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5 Tage

April 6, 2013

Nur 5 Tage hat es gedauert nach der Einführung des neuen Bußgeldkatalogs, da sprang mir ein Herr vors Fahrrad. Er trug eine gelbe Signalweste über seiner Uniform und war einer von 7 Gesellen, die da meinen Weg zur Uni blockierten.

„Nun?“, sprach er mich an,“ was meinen Sie, warum ich Sie anhalte?“

„Sie wollen Geld“, antwortete ich mürrisch. „Nennen Sie mir den Preis, ich bezahle, und mach mich vom Acker.“

Doch der Herr in Gelb wollte nicht einfach mein Geld. Er wollte erzieherisch wirken.

Ja!

Also begann ein Fragespiel, bei dem er aus mir heraus zu kitzeln versuchte, was ich wohl falsch gemacht hätte. Ich konnte nur vermuten, dass es sich um die Benutzung des Radweges handele.

Bingo!

Zur Erklärung:

Es gibt da auf meinem täglichen Weg zur Arbeit ein Stück Radweg, das ist nur in eine Fahrtrichtung zu benutzen. Genau 300 m lang. Auf der anderen Straßenseite kann man den Weg in beide Richtungen benutzen. Auf der anderen Seite sind Fußweg und Radweg viel schmaler. Auf der anderen Seite gilt es eine Nebenstraße zu kreuzen, eine Nebenstraße, an der Autofahrer durch Pfeile gewarnt werden, dass hier Radfahrer aus beiden Richtungen kommen, eine Nebenstraße, an der ich schon mehrmals Vollbremsungen oder riskante Ausweichmanöver auf die Hauptstraße vollführen musste, weil die Autofahrer eben doch nur in eine Richtung guckten, was ich verstehen kann, ist die die Ausfahrt aus der Neben- auf die Hauptstraße doch recht unübersichtlich. Aber, ich gebe zu, der Grund, warum ich auf dem Weg zur Uni lieber den anderen Radweg nutze, den, auf dem die 7 Herren in Signalgelb rum lungerten, ist in meiner Faulheit zu suchen. Da muss ich nämlich eine Ampel weniger überqueren.

Das sagte ich natürlich nicht, als mich der Herr Polizist nach den Gründen meines Fehlverhaltens fragte. Statt dessen gab ich an, an meinem Leben zu hängen.

Ich gebe zu, ich war verwirrt, als er mir mitteilte, dass meine Art der Verkehrsmissachtung seit dem 1. April 20 Euronen koste, dass es dagegen DER HERR DA (ein Radfahrer fuhr gerade auf dem Fußweg unbehelligt an den 6 Kollegen in Signalgelb vorbei) richtiger mache…

?????????

Wir starrten uns einige Augenblicke an, der Polizist und ich. „Also, naja, DAS kostet nur 15 €.“

Verwirrtes Schweigen.

„Ja“, lenkte er schließlich ein, „ab DA dürfen sie wieder in jede Richtung fahren“. (Er deutet auf die 200m entfernte große Ampelkreuzung). „Und drüben natürlich auch.“ (Blick zur anderen Straßenseite) „ Das ist unsinnig. Wissen wir beide. Achten Sie in Zukunft bitte darauf“

„Was?“, bin ich verwirrt, „Sie lassen mich gehen?“

„GEHEN, ja“

Am nächsten Tag übrigens habe ich mich an die Verkehrsregeln gehalten. An besagter Nebenstraße legte ich eine Vollbremsung hin, als eine Frau im Auto mich übersah. Aber außer dass mir das Herz kurzzeitig in die Hose rutschte und mein Stresspegel leicht anstieg, ist mir nichts passiert.

Ich glaube ab Montag riskiere ich lieber, wieder erwischt zu werden. 20€ ist mir mein Leben wert. Und eine Ampel spare ich ja auch.

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8 Kommentare leave one →
  1. April 6, 2013 10:33 am

    Das liest sich wie eine typisch deutsche Standardsituation 🙂
    Allerdings gibts diese nervenden Erziehungsmeister auch in anderen Ländern.
    Gut übrigens, dass du eine prima Reaktion hast!

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  2. April 6, 2013 10:47 am

    Oh, oh, eine ähnliche Situation habe ich an der Mersuburger Straße auch. Da werde ich wohl erstmal Ausschau halten nach orangen Westen.
    Interessant an deinem Bericht war, dass sogar der Ordnungshüter bestimmte Regelungen für unsinnig hält. Aber Leipzig plant Bußgelder fest ein. 🙂

    Gruß von der Gudrun mit Radel

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  3. April 6, 2013 11:54 am

    Was soll man sagen…

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  4. April 6, 2013 3:52 pm

    Kommt in der Schweiz auch vor. Im Besondern gegen Ende Jahr, wenn die Staatskässeli noch nicht randvoll sind.

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  5. April 6, 2013 5:36 pm

    Wieso fällt mir jetzt grade in diesem Zusammenhang ein, daß ich neulich irgendwo gelesen/gesehen hab‘, daß der Verkehrsminister im vergangenen Jahr seinen Reise-Etat um ca. 100.000 Euronen überschritten hat?

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  6. April 7, 2013 11:29 am

    Also, ich fand ja auch, dass ich Glück hatte und bin dem Herrn in Signalgelb extrem dankbar. Ehrlich. Ein anderer hätte mich sicher abgeschöpft.

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  7. April 7, 2013 7:54 pm

    Bei mir war es letztens eine junge Dame in Gelb die mich nicht abgeschöpft hat, trotz ohne Führerschein und Fahrzeugpapieren plus defektem Rückfahrscheinwerfer. Die sah auch schon viel zu lieb aus für diesen Job, aber man ist bei der Fraktion ja dankbar nicht immer an komplette Vollpfosten zu geraten.

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