Skip to content

Der schwere Weg nach New York City (30.07.2013, ein Dienstag)

September 17, 2013

Der Lärm macht mich wahnsinnig. Wieso können die Trucker, wenn sie zum Mittagessen in dem Schnellrestaurant verschwinden, nicht ihre Sattelschlepper ausmachen? Wegen der Air Condition? Zugegeben, heute ist der wärmste Tag seit wir in New Philadelphia sind, aber deshalb 30-60 Minuten den Motor anlassen? Das ist ein bisschen wie im Kommunismus. Kost nix, oder fast nix, also ist es egal.

Wir sitzen seit 3 Stunden am Truckstop und warten auf unseren Bus. Der hätte vor zwei Stunden hier sein müssen. Wir haben sogar mal einen oben auf dem Highway gesehen, nur hier vorgefahren ist er nicht.

Die Cousine guggelt und findet heraus, dass die Bus Station ganz wo anders ist. Am anderen Ende der Stadt.

?????????!

Ich habe doch den Station Locator aufgerufen und mir die Adresse ausdrucken lassen. Und angekommen sind wir ja hier auch.

Ein Dilemma. 4 km quer durch die Stadt marschieren und riskieren, den evtl verspäteten Bus hier zu verpassen, oder sitzen bleiben und den evtl. verspäteten Bus in der Stadt verpassen?

Über diese Gedanken vergeht noch mal eine Stunde. Und natürlich frage ich im Family Restaurant, wo nun eigentlich der Bus fährt und treffe auf geballte Kompetenz. Nämlich Achselzucken. Ich versuche, ruhig zu bleiben und frage bemüht höflich, ob sie denn nicht manchmal hier Busse ankommen und abfahren sehen.

Ja.

Mittags oder Abends?

Achselzucken.

Das macht keinen Sinn.

Schließlich kommt der Tankwart rüber und erklärt, die Station ist in der Stadt. Aber abends, da würden die Busse hier halten, weil sie nicht in die Stadt fahren wollten.

Wir sind ziemlich sprachlos, Wut macht uns ca 5 Minuten handlungsunfähig, dann machen wir uns auf die Socken. Und während wir missmutig Richtung Stadt laufen, überlege ich, wie rum ich das Hufeisen eingepackt habe. Etwa mit der Öffnung nach unten? Ich habe das Teil auf einer unserer Radtouren im Land der Amischen gefunden, tapfer mit ins Motel geschleppt, in vier Plastiktüten geruchssicher eingewickelt und gaaaanz unten in den Rucksack gepackt.

Die Cousine will nicht laufen. Also quatscht sie einen Farmer an. Wir schmeißen die Rucksäcke auf die Ladefläche seines Pick Ups, ich kriege den Klappsitz hinter der Cousine und dann sehen wir, Ernie‘s Bicycle Shop ist nicht, wie vermutet, am anderen Ende der Stadt. Diese Stadt ist noch viel länger.

Die Bus Station ist Joe’s Shoe Repair. Dort gibt man uns Recht, dass der Fahrer, der uns am Truck Stop abgesetzt hat (und den die Cousine noch verwundert nach dem fehlenden Greyhoundschild gefragt hat), ziemlich bescheuert ist. Aber all ihr Bedauern nützt nichts. Der Bus ist weg und der nächste kommt erst morgen.

Immerhin, Spike fährt uns zurück ins Motel, gibt uns seine Handynummer und bietet sich an, uns morgen wieder abzuholen.

Wir hocken auf der Wiese.

Es gäbe da noch eine Möglichkeit…

Als sich nämlich die Cousine so ab Missouri mit dem weiteren Reiseplan beschäftigte, stellt sie fest, dass wir durch Pittsburgh kommen. Da sogar etwas Aufenthalt haben. Da, überlegte sie, könnte sie doch einen Kollegen treffen, mit dem sie bisher nur telefonischen Kontakt hatte. Sie schickte besagtem Kollegen eine Mail und der fand, dass das eine ganz hervorragende Idee sei.

Nun also wäre es an der Zeit, dem Kollegen mitzuteilen, dass wir uns um 24 Stunden verspäten.

Oder frage ich ihn, ob er uns mit dem Auto abholt?, fragt sie mich und ist sicher, dass er das tut, wo doch die Amis alle so freundlich sind.

Das finde ich ja nun etwas dreist. Ich denke, sie sollte den Kollegen eher so lenken, dass er uns das mit dem Abholen selber vorschlägt.

Also soll sie smsen, dass der Bus ohne uns gefahren ist aus den und den Gründen und das Treffen deshalb verschoben werden muss. Ich schreib, dass der nächste Bus erst morgen fährt, setzt sie meinen Gedanken fort. Nein, halte ich sie zurück (versteht sie denn gar nichts von Männern?), das ist doch die Lösung des Problems. Schreib: Wir müssen erst mal sehen, wie wir hier wegkommen. Wir müssen verzweifelt klingen. Und er muss die Chance haben, über eine Lösung nachzudenken.

Die Reaktion fällt aus wie gewünscht. Vytas ruft sofort zurück und bietet uns an, uns mit dem Auto zu holen. Ich weiß, das ist etwas fies, aber wir sind wirklich verzweifelt.

Im Motel dürfen wir in der Lobby bis zum Abend warten und Tee und Kaffee bis zum Abwinken konsumieren.

Dann kommt Vytas. Er ist noch in Litauen geboren, mit 10 oder so in die USA gekommen. Hier mischt sich also osteuropäische Solidarität mit US-amerikanischer Hilfsbereitschaft.  Eine ganz hervorragende Mixtur, finde ich. Zwischen Pittsburgh und New Philadelphia liegen immerhin 100 Meilen. Zwar haben Amis ein anderes Verhältnis zu Entfernungen, trotzdem. Und Vytas ist zum ersten Mal hier in der Stadt am Tuscarawas River.

Und dann ist auch noch Stau. Auf dem Highway! Unser Retter wird ganz fuchtig. Wir dagegen grinsen und meinen, dass wir uns jetzt wirklich wie zu Hause fühlen. Aber Vytas will, dass wir unseren Bus nach NYC erreichen (Vielleicht will er uns ja auch los werden*sic*). Jedenfalls rast er nach Auflösung des Staus dermaßen, dass mir im Fond ein bisschen schlecht wird.

Punkt 22:30 sind wir am Busbahnhof, stehen im Halteverbot, verabschieden uns hastig. Vytas drückt mir noch Obst und Getränke in die Arme, dann hecheln wir zu den Gates. Gleich am ersten frage ich nach dem Bus nach New York. Volltreffer. Tickets raus zerren, die Decke, Kopfkissen, Essen und was man so braucht im Bus auch, den großen ins Gepäckfach wuchten und, Mensch, wir kriegen sogar noch zwei Plätze nebeneinander!

Ich schicke Spike eine SMS, dass er uns morgen nicht abzuholen braucht, dann geht’s schon los.

Fast vergessen: Drauf klicken macht die Bilder groß

Advertisements
4 Kommentare leave one →
  1. September 17, 2013 11:31 pm

    Hach wat’n Stress, wie schön dass ihr das auf euch genommen habt. Man fühlt sich als würde man mitreisen, nur wesentlich entspannter.

    New York hört sich leider schon so nach Ende der Reise an.

    Gefällt mir

    • September 18, 2013 12:34 pm

      Ich hoffe, Du begleitest uns auch weiter durch New York. Wir haben auch da versucht, nicht nur sightseeing zu machen

      Gefällt mir

  2. September 19, 2013 11:17 pm

    Uuuuuh, da wäre ich auch stinksauer geworden! 😕

    Gefällt mir

    • September 19, 2013 11:52 pm

      Ich hasse diesen Fahrer heute immer noch. EHRLICH!
      Aber das wunderbare an diesem Urlaub war ja, dass es immer irgendwie eine Lösung gab

      Gefällt mir

Meinungen?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: