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Ost und Süd

Januar 25, 2013

Jeder kennt die Geschichte jenes armen Ossis, der nach der Wende eine der von Markteroberern in die hiesigen Gemüseläden geworfenen, bis dato gänzlich fremden Kiwi in den Händen hielt und… herzhaft hinein biss. Ich nehme mal an, das wurde auch in den Altbundesländern gern erzählt. Hier auch. Begleitet von jenem herzhaften Lachen, wie es nur Menschen zustande bringen, die eben über sich selber zu lachen in der Lage sind.

Bananen kannten wir ja zum Glück. Die gabs auch hier mindestens einmal pro Jahr. Auf den Dörfern streng zugeteilt nach der Anzahl der Familienmitglieder. In den Städten solange, bis sie eben alle waren. Und das waren sie meistens, wenn die Werktätigen aus ihren Werken kamen.

Nun ja.

Ich habe die Kiwi nie mit Schale gegessen. Ich hatte Westverwandtschaft. Die brachten mir zwar keine Kiwi mit, trotzdem hat Westverwandtschaft unheimlich gebildet. Irgendwie.

Und in den Jahren  nach der Wende kamen noch genug Dinge in die Gemüseläden, von denen ich beim besten Willen nicht wusste, was man damit macht. Da die aber für alle neu waren, sogar manchmal für die Zugezogenen aus den Altbundesländern, konnte man, ohne sich dem Spott und Hohn andere auszusetzen, einfach fragen.

Meistens aber, ich gebe es zu, habe ich so seltsame Früchte gemieden. Papaya, Avocado, Drachenfrucht usw. Das ist nicht schlimm, denn irgendwo mal gekostet, stellte ich schnell fest: Das ist jetzt nicht der Brüller. Und was nicht schmeckt, kommt nicht in meine Küche. Da muss ich also nicht wissen, wie ich das Ding aufkriege oder zubereite oder was weiß ich.

Und nun stand ich in meiner Küche und hielt eine Mango in der Hand. Herausgefischt aus meiner Ökokiste.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Mango.

Der Saft ist sehr lecker. Vorteilhafterweise aber auch in Flaschen zu kriegen. Nur was mache ich mit einer ganzen Frucht? Kann man die roh essen? Muss ich die schälen? Oder wie eine Melone aufschneiden? 22 Jahre nach der Wende stand ich da wie weiland der arme Landsmann mit seiner Kiwi, wendete die Frucht lange hin und her, legte sie wieder weg, versuchte sie zu vergessen, schlich zurück in die Küche, umkreiste  den Tisch, beäugte die Frucht misstrauisch. Was mache ich mit dem Ding? Wen frage ich? Heutzutage hat bestimmt jeder schon mal eine Mango..äh.. so frisch, also das weiß garantiert jeder, wie man die isst. Nur ich Depp nicht.

Doch anders als der arme Landsmann vor 22 Jahren habe ich ja heute Tante Guggl, die mir hilft, keinen Fehler zu machen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Und naja, was soll ich sagen. Kiwis sind ja nicht so mein Fall. Mangos auch nicht. Außer als Saft.

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19 Kommentare leave one →
  1. Januar 25, 2013 9:13 am

    Ich habe, seit ich aus lateinamerika zurückkam keine Mangos mehr gegessen. Der kleine Herr Ärmel hat seit dieser Zeit keine Bananen mehr gegessen. Hier schmecken diese Früchte einfach anders. Das hängt damit zusammen, dass noch unrief geerntet werden und dann nicht ausreifen können. Deine Mango ist (war) noch fast ganz grün und hat(te) schon einen braunen Fleck. Die hatte also noch gar kein volles Aroma. Schade, dass du keine richtig reife bekommen hast…

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    • Januar 25, 2013 10:40 am

      Bei Mangos wird in guten Obst- und Gemüsegeschäften allerdings zwischen sogenannten Flug- und Schiffs-Mangos unterschieden. Wenn man eine Flug-Mango kauft, hat man in der Regel eine gute und wohlschmeckende Frucht, denn da wird diese erst dann geerntet, wenn sie reif ist. Weil ja der Transport wesentlich kürzer ist. Schiffs-Mangos werden allerdings unreif vom Baum gepflückt, weil sie auf der langen Schiffsreise nachreifen (sollten). Daher schmecken Schiffs-Mangos stets schlechter und sind sehr oft auch noch recht unreif, sowie qualitativ mangelhaft.

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      • Januar 25, 2013 11:04 am

        Flugmangos, Flugananas, Flugpapayas, FlugFlugFlug… gibts alles in europäischen Grossstädten mittlerweile. Für Leute, die das zahlen können oder wollen. Ich halte nichts davon, weil ich in Südamerika gesehen habe, was dabei für die bauern herauskommt: ein noch kargerer Lohn. Das zusätzliche Geschäft machen die Airlines

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      • Januar 25, 2013 10:12 pm

        Von der Umweltverschmutzung durch den Transport wollen wir da ja wohl lieber nicht reden…

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  2. Januar 25, 2013 9:55 am

    Ah, Herr Ärmel hat recht: Wenn die noch nicht ausgereift sind, fragt man sich, was das soll. Aber reif! Der Hammer! Das „Aufmachen“ ist dann eine Erzsauerei, aber soooo lecker….vielleicht probierst du mal getrocknete, wenn du den Saft magst? Getrocknete Mangos sind auch oberlecker…

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    • Januar 25, 2013 11:01 am

      Es gibt da eine elegante Methode: Man schneidet die mittig um den Kern herum auf, sodass man zwei Hälften erhält. In diese Hälften schneidet man vorsichtig von oben bis auf die Schale hinunter gerade Linien – einmal von rechts nach links und einmal von oben nach unten. Wenn man dann von unten die Schale nach oben drückt, hat man quasi einen Igel, d.h. die quadratischen Stücke stehen oben heraus. So kann man eine Mango praktisch und sauber heruas löffeln 😉

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  3. Januar 25, 2013 11:28 am

    Ich schneide gern Mango in meinen Joghurt. Im Sommer machen sie sich auch toll im Obstsalat. Aber ich musste auch erst einmal lernen, wie man sie aufschneiden kann, ohne das alles hinterher klebt. Ein Hoch auf das Internet!

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  4. Januar 25, 2013 12:14 pm

    Da kommst du mal zu uns ins Restaurant. Meine Chefin, eine Thailänderin, macht eine richtig tolle Mangosoße. Die gibt es dann zu Ente und so …

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  5. Januar 25, 2013 5:28 pm

    Ich kann mich zwar nicht an meine erste Mango erinnern, aber ich liiiebe Mangos :mrgreen: Und der kleine Ami offensichtlich auch, denn ab und zu hab ich richtigen Heißhunger darauf. Man kann sie durchaus auch mit Schale essen, wie ich festgestellt habe, als ich mal meinen Ex-Mitbewohner zum Obstsalat machen verdonnert habe 😀 Er war auch höchst erstaunt, daß da im Inneren ein Kern zu finden ist. Zu Empfehlen ist es aber nicht 😉

    Hier im Amiland gibt es interessanterweise eine doch recht große Anzahl an Leuten, die auf die Schale allergisch reagieren, weil sie durch Poison Ivy sensibilisiert worden sind. Mango kommt aus der selben Pflanzenfamilie wie Poison Ivy und auf der Schale findet sich ein ähnliches Öl wie das, was in den Blättern vorkommt.

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  6. Januar 25, 2013 7:57 pm

    die geschichte mit den kiwis kannte ich noch nocht, sehr lustig! bisher machte ich mir auch nichts aus kiwis….in deutschland. hier schmecken sie oberlecker, weich und reif und süß und saftig! papaya und drachenfrucht kenn ich auch noch nicht. liebe grüße aus dem sommer

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  7. Januar 25, 2013 8:31 pm

    Flugobst dürfte schwierig werden in der Ökokiste, wo doch schon der Transport von Früchten aus Peru ökologisch fragwürdig ist. Und das die reif geerntete besser schmecken, will ich gern glauben. Schon als ich mal neben dem Botanischen Garten arbeitete, konnte ich feststellen, dass reif geerntete Bananen, auch wenn sie aus dem Gewächshaus kommen, viel, viiiiiiiiiiiel besser schmecken. Und wenn ich im Süden war, komme ich hier wochenlang nicht an Tomaten ran, oder Paprika.

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  8. Januar 25, 2013 10:38 pm

    Die Geschichte kannte ich auch noch nicht, aber den armen Ossi kann ich durchaus verstehen, woher soll man das auch wissen wenn man so etwas noch nie gesehen hat. Wenn ich in der Obstabteilung wieder irgendeine „neu entdeckte“ Frucht erspähe ist fast nie eine Gebrauchsanweisung dabei, deswegen hab ich z.B. noch nie Drachenfrucht gegessen. Ich armer Wessi *g*
    Ich halte mich ohnehin lieber an heimische Erzeugnisse, gegen frische Erdbeeren vom Feld stinkt eh jeder Exot ab. Und seit ich in Spanien frische Orangen gegessen hab kauf ich das Zeug hier nicht mehr, ist einfach kein Vergleich.
    Was mich reizen würde sind in Südamerika gereifte Bananen, ich mag die Dinger eigentlich überhaupt nicht, aber irgendwie bin ich davon überzeugt, dass die da sehr viel besser schmecken.

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  9. Januar 27, 2013 5:17 pm

    Ehrlich? Ich dachte wirklich, die Geschichte ist im gesamten deutsch-sprachigen Raum bekannt. Denn hier im Osten kennt jeder mindestens jemanden, der einen Verwandten oder Bekannten hat, dem das passiert ist. So ne typische Geschichte aus 3. Hand. Am Ende stimmt sie gar nicht???

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  10. Februar 3, 2013 8:57 pm

    Mangos habe ich sogar schon mal selbst vom Baum geholt. Ich mag sie sehr (wenn ich denn da bin, wo sie wachsen).

    Den mit der Kiwi kannte ich übrigens auch noch nicht 🙂
    Dazu fällt mir dann dieses Titanic-Cover ein:

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Trackbacks

  1. Frau Tonari

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