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Krise, die erste

Februar 6, 2013

Staub, überall Staub. Er dringt in alle Poren. Und ich fühle mich schmutzig. Hose: schmutzig. Jacke: schmutzig. Hände: schmutzig. Haare: schmutzig. Ich würde mich gern eine Stunde unter eine Dusche stellen, träume von einem blank geputzten Bad. Aber seid gestern ist nicht mal mehr Hände waschen möglich, weil irgendein Dödel den Wasserhahn aus dem Ausweichbad geklaut hat. Wirklich wahr! Falls Sie jetzt fassungslos sind, ich war es auch. Starrte auf die Stelle, wo mal der Wasserhahn hing. Ein Loch. Weil das so ein komisches Schwenkdingens ist, ist es zwischen Wanne und Waschbecken befestigt, das heißt, man kann das Wasser nicht mal ohne Hahn laufen lassen, wenn man nicht will, dass es auf den Bodenfliesen landet. Wer kann so blöd sein? Und warum? Niemand kann was damit anfangen, weil ja eh alle neues Sanitär kriegen. Ein Scherz? Ich kann nicht lachen. Protest gegen die Baumaßnahmen. Oder höhere Mieten? Äh, hallo? Nein, das ist Blödheit.

Ach ja, in der Wohnung fehlt natürlich der für gestern versprochene Wasseranschluss. Überhaupt sieht alles etwas merkwürdig aus. Sehen die, dass meine Spüle woanders steht als standardmäßig vorgesehen? Oder sollte ich lieber auf einem Zettel noch mal darauf hin weisen? Und die Kabel im Flur? Werden die noch irgendwie… verkleidet? Die Einbauten sind ja nun wirklich weg. Die vorher irrtümlich darin verlegten Kabel hängen jetzt rum, irgendwie.

Nicht aufregen, sag ich mir. Abwarten.

Aber so gleichmütig ich auch versuche, die Dinge zu nehmen, gelingt es mir wohl doch nicht, sie zu ertragen. Das habe ich gestern gemerkt. Eine seltsame Erschöpfung lag den ganzen Tag auf mir. Auf Arbeit, und auch später, als ich mich bei der Kleinfamilie verkroch. Mein Schlaf scheint derzeit nicht sehr erholsam zu sein. Und ohrenbetäubender Lärm, selbst wenn ich dabei einschlafen kann, dringt irgendwie doch durch und belastet die Nerven.

Übrigens Lärm. Mein Nachbar, ja, der ja soundso gerne ein bisschen in seiner Wohnung baut und bohrt und hämmert und kloppt, der, der mich tatsächlich dazu gebracht hat, dass ich irgendwann mal rüber bin und mich über den Lärm beschwert habe, was ich ihm heute noch übel nehme, denn eigentlich hasse ich Leute, die sich wegen jedem Pups aufregen, dieser mein Nachbar also, der erst, seitdem er Frau und Kinder hat, nicht mehr unter Mittag bohrt und kloppt, jedenfalls, wenn Frau und Kinder zu Hause sind, dieser mein Nachbar nutzte also die Chance und trug exakt 18:00Uhr Baumaterial in seine Wohnung. Begleitet wurde er von einem Kumpel. Ich war gerade eingetroffen in der Hoffnung, es sei jetzt wieder Strom da und die Bauarbeiter raus aus meiner Wohnung. Waren sie auch, also fast. Einer kehrte gerade das Treppenhaus, was eben dieses in eine gigantische Staubwolke verwandelte, worauf hin ich auf den Balkon flüchtete und mich erschrak. Der Balkon hat keine Brüstung mehr, stattdessen führt ein Steg zum Baugerüst. Hätte man ja mal ein Schild an die Balkontür machen können, mit einer Warnung.

Gut, ich lebe noch.

Also der Nachbar. Fängt der doch, kaum das die Profis weg sind, an, in seiner Wohnung rum  zu hämmern und zu bohren? Aber, ich musste diesmal nicht die intolerante Nachbarin spielen. Das haben ganz schnell andere erledigt.

Fotos habe ich heute keine. Mir war gestern einfach nicht danach.

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11 Kommentare leave one →
  1. Februar 6, 2013 11:44 am

    Kopf hoch das wird schon wieder. So wie es ausschaut ist ja ein Ende in Sicht. Um Deinen Heimwerkernachbarn scheinen sich ja andere schon zu kümmern.
    Alles wird gut 🙂

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  2. iTanni permalink
    Februar 6, 2013 12:11 pm

    urks das hört sich aber übel an. Ich wäre längst geflüchtet, also nicht ausziehen aber ich hätte mir ein anderes Übergangsquartier besorgt. Wie lange geht das noch? Und vor allem ….. warum kann der Nachbar nicht dann rumlärmen wenn es die Bauarbeiter auch tun? hmm. Schrecklich! RUHÄ! so. Ich drücke die Daumen das es in Rekordzeit wieder hübsch, sauber, und erträglich ruhig ist.

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    • Februar 7, 2013 7:41 am

      Das mit den Ausweichwohnungen ärgert mich wirklich. Es wären im Haus nämlich genügend Wohnungen leer, in die die betroffenen Mieter wenigstens mit dem Allernötigsten hätten einziehen können. So Bett und ein Koffer voller Klamotten hätten ja gereicht. Und Bücher natürlich.

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  3. Februar 6, 2013 12:50 pm

    Ich tue jetzt einfach mal so, als würde ich dich drücken, denn ich kenn das allesZ. und kann jetzt sogar darüber lachen. Wir hatten uns während der Sanierung beschwert, dass der Bauschutt in den Wohnungen nicht weggeräumt wurde, obwohl es ein Besenkommando gab, welches dafür bezahlt wurde. In meiner Wohnung war Ortstermin. Die Bretter, die eigentlich den Versorgungsschacht abdeckten, waren entfernt worden. Und während wir noch diskutierten, hörten wir ganz oben Besen scharren. „Na bitte!“, meinte der Bauleiter bevor der ganze Dreck von oben durrch den Schacht donnerte und ihn einhüllte. Ich dachte, mein Lachen bringt mich um. Meine Bude sah allerdings aus. Da half auch keine Abdeckfolie etwas.

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    • Februar 7, 2013 7:42 am

      Durch unsere Wohnungen zieht 18:00 Uhr ein Besenkommando. Ich hatte zwei mal das Vergnügen, anwesend zu sein. Ich weiß also. was Du meinst.

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  4. Februar 6, 2013 1:50 pm

    Das ist ja unverantwortlich, kein Warnschild wegen der fehlenden Balkonbrüstung anzubringen!!! Da hört sich doch alles auf! Das ist doch bodenlose Unverantwortlichkeit!!!

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  5. Exilbayerin permalink
    Februar 6, 2013 5:00 pm

    Ich weiß gar nicht, was ich schreiben soll…irgendwas Aufmunterndes wollte ich hierlassen, aber es fällt mir grade so gar nix ein. Kopf hoch, an Nachher denken…Naja, aufmuntern is wohl nicht so meins.

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  6. Februar 6, 2013 7:07 pm

    Ich glaube langsam es wäre gar nicht verkehrt, wenn Du das alles möglichst lückenlos auf Foto dokumentierst. Die mangelnde Absicherung des Balkons zum Beispiel, das geht gar nicht.

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    • Februar 7, 2013 7:44 am

      Ja, Du hast Recht, das sollte ich tun. Das mit dem fotografieren. Aber, es ist anstrengend, sich noch mal aufzurappeln. Die Situation zehrt so langsam an meinen Kräften. Aber die paar Körner müssen noch drin sein.

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  7. Sleeper permalink
    Februar 7, 2013 1:21 am

    Da fällt mir auch nicht mehr viel ein, ich würde womöglich flüchten, wenigstens am Wochenende, raus da, wieder mal richtig schlafen und duschen, irgendeine Klitsche auf dem Land für ein paar Euro mit Frühstück.

    Dokumentieren würde ich das auch, wenn es mal um Schadensersatz geht. Kostet dich einen Huster.

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  8. Februar 7, 2013 7:46 am

    @all Danke Euch allen für die Aufmunterungen und Tipps. Ich glaube, die schmutzintensivsten Arbeiten sind jetzt vorbei. Ab heute kann es nur noch aufwärts gehen. Und ich hab auch schon Ideen, wie ich mich gegen den Schmutz, der später noch im Haus sein wird, schützen werde. Ich bin ja jetzt Profi 😀

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