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Die roten Steine von Sedona (Mittwoch, 17.07.2013)

August 12, 2013

Ich habe mein Feuerzeug verloren. Wir sind in den Regen gekommen und die Streichhölzer sind nun auch nass….

Heute morgen, nach dem ausgesprochen guten Frühstück im Rodeway Inn, bei dem sich die Cousine im Waffeln backen geübt hat, sind wir zur Greyhound Station gelaufen.

Natürlich haben wir sie übersehen und sind fröhlich dran vorbei marschiert, mindestens einen Kilometer zu weit gelaufen und dann wieder zurück.

Flagstaff liegt auf 2100m Höhe und trotzdem ist es schon sehr heiß.

Sanna liest uns 10:00 Uhr an der Station auf und fährt uns für 65 Dollar (inkl. Rückfahrt am Freitag) ins 25 Meilen entfernte Sedona, durch den Oak Creek.

Wow! Amazing! Das sieht aus wie auf kitschigen Postkarten. Leuchtend rote Felsen und tiefgrüne Wälder. Klettern kann mir hier nicht, der Stein ist zu weich. Am liebsten würde ich anhalten, aussteigen und fotografieren. Sanna ist nicht nur Chauffeurin, sie erzählt auch viel über den Nationalpark, Sedona, Waldbrände. Die 19 Feuerwehrmänner, die letztens bei den Waldbränden nahe Prescott umgekommen sind, stammten alle aus der Gegend, da hatte es einen ganzen Zug erwischt. Das ist gruselig. Aber hier hat es lange keine Waldbrände mehr gegeben. Und, man glaubt es kaum bei der Hitze, die draußen herrscht, hier gibt es vier Jahreszeiten. Aber klar, wo kämen sonst die Laubwälder her?

Der Besitzer des Baby Quail Inn war Schauspieler, später Entertainer. Hat u.a. mit John Wayne und James Garner zusammen vor der Kamera gestanden. Ist als Entertainer durch die ganze Welt getourt und in Vegas aufgetreten. 1944 war er auch bei der Marine und im 2. Weltkrieg in China. Stolz präsentiert uns der knapp 90-jährige sein Leben in Form unzähliger Fotos an den Wänden des Frühstücksraums. Und erzählt uns eine Anekdote nach der anderen. Ein Buch hat er auch geschrieben. Dick Curtis ist immer noch Entertainer. Seine Frau führt die Geschäfte, Dick unterhält die Gäste.

Liebenswerterweise müssen wir die letzte Nacht nicht bezahlen. Die hatten wir zwar gebucht, aber wegen des Bus‘ mussten wir ja in Flagstaff übernachten. Trotzdem werden wir sofort zu einem 2. Frühstück genötigt. Was mir schon in Flagstaff nicht gefallen hat, setzt sich hier fort. Den Kaffee gibt es aus Styropurbechern, man isst mir Plastebesteck von Papptellern. Ich mag gar nicht über den Müll, der dadurch täglich produziert wird, nachdenken.

Oben in dem sehr geräumigen Zimmer mit Küche und Dusche dann überall Hinweise darauf, wie man Energie sparen und damit den Planeten retten kann. Das erscheint mir alles widersinnig, aber die Cousine meint, vielleicht ist das ein, der amerikanische Anfang des Umdenkens. Vielleicht hat sie Recht. Vielleicht aber geht es in Wirklichkeit gar nicht um den Planeten, sondern um Kohle, denn alles, wobei wir sparen sollen, erspart den Besitzern eine hohe Nebenkostenrechnung.

Nuja.

Wir wollen wandern. Ich habe extra ein Hotel ausgesucht, dass etwas am Ortsrand liegt, damit wir gleich loslaufen können. Hier gibt’s nun freilich nirgends Karten zu kaufen. Aber, es gibt einen Biomarkt, der hier Organic Market heißt und jede Menge äh, also so Energiestudios, womit jetzt Lebensenergie gemeint ist. Massagedingsbums, buddhistitsche dingsbums. Man kann Heilsteine kaufen und Heilschnüre und Heil… also alles mögliche. Und man kann Vortextouren machen. Was zur Hölle sind Vortextouren? Aber auch ohne das zu wissen, verstehe ich plötzlich das Grinsen des älteren Herren am Immigration Desk und seine Ermahnung, auf uns aufzupassen und immer zusammen zu bleiben… meinte der gar nicht die Greyhound Station in L.A.?

Egal, wir wandern los. Es ist eher ein Spaziergang, denn die Cousine bleibt gefühlt an jeder Blume stehen. Das ist ok, nur erklärt sie mir alles, und ich will das doch gar nicht wissen. Ich will Rote Große Felsen sehen! Ich laufe vor, staune die roten Steine an, warte auf die Cousine, laufe weiter. So geht’s.

Ein Monsum zieht auf. Ich laufe jetzt etwas schneller. Wir schaffen es gerade zurück an den Ortsrand, finden ein Vordach, da bricht das Unheil über uns herein. So ein Vordach nützt bei so einem Monsum aber auch nicht viel,  also höchstens nur die ersten 5 Minuten. Da können wir auch gleich weiter laufen, zurück ins Hotel.

Dick hat uns empfohlen, unbedingt den Sonnenuntergang auf dem Airport- Trail zu genießen. Die Wanderstiefel sind nass, Airport-Trail klingt jetzt auch nicht so mühselig, da können wir das heute Abend machen. Die Sonne scheint ja auch wieder schön. Also kaufen wir im Organic Market ein Picknick zusammen und wackeln in Sandalen los.

Erst geht es auf der Airport Road, wie der Name schon sagt, eine Straße entlang bis zu einem Felsen, von dessen Gipfel man schon mal einen gigantischen Blick hat. Dann studieren wir zwei Geografieweltmeister und Orientierunsspastiker so eine Karte auf einer Tafel, fotografieren sie noch ab und laufen den Airport-Trail lang. Das ist zunächst ein gemütlicher breiter Wanderweg, auf den sich sogar eine DSCN1145beleibte mexikanische Familie wagt. Dann wird aus dem Weg ein Pfad, dann so ein steiniges etwas mit  Abhang links. Ich hätte jetzt doch gern festes Schuhwerk an. Aber das steht im Hotel und mir bleibt nur, die Riemen der Sandalen (wenigstens sind es Tefas), fester zu ziehen. Und was ist eigentlich, wenn es dunkel ist? Haben wir eine Taschenlampe mit? (Natürlich nicht. Also im Hotel… ) Die Cousine meint, dass wir am Ende sicher am Airport rauskommen und da wird ja wohl eine Straße sein. Doch ich dränge nach einer Stunde auf Umkehr. 19:40Uhr geht die Sonne unter, 18:00Uhr sind wir auf dem Trail gestartet, da bleiben jetzt 40min für den Rückweg.

Wir genießen den Sonnenuntergang auf dem Felsen am Beginn des Trails, der übrigens, so stellen wir nach nochmaligem Studium der Tafel fest, der falsche war. Der Airport-Trail, der beginnt auf der anderen Straßenseite. Aber auch hier ist der Sonnenuntergang überwältigend schön. Die Felsen leuchten in tausend Rottönen, die sich auch noch minütlich ändern.

Amazing!

Die Auswahl der Fotos fiel heute schwer, weil auf dem Trail, der nicht der Airport-Trail ist, habe ich zwei die Landschaft bestimmende Felsen gefühlte 110 Mal fotografiert. Und jedes Mal sahen sie anders aus, selbst wenn der Blickwinkel derselbe war, weil sich ständig die Farben änderten. Genauso schlimm war es dann beim Sonnenuntergang. Das Kleine Kind hat letztlich den Scharfrichter abgeben müssen und gnadenlos aussortiert.

Drauf klicken hilft beim groß gucken

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11 Kommentare leave one →
  1. Frau Doktor permalink
    August 12, 2013 8:33 pm

    Was freue ich mich immer wieder, das ich bei Euch mitreisen kann 🙂

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  2. August 12, 2013 8:53 pm

    Wow!!! 😀

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  3. August 12, 2013 10:26 pm

    Danke fürs Erinnern. Flagstaff haben wir auf dem Abstecher zum Crater nur gestreift, aber die Felsen erinnern mich an unsere Sonnenauf- und -untergänge im Grand Canoyn und im Bryce Canyon bzw. Monoument Valley.
    Ich will da wieder hin.

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  4. August 13, 2013 8:05 pm

    ganz super! die roten felsen erinnern mich an unseren ausflug in den „talampaya“-nationalpark letztes jahr im november. toller bericht mit schönen fotos!

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  5. August 13, 2013 8:06 pm

    Grandiose Landschaft! Wie es sich liest, musstest Ihr die aber ganz schön „erlaufen“!

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  6. August 15, 2013 8:32 pm

    Fan-tas-tisch! Ähnlich beeindruckend fand ich damals den Grand Canyon, als Europäer hat man von „groß“ ja meist andere Vorstellungen. Leider ließ meine Kamera damals keine 110 Aufnahmen pro Felsen zu, ich muss wohl doch noch mal rübermachen

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  7. August 18, 2013 12:02 pm

    Deine Berichte gefallen mir sehr (sagte ich das nicht schon mehrmals?)
    Und die Fotos sind richtig toll!

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Trackbacks

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