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Das Abenteuer beginnt (Dienstag, 16.07.2013)

August 11, 2013

Eva bringt uns zur Greyhound Bus Station.

Ich hatte ja zu Hause eine örtliche Busverbindung herausgesucht, da man aber 2 Stunden vor Abfahrt der Überlandbusse einchecken soll, hätten wir so gegen 5:30 Uhr los gemusst. Und Adam zeigte sich eh besorgt und meinte, die Gegend um die Station wäre ziemlich schlecht, so dass wir beschlossen hatten, uns lieber ein Taxi zu rufen. Als Eva dann aber erfuhr, dass uns das 40 Dollar kosten würde, stand fest, sie fährt uns. Und da unsere Gastgeber auch beide der Meinung sind, eine Stunde für den Check In reiche völlig aus (die Busse sind eh alle zu spät), können wir also ein bisschen länger schlafen.

Eva hat sich gewundert, dass es diesen Pass nicht mehr gibt. Mit dem konnte man 1 Monat lang 6 oder 8x fahren, kostete so um die 400 Dollar. Doch der wurde in diesem Jahr tatsächlich abgeschafft. Als wir aber durchrechnen, was die Cousine und ich bis jetzt bezahlt haben, scheint es so, als seien wir billiger davon gekommen. Allerdings fehlen uns noch die Tickets für zwei Teilstrecken. Alle anderen habe ich zu günstigen Preisen im Internet gekauft. Da kommen wir bis jetzt gerade mal auf 280 Dollar pro Person. Wenn ich die später vor Ort, zum höchsten Preis gekauften Tickets allerdings dazu nehme, werden schnell 460 Dollar draus, für 7 Fahrten. Da relativiert sich die Sache schon wieder.

LA GreyhoundDie Greyhound Bus Station downtown Los Angeles besteht aus einem großen eingezäunten Parkplatz für Busse und Autos, Abfertigungshalle inkl. Check In Schaltern und Wartebereichen. Wir stellen uns artig in der Schlange an, lassen unser Gepäck wiegen, mit Aufklebern versehen und irgendwohin verschwinden. Das ist fast ein bisschen wie auf einem Flughafen. Dann sollen wir uns wohin setzen. Genau dahin!

Wir trauen uns auch erst mal nicht, zu widersprechen und gehen jeweils einzeln auf Erkundungstour oder Toilette. Die andere bewacht den Platz in der Sitzreihe.

Überall liegen Handys an Ladestationen, von den Besitzern ist weit und breit nichts zu sehen. Gepäck liegt auf dem Boden oder Sitzbänken rum und, das sehen wir später, markiert so den Platzanspruch seines Besitzers. Hm, das ist komisch. Wurde uns nicht gesagt, hier fahren nur die Ärmsten der Armen mit und man müsse auf seinen Kram aufpassen wie der Teufel? Und jetzt liegt hier alles rum und keiner scheint sich Sorgen zu machen, dass etwas verschwindet.

Der Bus, unser Bus, kommt zu spät. 9:44 Uhr geht es schließlich los. Wir haben uns, einem Tipp eines Users im Amerika-Forum folgend, so weit vorn als möglich platziert. Und dem Tipp der Kleinfamilie folgend haben wir die Decken aus dem Transatlantik-Flug mitgehen lassen (die Kissen auch). Denn hinten im Bus, da ist die Toilette, was unter Umständen zu üblen Gerüchen führen könnte und die Decken brauchen wir wegen der Klimatisierung. Die Fahrer, so wurden wir gewarnt, kühlen ihre Busse bis zum Geht-Nicht-Mehr herunter. Stimmt. Tun sie. Die Kissen aber dienen ausschließlich dem Komfort.

Die Passagiere sind gemischt, viele Afro-Amerikaner, viele Mexikaner/Südamerikaner, aber auch jede Menge Weiße.

Bevor es losgeht, baut sich der Fahrer im Gang auf. „Hi Guys! My name is Lloyd. I’m your driver…” Dann erzählt er, dass wir zu spät sind, wo wir überall anhalten und wie lange wir dort Pause machen werden und was es da für Fressbuden gibt. Am Ende bittet er uns, zu entspannen und die Fahrt zu genießen.

Der erste Halt ist San Bernardino, dass ist eigentlich noch Los Angeles.

In Indio sind wir dann schon mitten in der Wüste. Es ist unglaublich heiß, fast zu warm zum Rauchen. Obwohl in Indio eigentlich nichts ist außer Sand, gibt es ausgewiesene Raucherplätze. Die spinnen echt, die Amis.

wpid-IMG_20130716_122828.jpgWüste gucken ist unglaublich spannend. Ehrlich. Ständig verändern sich die Farben. Kurz vor Blythe geraten wir in einen Sandsturm, jetzt ist zwar klar, dass wir in Phoenix unseren Anschluss Bus nicht mehr erreichen, aber spannend ist das schon. Und ich wundere mich die ganze Zeit, warum die ihre Wüste einzäunen. Eine Antwort darauf kann mir während des ganzen Urlaubs niemand geben.

Wir versuchen aus dem Fenster heraus zu fotografieren, so gut es geht. Währenddessen versorgt uns ein Schwarzer ständig mit Verdi-Musik. In den Bussen hat man freies w-lan und er sucht uns auf seinem smartphone ein youtube-Video nach dem anderen raus.

Kurz nach Blythe überqueren wir den Colorado-River und damit die Grenze nach Arizona.

Phoenix erreichen wir schließlich mit über 2-stündiger Verspätung. Gut, dass ich in Flagstaff ein Zimmer gebucht habe. In Sedona, was ja das eigentliche Tagesziel ist, sage ich Bescheid, dass wir erst am nächsten Tag kommen. Und dann rufe ich noch Sanna an und buche unseren shuttle um.

In so einer Greyhound Station lernt man viele Leute kennen. Terrence, unser Bekannter aus dem Bus, kümmert sich ganz rührend um uns. Das Priority Ticket für den nächsten Bus erhalten wir automatisch, den Essenscoupon erst auf Nachfrage und nachdem uns Terrence den Tipp gegeben hat. Er ist auf dem Weg von L.A. nach Oklahoma City, arbeitet für den Film, scheint auch eine eigene Firma zu haben. Dass er Bus fährt, liegt daran, dass er wegen Trunkenheit am Steuer seine Driver Licence verloren und Flugangst hat. Dem Knast scheint er nur knapp entkommen zu sein, er zeigt uns ein merkwürdiges Dokument, in dem steht, dass seine Haftstrafe unter diesen und jenen Bedingungen ausgesetzt ist, bei Verstößen aber sofort wirksam wird. So richtig, gebe ich zu, verstehen wir das beide nicht.

Ein anderer Mann, der mit uns aus L.A. kam, ein Weißer, muss noch bis New York City, ein anderer Afro-Amerikaner will auch in die Richtung. Jemand versorgt uns mit Pistazien und als wir unseren für die Verspätung erhaltenen Essensgutschein einlösen, lernen wir einen Mexikaner kennen, der nach El Paso will. Es gibt keine Chance, sich zu langweilen. Wir hören Reisegeschichten und Lebensläufe. Und müssen freilich auch von uns erzählen.

In Phoenix ist es noch heißer als in Indio und Blythe zusammen. Die Station ist klimatisiert, doch manchmal, wenn wir auf den kleinen Hof hinaus gehen…. Lange hält man es da nicht aus.

Unser Bus nach Flagstaff kommt fast pünktlich. Verabschiedung und Umarmungen von unseren bisherigen Reisebegleitern, dann geht es weiter durch die Nacht. Jetzt sitzen ganz viel, öh, fette Menschen im Bus. Und ein alter Mann, den ich beim besten Willen nicht verstehe. Aber nachts, da schlafen eh alle irgendwann.

Gegen 1 Uhr sind wir am Ziel, lassen uns ein Taxi, ein cab, rufen und liegen wenig später in unseren Hotelbetten im Rodeway Inn, direkt an der Route66.

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4 Kommentare leave one →
  1. August 11, 2013 10:10 am

    Ooooooh, ist das abenteuerlich und spannend zu lesen! 🙂
    Während meiner Amerikareisen – „konventionell“, mit Flugzeug und Mietwagen – habe ich auch stets sehr viele überaus freundliche und hilfsbereite Menschen kennen lernen dürfen…
    Du weckst mit deinen Berichten und Bildern eine so immense Lust auf eine solche Reise, ich glaube, ich werde jetzt sofort ein Sparschwein aufstellen, und zu sammeln beginnen. Ich weiß auch schon eine sehr nette Internet-Freundin, die da mitfahren würde… 😉
    Hab einen schönen Sonntag! 🙂

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  2. August 15, 2013 7:57 pm

    Liest sich alles unheimlich spannend, aber auch uuuuunglaublich anstrengend. Ich war nach einer drei Stunden Busfahrt nach Berlin schon kaputt, obwohl das sicherlich qualitativ eine andere Nummer ist als ein Greyhound.

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    • August 15, 2013 8:09 pm

      Naja, die Greyhoundbusse sind wirklich sehr bequem und überhaupt nicht mit den hier gängigen Typen zu vergleichen. Ich hatte vorher Sorge wegen meines Rückens, hatte aber die ganze Reise über absolut keine Probleme. Auch hat man eigentlich genug Beinfreiheit, wobei die in den Bussen mit 44 Plätzen natürlich nochmal größer ist als in den Bussen mit 55 Plätzen. Als anstrengend haben wir die Fahrten nie empfunden. Und langweilig waren nur die zwei Nachtfahrten, sowohl die geplante als auch die ungeplante. Am Ende, im Trubel New Yorks haben wir die Busfahrten sogar vermisst

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  3. August 18, 2013 11:55 am

    Ich will ja auf absehbare keine Entwicklungsländer mehr besuchen, aber wenn ich das so lese…. Nee, in Europa gibts spannendere Ziele. Für mich zum Beispiel in den östlichen Bundesländern 🙂

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