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Schmetterlingsjagd (24.07.2013)

August 31, 2013

Ehrlich? Ich habe keine Ahnung, wo wir sind*. Im Wald. 10 Meilen von Rolla entfernt. Himmelsrichtung? *Grübel*

Wir haben uns den Wecker gestellt, zeitig ganz vorzüglich gefrühstückt und sind gegen 7 zum Haupthaus gelaufen. Das ist nur 200m vom Cottage entfernt, das sah gestern viel weiter aus. Zum Glück finden wir den Trampelpfad auch.

Lorraine will 8:00 Uhr los. Und wir fanden gestern, auf einen Kaffee könnten wir ruhig rüber gehen.

DSCN1555Kaum sitzen wir da, kommt Pat, die Nachbarin. Lorraine erzählt von ihrer Kunst, ihre Schwiegermutter, wie sie Norm kennen gelernt hat und wie sich ihr Leben seitdem geändert hat.

Dann gibt es noch ein paar Tipps, wie wir uns im Wald zu kleiden haben (extrem hohe Zeckendichte) und schon muss Lorraine los.

Wir ziehen uns, wie befohlen an, rufen Sky und machen uns auf den Weg zu Pat. Doch als wir an ihrem Haus ankommen, ist niemand da. Gut, laufen wir ohne Plan los. Wir zwei Orientierungsweltmeister.

So mitten im ziemlich struppigen Wald hören wir plötzlich Motorlärm. Dann sehen wir einen Jeep durchs Dickicht rumpeln. Wer fährt denn bitteschön hier mit dem Auto lang? Bilder einschlägiger Hollywood- Aufklärungsstreifen schießen mir durch den Kopf. Ich sehe sie schon bildlich vor mir, die durchgeknallten Landeier, die sich aus Langeweile den Tag mit einer zünftigen  Jagd auf  Städter versüßen.

Aber es sind Pat, ihr Mann Bob und ihr Hund.

Sie schneiden Rote Zedern nieder, um Pflanzen, die offenes Land bevorzugen, eine Chance zu geben und meckern über einen ominösen Nachbarn, hinter dessen Zaun die bösen Zedern ungehindert wachsen dürfen.

Früher bestand Missouri zu 90% aus Prärie, die Indianer legten sogar regelmäßig kontrollierte Feuer, um die Landschaft offen zu halten. Doch dann kamen die Siedler, pflanzten Bäume um ihre Häuser, diese breiteten sich aus und verdrängten die einheimischen Pflanzen.

Pat und Bob kennen hier jede Pflanze. Die Cousine wähnt sich im Paradies. Zum Glück kennen Pat und Bob auch die Geschichte der Landschaft, was mich nun mehr interessiert. Und mit zwei Umweltschützern hätte ich hier wirklich nicht gerechnet.

Und als wir weiterlaufen. fotografiere ich zwar auch ein paar Blumen, ohne zu wissen, wie die heißen bzw.  ihren Namen sofort wieder zu vergessen, bin aber im Übrigen mehr so an den Schmetterlingen interessiert.

Am Nachmittag lädt Norm uns ins Auto. Auf eine Pferderanch werden wir nicht fahren, so viel ist klar, aber eine Weinverkostung soll es geben. Vorher aber fahren wir an die Quelle des Meramac. Dort, wo heute der Meramac Spring Parc mit hübsch angelegten Picknick-Plätzen, einem Museum, Forellenzucht und einigen alten Utensilien aus der Geschichte lockt, war früher eine Bergbausiedlung. Ich wäre dort gern noch ein bisschen auf Spurensuche gegangen, aber die Zeit drängt und wir müssen noch zur Weinverkostung.

Die ist ..  nuja … amerikanisch.

Weil es schon recht spät und Norm nicht sicher ist, ob die kleineren noch geöffnet sind, fahren wir in die St. James Winery.

Dort, am Tresen STEHEND!!!, legt uns die Dame hinter der Theke eine Karte vor die Nase, rasselt zwei drei Sätze runter und wartet, dass wir aus vielleicht 50 gelisteten Weinen die 8 auswählen, die wir probieren möchten.

Äh…

Sie erbarmt sich und fragt nun doch, was wir bevorzugen.

Einheimische, trockene.

Rot oder weiß?

Beide?

Das geht nicht.

Also entscheiden wir uns für Roten.

Das alles dauert vielleicht 3 Minuten, wobei wir die sind, die trödeln.

Dann steht der erste vor uns. Kaum ausgetrunken der zweite. Der dritte.

Nee, das geht nicht, das ist zu schnell. Ich brauche jetzt mal Zeit. Trotz Crackern aus dem Schnapsglas vermischen sich schon alle Geschmacksnoten.

Sie müssen ja nicht austrinken.

Sagts, schüttet meinen letzten Schluck weg und stellt mir den 4. Wein vor die Nase.

Übrigens ist der Dritte der schwerste. Der zweite nur wenig leichter.

Ich dachte, da gibt es eine gewisse Reihenfolge? In Deutschland glaube ich mich zu erinnern, in Frankreich und Italien auch.

Doch die Verkäuferin hat schließlich noch andere Kunden. Die müssen auch Wein verkosten. Da wird also streng nach Liste gearbeitet. Welche zuoberst auf dieser steht, wird auch zuerst probiert. Basta.

Nach einer halben Stunde ist alles vorbei. Wir kaufen sogar jeder eine Flasche. Aber eigentlich fast  nur, um Norm eine Freude zu machen.  Der freut sich so, wenn es uns gefällt. Der Wein, also der, den wir kaufen, ist auch wirklich lecker. Aber die ganze Veranstaltung lief eindeutig zu schnell ab.

Das versuchen wir ihm dann auch zu sagen. Wir meckern nicht direkt, verwenden nur Worte wie ungewöhnlich und schildern wie so was bei uns abläuft. Doch Norm versteht genau, was wir meinen. Und in den kleinen Weinkellereien sei es auch gemütlicher. Wir sitzen auf der Terrasse des Haupthauses beim Barbecue, reden über Weinverkostungen, Missouri, Lorraines Kunst, Norms Fotos (einige hängen im Haupthaus, die hat er mir gezeigt), seine verstorbene Mutter, über Bikes (Norm fährt jeden Tag mit der Harley zum Sender), Gürteltiere (fiese Bikerkiller sind das) und dies und das.

Es ist ein lauer Abend, seltsamerweise auch hier ohne Mücken (Mücken hatten wir bis jetzt überhaupt noch nicht und nirgends). Die Frösche quaken um die Wette, der Rotwein schmeckt ganz vorzüglich.

Und dann, als wir die 200m zum Cottage laufen wollen, besteht Norm darauf, uns hinzufahren! Mit dem Auto! So im Dunkeln auf dem Trampelpfad durch den dunklen Wald, das ginge schließlich nicht. Da lässt er sich auch nicht von unseren Taschenlampen überzeugen.

Die spinnen echt, diese Amerikaner.

Drauf klicken macht die Bilder groß

*update: Inzwischen weiß ich, wir waren 10 Meilen südlich von Rolla

Vollbildaufzeichnung 31.08.2013 124356

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4 Kommentare leave one →
  1. August 31, 2013 2:07 pm

    Der Wald erinnert mich an jenen, den wir vor vier Jahren auf dem Weg von Orlando nach St. Augustine in Florida durchfahren haben, der war riesig, mir schien, als wären wir Stunden darin unterwegs gewesen…
    Die amerikanischen Weine sind – nun ja – nicht mein Geschmack… Und die Erfahrung, daß man bei so einer Weinprobe jenseits des Großen Teichs nicht nach der bei uns altbewährten Grundregel geht „von leicht zu schwer, von trocken zu süß“, sondern von der Angebotsliste von oben nach unten durften wir in einer sehr namhaften Weinkellerei nahe Orlandos auch machen. 😉

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  2. September 2, 2013 12:49 am

    wieder ein feiner bericht mit tollen fotos! wir haben in DE jahrelang argentinische weine verkauft und auch öfter verkostet und weinproben selber genießen können. das lief ja etwas anders ab bei euch. und wenn ihr dann noch gekauft habt, wird die dame auch so weitermachen. was für eine rote vorspeise zu welchem hauptgericht gab es denn, die teller sehen so verlockend aus!

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    • September 2, 2013 7:57 am

      Oh, das ist Salat. Ich fand nur, der sieht so schön rot aus 😀 Und als Hauptgericht gab es Schwein. Also vom Grill. Mit Soßen und so.
      Was den Weinkauf angeht, hast Du natürlich Recht, aber wir wollten zum abendlichen Barbecue nicht mit leeren Händen kommen. Unsere Gastgeschenke hätten da wirklich nicht gepasst ( die haben wir dann nach dem Barbecue überreicht) und zum Einkaufen hatten wir ja sonst keine Gelegenheit.

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  3. September 4, 2013 2:06 pm

    Wunderschöne Schmetterlinge und überhaupt schöne Fotos.
    Erzähl einfach weiter… 😉

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