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Was ist Glück?

April 18, 2013

Darüber wurde viel gedacht und geschrieben. Aus philosophischer Sicht, aus biologischer Sicht, aus soziologischer Sicht. Mindestens schon in der Antike versuchten Gelehrte den Glücksbegriff zu definieren.

Heute sind wir uns einig im Glauben, dass Glück von vielen Komponenten abhängig ist. Und auch, dass Glück nicht dauerhaft ist, nicht dauerhaft sein kann, weil wir es sonst nicht als solches empfinden könnten. Deshalb gibt es wohl den Begriff Glücksmomente, weil dieser die kurze Zeit der Empfindungen besser verdeutlicht.

Diesen Augenblick, der Sekunden bis Stunden andauern kann, wenn wir fühlen: ICH BIN.

Wir kennen alle diese Momente, die sich manchmal an Orten oder zu Zeiten einstellen, wo wir sie nicht erwarten. Dort aber, wo wir sie erhofften, bleiben sie aus. Glück scheint unwägbar, kommt und geht, wie es will. Ist von äußeren Faktoren abhängig wie auch von uns selbst. Wenn man, um einen Gipfel zu besteigen oder zu erklettern, an seine Lestungsgrenze geht, empfindet man ein aus eigener Kraft  und im richtigenen Moment zusammenpassenden äußeren Umständen gewonnenes Glück. Manchmal aber kommt man beim Klettern in so einen Flow, er stellt sich wenn, dann oft an schwierigen Stellen ein, denen, wo man entweder von Angst übermannt wird oder aber das Glück hat, dass alles Denken scheinbar ausgeschaltet wird. Griffe und Tritte scheinen direkt vom Stammhirn geleitet. Kletterstellen, die vor kurzem noch schwierig, ja unüberwindbwar galten, gehen plötzlich „wie von Hand.“ Keine Zweifel mehr, aber auch keine Zuversicht, weil es kein Denken gibt. Man ist. Ein Freund versuchte es mal mit den Worten „Das Leben fühlen“ zu beschreiben. Oben steht man dann und ist überwältigt von der Erfahrung. Und das einzige, was man ganz sicher weiß, ist, dass man nur einen Tausendstel Augenblick von einer lähmenden gefährlichen Angst einfernt war, als sich dieser Flow einstellte. Vielleicht ist das, neben der unglaublichen Intensität, die sich einstellt, ein Grund dafür, warum sich dieser Moment, der Sekunden oder Stunden dauern kann, so unauslöschbar in unser Gedächtnis einfrisst.

Wie ich überhaupt den Verdacht habe, dass Glück, dass aus Unglück geboren wurde, intensiver empfunden wird, wegen der Nähe, wegen des Wissens, dass es auch anders hätte kommen können, wie knapp man dem Unglück entkommen ist. Zum Beispiel wenn ein Autofahrer einschläft, alle Mitfahrer im selben Moment wach werden und erleben, wie der Wagen von der Straße abkommt, ohne an einen der Bäume anzuecken und auf dem Feld zum Stehen kommt, bevor der Fluss erreicht ist.

Oder wenn man in irgendeinem Hochgebirge auf einer Felsnase hockend auf das Ende einer ganz schrecklichen Nacht wartet und plötzlich die Sonne hinter dem nächsten Grad aufgeht und man staunend zusieht, wie der Schatten über den Hang wandert als täte er das zum ersten Mal seit Anbeginn der Zeiten und man über die Erhabenheit des Augenblicks alles Ungemach vergisst. Ein Moment, den man ohne die vorher durchlebte Nacht nie erfahren hätte.

Aber ich rede nicht von diesen Agenblicken, die wir wegen ihrer Inensität bewusst als Glück empfinden.

Ich rede von dem kleinen Glück, das so klein und still ist, dass wir es nicht wahr nehmen. Das scheinbar immer da ist. Das aber unter unseren Klagen des Alltags verschwindet, zugedeckt vom Ärger über dies oder jenes, vom Stress, den wir uns selber machen. Ich rede vom Glück als ständiger Begleiter. Wir fühlen es nicht. Nur manchmal, wenn wir innehalten, traut es sich hervor und dann wissen wir: Ich bin ein glücklicher Mensch.

Eine Woche zum Beispiel, in der ich, nehmen wir mal an, an einem Dienstag, Geburtstag habe, sieht so aus.

Nachdem ich mir ein paar Tage lang Gedanken gemacht habe, ob süß oder herzhaft, fahre ich montags nach der Arbeit mit Einkaufzettel und zwei Radtaschen bestückt die Karli hoch und runter. Dann backe ich bis ca 21:00 Uhr Kuchen, den es dann am Dienstag für die Kollegen im Verwaltungsbereich gibt.

Am Nachmittag versuche ich mit dem Kleinen Kind den Baulärm (84db!) zu ignorieren und zwischen zwei Vorlesungen gemütlich Kaffee zu trinken.

Am Abend lotsen mich die Kletterkumpel trickreich in  die After-Trainings-Stammkneipe, obwohl ich gar nicht beim Training war.

Am Mittwoch gehe ich mit einer Kollegin, die grad im Mutterschutz ist, Mittag essen. Für das nachmittägliche Meeting der Arbeitsgruppe brauche ich keinen Kuchen mitzubringen. Unsere kleine Tierarztgehilfin hatte auch Geburtstag und schmeißt eine Runde. Ich bin eine Woche später dran.

Am Abend treffe ich mich mit Freunden, mit nämlich denen, die ich kenne, seit ich 15 bin, in der Stammkneipe auf ein Bier. Oder zwei.

Am Donnerstag kaufe ich wieder ein, aber diesmal mit Auto.

Am Freitag Abend koche ich vor.

Am Samstag hockt dann die Familie hier. Um Kuchen brauche ich mich nicht zu kümmern, den backen das Kleine Kind, der Bruder, die Mutter, eine Nichte. Das Kleine und das Große Kind kümmern sich darum, dass alle immer genug zu essen haben. Und zu trinken. Sie wärmen die vorgekochten Speisen für den Abend auf, decken den Tisch und räumen ihn ab.

Das klingt alles ein bisschen nach Stress. Arbeiten gehe ich ja nebenbei auch noch.

Und ich könnte mich natürlich beschweren. Klagen. Weil es so viel zu tun gibt. Weil ich eine Woche nicht so richtig zur Ruhe komme. Nur wegen eines Geburtstages.

Es stimmt, sechs Tage komme ich kaum zur Ruhe. Nur manchmal zwischendurch, wenn ich, bei Gott sei Dank frühlinghaftem Wetter, an der Pleiße anhalte, mich auf die Stufen zwischen die Studenten haue, ein bisschen lese und mir die Sonne auf den Pelz scheinen lasse. Oder einfach nur rumdöse. Aber ich beschwere mich nicht. Denn genau in diesen ruhigen Momenten fällt mir auf, was für Glück ich habe. Kollegen, für die ich Kuchen backen kann. So viele Freunde, dass ich zwei Abende in die Kneipe muss. Und eine Familie, die ich nicht groß einladen muss, weil die beim letzten Familientreffen schon gefragt haben, wann ich eigentlich feiere.

Ich meine, ich könnte ja auch allein zu Hause sitzen. Die ganze Woche lang. Ohne Kollegen, Freunde und Familie. Ich würde zur Feier des Tages eine Schokolade futtern und immer wieder die Karte lesen, die mein Versicherungsträger mir geschickt hat. Und obwohl ich die vom Vorjahr gut verstaut in einer Schachtel aufbewahrt hätte, würde ich mich hüten, die noch mal zu lesen, weil ich Angst vor dem schriftlichen Beweis hätte, dass das ein Standardbrief ist, der jedes Jahr an jeden verschickt wird. Immerhin hat doch jemand persönlich unterschrieben.

Könnte doch sein.

Aber so ist es nicht. Die Woche, in der ich Geburtstag habe, läuft so der so jedes Jahr ab (inkl. Wetter!)

Und das ist ein Glück. Weil das Leben es gut mit mir gemeint hat, würden manche sagen.  Ich tendiere eher zu, weil ich das Leben, so wie ich es heute führe, so gestaltet habe. Und die Familie, in der ich groß wurde, den richtigen Grundstein dazu gelegt hat.

Ja, ich bin ein glücklicher Mensch.

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11 Kommentare leave one →
  1. April 18, 2013 12:57 pm

    Das war das Positivste, das ich diese Woche gelesen habe. Thanx.

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  2. April 18, 2013 2:30 pm

    Herzlichen Glückwunsch 🙂
    Glück kann man nie genug haben, das merkt man insbesondere dann, wenn andere Menschen gerade Schicksalsschläge aushalten müssen die einem selber erspart blieben. Glück ist manchmal auch unsichtbar.

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  3. April 18, 2013 4:36 pm

    Sehr schöne und tiefe Wiorte gelassen hingeschrieben. Das gefällt mir. Herzlichen Glückwunsch dazu, dass du das so sehen kannst.

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  4. April 18, 2013 6:14 pm

    Pöh, der hat meinen Kommentar gelöscht.

    Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, bleib wie du bist (das kann man dir nach diesem Post nur wünschen) und danke für die schönen Worte!

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  5. April 18, 2013 6:28 pm

    Sehr schöne Gedankengänge die einen nachdenklich werden lassen.
    Glückwunsch zu der positiven Einstellung Dich als glücklich zu betrachten 🙂

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  6. April 18, 2013 9:26 pm

    Es die Begegnungen mit Menschen die das Leben lebenswert und glücklich macht.
    Bleib glücklich.

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  7. April 18, 2013 9:54 pm

    Ich beglückwünsche dich – nachträglich zum Geburtstag – und für dein Glück! ♥

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  8. April 19, 2013 10:00 am

    Ein wunderbarer Text!
    Und: herzlichen Glückwunsch nachträglich zum Geburtstag.
    So muss da Leben sein – Genieße es weiterhin in vollen Zügen!

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  9. April 19, 2013 5:58 pm

    Liebe Geburtagswünsche auch noch von mir! Und wie Du so schön schreibst, das Glück sieht man manchmal nicht auf den ersten Blick, aber es ist da! GLG

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  10. April 19, 2013 11:15 pm

    sehr sehr gut empfunden und beschrieben! herzlichen GLÜCKwunsch nachträglich zum geburtstag! auch ich bin momentan total glücklich!!!
    liebe grüße aus dem norden

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  11. Anja permalink
    April 20, 2013 5:35 pm

    Herzlichen Glueckwunsch nachtraglich zum Geburtstag! Ich wuensche Dir, dass Du immer ein gluecklicher Mensch bleibst!

    Danke fuers Erinnern! Ja, neben den taeglich nervenden Kleinigkeiten darf man das grosse Ganze nicht aus den Augen verlieren und muss sich gelegentlich sagen, wie gut es einem doch geht. Diese Gluecksmomente kommen bei mir auch oft ueberraschend. Gestern erst: Mit dem Auto das Tochterkind von einer ihrer vielen Aktivitaeten abgeholt – dabei langsam eine kurvenreiche Strasse an bluehenden Fruehlingsbaeumen und hellgruenem, frischen Gras vorbei gefahren. Der Fluss glitzerte im Hintergrund und ein Murmeltier flitzte ueber die Wiese. Da schoss es mir durch den Kopf, wie schoen das alles ist und wie gluecklich ich doch bin, das ich das erleben darf! Solche Momente tragen einem ueber gelegentliche schwerere Stunden hinweg.Wenn man die schwierigen Zeiten nicht haette, wuesste man Glueck auch nicht so zu schaetzen.

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