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Der verschwundene See

Juni 23, 2013

Michael  Lindner (@signifikanten) hatte mich ja neugierig gemacht, als er im Kommentar zum Hochwasser in Leipzig erwähnte, dass der Elsterstausee infolge der etwas viel Wasser führenden Elster wieder vollgelaufen sei.

Das wollte ich sehen!

Leider verhinderte mich eine Dienstreise nach Barcelona zur sofortigen Umsetzung in die Tat.

Doch kaum zurück, fuhr ich hin. Das war am Samstag vorige Woche.

Der Elsterstausee entstand in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts im Südwesten der Stadt und hatte ein wichtige Funktion im Rahmen der Regulierungs- und Hochwassermaßnahmen der Leipziger Flüsse. Ungefähr so groß wie der Berliner Wannsee war er bis in die 60er Jahre das größte stehende Gewässer der Messestadt. Ich habe gelesen, dass in ihm außerdem das Wasser des Elstermühlgrabens gereinigt wurde. Es wurde erst eingeleitet, dann wieder ausgeleitet. Dann war es sauber. Fragen Sie mich nicht! Ich kenne den Elsterstausee als Badesee! Das Wasser muss da also schon einigermaßen sauber reingekommen sein. Oder wir waren früher nicht so empfindlich. Oder es gab ja sonst nix. Was weiß ich.

Seit 1977 fließt das Wasser des Elstermühlgrabens nicht mehr in den Stausee. Denn damals ging es um Kohle. Die Tagebaue waren dem See bedrohlich nahe gekommen und man gierte nach den unter dem Wasser liegenden Rohstoffen. Die Weiße Elster wurde weiträumig um verlegt, der Mühlgraben endet jetzt direkt im Fluss, der See selber wurde um die Hälfte verkleinert und künstlich abgedichtet und musste mittels Pumpen mit Wasser aus der tiefer liegenden Elster  versorgt werden.

2002 wurde den Pumpen dann der Strom abgeklemmt, weil eine Elektroleitung zum Vergnügungspark Belantis neu verlegt wurde. Die Leipziger gingen auf die Barrikaden und durch private Initiative wurde eine Stromanschluss gelegt.

Doch letztlich war der See nicht zu retten, bzw. wäre seine Rettung ein teures Unterfangen geworden. 30000€ würde es die Stadt jährlich kosten, weiter Wasser in den See zu pumpen. (Sie dürfen jetzt selbst urteilen, ob das zu teuer ist oder eher nicht). Und mit der Entstehung des Neuseenlandes, dass heißt der Umgestaltung des ehemaligen Tagebaugebietes im Süden der Stadt in ein Wassersportgebiet dürfte auch das Interesse vieler Leipziger an dem See gesunken sein.

Seit 2007 ist er „trocken gefallen“, „verlandet“.

Als ich vor Jahren dort war, wirkten Steg und Sonnenwiese merkwürdig deplatziert. Tretboote hingen zwecklos an Tauen.

Nun wollte ich ihn gern noch einmal mit Wasser sehen. Vielleicht ein letztes Mal.

Doch als ich am Samstag vor einer Woche da war (15.6.), war er schon wieder leer gelaufen.

Schade.

Auf der Fahrt zum und um den See konnte ich dafür ein paar andere Erinnerungen an das Hochwasser finden und fotografieren.

(wie immer: drauf klicken=groß gucken)

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3 Kommentare leave one →
  1. kristina giering permalink
    Juni 24, 2013 10:34 am

    Ich bin in einer Stadtrandsiedlung in der Nähe des stausees aufgewachsen. und war dort jeden sommer baden. das wasser war dreckig, aber es hat uns nicht gestört. zumindest erinnere ich mich, dass ich , als ich im ferienlager in thüringen war, feststellte, es gibt seen, da ist das wasser fast klar und man kann den Grund sehen. das wasser des stausees war irgendwie braun. an einen sommer kann ich mich erinnern, da gab es ein fischsterben im stausee, und man begegnete im wasser auch mal einem toten fisch. zum baden hatten wir ja noch die sandgrube mit viel saubererem wasser, aber da durfte ich als kind nicht hin, weil baden dort verboten war, es keinen rettungsschwimmer gab und oft badeunfälle. also ging es – mit fettbemmen, sauren gurken, `ner mark für bockwurst oder eis ausgesüstet – so oft wie möglich an den stausee und es waren für uns tolle sommertage.
    schade, den stausee nochmal mit wasser zu sehen, habe ich leider auch verpasst.
    kristina

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  2. Juni 24, 2013 12:09 pm

    Ich habe Deinen Artikel gestern schon gelesen, aber da war ich schon ausgeloggt…
    Ich hab noch nie was gelesen, das ein See trocken gelegt wurde – also wie Du geschrieben hast – auch noch so nen großer! Bild 1 ist echt der Hammer! Schade, das die Treetboote weg sind – oder nen Ruderboot, wäre ja fast schon ne LP.

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