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Barns and Buggies (Sonntag, 28.07.2013)

September 13, 2013

Am Samstag haben wir viel Zeit mit Aldi gucken und Fahrradladen suchen verplempert. Heute fahren wir sofort nach dem Frühstück los.

Unser Ziel ist Walnut Creek. Über die 39 wären es 30 km bis dahin, aber da wir ja Nebenstraßen nutzen, wird es wohl nicht nur weiter, sondern auch hügeliger sein. Wenigstens ist heute Sonntagswetter. Es ist trocken, aber leicht bewölkt. Ideales Radfahrwetter.

Um überhaupt erst mal nach Holmes County zu kommen, gibt es leider nicht all zu viele Möglichkeiten. Doch statt den Schilling Hill zu nehmen, probieren wir diesmal die Gasser Rd, um rüber nach Breitenbach zu kommen.

Ganz schlechte Idee! Zwar ist es hier sehr idyllisch, aber auf so unbefestigtem Untergrund, da blockiert mein Hinterrad, wenn ich bergab bremse, was mich fast zu Fall bringt.

Trotzdem macht es Spaß. Kann ich eben nicht so schnell auf unbefestigten Wegen runter radeln.

Wir kommen in Orte, die Spooky Hollow heißen oder Gerber Valley. Farmen liegen am Wegesrand oder auf Hügeln. Rund um einen Golfplatz eine gepflegte Eigenheimsiedlung, in einem der Vorgärten erinnern die Bewohner an einen gefallenen Familienangehörigen. Das sind keine Amischen. Nein. Denn die gehen lieber ins Gefängnis, als auf Menschen zu schießen.

Es gibt da eine Legende…

Dirk Willems, ein niederländischer Anabaptist wurde in den späten 1560er Jahren wegen seines Glaubens verfolgt. Willems überquerte sicher einen zugefrorenen Fluss, doch sein Verfolger brach ein. Willems kehrte um, rettete den Amtmann, der ihn prompt festnahm. Der Mennonit starb 1569 auf dem Scheiterhaufen.

Amische und die meisten Mennoniten verweigern den Dienst an der Waffe seit nunmehr viereinhalb Jahrhunderten. Das ist etwas, was meinen uneingeschränkten Respekt verdient.

Sehen wir die Buggies anfangs noch nur auf den Höfen stehen, kommt ab Mittag Bewegung in die Bude. Es scheint, als führen die jungen Männer kleine Rennen. Zumindest scheinen sie die Mädchen doch beeindrucken zu wollen.

Ab 15:00 Uhr dann aber kommen die Familien. Es ist richtig was los auf den Straßen. Jeder ist irgendwohin unterwegs. Ab und an sehen wir junge Männer auf Fahrrädern. Die scheinen keine Gänge zu haben. Und die Sattel sind genauso unbequem wie unsere.

In Walnut Creek würde ich nun aber doch gern essen. Aber es hat alles geschlossen. Wir fragen einen jungen Amischen, doch der erklärt uns, dass hier sonntags, am Tag des Herrn, nur die Kirchen geöffnet sind.

Na prima. Hätten wir auch von selber drauf kommen können. Übrigens kann man die Männer, also ob Mennonit oder Amisch, recht gut voneinander unterscheiden. Erstere tragen keine Bärte! Bei der Kleidung sehe ich keinen Unterschied. Zwar heißt es, Mennoniten hätten, im Gegensatz zu den Amischen, die nur Haken und Ösen benutzen,  auch Knöpfe an den Jacken, aber so genau gucke ich da nun nicht hin. Den gleichen seltsam runden Haarschnitt haben alle, die Hosenträger und die breitkrempigen Hüte. Sonntags wird der Strohhut übrigens gegen den guten aus Fils getauscht.

Schwieriger ist es bei den Frauen. Die sehen für mich alle gleich aus. Das Haar unter der Haube, lange Kleider, Schürzen. Alles in natürlichen Farben. Die Mennonitischen Frauen sollen auch bedruckte Stoffe tragen dürfen, wir sehen aber keine.

Zurück fahren wir, so lange es geht, auf einer kleinen Nebenstraße neben der 39 her, doch dann haben wir die Nase voll von den steilen Anstiegen und wechseln auf die Buggyspur auf dem Highway. Das macht richtig Spaß. Und die Kutschen sehen irgendwie strange aus im Autoverkehr. Schade dass es diese Spur nicht bis New Philadelphia gibt.

In Sugarcreek sehe ich aus den Augenwinkeln ein Schild „Open 7 days a week“!!!

Wir können es kaum fassen, aber die Brick Towne Tavern ist Realität. Eine kleine Insel im Land der Amischen. Drinnen unterhalten wir uns mit einem Typen aus Walnut Creek. Die kleine Bar ist tatsächlich auf Meilen das einzige geöffnete Geschäft. Der Koch gibt sich ganz offensichtlich Mühe, besonders lecker zu kochen, für so weitgereiste Gäste. Und mit dem Fahrrad waren wir in Walnut Creek? Oh my God! Und wir wohnen in New Philadelphia? Oh my God. Ich glaube, die halten uns für ein bisschen irre.

Wir dagegen finden das Schweizer Viertel irre, durch das wir dann fahren und das ich NICHT fotografiere. Es ist einfach zu kitschig. Das ist schon peinlich.

So an die 60 Kilometer waren wir unterwegs, als wir wieder in New Philadelphia sind. Kein Spaß mit diesen Rädern. Trotzdem, morgen, am Montag machen wir uns noch einmal auf den Weg nach Holmes County.

Es folgen bißchen viele Fotos. Drauf klicken= groß gucken

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9 Kommentare leave one →
  1. September 13, 2013 11:17 pm

    Klasse Fotos. Mich kriegen in diesem Leben ja keine zehn Pferde jemals wieder in dieses „Land“ (eigentlich wollten meine Finger etwas eindeutigeres tippen). Aber wenn ich mir deine Fotos so anschaue: die Amishen würde ich schon gerne mal kennenlernen und mit ihnen sprechen wollen…

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    • September 14, 2013 8:56 am

      Sprechen kann man auch. Braucht man nur manchmal etwas Englisch, wenn man einzelne Worte, die bei uns nicht mehr geläufig sind, verstehen will. Würde ich da noch mal hinfahren,. würde ich mir allerdings sehr viel mehr Zeit nehmen, denn wie sich herausstellte, entdeckten wir Tag für Tag mehr, kamen immer besser ins Gespräch. Vielleicht waren wir ja, wie dazumal in Rumänien, nach dem Sonntag auch halbwegs bekannt. Wir waren schließlich die einzigen, die da mit dem Rad durch die Gegend kurvten. Also die einzigen Touristen

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  2. September 13, 2013 11:47 pm

    Wie in einen anderem Jahrhundert! Wirklich beeindruckend! Und die Fotos sind wie immer super!

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    • September 14, 2013 8:59 am

      Also ich bin auch froh, dass wir am Sonntag dort waren, trotz geschlossener Restaurants und Läden und dem drohenden Hungertod, denn die Buggyparade war wirklich beeindruckend. Das kommt auf den Fotos gar nicht wieder, aber es herrschte wirklich richtig reger Verkehr!

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  3. September 14, 2013 1:30 am

    Die beiden Damen in blau haben ja wohl das Golf Cabrio unter den Buggies, sogar der Motor ist außergewöhnlich lackiert. *g*

    Und das Buggiewarnschild ist noch besser als das mit dem Traktor.

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    • September 14, 2013 8:57 am

      Ich glaube, die beiden Damen hatten den Barbiebuggy. Sogar das Pferd war Barbie. 😀

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  4. September 14, 2013 9:11 am

    Eine sehr schöne Serie, die mich trotzdem nicht dazu verleiten kann dieses Land noch einmal zu besuchen. Dieses Soldatengrab mit der Flagge sagt eigentlich schon alles…

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  5. September 18, 2013 1:36 pm

    Die leuchtend blauen Kleider und die weißen Häubchen der Damen sehen richtig fröhlich aus, nicht gar so freudlos christlich… 😉
    Das Buggy-Rennen hätte mir als alte Rossnarrische vermutlich auch sehr viel Freude bereitet…
    Ich habe das die letzten Tage, als meine liebe Freundin vom Bodensee zu Besuch gewesen ist, mehrmals in den Raum gestellt, quasi auf deinen Spuren so eine Greyhound-Reise von der West- zur Ostküste zu unternehmen. Und sie wäre durchaus dabei… 😉

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    • September 18, 2013 3:46 pm

      Das würde mich freuen, wenn ich andere dazu verleiten könnte, sich leicht abseits der Touristenpfade durchs Land zu bewegen. Ich lese gerade in einem Forum einen sehr ausführlichen Bericht von Leuten, die die ganze Route 66 gefahren sind (allerdings mit dem Auto), und besonders da, wo sie sich auf gleichem Terrain wie wir bewegten, bin ich jedesmal froh, dass wir nicht einmal wussten von dem ganzen Touristennepp, den es da unterwegs gibt und den die auch brav alle besucht haben.
      Und wenn Du ein paar Tipps brauchst (Bustickets online buchen ist etwas tricky), melde Dich

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