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Genetik, Miró und das scheinbar wahre Leben

Juni 16, 2013

Der Donnerstag ist mein Tag. Und das gleich in mehrfacher Hinsicht.

In den letzten Sessions des Kongresses geht es um Genetik und Epigenetik. Obwohl es am Mittwoch recht spät geworden ist, bin ich hellwach.

Und dann, kurz nach Mittag, fahre ich hoch zum Montjuic, ins Fundació Joan Miró!

Das Museum ist dem Werk des Katalanischen Künstlers gewidmet und enthält über 10000 seiner Zeichnungen, Gemälde, Skulpturen, Bühnenentwürfe und Teppiche. Doch schon das Gebäude selbst ist einen Besuch wert.  Der Architekt Joseph Lluis Sert wählte für den ganz weißen Bau klare kubische Formen. Große Fenster sollten für genügend Licht sorgen. Doch da man heute Gemälde und dergleichen lieber in künstlichem Licht präsentiert, sind die Fenster allesamt verhangen bzw. mit Rollos verschlossen.

Ich renne, mit einem Audioguide bewaffnet und grinsend wie ein Breitmailfrosch, durch die Ausstellungsräume. Frühe Zeichnungen und Gemälde zeigen einen ganz anderen Miró als den, den ich so liebe.  Das Museum schafft es ganz hervorragend, dem Besucher den Stilwechsel,  der bei dem Katalanen in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts in Paris unter dem Einfluss des Dadaismus und Surrealismus einsetzte, zu erleben, die Entwicklung der Reduzierung, die immer größer werdende Bedeutung seiner magischen Zeichen Frau, Vogel, Mond, Stern, Auge.  Via Audioguide erfahre ich viel über sein Umfeld, die historischen Hintergründe. Zum Glück gibt es keine Deutungsversuche seiner Bilder, Skulpturen und Teppiche bzw. wenn doch, springe ich zur nächsten Erklärung. Mein Lieblingsbild Frau mit Vogel hängt ja in Madrid, aber hier in Barcelona findet sich der Gobelin gleichen Titels. Schon allein dafür hat sich für mich der Besuch des Museums gelohnt.

Und auf der Dachterrasse des Museums schließlich werden noch ein paar Skulpturen ausgestellt. Leider wird dort gerade gebaut, weswegen sicher die Hälfte abgesperrt ist.

Im Erdgeschoss befindet sich eine Sonderausstellung. Gemälde und Zeichnungen von von Miró beeinflussten Künstlern. Die aber, ich gebe es zu, betrachte ich nur flüchtig.

Mit der Seilbahn fahre ich hinunter zur Avenida Paral-lel und laufe Richtung Meeresmuseum und Stadtzentrum. Doch statt den direkten Weg über die Rambla zu nehmen, biege ich links ab in kleine Gässchen und tauche ein in ein Barcelona, wo sich nur wenige Touristen einfinden. Manchmal ist mir direkt etwas unheimlich, ich packe die große Kamera vorsichtshalber weg und knipse mit der kleinen. Wird es mir zu gruselig, laufe ich wieder Richtung Rambla, biege kurz vor Erreichen der Hauptstraße wieder ab, laufe zurück, lande in der Markthalle, biege wieder ins Viertel ab, das, wie ich später erfahre, El Raval heißt, verlaufe mich und finde dann doch irgendwie ins Hotel.

Immer noch grinsend und reichlich glücklich lege ich mich, wie ich bin, aufs Bett und schlafe sofort ein.

Nur eine Stunde später heißt es wieder raus aus den Federn.

Ein spanischer Kollege will uns und einigen weiteren Landsleuten ein ganz besonderes Viertel zeigen.

Wir holen die Truppe in einer Tapasbar ab. Das ist jetzt doof, weil wir haben natürlich irgendwie vergessen, zu essen. Außerdem habe ich an meiner Kamera irgendwas verstellt und kann den Fehler nicht finden. Das ist suboptimal.

Das Viertel Gracia erlebt gerade das, was wir Gentrifizierung nennen. Trotzdem kann man das Original an einigen Plätzen noch erahnen und erleben. Die Touristen sind noch nicht so zahlreich und mischen sich fast unbemerkt unter die Einheimischen. Auf einem Platz trifft sich die Bevölkerung noch, um zu musizieren, zu singen und zu tanzen. Hier fühlt man die Wurzeln des Flamenco in der Zigeunermusik noch.

Natürlich ist es unmöglich, in irgendeiner der Straßenbars einen Platz zu ergattern. Oder gar sieben. Wir enden etwas abseits in einer Kneipe bei Bier und Tapas, unsere Gespräche kreisen um Genetik, Gaudi, Zoonosen, Miró, Weiterbildungskurse und Barcelona.

Ein ganz wunderbarer Abschluss des Kongresses und Abschied von einigen Kollegen ist das.

Vorsicht! Es folgen viele Fotos. Drauf klicken macht sie groß

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9 Kommentare leave one →
  1. Juni 16, 2013 6:30 pm

    Ach, soooo schön. Ich bin gerne mit Dir noch einmal dorthin gereist. Und ich bin mir sicher, dass ich noch einmal hin muss. Unbedingt.

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  2. Juni 16, 2013 6:58 pm

    Da muss ich auch hin! 😀

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  3. Juni 16, 2013 8:54 pm

    Danke für deine für uns niedergeschriebenen und fotografierten Eindrücke. Müller.

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  4. Juni 17, 2013 6:09 pm

    Als Kunstnichtsachverständiger gefällt mir das gruselige Viertel am besten. Und der Bellota läßt das Wasser im Munde zusammenlaufen.

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  5. Juni 17, 2013 6:43 pm

    😀 Mir hat dort einfach alles gefallen. Den ganzen Tag! 😀

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  6. Juni 17, 2013 7:14 pm

    Mist, und ich habe vergessen, dich auf das gotische Viertel hinzuweisen…
    Klasse Berichte und tolle Fotos

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  7. gemeinsamleben permalink
    Juni 17, 2013 11:02 pm

    Seit einem Jahr spiele ich mit dem Gedanken, Spanien zu bereisen. Barcelona wird für diesen Herbst langsam aber sicher zu einer echten Option.

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