Skip to content

Ich sehe nie was

November 15, 2012

Die Erschöpfung kam am nächsten Tag genau 5 vor 12. Plötzlich fühlten sich meine Beine irgendwie recht schwer an. Die Hüftknochen waren deutlich zu spüren. Und ich ertappte mich dabei, dass ich in den Kasten namens Mac starrte und vergaß, was ich mir grad eine Minute lang angesehen habe.

Das Konzert war so gegen 23:00Uhr zu Ende und ich eine halbe Stunde später zu Hause. Ein ganz normaler Tag also, dachte ich, als ich 15min später im Bett lag. Eher kommste sonst auch nicht zum Schlafen. Keine Panik also wegen morgen.

Morgen, also am Tag nach dem Konzert, hatte ich zeitig in der Früh ein wichtiges Gespräch. Um die Fortführung eines Projektes ging es, die nächsten Schritte, Alternativen und, vor allem, um die Finanzierung.

Als ich dahinter kam, dass ich am Vorabend bei den Toten Hosen bin, habe ich mir noch zu meinem ganz hervorragende Zeitmanagement gratuliert. Ein mehr als wichtiges Gespräch und ich hopse keine 10 Stunden vorher gröhlend durch die Konzerthalle! Aber he, ich habe weder den Termin fürs Konzert noch den fürs Meeting festgelegt.

Das Konzert selber. Hm. Ich bin noch nie so “unvorbereitet“ zu den Toten Hosen gegangen. Ich kannte die neue CD nämlich so gar nicht. Ich bin nicht der mit Kopfhörern durch die Kante schießende Typ, höre lieber auf die Geräusche der Stadt, die Vogelstimmen zwischen den Autos, Gesprächsfetzen…

Und zu Hause steht der CD-Player grad im falschen Zimmer. Und, naja, ich hatte anderes im Kopf die letzten Tage und Wochen. So habe ich es irgendwie verpasst, mir vom Kleinen Kind die Musik zu besorgen. Aber es kann ja auch mal ganz nett sein, ganz, also gaaanz was Neues zu hören.

Dann gabs da noch das Problem mit den Freunden. Weil die wohl nicht flink genug waren, hatten sie keine Karten, mussten auf das Zusatzkonzert hoffen. Oder auf später (Ich sag nur Elbwiesen). So ganz allein bin ich ja noch nie bei den Hosen gewesen, die sowieso die einzigen sind, die mich noch in große Konzerthallen locken können. Üblicherweise bevorzuge ich schon seit Jahren Clubs, und da, ja, da wage ich mich auch ohne Begleitung hin.

Ich war natürlich nicht wirklich allein. Zu Campino und Co. gehe ich, seit sie auf den Trichter gekommen ist, grundsätzlich mit dem Kleinen Kind. Aber das, das verschwindet logischerweise ganz nach vorn in die pogende Menge. Und dahin gehe ich nicht mehr, seit ich im Conni Island mal zu Boden gegangen bin. Das war damals schon peinlich, obwohl ich, glaube ich, noch nicht mal 40 war. Stellen Sie sich das mal bitte jetzt vor. Ich mit über 50!

Also wurschtelte ich mich, nachdem das Kleine Kind ein Bier abgefasst und mit ein paar ihrer Freunde nach vorn Richtung Bühne verschwunden war, irgendwie so in die Mitte des Innenraums. Gesehen habe ich da natürlich nichts! Obwohl ich extra aufgepasst habe, dass kein 2-Meter-Mensch vor mir steht und keiner mit Fahne und keiner…

Übrigens Fahne, da schwenkte irgendwo rechts tatsächlich einer ne Deutschlandfahne. Müssen sich die Hosen Gedanken machen? Ich sah beim Rauchen auch zwei mit Deutschlandmütze.

Und als es endlich los ging, das Konzert, da hatte ich 6 (in Worten sechs) smartphones vor der Nase! SECHS!!! Drei gehörten zwei unglaublich aufgesteilten Tussis. Die haben zwar zum Glück dann doch nicht das ganze Konzert gefilmt, aber wenn, dann immer alle drei gleichzeitig. Nebeneinander! Ich habe so schon nichts gesehen, weil diese Bühnen immer zu niedrig sind. IMMER! Und dann bei jedem dritten Song drei smartphones vor meiner Nase!

Ich hätte mich gern weggetanzt. Aber die Menschen um mich herum standen da wie eine kompakte Masse. Jeder fest verankert im Boden! Da kann man sich nicht wegtanzen. Da erntet man bitterböse Blicke, wenn man den Nachbarn anrempelt. Und den Vordermann. Und den Hintermann. Beim Rumhopsen. Immerhin, die Frau schräg rechts vor mir hat sich zum Arschwackeln und Kniewippen animieren lassen, schaute mir aber öfters tief in die Augen, wenn ein alter Song kam und ich mitgesungen habe.  Und der Typ links hinter mir hat nach ca einer halben Stunde auch getanzt. Und dann drängelte sich ein Trupp nach rechts hinter mir durch und die Frau des Trupps, also rechts hinter mir, tanzte fröhlich mit. Zum Wegtanzen war das aber zu wenig. Weshalb ich beschloss, zur Halbzeit mal zur anderen Saalseite zu wechseln.

Habe ich verpasst, die Halbzeit. Plötzlich war Schluss. Ich, oh Scheiße, schnell nach hinten. Mal wenigsten noch bei der Zugabe noch ein bisschen Platz haben. Ich weiß jetzt nicht, wie viele Zugaben es gab, es waren mehr als erwartet und ich konnte noch ordentlich rumhopsen. Hinten. Auch so ziemlich allein aber mit ganz viel Platz.

Mit Freunden ist das eben doch schöner. So vereint kann man sich dahin und dorthin tanzen. Und außerdem ist immer jemand da, der Bier holt und die Becher wieder weg bringt. Dazu habe ich nämlich nie Zeit. Weil, ich will ja nichts verpassen. Auch wenn ich nichts sehe. Nie.

Advertisements
9 Kommentare leave one →
  1. November 15, 2012 9:14 pm

    Willkommen im Club der Dackelbeinigen. Geht mir auch immer so. Keine Chance auf einen Bühnenblick. Hatte mal ein ebenerdiges BAP-Konzert, da hätte man vorne auch auch ’nen CD-Player auf ’nen Stuhl legen können.
    Die Hosen spielen nächstes Jahr auf dem Tempelhofer Föughafen. Auch keine Location für mich.
    Da liegen mir so Orte wie die Wuhlheide oder die Waldbühne schon mehr.

    Gefällt mir

  2. November 15, 2012 10:15 pm

    hey Inch, kennst du das schon? gesehen habe ich dich aber leider nicht 😉
    http://www.dietotenhosen.de/neuigkeiten-news-der-krach-der-republik-tour-2012-leipzig.php

    Gefällt mir

  3. November 15, 2012 10:44 pm

    Bierholer sind ganz wichtig, beim Fußball wie auch auf Konzerten, damit man nichts verpasst, selbst wenn man nichts sieht. Und bei Stadionkonzerten und großen Hallen sieht man nie etwas, außer auf den Bildschirmen, daher sind die für mich inzwischen weitestgehend gestorben.

    Gefällt mir

    • November 16, 2012 9:29 pm

      Ja, ne? Du verstehst mich. Und was Stadien und Hallen betrifft… ich würde die Hosen ja auch lieber im Club, aber das ist mindestens schon 10 Jahre her, dass die hier in L.E. mal im C.I. Und zu meinem Geburtstag wollten die partout nicht spielen…

      Gefällt mir

Trackbacks

  1. Dresden – mal anders | Inch's Blog

Meinungen?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: