen habe, aber die Cousine meint, Peruanisch sei ja ganz anders. Recht hat sie. Und weil das Panca in der 7th Avenue ist, entscheiden wir eben, die 6th runter zu laufen. Die 5th hatten wir ja schon.

Vorher aber gebe ich noch ein paar 100 Dollar für eine neue Kamera aus. Ich weiß, ich weiß. Aber ich will mir das Ding seit 2 Jahren kaufen, zaudere immer wieder, zweifle, ob es nicht eine andere sein soll. So geht das hin und her. Heute ist wahrscheinlich der Tag, an dem der Kauf sein muss. Passiert immer wieder. Wenn ich mich lange mit einer Entscheidung rumplage, muss sie, ist sie erst mal gefallen, unbedingt und am besten sofort umgesetzt werden. Außerdem ist es im Laden trocken. Elektrokrims ist ja auch etwas billiger da und der Verkäufer lässt mit sich handeln. Also nicht, dass ich der Typ wäre, der gut im Feilschen ist. Aber plötzlich überkommen mich wieder Zweifel. Und das lässt die Preise purzeln.

In der 6th dann, nach der Pleite in dem Tabakladen, beteiligt sich dann sogar die Cousine, Nichtraucherin, an der Jagd auf Zigaretten. Sie meint, irgendwo gelesen zu haben, der Bürgermeister wölle seine Stadt rauchfrei haben. Der spinnt ja wohl. Das er Parks anlegen lassen hat und Radwege ist ja sehr löblich. SEHR löblich. Aber diese Preise für Tabak? Ich sehe hier jeden Obdachlosen, und von denen gibt es genug, auch wenn die die gern in den wärmeren Westen schicken, rauchen. Die werden ja wohl nicht einen ganzen Dollar pro Zigarette hingelegt haben? Nein, mit so einem Mist fördert er nur irgendeinen Schwarzmarkt.

Ich übrigens beschließe erst, nicht zu rauchen und schlage dann bei 18 Dollar zu. Was für ein Schnäppchen!

Beim Wein haben wir auch Glück. Wir kriegen ne Flasche für unter 10 Dollar. Doch als wir die im Hotel trinken wollen, würde ich den Schluck gern ausspucken. Ich schaue mir die Flasche an. Da gibt es eine Ingredienzienliste! Ehrlich! Zucker, Geschmacksverstärker… Wir können es kaum fassen, schütten die Plärre weg und trinken Wasser.

Das Konzert im Central Parc ist auch ausgefallen. War ja klar, bei dem Wetter. Die Cousine wollte trotzdem hin, obwohl ich mich schon teilweise auf dem Weg dahin gegruselt habe. Also irgendwo zwischen Lower Mahatten und Midtown sah es so im Dunkeln schon ganz schön zum Fürchten aus. Ich bin dann trotzdem tapfer mitgelaufen, nur, damit mit sie sich selber davon überzeugen kann, dass bei dem Wetter nicht mal ein paar Jungs aus der Bronx konzertieren. Nicht, dass sie mir später vorhält, sie hätte wegen mir ein ganz wunderbares Erlebnis verpasst.

So gesehen war dieser Donnerstag mehr oder weniger zum Abhaken, sieht man mal von der neuen Kamera ab. Und natürlich vom Peruaner. Das Essen da war ganz vorzüglich, aber die Portionen natürlich, wie immer in den Staaten, viel zu groß.

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13 Kommentare leave one →
  1. September 21, 2013 7:20 pm

    Oha, da schlägt die Stadt NY aber mächtig zu. Das haben wir andernorts nicht erlebt.
    Nun, Zigaretten brauche ich nicht, aber ein Gläschen Wein, das mir nicht die Mandeln weg ätzt wäre schon ganz nett. Danke für den Hinweis, denn da werde ich mir den fälligen Geburtstagstropfen aus dem Flughafenshop mitnehmen 😉

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    • September 21, 2013 8:23 pm

      Mach, in NYC, vor allem einen großen Bogen um allse, was vom Weingut Diana kommt!

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  2. September 21, 2013 8:45 pm

    War das die Kamera, die du beim Wandelkonzert mit hattest?
    Hach bin ich froh, dass ich mich vor 11 Jahren von den Kippen verabschiedet habe und nun vor fast sechs Monaten auch von alkoholischen Getränken. Ich werde trotzdem nicht dafür stimmen, dass Leipzig rauchfrei wird. 🙂 Aber meine Tochter kann im nächsten Jahr nur sparen mit mir.

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  3. September 22, 2013 12:53 am

    21 $? Die sind ja irre :-B Hättest früher zuschlagen sollen. Was Asterix über die Römer sagte, kann man…

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  4. September 23, 2013 5:26 am

    Ho, was glaubst Du, warum es in den United Staaten enen Tabak-Tourismus gibt? Selbst aus Kanada kommen die Fluppen-Anhänger in ganz bestimmte US-Staaten, wo es noch „erschwingliche“ Glimmstengel zu kaufen gibt. ABER! Sind die „Abgewöhnten Raucher“ erstmal in Mexiko auf Urlaub und gucken sich die Zig-Preise hier an, schlägt bei manchen die Sucht wieder voll durch – und leider! – der Rest, der es sich wirklich ein für alle Mal vergehen liess, diesem Laster zu frönen: der zeigt dann jeden Raucher beim Verbraucherschutz, beim Wirt, beim Bürgermeister, bei der Polizei etc, an, weil er/sie/es „allergisch“ auf Rauch reagiert! – Neid ist das, nichts als Neid! Pah! Jetzt muss ich mir aber schnellstens eine ins Gesicht stecken – paff! 🙂

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  5. September 23, 2013 10:31 am

    hier in Hawaii sind die Preise relativ moderat, so 5-7$ je nach Marke. Aber ich hätte auch in NM zugeschlagen, in Großstädten kostet es allgemein viel mehr und die Abzocke ist auch größer. Trotz allem Glückwunsch zur Neuen Kamera, ich kenne das hin und her (kaufen-nicht-kaufen) …freue mich auf viele schöne Fotos …und weiterhin finde ich NY ist cool..!so.

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  6. September 24, 2013 4:18 am

    Ja, sich gepflegt einen hinter die Binde zu giessen, ist hier teuer. Gut, dass der Amerikaner im Allgemeinen nicht viel verträgt… Es gibt hier auch sogenannte dry countries. Das sind Bezirke, wo gar kein Alkohol verkauft wird und die Restaurants keine Alkohollizenz bekommen. Hier in New Jersey dürfen nur Liquor Stores (oder Stores mit Lizenz) Alkohol verkaufen. Am Anfang habe ich daher immer vergessen, Bier etc vom Einkaufen mitzubringen… Manchen Restaurants ist die Lizenz zu teuer, da kann man seine eigene Flasche mitbringen. Die wird dann vom Kellner geöffnet und eingeschenkt. Cooler und Gläser bekommt man dann. Hier in unserem Township müssen Liquor Stores z.B. um 19 Uhr schliessen. Zigaretten kosten hier um die 9 Dollar. Unsere Kinder waren ziemlich entsetzt, dass in D die Leute auf der Strasse rauchen und Trinken und sogar am Seebadestrand ungeniert ihre Bierflasche dabei haben. Innerhalb von 2 Jahren sind die Zigaretten 3 Dollar teurer geworden.

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  7. September 25, 2013 10:42 pm

    18 Dollar für eine Packung Kippen? Das sind ja Norwegerpreise, da war in Kalifornien sogar das Gras billiger damals. Naja, vor 35 Jahren haben die Kippen hier auch nix gekostet, aber trotzdem… puh.
    Das auf dem Foto da, das ist Peruanisch? Kartoffelecken, Reis und ääh.. Zeugs? Hab ich mir spektakulärer vorgestellt, aber vielleicht waren ja ein paar Zauberpilze drin oder etwas Peyote vielleicht? *g*.

    Und was für eine Kamera gab es denn jetzt *neugierigbin* ?

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    • September 27, 2013 10:11 am

      Die Kamera? Nichts besonderes. Eine Nikon D3000. War aber eben mein Wunschkandidat.
      Und das Essen. Nuja, Gemüse und Fleisch waren schon sehr lecker. Die Kartoffelecken, ok, das sieht jetzt nicht so hip aus, aber die haben ja schon andere Kartoffeln, vor allem mehr Sorten, als wir hier. Nein, es war sehr lecker. Peruanisch wird sicher nicht meine Lieblingsküche werden, aber die Cousine hat ein besonderes Verhältnis zu dem Land, und interessant war es allemal.
      Von der New Yorker Packung hatte ich noch in L.E. Die hat ewig gehalten. Erstens war es ja nicht meine Marke, zweitens habe ich auch hier noch jede Kippe mit Bedacht geraucht. Bei dem Preis 😉

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  8. September 27, 2013 6:55 pm

    Deshalb kommen zur Zeit recht viele Amerikaner mit Rucksäcken zu unserem Tabakstand auf dem Oktoberfest und kaufen die Zigaretten gleich stangenweise ein…

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