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Express Connection (13.07.2013)

August 8, 2013

8:00Uhr, Flughafen Frankfurt/Main, Terminal  XYZ. Meine Cousine und ich hätten sich ruhig ausmachen können, WO auf dem Flughafen wir uns treffen, denn der hier ist doch etwas groß. Sie steht natürlich am Terminal ZYX. Wir finden und begrüßen uns und wackeln zu den Check In Schaltern der British Airways.

Hier herrscht eine entspannte Atmosphäre … bei den Damen und Herren der Abfertigung. Vor den Schaltern drängeln sich gefühlte Tausend Wartende. Uns ist ein bisschen unklar, in welche Schlange wir uns einreihen müssen. Ticket Desk, Check In (geschlossen), Club Europe oder vielleicht Bag Drop (3x)? Ich stelle mich am Ticket Desk an, die Cousine, die online eingecheckt hat, aber noch den Rucksack los werden muss, probiert es an einem der Bag Drops. Vorwärts geht es nirgends wirklich. Ich stehe – ungelogen- eine Stunde an und in dieser Zeit fertigt die Dame hinterm Schalter eine Person ab. Sie fertigt diese eine Person immer noch ab, als ich aufgebe und  mich meiner Cousine zugeselle. Da geht es zwar auch nur zäh voran, für manche Familien brauchen die eine Dame oder der andere Herr auch 35 min und irgendwann sind alle, wirklich alle, auch der Ticket Desk, unbesetzt. Machen die jetzt Frühstück oder was? Die wartende Masse weiß nicht, ob sie lachen oder Wutanfälle bekommen soll.  Die Stimmung bewegt sich auf einem gefährlich schmalen Grad zwischen Galgenhumor und Revolution.

Als die Herren und Damen zurück an ihre Schalter kommen, sind es nur noch ein Herr und drei Damen. Ein Schalter bleibt unbesetzt und am Ticket Desk widmet sich die Angestellte wieder ihrem unglaublich schwierigen Kunden.

10:55 geht der Flieger nach London. 10:15 stehen wir immer noch in der Schlange. Jetzt werden alle ein bisschen nervös. Ein Murren und Schimpfen macht sich breit. Die Stimmung neigt sich gefährlich Richtung Revolution. Da kommt, genau 10:25 Uhr, so eine Tussy raus, mischt sich lachend unters wartende Volk und erklärt mit einem strahlenden Lächeln, dass wir uns keine Sorgen machen müssten, die Maschine würde eh später starten. Und unser Anschlussflug nach Los Angeles? Kriegen Sie. Wir legen, unserem Misstrauen  Ausdruck verleihend, die Stirnen in besorgte Falten, da versichert man uns, dass wir 12:40 Uhr in London seien.

Und dann  stehe ich endlich am Schalter. Die Dame, die in den letzten zwei Stunden gern mal weggerannt ist und ihren Kollegen um Hilfe fragen musste und schon mal etwas länger für einen Kunden brauchte, sieht sich nicht in der Lage, meine Bordkarte für den Anschlussflug auszustellen. Das solle ich in London machen. (?!) Und wann bitte? Ja, sie  müssen da eh den Terminal wechseln, da kommen Sie ja am Schalter vorbei.

RUHIG BLEIBEN. Ich könnte sie natürlich bitten, ihren Kollegen um Hilfe zu bitten, ich könnte den Verkehr noch etwas aufhalten, denn bestünde ich auf meine Bordkarte, würde ich sicher auch zum 35-min-Fall. Stattdessen frage ich, wieso unser Flieger eigentlich Verspätung hat. Da sieht sie mich an, als wäre ich ein bisschen doof, macht eine ausladende, die noch wartende Menge mit ihrer Geste  einschließende  Handbewegung und belehrt mich: Weil Sie alle mit wollen? (Das Fragezeichen ist echt. Sie formulierte ihre Antwort als Frage). Ich würde sie jetzt gern an ihrem adretten Halstuch schnappen und über den Schalter zerren und dann irgendwas auf ihren Kopf hauen, aber ich will in diesen verdammten Flieger. Also grinse ich zurück, entspanne mich (ab jetzt soll sich gefälligst BA darum kümmern, wie wir nach L.A. kommen) und folge der Cousine erst zur Sicherheitskontrolle und dann zum Gate.

Keine Ahnung, wie lange wir dort aufs Boarding gewartet haben. Als der Herr vom Check In erscheint, ertönen Pfiffe und Buhrufe. Darauf zeigt uns der Angestellte der Britischen Fluggesellschaft einen höchst offiziellen Vogel.

Endlich im Flieger. Eine riesige Boing Dingsdabumms. Natürlich sitzen wir getrennt. Dann wird der Laderaum noch mal geöffnet, weil Gepäck wieder raus muss. Kurz danach flüchtet ein Passagier aus der Maschine.

Beim Start fliegen die Gepäckklappen über unseren Köpfen auf. Ja, British Airways macht einen sehr kompetenten Eindruck auf mich.

13.15Uhr Landung in Heathrow. 14:00 Uhr geht der Flieger nach L.A. Das wird knapp. Doch am Ende der Gangway stehen so Typen in roten Westen und halten Schilder hoch: Connection to Buxtehude, Connection to… Los Angeles.

Wir sind drei. Unser global guide drückt uns unsere Bordkarten in die Hand, alle hübsch eingetütet in roten Umschlägen „Express Connection“. Dann rast er durch den Terminal und fordert uns auf, ihm zu folgen. Was  uns einige sportliche Leistung abverlangt. Nebenbei erklärt er uns, dass wir immer unsere roten Umschläge hochhalten sollen und überall vor und durch dürfen. Ein anderer Typ hat den Bus aufgehalten, wir hopsen hinein, Roten Umschlag hochhalten, ruft uns unser guide hinterher, dann schließen sich die Türen. Am T3 hüpfen wir raus, halten unsere roten Karten wie Schutzschilder hoch und werden überall durchgewinkt. Die scheinen alle zu wissen, wo wir hin müssen. Wir folgen artig jeder Handbewegung, ziehen am Sicherheitscheck die Schuhe aus und wetzten zur Maschine.

Die ist noch größer als die nach London. Und natürlich sitzen wir getrennt. Aber ein junger Mann tauscht mit mir.

19,5 Stunden Flugzeit, vier Malzeiten, ganz viele Filme zur Auswahl. Ich lese, esse,  schaue Broken City, versuche zu schlafen, lese, esse, schaue Django unchained, lese, versuche zu schlafen, esse. Lese und gucke noch irgendwas.

17:00 Uhr Ortszeit Ankunft in L.A.

Am Immigration Schalter ein sehr entspannter ältere Herr. Er scherzt, grinst uns an und scheint uns für ein bisschen verrückt zu halten. Weil wir die Adresse unsere Gastgeber in L.A. nicht kennen, geben wir als ersten Aufenthaltsort unser Hotel in Sedona an. Sedona-Arizona singt der Beamte vor sich hin, lacht in sich hinein, grinst uns an und fragt, wie wir dahin kommen. Öh, Greyhound-Bus? Heut Nacht? Wir nicken mit ernsten Mienen.  Hm, er ermahnt uns, vorsichtig zu sein und immer zusammen zubleiben. Wir nehmen an, diese Warnung bezieht sich auf die Bus Station.

Gepäck fassen und noch 1000 Kontrollen. Da sieht jemand unsere roten Karten, die aus unseren Pässen hervor lugen. Express Connection schreit er aufgeregt und winkt uns irgendwo durch. Dann folgen wir wieder richtungsweisenden Armbewegungen und stehen plötzlich in der Ankunftshalle. Ganze 20 min nachdem wir das Flugzeug verlassen haben. Wir schauen uns etwas verblüfft an. Diese roten Karten, also die schleppen wir durch Amerika, die brauchen wir auf dem Rückflug.

Unsere Handys funzen nicht. Adam und Eva, unsere Couchsurfer sind natürlich noch nicht da. Und doch finden wir uns. Die Welt ist ein Mysterium.

Die beiden haben sich bei cs kennen und lieben gelernt.  Echt, das gibt es. 2006 surfte Eva aus Taiwan auf Adams Couch, seit 2008 sind sie verheiratet.

Wir fahren in ein japanisches Restaurant. Das ist erst mal … Huch? Die Kellner schreien. Ja sie schreien. Manchmal einer. Manchmal alle drei und manchmal schreien auch die Köche mit. Das wirkt irgendwie sehrt befremdlich, zumal sie japanisch schreien und wir demzufolge kein Wort verstehen. Bis wir mitkriegen, dass ist Programm. Bestellt jemand Bier oder anderen Alkohol, ein besonderes Gericht oder zahlt, schreit der Kellner durch die ganze Bar, dann schreien alle Kellner oder eben auch noch die Köche zusammen, verbeugen sich, die Gäste rufen irgendwas, was wie Hoho klingt, Kellner und Köche verbeugen sich noch mal. Ich sitze da wie im Theater, verstehe nicht, was um mich herum geschrien wird und genieße das viel zu laute Spektakel in der kleinen, gangartigen Bar. Ständig passiert irgendwas. Sehr merkwürdig sieht das aus, macht aber einen Heidenspaß. Und vor allem besteht hier nicht die geringste Gefahr, plötzlich über dem Essen einzuschlafen. Das, gegrilltes Fleisch, Pilze, Innereien, Eier, Gemüse und Salat, den man in seltsame Soßen taucht, ist oberlecker. Eigentlich bin ich stehend k.o., aber hier blühe ich noch mal auf. Zu Hause  muss es jetzt so  5:00 Uhr sein. Gegen 8:00 Uhr Heimatzeit liegen wir in den Betten. In L.A. ist es grad mal 23:00 Uhr und immer noch Samstag.

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12 Kommentare leave one →
  1. August 8, 2013 3:29 pm

    Ich bin vor etlichen Jahren mal mit BA nach New York geflogen, von München via London, da hatte ich aber einen sehr guten Eindruck vom Service dieser Fluggesellschaft gewonnen…

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  2. August 8, 2013 7:30 pm

    Muaahhh, ähnlich üble Erfahrungen habe ich mit Canadian Airlines gemacht. Naja, nun egal.
    Ich glaube, Deine rote Karte könnte ich gut gebrauchen für unseren USA-Trip im Herbst 😉
    Haben zwar nicht mir Anschlussflügen zu kämpfen, weil Berlin_NYC direkt, aber das stundenlange Anstehen vor der Einreise direkt könnte ich mir gut vorstellen, wenn es abgekürzt wird 😉 Am Immigration-Desk ein entspannter Herr? DAS hatte ich in der Tat bei Einreisen noch nie. Eher so Marke bärbeißig und bloß nicht die wichtige Miene verziehen.

    Hach, so allmählich müsste ich mal unseren Amtrak buchen… Flug ist allerdings schon klar.

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    • August 9, 2013 8:31 am

      Na, wenn Du vor dem Herbst noch mal hier bist, kann ich Dir den Umschlag geben. Oder ich schicke ihn Dir. Kein Problem. Und was den Herrn am Immigration Schalter betrifft… Vor dem hatten mich ja alle gewarnt. Und die Cousine, die schon öfter, privat oder dienstlich drüben war, war auch so überrascht, dass sie sich noch tagelang gewundert hat.

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      • August 9, 2013 7:21 pm

        Sieht gut aus. Tantchen zieht Mitte des Monats um. Schätze mal, wir sind Anfang September (endich) in Deiner Nähe 😉

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  3. August 8, 2013 8:22 pm

    Hast du anschaulich beschrieben und für dein Geld ordentlich was abgekriegt.
    Gruss vom Müller

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  4. August 8, 2013 9:08 pm

    Mehr! meeehhhrrr! Du wirst doch keine Pausen machen zwischen deinen Berichten…? 😦

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  5. August 9, 2013 1:20 am

    Du bist also wieder da. 🙂
    Und du wirst noch eine Menge zu berichten haben. Und das ist gut so.

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  6. August 9, 2013 8:32 am

    Die Reiseberichte kommen so, wie ich die Fotos sortiert kriege. Und ich bemühe mich wirklich sehr 😉

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  7. August 9, 2013 8:56 pm

    toll, die berichte und fotos. da macht das lesen richtig spaß!

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  8. rotkapi permalink
    August 10, 2013 12:48 am

    Erst heute entdeckt und hab mich schon richtig fest gelesen bei dir!
    Danke für’s Mitnehmen…
    Liebe Grüße,
    Rotkapi

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  1. Die roten Steine von Sedona (Mittwoch, 17.07.2013) | Inch's Blog

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