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3000 Meilen, 11 Bundesstaaten, 4 Zeitzonen

August 7, 2013

So, da bin ich also wieder.

Nach drei aufregenden Wochen kämpfe ich noch ein bißchen gegen den Jetlag, habe  meine während des Urlaubs hier geposteten Handyfotos das erste mal auf dem PC gesehen (…), danke Euch für Eure Kommentare, entschuldige mich, dass ich nicht immer darauf geantwortet habe, sortiere Fotos, erinnere  mich dabei an fast vergessenes…

Drei Wochen einmal quer durchs Land.  3000 Meilen, 11 Bundesstaaten, 4 Zeitzonen.

Ich habe soviel gesehen und erlebt, dass es mir manchmal vorkommt, als sei ich drei Monate dagewesen. Ich bin froh ob der  Fotos und des Reisetagebuches, denn ohne diese Erinnerungsstützen fiele es mir manchmal schwer, alles erlebte, die vielen Begegnungen, zeitlich und lokal richtig einzuordnen. Wo habe ich den Filmproduzenten getroffen und wo saß ich neben der dicken Frau? Wann wurde die Landschaft langweilig wegen der ewigen Maisfelder?

Es war faszinierend, zu beobachten, wie sich mit der Landschafr auch die Menschen veränderten.

Wir waren überrascht vom Essen, das besser war als sein Ruf, allerdings immer zu viel. Viel zu viel.

Wir standen an Bahndämmen und zählten mehr als 200 Waggons an einem Zug.

Wir schwitzten bei 40°C im Schatten, lernten Fahrenheit in Celsius umzurechnen und wickelten uns in den klimatisierten Bussen in unsere Decken.

Überhaupt die Busse! Viele hatten ja den Kopf geschüttelt, mietet man sich in den Staaten doch ein Auto oder fliegt. Das wahre Amerika würden wir da nicht kennenlernen, nur die aller unterste, die ärmste Schicht. Und unbequem sei es auch.

Greyhoundbusse sind bequemer als Flugzeuge. Und die Passagiere sind so unterschiedlich wie das Land. Klar, Manager trifft man da nicht, aber nach denen stand uns auch nicht der Sinn. Und es fahren  natürlich auch arme Leute mit. Aber auch Leute, die ihren Führerschein verloren und Flugangst haben, oder gerade ihren Truck zu Schrott gefahren haben. Oder Leute, die sich mit dem eigenen Wagen einfach nicht in die große Stadt wagen. Junge Leute unter 21.

Die Einheimischen selber haben unsere Art des Reisens sehr positiv aufgenommen, manche hielten uns auf eine liebenswerte Weise für verrückt („kein Mensch fährt mit dem Greyhound“). Gerade in den ländlichen Gegenden hielten sie uns mit unserem komischen Englisch für Kanadier. Nein? Dann Australier. Und so wie wir neugierig waren auf das Land, waren sie neugierig interessiert an uns.

Greyhoundbusse haben eigenttlich immer Verspätung, je weiter westlich, desto unsicherer der Zeitplan. (Nur in New York waren wir pünktlich). Man verpasst seine Anschlüsse und hockt dann u.U. stundenlang auf Busstationen rum. Viel Zeit, um Menschen kennenzulernen. Wenn man sich auf die Art des Reisens einlässt und sich immer bewusst ist, dass man im Urlaub ist, kann man auch die Verspätungen genießen. Geärgert haben wir uns  nur, wenn wir aus diesen Gründen nachts fahren mussten. Denn nachts ist es einfach langweilig. Es gibt nichts zu sehen und alle schlafen.

Zweimal dachten wir, wir kommen nie mehr weg. Jedesmal irgendwo im Nirgendwo. Einmal war der Buss voll, ein andern mal fuhr er woanders ab, als wir angekommen waren. Das zerschmetterte uns in beiden Fällen für ca 10 min, dann fanden wir uns mit der Situation ab oder suchten nach Lösungen. In diesen Situationen war es gut, zu zweit zu reisen, Zu zweit berappelt man sich schneller wieder.

Die Amerikaner selber haben uns überrascht. Wir glaubten ja zu wissen, wie offen und hilfsbereit sie sind. Und waren dann davon überrascht, WIE offen und hilfsbereit sie tatsächlich sind. Ihre Herzlichkeit ist einfach entwaffnend. Natürlich mag das oberflächlich sein. Natürlich haben sie uns 5 min später möglicherweise vergessen. Das mag alles sein. Aber für den Moment, besonders, wenn wir Hilfe  brauchten, tat das richtig gut. Und viele fühlten sich für die Zeit des gemeinsamen Wegs einfach verantwortlich für uns, achteten besorgt auf unser Wohlbefinden, auf unser Weiterkommen.

Ich kannte die Staaten bisher nur aus Filmen und Büchern. Oder aus den Erzählungen anderer, mit dem Mietwagen Reisender. Ich hatte Bilder in meinem Kopf und Klischees, vieles habe ich bestätigt bekommen, andere Dinge haben mich völlig überrumpelt und überrascht.

Und wenn ich noch mal über den großen Teich fliegen sollte, dann würde ich wieder den Greyhound als Transportmittel wählen, vielleicht den Amtrac ausprobieren. Wieder über den großen Teich? Sie hören ganz recht. Ich hätte es bis vor einem Monat auch nicht glauben wollen, aber nun scheint mir das gar nicht so abwägig, wenn auch nicht in den nächsten fünf Jahren.

Ab morgen werde ich hier mit meinem Reisebericht beginnen. Vorher muss ich noch ein bißchen Bilder sortieren.

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9 Kommentare leave one →
  1. August 7, 2013 7:12 pm

    Freue mich auf deine Erlebnisberichte und keinen Stress, lass dir Zeit dafür.
    Gruss vom Müller

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  2. August 7, 2013 7:13 pm

    das klingt alles sehr vielversprechend! von der freundlichkeit und hilfsbereitschaft hört man immer wieder, toll daß ihr das erleben durftet! viel spaß beim fotos sortieren, das dauert bestimmt ´ne ganze weile 😉

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  3. August 7, 2013 7:19 pm

    Liest sich als ob Ihr die Reise voll geniessen konntet. Bin gespannt auf ausführliche Berichte. GLG

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  4. August 8, 2013 12:30 am

    Auch wenn ich nicht zu den Täglichreinschauern gehöre, bin ich doch immer wieder da. Großes Lob für den excellenten Stil, durch dem man sich gerne festliest. Der Springsteen Bericht war echt packend, auch die Autobahnsituation. Bin auf die Greyhoundreise gespannt.

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  5. August 8, 2013 9:42 am

    @ all. Ich überlege noch, ob ich die Reise in Berichten zusammenfassen soll. oder einfach meine Reisetagebuch abschreibe. Im Moment tendiere ich zu letzterem. Weil, ich habe einfach zu viel erlebt in den drei Wochen. Und außerdem… je mehr Blogs deste mehr Fotos kann ich unterbringen 😉

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  6. August 8, 2013 10:06 am

    Jaaaaaa! 😀 Schreib dein Reisetagebuch ab, bitte, bitte! Und je mehr Fotos, desto besser! 😀
    Schön, daß du wieder da bist!

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