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Gut gemeint

April 29, 2013

In Städten wohnende Radfahrer kennen das.

Für häufige Verbindungen hat man irgendwann den Dreh raus, kennt die ampelfreieste, über Nebenstraßen führende, kürzeste Strecke.

Ich schaffe das auf dem Weg in die Uni immerhin auf 2/3 des Weges. Bis ich an diesem Radweg bin. Ab da geht’s dann schön neben den Autos her und über Ampeln.

Mann, ich hasse Ampeln. Voll das Radfahrerhindernis.

Um dahin zu kommen, zu dem Radweg, muss ich zwei große Straßen überqueren. Früher musste ich da gar mal 20m durch eine Einbahnstraße. Natürlich verkehrt rum. Und natürlich hat das kein Radfahrer ernst genommen, dieses letzte Stück Straße. Das war im Frühjahr immer ein lustiges Spiel. Plötzlich wurde man nicht mehr von jungen sportlichen Herren auf noch sportlicheren Rädern überholt. Plötzlich fuhren da alle ganz, gaaaaanz langsam.  Einmal im Frühjahr, da stand da nämlich die Polizei. Versteckte sich zwischen den parkenden Autos und wenn ein armer Radfahrer das Einbahnstraßenschild „übersah“, Schwupps, sprangen die Herren Ordnungshüter aus der Deckung hervor und baten den Unglücksraben zur Kasse. Die anderen Radfahrer, die, die Glück hatten, sprangen von ihren Gefährten und „tütelütütü“ schoben ihre Räder mit Unschuldsminen die 20 m vorbei.

Am nächsten Tag wurde man dann wieder von den jungen sportlichen Herren auf ihren noch sportlicheren Rädern überholt. Denn es bestand keine Gefahr mehr für den Rest des Jahres. Denn, das wusste jeder, die Herren Ordnungshüter legten sich da nur jeweils einen Tag pro Jahr auf die Lauer.

Dann hatte irgendjemand, der was zu sagen hat, in irgendeiner Behörde, die so was entscheiden darf, ein Nachsehen und ließ einen Radweg auf die Einbahnstraße pinseln. Nun darf man da ganz und höchst offiziell verkehrt herum fahren. Mit dem Rad, versteht sich.

Danke lieber unbekannter Entscheider!

Aber nun, nun meint er es zu gut, der Mann oder die Frau in der Behörde. Oder wurde da ein Stuhl neu besetzt? Denn was jetzt an Gutem getan wird, das ist zu viel. Echt.

Die bauen da jetzt eine Ampel hin. Eine Ampel!!!

Also eigentlich ist die schon da. Und vom Straßenbelag grinsen mich leuchtend weiße Striche an, die den Radweg markieren und die Haltelinien.

Noch stehen die Ampeln nur blöd und nutzlos rum. Aber ab 1. Mai gehen die bestimmt in Betrieb.

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Das ist nicht nett, das ist ein Hindernis!

Ja ja, da herrscht ein hohes Verkehrsaufkommen. Ich weiß. Aber nur 150m rechts und 350m links sind zwei Ampelkreuzungen, da braucht man als Radfahrer nur zu warten, bis alle Autos stehen. Ist ganz easy.

Ich habe da noch nie einen Unfall gesehen. Und auch nicht davon gelesen, oder gehört.

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Nein nein, eine weiter Ampel ist da völlig überflüssig. Da meint es dann jemand doch zu gut.

Oder geht es gar nicht um die Radfahrer? Liegt das nur auf dem Schulweg der Kinder irgendeines Herrn Wichtig, und der muss gesichert werden? Der Schulweg, meine ich. Beliebt Herr Wichtig gar selbst gern die Straße an jener Stelle zu überqueren? Oder kommt er aus dem Parkhaus und will eigentlich lieber gern gleich nach links abbiegen?

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Wie dem auch sei, ich muss mir einen neuen Weg suchen. Ab 1. Mai ist die Ampel bestimmt geschaltet.

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12 Kommentare leave one →
  1. April 29, 2013 8:15 am

    Mit dem Errichten dieser Ampel hat sich bestimmt so ein/e kleine/r Stadtbeamte/in einen Goldenen Lenker bzw. eine Beförderung verdient, nehme ich an. 😉

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  2. April 29, 2013 8:21 am

    Na da waren bestimmt noch ein paar unverplante Euronen im Stadtsäckel die lieber sinnlos verbaut werden, als sie an den Bund zurückzuführen :p

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  3. April 29, 2013 9:10 am

    Also ich muß sagen, an der Stelle habe ich mir eine Ampel schon das eine oder andere Mal gewünscht. Wenn man diese vierspurige Straße mit kleinen Kindern (und deren Rädern oder Wagen oder was auch immer) überqueren möchte, kann man zu manchen Zeiten schon verzweifeln… weil man mit den Kleinen ja schon in einem Ritt rüberwill und nicht auf der Mitte der Straße mit den Kinnings warten kann, bis die andere Fahrtrichtung frei wird, während hinter einem der Verkehr schon wieder braust (und das tut er dort oft)…

    Sinnloser fand ich die Ampel, die sie zwischenzeitlich oben (bei den 20m Einbahn) angebracht hatten, zu welchem Zweck auch immer (um der Straßenbahn einen Vorsprung zu verschaffen?). Aber die war ja zum Glück nur vorübergehend.

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    • April 29, 2013 11:26 am

      Ok, wenn man mit Kindern unterwegs ist, ist der Blickwinkel natürlich ein anderer. Ich sehe das eben nur aus der Sicht eines kinderlosen, auf dem letzten Drücker ins Büro rasenden. Da stellt jede Ampel ein Hindernis dar. Ich kann mich aber eben auch überall durchschlängeln, so lange mich kein Rot daran hindert. Mit Kindern würde ich das auch nicht tun wollen.

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  4. April 29, 2013 9:11 am

    Ich finde es traurig, daß hinter jeder Behördenentscheidung sofort immer ein egoistischer, schadenfroher Bearbeiter vermutet wird, der nur zum Unmut der Bürger handelt und versucht, jedem das Leben so schwer wie möglich zu machen. Der öffentliche Dienst hat keinen guten Ruf – aber in der Regel sind das alles normale Menschen, die auch nur ihren Job machen. Und in der Regel wird da nichts ohne Grund gemacht, auch wenn das von außen nicht immer sofort nachvollziehbar ist oder für alle Seiten begeisterungswürdig. Und ganz zur Not kann man auch mal nachfragen oder darauf hinweisen, daß eine Neuerung nicht so toll ist und teure Verkehrszeichen doch eingespart werden könnten…

    Vinni, sonst still mitlesend

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    • April 29, 2013 11:29 am

      Oh, so sollte das nicht rüber kommen. Grundsätzlich gehe ich ja davon aus, dass da jemand Radfahrern was Gutes tun wollte. Nur weil sich aus meiner Sicht (siehe Antwort auf Feinkostblogs Kommentar) die neue Ampel eher als Hindernis darstellt, habe ich noch ein paar andere Vermutungen für die Gründe dargestellt.
      Und: Ich arbeite auch im öffentlichen Dienst 😉

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    • April 29, 2013 12:47 pm

      PS.: Aber ich gebe Dir natürlich Recht, dass es traurig ist, wenn hinter Behördenentscheiden immer erst etwas Negatives vermutet wird. Nur: sollte das nicht den Behörden zu denken geben? Sollte nicht hinterfragt werden, warum die Bürger so negativ auf Behörden reagieren?

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      • April 29, 2013 4:14 pm

        Das tue ich, die ich auch im öffentlichen Dienst arbeite durchaus, aber auch meine Änderungsmöglichkeiten sind begrenzt. 😉 An der Sache selbst kann ich normalerweise wenig ändern, außer zu versuchen, es zumindest nett, höflich und verständlich rüberzubringen. Mein Eindruck, daß immer begeistert auf die Klischees eingeschlagen wird, kommt aber sicher auch von den ersten Kommentaren – und kommt vielleicht auch angestrengter rüber als gemeint, weil ich ein besonders mißmutiges Icon abbekommen habe. *g*

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  5. April 29, 2013 2:34 pm

    Also ich kenn mich in der Ecke ja nicht aus, aber auf den ersten Blick (vierspurige Straße + Einmündung) macht eine Ampel für mich schon Sinn. Dass Dich das Ding nervt kann ich allerdings nachvollziehen, ich kenn hier auch ein paar Kandidaten bei denen ich gerne die Flex ansetzen würde.

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  6. April 29, 2013 7:18 pm

    Aber, aber denkt mal an die Firma die wieder ein Ampel liefern darf nicht vergessend die Software- Anpassung für die Steuerung welche wieder eine andere Firma ausführt!
    Nichts ist so schlecht, dass es für jemanden von Nutzen sein kann. Ausser uns Radfahrern natürlich.

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  7. Mai 1, 2013 9:02 pm

    So viele Ampeln gibt es gefühlt nur in Deutschland. In Holland sieht man immer mehr Kreisverkehre, die für Radfahrer optimiert sind. Da kann man weiterfahren. Nichts ist schlimmer als alle 50 Mtr. anhalten zu müssen.
    Wenn man die Kosten der Einrichtung und Wartung einer Ampelanlage über die Jahre zusammenzählt, könnte ich mir vorstellen, dass es billiger wäre, die eine oder andere Kreuzung mit einem Fahrradtunnel auszustatten.

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