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Eine Kirche voller Kinder

Dezember 26, 2012

Dieses Jahr waren manche Dinge anders. Andere Dinge blieben wie sie schon seit Jahrzehnten sind. Zum Beispiel das Familientreffen bei meinen Eltern.

Anders war, dass die Kinder zu Heilig Abend nicht bei mir, sondern das Kleine Kind und ich bei der Kleinfamilie waren.DSCN8608

Das bedeutete zumindest eine andere Kirche.
In Schleußig.
Dieser Stadtbezirk im Westen hat den Ruf, viele Kinder zu beherbergen. Viele intellektuelle Eltern mit ziemlich vielen Kindern. Die Internationale Schule ist da und es gibt Ökoläden und Kindersachenläden und Ökokindersachenläden. In der Straße, in der die Kleinfamilie lebt, gibt es nicht nur einen Späti, sondern auch einen esoterischen Wohlfühl-Massage-Reine-Seele-Laden.
Natürlich gibt es da auch noch Menschen, die schon länger dort wohnen. Als ich ganz klein war, lebte die Großfamilie auch im Viertel. Letztens, als ich kurz darüber nachdachte, weg zu ziehen und nach einer neuen Wohnung suchte, fand ich eine genau im Haus meiner Kleinkinderzeit. Genau in der selben Etage. Es war quasi die selbe Wohnung. Nur natürlich inzwischen zerstückelt in Singlewohnungen. Wäre ich dahin gezogen, hätte ich in unserer ehemaligen Stube gewohnt. Mit Bad und Küche.
Aber nicht alle Wohnungen wurden in Singlewohnungen umsaniert. Was ja die hohe Dichte an Familien mit Kindern beweist. Gefühlt kommen da drei Kleinkinder auf einen Erwachsenen. Und Kinder haben natürlich Vorfahrt und immer Recht. Und die Mütter.
Aber ich wollte ja von Weihnachten erzählen.
Wir waren also dort in der Kirche. In der Bethanienkirche. Zusammen mit der Kleinfamilie, den Eltern des Freundes des Großen Kindes und dessen Schwester samt Familie. Fairerweise sollte ich erwähnen, dass der Freund des Großen Kindes dort im Viertel groß geworden ist, die Familie schon immer dort lebte und zur Gemeinde gehört.
Die Bethanienkirche ist eine etwas neuere, so aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts.DSCN8594

Was das Kleine Kind spannend fand. Und merkwürdig. Nicht hässlich. Aber alte Kirchen, so wie unsere, findet sie hübscher. Was schön an der in Schleußig war, ist, dass sie sehr hell ist. Und dadurch freundlicher wirkt. Die Architektur dagegen ist natürlich sehr nüchtern.
Wir waren zur Christvesper. Seit Jahren zum ersten Mal wieder beim Krippenspiel. Es war der lustigste Gottesdienst, bei dem ich je war. Weil ich fühlte mich ein bisschen wie im Kindergarten. Überall Kinder! Alle unter 12, aber die meisten waren so zwischen frisch geboren und 5.
Natürlich war es laut. Natürlich schrie oder quakte immer irgendwo ein Kind. Aber irgendwie nicht so laut, dass es störte. Die Kirche muss ne Klasse Akustik haben. Denn trotz des Geplärres und Gequiekes hat man den Pfarrer sehr gut verstanden. Obwohl ich von der Predigt kaum was mit bekommen habe. Weil ich ständig abgelenkt war. Von einem Mädchen in der ersten Reihe, dass den Chor der Gemeinde dirigierte. Von dem kleinen Jungen in der Bankreihe vor uns, der sich zum Schlafen hinlegte. Von dem Steppke, der vor dem Altar tanzte.
Der Pfarrer war viel freundlicher als unserer. Und sehr sehr geduldig. Pflückte zum Beispiel in aller Ruhe ein Krabbelkind von der Treppe zum Altar und brachte es zu dessen Eltern.
Ein kleines Mädchen sang inbrünstig und falsch – natürlich immer dann, wenn alle anderen still waren.
Das Krippenspiel war sehr gut. Heiter und auch ein bisschen lustig. Irgendwie passend zur Atmosphäre. Nur das Ende habe ich irgendwie verpasst. Weil ich schon wieder abgelenkt war. Vielleicht von dem kleinen Mädchen, dass das Jesuskind aus der Krippe mitnehmen wollte?DSCN8596

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19 Kommentare leave one →
  1. Dezember 26, 2012 11:55 pm

    Manche moderne Kirchen haben einen ganz eigenen Reiz. Sind halt von Architekten und nicht mehr von „wissenden Baumeistern“ geplant und gestaltet
    Christvesper mag ich nicht, die zerreisst mir den Abend zu sehr. Ich wundere mich sowieso, warum die Kirchenfrauen und -männer in unserer globalisierten Wunderwelt die Zeitverschiebung nicht schon längst realisiert haben… Die Welt ist voller Wunder :-O

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    • Dezember 27, 2012 3:48 pm

      Als ich noch ein Organist war in deutschen Landen, hatten wir am 24. Seriendienst: um 15 Uhr, um 16:30 und um 18:00. Und dann noch mal um 23:00. Da sollte eigentlich für jeden was bei sein – war wohl auch, denn in der Kirche mit ihren rund 180 Sitzplätzen tummelten sich mindestens dreimal 300 Leute (und irgendwer meinte immer, neben mir auf der Orgelbank sitzen zu können… hab ich aber immer abgelehnt: ich hab spitze Ellenbogen!) – nachts dann etwas weniger, aber die waren dafür auch genau zu diesem Gottesdienst gekommen.

      Was meinst du mit „wissende Baumeister“?

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      • Dezember 27, 2012 6:08 pm

        Da frühe gotische Kathedralen soweit bekannt, nicht nach Plänen in unserem heutigen Sinn konstruiert worden sind, bediene ich mich des Begriffs „wissende Baumeister“. Denn irgendeine Form von Wissen müssen sie z.B. hinsichtlich statischer Gesetze gehabt haben. Du bist doch in Frankreich zugange: Schau mal nach Meister Erwin und dem Strassburger Münster. Da gibts auch eine fulminante Doku auf Arte.

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        • Dezember 27, 2012 8:00 pm

          Ich glaube, in der Gotik gab es durchaus Pläne – vom Kölner Dom beispielsweise hat man sie ja im 19. Jahrhundert wiedergefunden. Und irgendwie mußte man ja auch berechnen, welche Säule wo zu stehen hatte. Daß man nicht alle Kräfte so im Griff hatte, zeigt Beauvais, aber das hat man im 20. Jh. ja auch hingekriegt (ist nicht die Berliner „Auster“ eingestürzt, weil man sie falsch berechnet hatte?). Gerade ums Straßburger Münster ranken sich so einige Legenden, die Bauloge soll Zentrum einer großen Freimaurerei gewesen sein…

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    • Dezember 27, 2012 9:21 pm

      Ich glaube, ich weiß, was Herr Ärmel meint. Oder vermute mal. Früher, die Baumeister bauten zur Ehre Gottes. Heute gewinnen Architekten einen Wettbewerb

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      • Dezember 27, 2012 10:24 pm

        „Pläne“ schon aber nicht unbedingt nach unserem heutigen Verständnis. Die erste komplett nach einem Plan mit Berechnung gebaute stürzte bekanntlich umgehend wieder ein: St. Pauls Cathedral in London von Sir Christopher Wren

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  2. Dezember 27, 2012 1:41 am

    In dieser Kirche geht es ungefähr so zu, wie hier in einer Kirche irgendeines normalen Stadtteils: alle gehen hin, alle kennen sich, der Priester kennt alle und spricht schon mal ein Kind beim Namen an, wenn zu viel gequasselt wird. Und zum Ende des Gottesdienstes werden alle aufgefordert, aufeinander zuzugehen, sich die Hände zu schütteln und Friede zu wünschen. Das machen dann auch alle und dann geht man mit einem schönen Gefühl nach Hause.
    Wünsche Dir noch entspannte, fröhliche und friedliche Tage in diesem alten Jahr!
    Liebe Grüsse aus Mexiko.

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    • Dezember 27, 2012 9:24 pm

      Das ist schön. Dort wo das große Kind in die Christenlehre ging, da wohnten wir in einem anderen Viertel, da musste ich mit dem damals sehr Kleinen Kind immer draußen warten

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  3. Dezember 27, 2012 6:59 pm

    Merkwürdig, nicht hässlich. Find ich auch, der Turm zumindest hat was, mit dem langen Kreuz und den kleinen Balkonen oben. Kirchen betrete ich allerdings auch nur noch für Fotos, mit Gottesdiensten kann man mich jagen.

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    • Dezember 27, 2012 9:23 pm

      Naja, zu den hohen Feiertagen, Hochzeiten, Taufen… und manchmal auch so. Weil wir haben wirklich einen unschlagbar guten Pfarrer. Der erinnert mich immer an das Donnerwetter von der Kanzel wie bei den Heiden von Kummerow

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  4. Dezember 27, 2012 7:38 pm

    Schön, wenn Kinder in einer Kirche Kinder sein dürfen. Das verstehe ich unter wahrem Christentum… Was ist denn das für ein entzückendes Miezekätzchen auf dem ersten Foto? 😉

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    • Dezember 27, 2012 9:26 pm

      Das ist Milli the Cat, ihre königliche Hoheit. Lebte schon vor der Prinzessin in der Kleinfamilie und fühlt sich jetzt manchmal vernachlässigt

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  5. Dezember 28, 2012 1:25 am

    Ich wage es fast nicht zu schreiben, was mir zum Thema Schleußig einfiel. Ein andermal vielleicht. : D
    Liebe Grüße von der Gudrun

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  6. Brigitte permalink
    Dezember 28, 2012 10:17 am

    Wir haben hier für unsere Gemeinde eine sehr hübsche Fachwerkkapelle aus dem 16. Jahrhundert, jedenfalls bis unser Gemeinderat zur Verschönerung schritt: die alten Kirchenbänke (auf denen man so schön zusammenrücken konnte) wurden durch helle Holz-Metall-Stühle ersetzt, genauso wie die schummrige Beleuchtung durch „moderne“ Lampen. Wir wollen doch alle was sehen, oder? Ist wie Knüppel auf den Kopp!!!!
    Dieses Jahr gab es alt Krippenspiel die Geschichte vom alten Schuster Martin (Tolstoi!) voll tiefer Symbokraft und mit beleuchteter Platte für den Wasserkessel. Welche zunächst scheppernd vom Tisch viel, aber dafür die Kirche nicht in Brand steckte. Aber wir haben wieder viele Leute getroffen und das ist immer sehr schön!!!!!!
    LIebe Grüsse Brigitte

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    • Dezember 28, 2012 9:28 pm

      Ach Herrjeh. In so einer schönen alten Kirche mit neuem Gestühl war ich letztens auch. GRUSELIG! Und das Krippenspiel, das Du beschreibst… Getroffen haben wirdiesmal nicht so viele Leute. War ja ne fremde Gemeinde

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  7. Dezember 28, 2012 7:19 pm

    Der Turm auf Bild 2 erinnert ein wenig an Pisa.
    Also nicht die gleichnamige Studie, sondern den Turm. *g*
    Und warum bleibt der Schnee nicht liegen ?

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    • Dezember 28, 2012 9:29 pm

      Also hier,in Stralsund, da habe ich heute noch welchen gesehen. Aber in L.E. war um Weihnachten rum eher Frühling

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