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Geschlossene Veranstaltung

Dezember 3, 2012

Manchmal überschlagen sich die Dinge.

Da glaubt man wochenlang, in einer Kulturwüste zu leben und schielt neidisch nach Berlin und Hamburg, und dann muss man zwei Nächte hintereinander hinaus. Und das bei der Kälte!

………..

30 Jahre naTo.

Ein Rückblick.

Zum Untergang der Titanic war ich noch als Gast, wenig später warben mich Freunde ab aus der Villa (davon wird noch zu reden sein, vielleicht sogar bald, denn auch hier stehen Ereignisse an) in die naTo. Oder war ich zur Zeit der Währungsunion schon in beiden Häusern beschäftigt? Um ehrlich zu sein, weiß ich es nicht mehr genau. Damals überschlugen sich die Ereignisse und es passierten so viel Dinge in kurzer Zeit wie sonst in einigen Jahre.

Jedenfalls gehörte ich irgendwann ganz und gar zum naTo-team, ohne Villa.

Zelebrier den Unsinn

Zelebrier den Unsinn

Ich erlebte dort die Reaktionskonzerte, Ramba Zamba und anderes Theater, die Freunde der Italienischen Oper  und allerhand Ulk und Unfug.

Ich war dabei, als wir die damals noch existierende „Russenkaserne“ besichtigten und befanden, dass man auf einem Gelände mit soviel Altöl im Boden keine Kulturwerkstatt einrichten könnte ( inzwischen wurden die Gebäude zu einem Seniorenstift umsaniert…), feuerte die Jungs beim Fußballspiel gegen die Russischen Soldaten an, war beim ersten Seifenkistenrennen dabei, beim Nato-Cup, und

Rocky Horror Picture Show

Rocky Horror Picture Show

musste, als Die Rocky Horror Picture Show zelebriert wurde, kurzfristig als Beleuchter einspringen, und das, obwohl ich den Film und auch die Story bis dato gar nicht kannte! Ich erinnere mich an Videoabende mit Paul und Olaf in irgendeinem Hinterraum, einen (fast) nackten Musiker im Fenster, standhafte Gäste, die sich Stunden am letzten Bier festhielten und trotz Blasmusik und Kinderliedern bis zum Morgengrauen ausharrten (die Musik nervte letztendlich nur uns), an Nächte, da ich dem Abendverantwortlichen den Kassenschlüssel in die Jackentasche steckte, weil ich doch gern zu Hause sein wollte, bevor das damals noch kleine Große Kind wach würde, an eine Verfolgungsjagd, als mir ein Gast eine Flasche Wein vom Tresen klaute…

Als der Punk die naTo verließ, als man beschloss, sich mehr den studentischen Publikum zuzuwenden und  zugunsten von Theater- und Kinoveranstaltungen weniger Konzerte zu geben, verließ ich das Team wieder. Aus erwähnten Gründen, aber auch weil das Kleine Kind in mein Leben trat, was mich tendenziell eher wieder Richtung Villa trieb. Dazu kamen einige persönliche Unstimmigkeiten mit Personen eben. Wie das so ist. Nichts ist für ewig.

…………..

Und nun feierte die naTo ihren 30. Geburtstag. Und lud zur Feier ein. Fast hätte man uns vergessen, aber dann trudelten doch noch die Einladungen ein. Für einige leider zu spät, um noch umzudisponieren. Was ein bisschen Schade war. Denn ich hatte mich gefreut auf viele alte Bekannte, die ich eine Ewigkeit nicht gesehen hatte.  So hielt sich die Menge der bekannten Gesichter im Rahmen. Und ein paar bestimmte habe ich wirklich vermisst. Zwar waren viele „Alte“ da, aber entweder waren die zu alt oder eben noch nicht alt genug.

Wenigstens die Künstler, die live oder per Videobotschaft zum Jubiläum gratulierten, kannte ich bis auf TanzZenit (die sind einfach zu jung) alle.

Das Schlimmste aber: zwei Parties hintereinander, dafür bin ich zu alt. Zwar nahm ich einen der Sitzplätze in Anspruch, die Frank  (bzw. Falk, wie Feinkostblog ganz richtig anmerkt)  Elstermann die jüngeren bat, den älteren während des Programms abzutreten. Trotzdem, ich war eigentlich schon k.o., als ich, nachdem ich in aller Herrgottsfrühe aufgestanden war, um einen Backofen zu kaufen, zur Feier eintraf.

Doch ich hielt tapfer durch. Schließlich gabs nach dem Programm was zu essen. Und dann, dann hatten junge Menschen Tische und Stühle in den Saal geräumt. Da kann man dann ja doch ganz gut noch ein bisschen länger sitzen.

Aber irgendwann geht nichts mehr. Trotz Freibier und so. Da musste ich auch am Samstag die Party eher als manch anderer, aber viel später als viele andere (junge Menschen!), verlassen.

Den Sonntag aber, den brauchte ich zur vollständigen Regeneration. Man ist halt nicht mehr die Jüngste. Und ich frage mich nun, wie alt bin ich eigentlich, wenn Häuser, die es noch nicht gab*, als ich 20 war, jetzt schon 30-jähriges Jubiläum feiern?

* Dieser Satz ist nicht ganz wörtlich zu nehmen, denn „das Haus“ wurde schon nach dem Krieg als Versammlungsort der Nationalen Front gebaut. Was aber mein Großvater damit zu tun hat und wieso er sich freute, als ich Anfang der 90er ausgerechnet dort aufschlug, das ist eine andere Geschichte.

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10 Kommentare leave one →
  1. Dezember 3, 2012 10:06 am

    Da soll einer sagen, Party wäre keine Arbeit 🙂

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  2. Dezember 3, 2012 1:40 pm

    Es ist Falk, nicht Frank 😉

    Freue mich schon auf die weiteren Geschichten!

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  3. Dezember 3, 2012 2:29 pm

    Erzähl bitte die Geschichte von deinem Großvater, liebe Inch.

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    • Dezember 3, 2012 7:21 pm

      Dieser Bitte schließe ich mich sehr gerne an…
      Fein, dass du auch so etwas schräge Erinnerungen an eine ungewöhnliche „Location“ hast! 🙂 Die meine hieß „Kuckucksnest“, und ist vor ungefähr dreißig Jahren die verschrobenste und verrufendste Kneipe Berchtesgadens gewesen…

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  4. Stephie permalink
    Dezember 3, 2012 10:07 pm

    Für was steht naTo denn? Eine Abkürzung oder?
    Ist das ein Kulturzentrum? Als Nicht-Leipzigerin frage ich mal nach 🙂

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    • Dezember 4, 2012 10:24 am

      Hallo Stephie. Die Erklärung steht im Nachsatz unter *. Das Haus wurde als Versammlungsort der Nationalen Front gebaut. Diese wiederum war der Zusammenschluss der Blockparteien. Später kürzten die Leute den langen Namen einfach ab. und nun heißt das Ding eben naTo und ist ein Kulturzentrum

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  5. Dezember 4, 2012 1:10 am

    @Stephie: http://www.nato-leipzig.de, Nach einer Erklärung über den Namen hab ich aber auch suchen müssen.

    @Inch: hihi, endlich mal jemand dem es ähnlich geht wie mir. Solche Veranstaltungen schlauchen ganz schön inzwischen, aber es zieht einen doch immer wieder hin, ein paar Highlights im Jahr darf man einfach nicht verpassen.
    Kulturelle Wüste finde ich in Hamburg übrigens auch oft genug, ich glaub nicht dass wir Leipzig da so weit voraus sind. Wenn die Wüste dann mal heftig blüht muss man sich die Kultur auch leisten können, zeitlich wie finanziell.

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    • Dezember 4, 2012 10:28 am

      Nuja, wir gehen immer davon aus, dass ALLES in Berlin und Hamburg ist, und nur wer Lust hat, macht zwischen zwei Wochenenden einen Abstecher nach L.E. 😉 Aber ich weiß, dass das im Auge des Betrachters liegt. Andere, vor allem Leute von nicht von hier, finden Leipzig hipp und ich habe sogar couchsurf-Anfragen von Leuten, die genau aus diesen Gründen hierher kommen.

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