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Kann mir das mal einer erklären?

Januar 18, 2013

Seit ein paar Tagen muss ich an den Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan denken.

Immer wieder.

Immer dann, wenn ich an Mali denke. Oder davon höre. Vom Einmarsch Französischer Truppen im zu zwei Dritteln von Rebellen besetzten Land. Natürlich wurden die Franzosen von der Regierung Malis um Hilfe gebeten. So wie damals die Sowjets von der Afghanischen Regierung. Natürlich hatten die Kommunisten damals ein besonderes Interesse daran, dass es im Nachbarland ruhig bliebe und nicht etwa die Amerikaner dort stationieren würden. Natürlich hat auch die Französische Regierung besondere, mindestens Wirtschaftsinteressen daran, dass in dem westafrikanischen Staat alles beim Alten bleibt, und nicht etwa sogenannte Islamisten an die Macht kommen.

Islamisten ist überhaupt ein sehr schöner Begriff. Etwas, wo vor wir Angst haben. Etwas, was sich gut eignet, um Militäreinsätze – schon dieses Wort finde ich ja eine Verharmlosung dessen, was da tatsächlich passiert, nämlich ein Einmarsch – zu begründen. Wer will schon Islamisten an der Macht? Wir nicht!

Trotzdem werde ich den Unterschied nie begreifen. Zwischen dem Einmarsch der Russen in Afghanistan oder dem der Amerikaner im Irak. Zwischen dem der Franzosen in Mali oder dem irgendwelcher anderen Leute in irgendwelchen fremden Ländern. Ich stelle mir dann immer vor, die was weiß ich wer stünden vor Leipzig. Jemand wäre der – durchaus nachvollziehbaren – Meinung, unsere Demokratie sei Scheiße und er müsse jetzt mal hier – für mich nicht mehr nachvollziehbar – einrücken und dafür sorgen, dass die ihm genehme Regierung an die Macht käme.

…………………….

Übrigens, dieser Mokhtar Belmokhtar, Anführer der der Al-Kaida nahestehenden islamistischen Gruppe, die gerade aus Nord-Mali kommend ca 40 Geiseln in Algerien entführt hat, soll  früher in Afghanistan gegen die Sowjets gekämpft haben.  In seinem gerechten Freiheitskampf unterstützt von den Amerikanern und deren Verbündeten. Aber das soll Osama Bin Laden ja auch mal gewesen sein. Ein Freiheitskämpfer in Afghanistan.

 

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5 Kommentare leave one →
  1. Januar 18, 2013 7:14 pm

    dafür hätte ich gern auch eine erklärung! obwohl – ich glaube die waffenindustrie hat nicht viele aufträge, es muß immer ein eisen im feuer sein und ab und zu geschürt werden.

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  2. Januar 18, 2013 9:48 pm

    Das hat nicht so geklappt mit dem im letzten Jahr „angekündigten“ Krieg Iran versus Israel bzw. umgekehrt. Und irgendwo und irgendwie muss man die produzierten Bömbchen, Waffen, Panzerchen etc. ja an den Mann bringen…

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  3. Januar 18, 2013 11:32 pm

    Was wäre die Alternative? Die Irren einfach machen lassen? In Afghanistan haben sie damals auch angefangen Kulturdenkmäler zu zerstören, das nächste sind dann Schulen und Universitäten, Filme und Musik werden verboten (ausgerechnet in Mali, dem Zentrum des afrikanischen Blues) und wer dem Obermufti aus irgend einem Grund nicht genehm ist wird an den nächsten Baum gehängt, gesteinigt, gevierteilt oder sonstwas.

    Ich weiß auch noch nicht wie ich das finden soll, dass die Franzosen da jetzt rumballern, ich find Krieg generell völlig daneben, wie wohl jeder halbwegs vernünftig denkende Mensch, aber erklär das mal Typen wie Mokhtar Belmokhtar.

    Ob jemand als Freiheitskämpfer oder Terrorist bezeichnet wird hängt ja auch immer von der jeweiligen Sichtweise ab. Menschen, die anderen ihre Lebensweise mit Gewalt aufdrängen wollen, sind für mich keine Freiheitskämpfer. Ob es Monsieur Hollande da wirklich nur um so etwas wie Menschenrechte und die Sicherheit französischer Staatsbürger geht, oder ob Bodenschätze wirklich eine Rolle spielen? Keine Ahnung. Sie sind aber nicht einmarschiert, sie sind aufgefordert worden zu helfen. Kleiner Unterschied, immerhin.

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  4. Januar 18, 2013 11:41 pm

    Ist es nicht so, dass der „Westen“ die Gegenkräfte in fernen Ländern jeweils „unterstützt“ um hinterher festzustellen, dass man aufs falsche Pferd gesetzt hat? Politischer Fehler aber wirtschaftlicher Profit. Warum ist das wohl so?
    Und das Gerede vom Postkolonialismus ist Unfug wenn man sich ansieht, wie der „Westen“ mit dem Rest der Welt umgeht – das ist Kolonialismus in subtilerer Form.

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  5. Januar 20, 2013 5:47 pm

    Ich bin schon der Meinung, dass wir uns raus halten sollten. Wir haben nicht die Weisheit gepachtet und nicht das Recht, uns irgendwo einzumischen. Das birgt natürlich die Gefahr, dass andere ein anderes Staatssystem finden und entwickeln.
    Und was die „Islamisten“ betrifft, diese Art Fundamentalisten erhalten umso mehr Zulauf, jemehr wir uns einmischen.

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