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Manches muss man nur einmal sehen

Mai 6, 2013

Zum Beispiel den Flughafen Frankfurt-Hahn. Vielleicht geht es ja an, wenn man tagsüber von dort abfliegt. Wir aber schlagen uns dort die Nacht um die Ohren.

Unser Flieger geht 6:50Uhr. Der letzte Zug, der uns in time nach Frankfurt bringt, erreicht die Mainmetropole 22:54Uhr. Wir hecheln zum Bus.  Knapp zwei Stunden braucht der zum irgendwo im Hunsrück liegenden Airport. Dort geht der erste Flieger 6:10 Uhr. Da der nächste Bus aber erst kurz vor 5 hier eintrudelt, ist es entsprechend voll.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA Man hat sich eingerichtet, liegt unter Treppen oder auf den Schaltertischen. Manche nur notdürftig mit ihren Jacken zugedeckt, andere mit Luftmatratze und Schlafsack. Ziemlich neidisch bin ich auf den Herrn im Liegestuhl.

Aber wir können nicht mal einen der zahlreichen Sitze ergattern, verkrümeln uns stattdessen zu Mc Doof und zählen die Minuten. Es gibt ja Menschen, die haben so gute Freunde, dass sie auch nachts 2:00UhrOLYMPUS DIGITAL CAMERA mit denen stundenlang telefonieren können. Wir müssen uns unterhalten, lesen, Rätsel lösen, abwechselnd zum Rauchen raus gehen oder aufs Klo. Zwei drei mal kann man auch den Flughafen inspizieren. Den Leuten beim Schlafen zu gucken. Oder zwei erstaunlich wachen Kleinkindern.

Da freut man sich aufs Einchecken und beim Boarding in der Schlange stehen. Ein älterer Herr textet einen ganz jungen zu. Neben dem dürfen wir möglichst nicht sitzen. Die Zeit im Flieger muss ich zum Schlafen nutzen.

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Der Flughafen der Estnischen Hauptstadt begeistert mich. Da stolpert man gleich, wenn man die Halle betritt, über einen großen Indoor-Spielplatz. Das macht sofort einen freundlichen Eindruck. Hier lässt es sich nachts, denke ich mir, bestimmt besser aushalten.

Doch unser Pilot hat  der Tochter meiner Freundin die Überraschung verdorben. Weil er nämlich zu früh in Tallinn landet, steht sie nicht  mit ihrem Schild am Ausgang. Aber man kann die Szene ja nochmal nachstellen.

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Unser Hostel liegt sehr günstig mitten in der Altstadt. Ansonsten gehört es aber auch eher zu den Dingen, die man nur einmal gesehen und erlebt haben muss. Erst mal ist es sehr unscheinbar. Der Eingang, meine ich. Dann weiß man nicht, welche der vielen Klingeln man drücken soll. Gemeinsam mit einem Portugiesischen Backpacker, der die günstigere Variante über Bremen genutzt hat (von Frankfurt-Hahn ist er auch schon mal geflogen und schwört, das nie wieder zu tun) stehen wir ein bisschen dumm im Regen rum. Das Wetter ist so, wie befürchtet. Zudem pfeift ein unangenehm kalter Wind  durch die enge Gasse. Die Freundintochter beweist schließlich ihre Qualitäten als Ortskundige, findet den richtigen Klingelknopf und als keiner öffnet, die richtige Tür.

In Tallinn sind die Menschen sehr gelassen. Tatsächlich haben wir nur zwei mal jemanden nach Bus oder Bahn rennen sehen. Alles schlendert die Straßen entlang. In Supermärkten finden sich ewig lange Schlangen, im Restaurant dauert alles etwas länger. Im Hostel kommt zu der Entspanntheit der Esten noch die Umständlichkeit der jungen Frau an der Rezeption. Alles kein Problem, wenn man nicht die Nacht durchgemacht hätte, und halb verhungert danach gieren würde, irgendwo essen gehen zu können. Ins Zimmer können wir eh erst ab 2, aber unser Gepäck täten wir gern hier lassen wollen.

Die Freundintochter zeigt uns kurz den Rathausplatz, die wichtigste Haltestelle, DIE Straße in der Altstadt und dann sitzen wir in einem kleinen Restaurant.

Der Schock kommt, als wir das Zimmer beziehen. Ein Basic Double Bed Private Room. 140cm breit ist das Bett. 140cm!!! Für zwei Personen.  Wir sind ein bisschen sprachlos. Ich kenne die Freundin ja schon lange, aber in einem 140cm breiten Bett, das ist doch ein bisschen zu privat.

Überhaupt das Hostel. Eigentlich kann man da einiges draus machen. Die Zimmer und verwinkelten Gänge erstrecken sich über drei Etagen. Der Besitzer beweist bei der Wandgestaltung auch viel Geschmack. Es gibt eine Bar, eine Küche inkl. Waschmaschine, gleich daneben eine Lounge.

Nur eben renoviert und malert und zimmert er so, dass alles den Anschein hat, als würde es nur ein halbes Jahr halten. In unserer ganzen Zeit sind im Prinzip nur zwei Duschen benutzbar, weil die anderen wegen Reparaturen geschlossen sind. Und dass bei uns die Hälfte der Gardine fehlt, stört auch niemanden außer uns. Aber nur ein bisschen. Immerhin gibt es drei Toiletten. Und, naja, es ist preiswert. Die Lage ist unschlagbar. Und durch die verwinkelten Gänge ist es auch überall ruhig. Trotzdem, da muss ich nicht noch mal hin. Auch wenn man nach Tallinn natürlich fliegt, um die Stadt zu sehen, und nicht, um im Zimmer rum zu hocken.

Doch nach dem dringend benötigten „Mittagsschlaf“ holt uns die Freundintochter ab und wir wackeln hoch zum Domplatz, von wo aus wir eine herrliche Aussicht über die Stadt genießen. Die Sonne kommt raus, wie um uns zu begrüßen. Zwar ist es noch kalt, aber auch das wird sich ab morgen ändern.

Hallo Tallinn! Du Wunderschöne am Meer.

(Wie immer: zum Groß gucken drauf klicken)

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9 Kommentare leave one →
  1. Mai 6, 2013 7:37 am

    Schöner Bericht, der mir noch mehr Lust auf Tallinn macht, mich aber gleichzeitig vor FF-Hahn warnt. Tja, und gestresst darf ich dann wohl auch nicht sein. Sonst bringt mich zur Schau gestellte Lahmarschigkeit, ähm Gelassenheit zur Raserei 😉

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  2. Mai 6, 2013 8:34 am

    Deine Fotos machen mich noch neugieriger auf Talinn. HH (Hahn-Hunsrück) kann ja nichts dafür, durch eine Billigfluggesellschaft mit Frankfurt in Verbindung gebracht zu werden, bzw. umgekehrt. Ausserdem war das ein Militärflughafen für eine Besatzungsmacht, der niemals als Passagierflughafen geplant war. Und wer billigst fliegen möchte, kann nicht auch noch Sitzgelegenheiten erwarten. Schöne moderne Zeiten 😉

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    • Mai 7, 2013 8:39 am

      Ja, da hast Du natürlich Recht. Trotzdem, man kommt nur von Frankfurt aus mit dem Bus dahin, nicht zB von Wiesbaden. Und wie gesagt. solche Erfahrungen gehören dazu, und sei es nur, um zu wissen, dass man da nie mehr abfliegt 😉

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  3. Mai 6, 2013 10:02 am

    Also, ich glaube, ich hätte die Nacht auf dem Flughafen nicht unbeschadet überstanden…
    Ruhe und Gelassenheit kommen mir sehr entgegen. Bei Lahmarschigkeit und Umständlichkeit fahre ich allerdings auch leicht aus der Haut 😉 Und deine Talinn-Bilder wecken jetzt wieder einmal die Reiselust in mir…

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  4. Mai 6, 2013 7:26 pm

    „Frankfurt“ Hahn ist bestimmt ähnlich toll wie „Düsseldorf“ Weeze, aber was wären die Alternativen? Ein Flug von Hamburg nach Tallinn kostet so viel wie eine Woche All incl. auf Malle, und das ohne Rückflug. Dafür bekommt man schon bald eine Kreuzfahrt auf der Ostsee, mit Tallinn und Sankt Petersburg, da komm ich immer mehr ins Grübeln. Denn nach Tallinn will ich unbedingt..

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    • Mai 7, 2013 8:46 am

      Von Weeze hatte ich schon gehört, war eindrücklich davor gewarnt worden. Deshalb wurde es dann Frankfurt Hahn. Immerhin ist die Abflughalle, der Wartebereich da recht groß. Es gibt tatsächlich viele Sitze. Ganz anders als weiland in Altenburg. (Guckste hier:http://inch.beepworld.de/england11.htm ). Die waren schon auf Nachtgäste eingestellt. Und ja, wenn es einen Billigflug gibt, werde ich den immer bevorzugen. Nur vielleicht nicht ab Frankfurt-Hahn. 😀

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  5. Mai 6, 2013 8:10 pm

    Deine schönen Bilder wecken meine Reiselust. Noch muss ich bis Mitte Juni auf meine Fahrrad-Tour warten. Das ist lange, sehr lange!

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